Große Expertenumfrage

Wohin steuert die Industrierobotik?

< zurück

Seite: 3/5

Anbieter zum Thema

Statements von Johann Zrenner, Christian Fiebig und Michael Finke

Fragen an die Experten

1. Was bremst den breiten Robotikeinsatz in der Industrie derzeit am stärksten?

2. Wo bringt KI in der Industrierobotik heute schon echten Mehrwert?

3. Wie werden humanoide Roboter künftig eingesetzt und wie verändern sie die Mensch‑Roboter‑Zusammenarbeit in der Fertigung? 

Johann Zrenner, IGZ

Johann Zrenner ist Geschäftsführer bei der IGZ.(Bild:  IGZ)
Johann Zrenner ist Geschäftsführer bei der IGZ.
(Bild: IGZ)

1. Der flächendeckende Einsatz von Robotern scheitert derzeit weniger an der Vision als an der wirtschaftlichen und technischen Realität. Hohe Investitionskosten und noch mangelhafte zuverlässige und präzise Bewegungen insbesondere von humanoiden Robotern im freien Raum verzögern derzeit noch die Ausbreitung. Daran gilt es weiterzuarbeiten. Hinzu kommen aufwendige Sicherheitsanforderungen und Zertifizierungen. In vielen Fällen sind hybride Robotik Lösungen heute noch effizienter und wirtschaftlich überlegen.

2. Künstliche Intelligenz liefert heute vor allem dort Mehrwert, wo klassische Programmierung an Grenzen stößt. KI verbessert Wahrnehmung, Objekterkennung und Entscheidungsfähigkeit von Robotern und ermöglicht den Umgang mit unstrukturierten Umgebungen. Besonders bei variantenreichen, manuellen oder hybriden Prozessen sorgt KI für mehr Flexibilität und erlaubt Robotersystemen, auf Abweichungen, wechselnde Aufgaben und Lastspitzen situationsgerecht zu reagieren.

3. Durch ihre menschenähnliche Bauform lassen sie sich in bestehende Arbeitsumgebungen leicht integrieren. Sie übernehmen derzeit einfache, monotone oder körperlich belastende Tätigkeiten und entlasten den Menschen gezielt.

KI verbessert Wahrnehmung, Objekterkennung und Entscheidungsfähigkeit von Robotern und ermöglicht den Umgang mit unstrukturierten Umgebungen.

Johann Zrenner

Christian Fiebig, MHP

Christian Fiebig ist Partner Digital Factory & Supply Chain (DFS) bei MHP. (Bild:  MHP)
Christian Fiebig ist Partner Digital Factory & Supply Chain (DFS) bei MHP.
(Bild: MHP)

1. Der breite Robotikeinsatz wird derzeit vor allem durch fragmentierte IT- und OT-Landschaften, fehlende übergreifende Konzepte, aufwändige Amortisationsbetrachtungen und langsame Modernisierungszyklen gebremst. Das zeigt auch das Industrie 4.0 Barometer 2026 von MHP: Während China konsequent in software- und datengetriebene Produktion investiert, fehlt es der DACH-Region häufig noch an skalierbaren digitalen Strukturen und Investitionsdynamik.

2. KI bringt heute vor allem dort echten Mehrwert, wo Robotik flexibel und autonom reagieren muss – etwa in der Logistik, der Qualitätskontrolle oder bei autonomen Produktionsprozessen. Unternehmen profitieren dadurch von höherer Effizienz, weniger Ausfällen und schnelleren Entscheidungen in der Fertigung.

3. Unserer Auffassung nach kommen humanoide Roboter dort im Einsatz, wo sie repetitive, gefährliche oder körperlich belastende Aufgaben übernehmen können, beispielsweise das Bestücken von Kommissionierwagen. Dadurch verändert sich die Zusammenarbeit in der Fertigung grundlegend: Mensch und Roboter arbeiten nicht mehr getrennt, sondern direkt Hand in Hand. Während Roboter standardisierte Tätigkeiten ausführen, übernehmen Mitarbeitende stärker steuernde, überwachende und wertschöpfende Aufgaben. Das erhöht nicht nur Effizienz und Flexibilität in der Produktion, sondern verbessert auch Ergonomie und Arbeitssicherheit

Unserer Auffassung nach kommen humanoide Roboter dort im Einsatz, wo sie repetitive, gefährliche oder körperlich belastende Aufgaben übernehmen können.

Christian Fiebig

Michael Finke, Mitsubishi Electric Europe

Michael Finke ist Product Manager Robots bei der Mitsubishi Electric Europe B.V. Industrial Automation. (Bild:  Mitsubishi Electric Europe B.V. Industrial Automation)
Michael Finke ist Product Manager Robots bei der Mitsubishi Electric Europe B.V. Industrial Automation.
(Bild: Mitsubishi Electric Europe B.V. Industrial Automation)

1. Die größten Hemmnisse liegen weniger in der Robotiktechnik selbst, sondern im Umfeld. Dazu zählen fehlende Engineeringressourcen, hohe Anfangsinvestitionen sowie Unsicherheiten bei Bedienung, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit. Viele Unternehmen scheuen zudem den Aufwand für Programmierung und Anpassungen bei Produktwechseln. Standardisierung, modulare Applikationen und ein starker lokaler Service sind daher entscheidend, um Einstiegshürden nachhaltig zu senken. Der größte Bremsfaktor für Robotik in Deutschland ist derzeit die wirtschaftliche Lage und die damit verbundene Investitionsbereitschaft.

2. KI liefert heute vor allem dort Mehrwert, wo sie konkret Prozesse vereinfacht oder stabiler macht: in der Bildverarbeitung zur robusten Objekterkennung, bei der Bahn- und Greifpunktoptimierung, in der Fehlererkennung sowie in der vorausschauenden Instandhaltung. Viele dieser bislang kostenpflichtigen KI-Funktionalitäten haben wir seit diesem Jahr kostenfrei integriert. KI unterstützt zudem Anwender etwa bei der Reduktion von Programmieraufwand. Entscheidend ist dabei die nahtlose Integration in bestehende Automatisierungsplattformen.

3. Humanoide Roboter sehen wir mittelfristig nicht als Ersatz klassischer Industrieroboter, sondern als Ergänzung für spezielle Aufgaben. Ihr Einsatzpotenzial liegt vor allem in flexiblen, ergonomisch anspruchsvollen oder logistisch geprägten Tätigkeiten in Arbeitsumgebungen. Für die industrielle Serienfertigung bleiben schnelle und hochpräzise Roboterlösungen klar im Vorteil. Wichtig ist, dass Sicherheit, Zuverlässigkeit und wirtschaftlicher Nutzen im Fokus bleiben, unabhängig von der Bauform.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung
Der größte Bremsfaktor für Robotik in Deutschland ist derzeit die wirtschaftliche Lage und die damit verbundene Investitionsbereitschaft.

Michael Finke