Smarte Produktionslogistik bei Sick SAP EWM als Zentrale für AMR-Flotten

Ein Gastbeitrag von Vera Müllner und Stefanie Terler 4 min Lesedauer

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Die Sick-Gruppe setzt am ungarischen Standort Kunsziget auf SAP EWM und eine Knapp-Automation. 27 autonome mobile Roboter und ein Kleinteilelager sichern nun vollautomatisierte Prozesse.

Gesteuert durch SAP EWM sorgen das automatische Kleinteilelager und Open Shuttles für einen nahtlosen Materialfluss in Kunsziget.(Bild:  Knapp I Niederwieser)
Gesteuert durch SAP EWM sorgen das automatische Kleinteilelager und Open Shuttles für einen nahtlosen Materialfluss in Kunsziget.
(Bild: Knapp I Niederwieser)

Der Sick-Standort Kunsziget hat sich mit rund 800 Mitarbeitenden zu einem zentralen Werk im internationalen Produktionsverbund des Sensorherstellers entwickelt. Um weiteres Wachstum zu ermöglichen, wurde die Infrastruktur gezielt ausgebaut: Eine neue Wareneingangshalle, die Erweiterung von drei auf vier Produktionshallen sowie ein zusätzliches Gebäude für das automatische Kleinteilelager mit angebundener Kommissionierung schaffen die Grundlage für die effiziente Abwicklung steigender Auftragsvolumina. Im Fokus stand dabei nicht nur der infrastrukturelle Ausbau, sondern die durchgängige digitale Verbindung aller Bereiche. Ziel war es, Wareneingang, Lager, Kommissionierung und Produktionsversorgung zu einem integrierten Gesamtsystem zu verknüpfen und den Materialfluss über mehrere Hallen hinweg durchgängig zu digitalisieren.

Insgesamt ist die gesamte Architektur als skalierbare Lösung für weiteres Wachstum und künftige Erweiterungen konzipiert, sodass der Standort flexibel auf neue Marktanforderungen reagieren kann.

SAP EWM als zentrales Nervensystem

Mit SAP EWM inkl. MFS auf S/4HANA bildet Knapp die gesamte Intralogistik in einer einheitlichen Systemlandschaft ab. Die Software fungiert als Warehouse Management System (WMS) und dank der eingebetteter Materialflusssteuerung (MFS) auch als Warehouse Control System (WCS). Eine zusätzliche Middleware oder externe Lagersteuerungsrechner sind somit nicht erforderlich. Das reduziert Schnittstellen, erhöht die Prozessstabilität und schafft eine konsistente Datenbasis.

Alle Materialbewegungen – vom Wareneingang bis zur Produktionsversorgung – werden somit zentral gesteuert und priorisiert. Ebenso sind unterschiedliche Versorgungsstrategien flexibel abbildbar und ausführbar. Dazu gehören sowohl die Planung komplexer Routenzugkonzepte als auch individuelle Eilaufträge zur direkten Versorgung einzelner Produktionsplätze. Auch die Automatisierungstechnik, einschließlich der autonomen mobilen Roboter, ist vollständig in dieser durchgängigen end‑to‑end SAP‑Systemlandschaft integriert.

Automatisierte Lagertechnik und vernetzte Roboterflotte

Das Rückgrat der neuen Intralogistik bildet ein automatisches Kleinteilelager mit 52.000 Stellplätzen. Dort werden Roh- und Halbfertigfabrikate in drei unterschiedlichen Behältertypen zwei- und vierfachtief gelagert. Die SAP EWM-Lösung sorgt hier für die optimale Beauftragung und Steuerung der bis zu vierfachtiefen Lastaufnahmemittel. Für die Kommissionierung kommen zwei ergonomische Pick-it-Easy-Arbeitsplätze nach dem Ware-zur-Person-Prinzip zum Einsatz. Die Bedienoberflächen an den Arbeitsplätzen sind benutzerfreundlich und intuitiv gestaltet. Sie basieren auf SAP Fiori und unterstützen eine effiziente wie fehlerarme Abwicklung der Kommissionierungsprozesse. Auf diese Weise wird eine hohe Produktivität bei gleichzeitig ergonomischem Arbeiten sichergestellt.

Ergänzt wird das System durch eine Deckenfördertechnik, die den Wareneingang direkt mit dem Lager verbindet und einen geschlossenen Materialkreislauf sicherstellt. Den Transport zwischen Lager und Produktion übernehmen 27 Open Shuttles. Ebenfalls nahtlos in die SAP EWM-Landschaft integriert, verbinden die autonomen mobilen Roboter das Kleinteilelager direkt mit den Produktionshallen und ermöglichen eine flexible, bedarfsgerechte Versorgung der Arbeitsplätze.

Das Rückgrat der neuen Intralogistik bildet ein automatisches Kleinteilelager mit 52.000 Stellplätzen. Dort werden Roh- und Halbfertigfabrikate in drei unterschiedlichen Behältertypen zwei- und vierfachtief gelagert.

Sicher optimieren mit dem digitalen Zwilling

Das KiSoft Fleet Control System (FCS) der Open Shuttles ist über ein REST-Interface mit SAP EWM MFS verbunden und ermöglicht die zentrale Steuerung sämtlicher Transportaufträge. Aufträge, Prioritäten und Routen werden systemübergreifend koordiniert, sodass Materialien bedarfsgerecht und just-in-time an die jeweiligen Verbrauchsorte gelangen. Gleichzeitig bietet das System vollständige Transparenz über alle Fahrzeuge und Transportprozesse. Ein zusätzlicher Mehrwert ergibt sich durch den Einsatz eines digitalen Zwillings: Prozessanpassungen, neue Priorisierungen oder die Erweiterung der Flotte lassen sich vorab simulieren und bewerten, bevor sie im Live-Betrieb umgesetzt werden. Das reduziert Risiken und erleichtert die kontinuierliche Optimierung.

Das KiSoft Fleet Control System (FCS) der Open Shuttles ist über ein REST-Interface direkt in SAP EWM MFS integriert.(Bild:  Knapp I Niederwieser)
Das KiSoft Fleet Control System (FCS) der Open Shuttles ist über ein REST-Interface direkt in SAP EWM MFS integriert.
(Bild: Knapp I Niederwieser)

Skalierbarkeit als strategischer Erfolgsfaktor

Ein wesentliches Ziel des Projekts war die Zukunftssicherheit der Lösung. Sowohl die Automatisierungstechnik als auch die Softwarearchitektur sind skalierbar ausgelegt. Die SAP EWM-Lösung schafft somit für Sick eine stabile Basis für langfristiges Wachstum. Zukünftige Automatisierungserweiterungen, wie beispielsweise eine Aufstockung der Open-Shuttle-Flotte, können über SAP EWM MFS oder auch über eine eigene Knapp App in der SAP Business AI Platform, vormals SAP BTP, erfolgen. Die Lösung wächst somit flexibel mit den Anforderungen des Unternehmens ohne grundlegende Systemumbrüche. Gerade in Zeiten volatiler Märkte wird diese Flexibilität zum Wettbewerbsvorteil. Unternehmen können schneller auf Nachfrageschwankungen reagieren und ihre Produktionslogistik kontinuierlich weiterentwickeln.

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Benutzerfreundliche Bedienoberflächen in SAP Fiori wie jene an den ergonomischen Arbeitsplätzen führen sicher durch den Kommissionierprozess.(Bild:  Knapp I Niederwieser)
Benutzerfreundliche Bedienoberflächen in SAP Fiori wie jene an den ergonomischen Arbeitsplätzen führen sicher durch den Kommissionierprozess.
(Bild: Knapp I Niederwieser)

Effizienz und Transparenz auf einen Blick

->durchgängiger Materialfluss vom Wareneingang bis in die Produktion
 
->automatisierte Ein- und Auslagerungen, Kommissionierung und Produktionsversorgungzentrale Steuerung aller Logistikprozesse und Automatisierung über SAP EWM mit MFS auf S/4HANA
 
->keine zusätzliche Middleware notwendig
 
->hohe Transparenz über Materialbewegungen und Transportaufträge
 
->simulationsbasierte Optimierung durch digitalen Zwilling
 
->skalierbare Lösung für weiteres Wachstum und künftige Erweiterungen

Vera Müllner arbeitet im Sales Support & Marketing und Stefanie Terler im Marketing bei Knapp Industry Solutions.