Thomas Krainz im Interview Vom MES-Pionier zur Manufacturing Agent Platform

Von Industrie Informatik 2 min Lesedauer

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Thomas Krainz, Member of the Board & Strategic Product Management, Industrie Informatik, spricht über technologische Umbrüche, den wachsenden Stellenwert von MES und KI in der Industrie sowie die Vision einer weltweit vernetzten und intelligenten Fertigung.

Thomas Krainz: "Für einen mittelständischen Softwarehersteller ist es wesentlich, fokussiert an der Entwicklung seiner Produkte und Dienstleistungen zu arbeiten."(Bild:  Industrie Informatik GmbH)
Thomas Krainz: "Für einen mittelständischen Softwarehersteller ist es wesentlich, fokussiert an der Entwicklung seiner Produkte und Dienstleistungen zu arbeiten."
(Bild: Industrie Informatik GmbH)

Industrie Informatik blickt 2026 auf 35 Jahre zurück. Welche Entscheidungen waren für die langfristige Entwicklung entscheidend?

Thomas Krainz: Finanzielle und strategische Unabhängigkeit. Kontinuität bei Kunden, Mitarbeitern und Lieferanten. Standardisierung und Releasefähigkeit der Software verbunden mit am Markt anerkannter Lösungs- und Einführungskompetenz.

Was braucht ein Technologieunternehmen, um über Jahrzehnte relevant zu bleiben? 

Thomas Krainz: Für einen mittelständischen Softwarehersteller ist es wesentlich, fokussiert an der Entwicklung seiner Produkte und Dienstleistungen zu arbeiten. Es ist wichtig nicht jeden Markt- Trend sofort zu folgen und vor allem auch das Ohr beim Kunden zu haben. Technologisch sollte auf den Einsatz von Industriestandards von namhaften Basistechnologieherstellern geachtet werden.

Welchen Stellenwert hat Produktionssoftware heute in der Unternehmensstrategie?

Thomas Krainz: In den frühen MES-Jahren sahen die meisten Unternehmen ein MES als möglichen Wettbewerbsvorteil oder als ein System zur Produktivitätssteigerung. Entscheidungen fanden meist in einem kleineren Kreis um die Produktionsleitung und Arbeitsvorbereitung statt. Durch die fortschreitende Digitalisierung und Initiativen wie I40 rückten MES und OT auch im C-Level der Unternehmen in eine gesamtheitlich strategische Betrachtung. KI und Robotic geben diesem Thema noch eine weitere Bedeutung und haben für viele Unternehmen mittlerweile einen existentiellen Stellenwert.

Welche Fähigkeit hält ein Softwareunternehmen über Jahrzehnte innovationsfähig?

Thomas Krainz: Industrie Informatik hat von zeichenbasierten Unix-Anwendungen über Client Server Anwendungen bis zur Cloud Architektur alle Technologiesprünge der letzten 40 Jahre durchlaufen. Die Herausforderung bei der Entwicklung eines Standardprodukts ist, dass man zum richtigen Zeitpunkt notwendige Technologiesprünge mit Erhaltung der wertvollen Businesslogik und Benutzerakzeptanz für neu UIs schafft. Die evolutionäre Weiterentwicklung der Software zählt zu einer der größten Herausforderungen für einen Standardsoftware-Hersteller.

Wo schafft KI in der Produktion heute Mehrwert – und wo wird ihr Potenzial überschätzt?

Thomas Krainz: Der Mehrwert entsteht durch gelöste Pain Points und verbesserter Effizienz und somit Kosteneinsparungen. Man sollte vor jedem KI- Projekt eine Kosten/Nutzen Betrachtung durchführen. Nicht jeder Maschine braucht eine Predictive Maintanance! Prinzipiell gibt keine schlechten KI-Usecases, sehr wohl aber schlechte Umsetzungen welche oft wegen unzureichender Datenqualität, mangelnder konsequenter Verfolgung der Ziele und auch wegen falsch eingesetzter Kosten/Nutzenrelation zu Enttäuschung bei den Auftraggebern führen.

Welche technologischen Prioritäten würden Sie 2026 bei einer Neugründung setzen? 

Thomas Krainz: Eine nicht einfache Frage, weil derzeit sehr viel in Bewegung ist. Ich würde alte Design Pattern und Denkmuster beiseitelegen und basierend auf agentischen Architekturen mit Betrachtung von ausgewählten Usecases mit klar definiertem Mehrwert beginnen. Es sollte aber auch genau geprüft werden welche Funktionen und Abläufe deterministischen Charakter erfordern. Auf KI-fähige Datenarchitekturen und -Technologien muss ein größeres Augenmerk gelegt werden, als es bei den bisher üblichen relationalen Datenmodellen monolithischer Systeme üblich war.

Wo sehen Sie Industrie Informatik in den nächsten zehn Jahren?

Thomas Krainz: Industrie Informatik wird mit einer skalierbaren Manufacturing Agent Plattform Produktionsunternehmen weltweit befähigen, ihre Fertigungsprozesse ganzheitlich zu digitalisieren, zu optimieren und zu vernetzen. Wir werden international diversifiziert mit einer starken Partnerstruktur und einer robusten und krisenfesten Erlösstruktur im internationalen Wettbewerb nachhaltig erfolgreich und profitabel agieren.

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