Seit 50 Jahren steht das Fraunhofer IPK als einziges produktionstechnisches Fraunhofer-Institut der Hauptstadtregion. Der runde Geburtstag wurde jetzt gebührend gefeiert.
Gratulierten zum 50-jährigen Institutsjubiläum des Fraunhofer IPK (v.l.n.r.): Sven Weickert, stv. Hauptgeschäftsführer, Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg e.V., Prof. Dr. Christoph Herrmann, Vorsitzender des Fraunhofer-Verbunds Produktion, Kai Wegner, Regierender Bürgermeister von Berlin, Prof. Dr. Holger Kohl, komm. Institutsleiter des Fraunhofer IPK, Prof. Dr. Fatma Deniz, Präsidentin der Technischen Universität Berlin und Prof. Dr. Holger Hanselka, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft.
(Bild: Fraunhofer IPK / Larissa Klassen)
Am 1. September 1976 wurde mit dem Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK das erste Berliner Institut der Fraunhofer-Gesellschaft gegründet. Auf den Tag genau 50 Jahre später feierte das Institut seinen runden Geburtstag in einem Festakt mit 200 Gästen aus Forschung, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Unter den Gratulierenden waren der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, die Präsidentin der Technischen Universität Berlin, Prof. Dr. Fatma Deniz, und der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, Prof. Dr. Holger Hanselka.
Vom Zeichenbrett zur Künstlichen Intelligenz
Das Fraunhofer IPK ist bis heute das einzige produktionstechnische Fraunhofer-Institut in der Hauptstadtregion. In dem halben Jahrhundert seines Bestehens hat das Institut viele technologische Trends erlebt und selbst mitgeprägt: von den frühen Tagen der automatisierten Zeichnungserstellung über Fortschritte in der Fertigungsautomatisierung bis hin zu Industrie 4.0 und Künstlicher Intelligenz. Bekannt ist es unter anderem für sein Konzept einer »digital integrierten Produktion«, das industrielle Herstellungsprozesse mit digitalen, vernetzten Lösungen effizient, leistungsfähig und zugleich mit Fokus auf den Menschen im Zentrum gestaltet.
Forschung mit Blick auf die industrielle Praxis
»Heute ist das Institut eine bedeutsame Institution der Wissenschafts- und Forschungsmetropole Berlin und trägt viel zur Anziehungskraft unseres Standorts bei«, würdigte Kai Wegner, Regierender Bürgermeister von Berlin, das Institut in seiner Rede beim Jubiläumsfestakt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschten gezielt mit Blick auf den Bedarf der Wirtschaft und schafften es, ihre Lösungen gemeinsam mit Unternehmen in der Produktion umzusetzen, so Wegner. »Dieser Ansatz wird für die Zukunft unserer Wirtschaft entscheidend sein.«
Technologien für eine nachhaltige Produktion
Prof. Dr. Holger Kohl, kommissarischer Institutsleiter des Fraunhofer IPK, hatte zuvor in seiner Rede die 50-jährige Institutsgeschichte als Geschichte von Menschen nachgezeichnet, die mit Neugier, Mut und Leidenschaft Forschung stets in die industrielle Praxis überführt haben. Das Institut war 1976 mit nur drei Mitarbeitenden gestartet. Heute arbeiten hier rund 350 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, studentische und technische Mitarbeitende sowie Verwaltungskräfte aus 31 Nationen. Kohl hob auch die prägenden Institutsleiter Prof. Günter Spur und Prof. Eckart Uhlmann hervor, die das Institut zu einem international sichtbaren Innovationspartner der Industrie entwickelten. Mit Blick nach vorn betonte er: »Das Leitbild einer digital integrierten, ressourcenschonenden und menschengerechten Produktion prägt das Institut seit seiner Gründung und wird es auch in Zukunft prägen.« Er sei überzeugt, dass die Zukunft des Produktionsstandorts Deutschland auf dem Zusammenspiel von Spitzenforschung, industrieller Leistungsfähigkeit und nachhaltiger Transformation beruhe. »Wir werden Technologien entwickeln, die Produktivität und Nachhaltigkeit nicht als Widerspruch, sondern als gemeinsame Zielsetzung verstehen.« Das Institut werde weiterhin eng mit und für Unternehmen aller Größen zusammenarbeiten, vom internationalen Konzern bis zum mittelständischen Familienunternehmen.
Enge Verbindung mit der TU Berlin
Die enge Verbindung des Fraunhofer IPK mit der TU Berlin unterstrich Prof. Dr. Fatma Deniz, Präsidentin der Technischen Universität Berlin. »Exzellenz entsteht dort, wo unterschiedliche Expertise zusammenkommt und Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen«, so die TU-Präsidentin. Im Produktionstechnischen Zentrum (PTZ) in Berlin-Charlottenburg arbeitet das Fraunhofer IPK mit dem Institut für Werkzeugmaschinen und Fabrikbetrieb (IWF) der TU Berlin zusammen. Themen wie Kreislaufwirtschaft, nachhaltige Wertschöpfung und integrierte Produkt-Service-Systeme seien von beiden Instituten früh aufgegriffen und weiterentwickelt worden
Mit KI in die nächste industrielle Transformation
Im Namen der Industrie der Hauptstadtregion gratulierte Sven Weickert, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg e. V. (UVB), zum Jubiläum. Er lobte das Fraunhofer IPK als »zentralen Impulsgeber für industrielle Wertschöpfung in Berlin und Brandenburg, in Deutschland und weit darüber hinaus«. Das Institut »steht nicht nur für erfolgreiche Unternehmensprojekte, sondern ebenso für große industriepolitische Initiativen in unserer Region«, so Weickert. Die nächste, KI-getriebene Transformation der Industrie sei schon in vollem Gange. Mit dem Fraunhofer IPK an ihrer Seite würden die Industrieunternehmen in Berlin und Brandenburg auch diesen Wandel erfolgreich meistern.
Fraunhofer-Medaille für Prof. Dr. Dr. Eckart Uhlmann
Prof. Dr. Holger Hanselka, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, war ebenfalls zu den Feierlichkeiten angereist, um zu gratulieren – und um dem ehemaligen Institutsleiter Prof. Dr. Dr. Eckart Uhlmann für sein Lebenswerk die Fraunhofer-Medaille zu verleihen. In seiner Laudatio wandte er sich direkt an Uhlmann: »Durch Ihre Fähigkeit, wissenschaftliche Exzellenz mit praxisrelevanten Lösungen zu verbinden, haben Sie nicht nur die Bedeutung und internationale Sichtbarkeit des Fraunhofer IPK gestärkt, sondern auch die der Fraunhofer-Gesellschaft insgesamt.« Prof. Uhlmann hatte die Geschicke des Instituts von 1997 bis zum März dieses Jahres gelenkt. In seiner Amtszeit hat das Institut zahlreiche internationale Forschungskooperationen, unter anderem in Brasilien, aufgebaut.
Stand: 16.12.2025
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Podiumsgespräch mit Vertretern aus der Industrie
Im darauffolgenden Podiumsgespräch diskutierten Hanselka und Uhlmann gemeinsam mit Sven Weickert sowie Prof. Dr. Helmut Schramm, Leiter BMW Group Werk Berlin, und Gabi Grützner, Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin der micro resist technology GmbH, welche Rolle angewandte Forschung für die Industrie von morgen spielt. Mit Moderator Dr. Kai Uwe Bindseil, Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH, sprachen sie u. a. darüber, warum eine starke industrielle Basis für die technologische Souveränität Deutschlands unverzichtbar ist, wie der Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis gelingen kann und was wir heute tun müssen, damit Innovation, Wohlstand und industrielle Wertschöpfung auch künftig in Deutschland entstehen.
Zukunft des Maschinen- und Anlagenbaus
Für den fachlichen Ausblick sorgte anschließend Dr. Mark Krieg, Leiter Entwicklung Industriehydraulik bei der Bosch Rexroth AG, mit seinem Festvortrag zur Zukunft des Maschinen- und Anlagenbaus. Krieg ist selbst Alumnus des Fraunhofer IPK, wie viele der Gäste, die der Einladung zum Jubiläum gefolgt waren. Sie erhielten zum Abschluss im Rahmen einer Open Lab Tour Einblicke in aktuelle FuE-Themen und Projekte des Instituts.