Große Expertenumfrage

Wohin steuert die Industrierobotik?

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Statements von Andreas Bauer und Benedikt Pulver

Fragen an die Experten

1. Was bremst den breiten Robotikeinsatz in der Industrie derzeit am stärksten?

2. Wo bringt KI in der Industrierobotik heute schon echten Mehrwert?

3. Wie werden humanoide Roboter künftig eingesetzt und wie verändern sie die Mensch‑Roboter‑Zusammenarbeit in der Fertigung? 

Andreas Bauer, Toolcraft

Andreas Bauer ist Bereichsleiter Robotik bei der Toolcraft AG.
(Bild: Toolcraft AG)

1. Der breite Einsatz von Robotik in der Industrie wird weiterhin vor allem durch die aufwendige Implementierung und die daraus resultierenden hohen Programmierkosten gebremst. Industrieroboter bieten zwar äußerst vielseitige Einsatzmöglichkeiten, damit werden aber auch die Zusammenhänge und Prozesseinflüsse komplexer. Alles muss optimal aufeinander abgestimmt sein, damit ein Roboter Prozesse effizient unterstützen oder vollständig übernehmen kann. Dies erfordert je nach Komplexität der Anwendung eine einfachere oder hoch verzweigte, aufwendige Roboterprogrammierung.

2. KI bietet bereits heute einen deutlichen Mehrwert bei der Unterstützung komplexer Roboterprogrammierungen. Zudem lassen sich große Mengen an Prozess- und Sensordaten schnell und einfach analysieren sowie weiterverarbeiten. Dennoch ist der Einsatz stark vom jeweiligen Prozessumfeld abhängig und bedarf oftmals einer manuellen Überprüfung.

3. Humanoide Roboter können künftig ein breites Einsatzspektrum bieten. Ihre besonderen Merkmale sind Mobilität und menschenähnliche Agilität, wodurch sie sich sowohl für den direkten Einsatz mit Menschen als auch für Arbeitsbereiche mit maximaler Flexibilität eignen. Entscheidend für den effektiven und durchbrechenden Einsatz von humanoiden Robotern wird sein, wie einfach die Roboter für die Endanwendung bedient und programmiert werden können und wie sicher die direkte Zusammenarbeit mit Menschen gestaltet werden kann.

Der breite Einsatz von Robotik in der Industrie wird weiterhin vor allem durch die aufwendige Implementierung und die daraus resultierenden hohen Programmierkosten gebremst.

Andreas Bauer

Benedikt Pulver, TÜV Süd

Benedikt Pulver ist Head of the Machine Safety Department beim TÜV Süd.
(Bild: TÜV Süd)

1. Derzeit ist weniger die Technologie der größte Hemmschuh, sondern die regulatorische Komplexität. Unternehmen müssen neue Anforderungen aus der Maschinenverordnung, dem AI Act und dem Cyber Resilience Act parallel berücksichtigen – oft noch ohne vollständig harmonisierte Normen. Das erschwert die Planung, Risikobewertung und Nachweisführung erheblich. Entsprechend steigt der Bedarf an unabhängiger Prüfung und klarer Orientierung, um Innovation, funktionale Sicherheit, Cybersecurity und KI-Compliance effizient zusammenzubringen.

2. KI schafft vor allem dort Mehrwert, wo Prozesse in Echtzeit angepasst und optimiert werden müssen. In Logistik- oder Produktionsumgebungen können intelligente Systeme beispielsweise Materialflüsse dynamisch steuern, auf Ausfälle reagieren und Abläufe kontinuierlich optimieren. Dadurch steigen Effizienz, Verfügbarkeit und Flexibilität deutlich – insbesondere in komplexen, hochautomatisierten Umgebungen. Gleichzeitig wird es immer wichtiger, die Nachvollziehbarkeit, Sicherheit und Verlässlichkeit KI-basierter Entscheidungen systematisch zu bewerten.

3. Humanoide Roboter werden künftig vor allem Tätigkeiten in gefährlichen, ergonomisch belastenden oder schwer zugänglichen Arbeitsumgebungen übernehmen. Dadurch verändert sich die Mensch-Roboter-Interaktion grundlegend: Es werden neue Schnittstellen, Sicherheitskonzepte und klare Rollenverteilungen entscheidend sein. Aus Sicht von TÜV Süd ist dabei zentral, dass humanoide Systeme die grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen der Maschinenverordnung erfüllen und sicher in bestehende Produktionsumgebungen integriert werden können.

Humanoide Roboter werden künftig vor allem Tätigkeiten in gefährlichen, ergonomisch belastenden oder schwer zugänglichen Arbeitsumgebungen übernehmen.

Benedikt Pulver

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