Smart Factory Siemens neue Zukunftsfabrik in Amberg

Von Melanie Ehrhardt (verantwortlich) 3 min Lesedauer

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In seiner Smart Factory in Amberg will Siemens eine selbstlernende, autonome und hochflexible Produktion aufbauen. Damit möchte das Unternehmen den Betrieb nicht nur effizienter und nachhaltiger gestalten, sondern auch flexibler machen.

Visualisierung der Smart Factory Amberg aus der Vogelperspektive(Siemens)
Visualisierung der Smart Factory Amberg aus der Vogelperspektive
(Siemens)

Die Zukunft beginnt für Siemens in Amberg. Der Konzern plant den Fertigungs- und Entwicklungsstandort umfassend zu erneuern. Bis 2030 soll dort eine intelligente Fabrik für den Geschäftsbereich Smart Infrastructure entstehen. 

Damit möchte Siemens den steigenden Bedarf an elektronischen High-Tech-Produkten decken und künftig die Flexibilität in der Produktion erhöhen. Für den Neubau investiert der Konzern rund 200 Millionen Euro. Zudem sind weitere Investitionen in die Modernisierung und Dekarbonisierung des Standortes geplant.

Vom Ausweichquartier zum Vorzeigestandort

Die Geschichte des Standorts in Amberg beginnt eigentlich in der ehemaligen DDR. Das Werk ging 1948 als Ausweichquartier für das enteignete Schaltwerk Oppach (Sachsen) an den Start. Zunächst begann Siemens in Amberg mit der Fertigung von Schützen, Motorschutz- und Walzenschaltern, Kathodenfallableitern, NH-Sicherungen und Reihenklemmen in gemieteten Räumen der ehemaligen Königlich-Bayerischen Gewehrfabrik am Nabburger Tor. 

Ein Jahr später nahm der Standort mit den ersten drei Auszubildenden den Lehrbetrieb auf. Aus den rund 150 Beschäftigten in den Anfangszeiten wurden schnell mehrere Tausend. Zwischenzeitlich wurden hier vor allem Luftschütze gebaut.

Heute zählt der Standort in Amberg mit seinen beiden Siemens-Werken und rund 4.500 Mitarbeitenden ist ein wichtiger Fertigungs- und Entwicklungsstandort für Siemens. Dort werden derzeit Schalt-, Schutz- und Überwachungsgeräte für industrielle Anwendungen produziert und entwickelt – sowie Industriesteuerungen im Werk des Geschäftsbereich Digital Industries für Kunden in aller Welt. Das Gerätewerk (GWA) und das Elektronikwerk (EWA) bilden mit ihrem hohen Automatisierungs- und Digitalisierungsgrad die Blaupause für die digitale Fabrik.

Daten & Fakten

Blick in die Elektronikfertigung von Siemens
Amberg gilt als Paradebeispiel für fortschrittliche Produktautomatisierung und wurde bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
(Bild: Siemens)

Siemens Electronics Works Amberg: Produktion mit digitalen Zwillingen und KI

Das Siemens Electronics Works Amberg (EWA) gilt als Vorzeigeprojekt für die digitale Industrie. Das 1989 gegründete Werk produziert jährlich rund 17 Millionen Simatic-Komponenten. Das heißt, im Schnitt wird etwa jede Sekunde ein Produkt versendet. Rund 1.000 Produktvarianten werden in Amberg gefertigt und weltweit an etwa 60.000 Kunden geliefert.

Dabei entstehen enorme Datenmengen: Rund 50 Millionen Prozess- und Produktdaten werden ausgewertet, um die Fertigung kontinuierlich zu optimieren. Künstliche Intelligenz, Industrial Edge Computing und Cloud-Technologien helfen unter anderem dabei, Produktionsprozesse zu überwachen und mögliche Störungen frühzeitig zu erkennen.

Ein Beispiel ist die vorausschauende Wartung: Mithilfe von KI analysiert das Werk Maschinendaten und kann Anlagenbetreiber 12 bis 36 Stunden vor einem möglichen Ausfall warnen. Auch bei der Qualitätskontrolle kommt KI zum Einsatz – etwa, um anhand von Prozessdaten vorherzusagen, ob Lötstellen auf Leiterplatten fehlerfrei sind.

Eine weitere Schlüsseltechnologie ist der digitale Zwilling. Produktionsabläufe können damit zunächst virtuell simuliert und optimiert werden, bevor Änderungen an der realen Fertigung vorgenommen werden. So konnte beispielsweise Simatic-Controller-Komponenten innerhalb einer Zielzykluszeit von acht Sekunden produziert werden.

Quelle: www.siemens.de

Technologische Säulen der Zukunftsfabrik in Amberg

In der künftigen Smart Factory wird vor allem künstliche Intelligenz (KI) eine wichtige Rolle spielen: Dabei wird die KI ständig mit Echtzeitdaten gespeist, um Auftragsplanung, -realisierung sowie Materialtransport und Anlagensteuerung bestmöglich aufeinander abzustimmen – und laufend zu optimieren. 

Darüber hinaus wird die neue Fabrik über eine vollautomatisierte Logistik verfügen, mit fahrerlosen Transportsystemen und humanoider Robotik. Ein Reinraum für die Elektronikproduktion ist ebenfalls integraler Bestandteil.

Bereits bei der Planung des Neubaus verwendet Siemens seine Digitale Zwillings-Technologie. Damit lässt sich das komplette Werk – inklusive Produktion, Maschinen und Logistik – vorab und in verschiedenen Szenarien simulieren. Dabei soll auch der neue „Digital Twin Composer“ zum Einsatz kommen, der die verschiedenen digitalen Zwillinge zusammenführt. 

Mitarbeiter beim digitalen Wandel unterstützen 

Luftbildaufnahme des bestehenden Standorts, ergänzt um eine Visualisierung der Smart Factory. Auf dem heutigen Parkplatz soll die neue Fertigung entstehen.  (Bild:  Siemens)
Luftbildaufnahme des bestehenden Standorts, ergänzt um eine Visualisierung der Smart Factory. Auf dem heutigen Parkplatz soll die neue Fertigung entstehen.
(Bild: Siemens)

Wichtig ist dem Unternehmen, die insgesamt rund 2.400 Mitarbeitenden von Siemens Smart Infrastructure beim digitalen Wandel mitzunehmen und auch künftig Arbeitsplätze am Standort zu sichern. Dafür bildet Siemens seine Mitarbeitenden umfassend weiter und bereitet sie auf die veränderten Aufgaben in einer digitalisierten Fabrik vor.

„Diese Investition ist ein klares Bekenntnis zum Standort. Und ein zusätzlicher Wachstumsimpuls für Siemens in Deutschland, der noch über die im Rahmen der „Made for Germany“-Initiative gemachten Investitionszusagen hinausgeht“, sagt Roland Busch, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG. Durch den Einsatz industrieller KI, digitaler Zwillinge und modernster Automatisierung stärke der Konzern seine Wettbewerbsfähigkeit und schaffe zukunftsfähige Arbeitsplätze. 

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