Große Expertenumfrage

Wohin steuert die Industrierobotik?

< zurück

Seite: 5/5

Anbieter zum Thema

Statemens von Katharina Jessa und Richard Tontsch

Fragen an die Experten

1. Was bremst den breiten Robotikeinsatz in der Industrie derzeit am stärksten?

2. Wo bringt KI in der Industrierobotik heute schon echten Mehrwert?

3. Wie werden humanoide Roboter künftig eingesetzt und wie verändern sie die Mensch‑Roboter‑Zusammenarbeit in der Fertigung? 

Katharina Jessa, Wandelbots

Katharina Jessa ist Chief Marketing Officer bei Wandelbots.(Bild:  Wandelbots)
Katharina Jessa ist Chief Marketing Officer bei Wandelbots.
(Bild: Wandelbots)

1. Nicht die Robotik ist das Problem, sondern unser bisheriges Verständnis davon. Viele Unternehmen verbinden Robotik mit hohen Integrationskosten, starren Prozessen und großem Engineering-Aufwand. Neue software- und KI-basierte Ansätze ermöglichen jedoch mehr Flexibilität und kontinuierliche Optimierung – welche wirtschaftliche Vorteile bringen und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen stärken.

2. Wo bestehende Automatisierung intelligenter und anpassungsfähiger wird. Durch den Einsatz von KI sehen wir bei Bestandsanlagen bereits Zykluszeitoptimierungen von bis zu 25 Prozent. Das Zusammenspiel von digitalen Zwillingen und KI beschleunigt neue Automationsprojekte massiv – von Machbarkeitsanalysen bis zur Inbetriebnahme. Kunden reduzieren den Engineering-Aufwand in frühen Projektphasen bereits um bis zu 85 Prozent. Der größte Hebel entsteht jedoch, wenn Unternehmen ihre Anlagen softwaredefiniert vernetzen - sodass Physical AI zum Leben kommt: Dann erkennt die KI Optimierungspotenziale kontinuierlich, gibt Handlungsempfehlungen oder setzt Verbesserungen autonom um. So entsteht ein lernendes Produktionssystem.

3. Sie werden vor allem dort eingesetzt, wo heutige Arbeitsumgebungen für Menschen gebaut wurden und gleichzeitig hohe Flexibilität gefragt ist – etwa bei wechselnden Tätigkeiten, komplexen Materialflüssen oder manuellen Prozessen, die sich schwer klassisch automatisieren lassen. Der eigentliche Durchbruch entsteht jedoch durch Physical AI: Systeme, die ihre Umgebung verstehen, Entscheidungen treffen und in Echtzeit handeln können. Dadurch entwickelt sich die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine von starrer Programmierung hin zu dynamischen, lernenden Systemen.

Der größte Hebel entsteht jedoch, wenn Unternehmen ihre Anlagen softwaredefiniert vernetzen - sodass Physical AI zum Leben kommt.

Katharina Jessa

Richard Tontsch, Yaskawa Europe 

Richard Tontsch ist Head of Marketing bei der Yaskawa Europe GmbH.
(Bild: Yaskawa Europe GmbH)

1. Der größte Hemmfaktor aktuell ist Unsicherheit, die Investitionen ausbremst. Wirtschaftliche Volatilität und fehlende Planungssicherheit führen dazu, dass selbst sinnvolle Automatisierungsprojekte aufgeschoben werden. Zusätzlich verschärfen immer komplexere Regularien diese Unsicherheit – anstatt verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Dabei ist Robotik gerade in unsicheren Zeiten ein wirkungsvolles Mittel, um Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

2. KI schafft heute vor allem in Visionsystemen und bei der Bildauswertung echten Nutzen, da sie Automatisierung deutlich flexibler und robuster macht. Auch die intelligente Integration von Sensorik sowie neue Formen der Mensch Maschine Interaktion, etwa über Sprachbefehle, ermöglichen adaptive Prozesse und senken die Hürden beim Einstieg in die Robotik. Der Mehrwert entsteht dabei nicht durch KI allein, sondern durch ihre gezielte Einbettung in konkrete industrielle Anwendungen.

3. Für die Fertigungsindustrie sind humanoide Roboter aktuell noch ein Experimentierfeld. Der größte Mehrwert liegt im Oberkörper mit zwei Armen, ähnlich dem Dual Arm Prinzip, das Yaskawa bereits vor fast 20 Jahren eingeführt hat – insbesondere für menschlich gestaltete Arbeitsumgebungen. Kurzfristig werden humanoide Roboter vor allem zur Datengenerierung eingesetzt, um digitale Weltmodelle für Physical AI aufzubauen. Erst wenn diese digitalen Abbilder der Realität ausreichend präzise sind, können humanoide Roboter schrittweise produktiv Mehrwert in der Fertigung schaffen.

Kurzfristig werden humanoide Roboter vor allem zur Datengenerierung eingesetzt, um digitale Weltmodelle für Physical AI aufzubauen.

Richard Tontsch

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung