Wechsel auf SAP EWM/MFS Werkslogistik erneuert im laufenden Betrieb

Von Holger Häring 4 min Lesedauer

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Der Chemiekonzern Lanxess hat das veraltete Lagerverwaltungs- und Materialflusssystem am Standort Krefeld-Uerdingen erfolgreich durch die cloudbasierte Lösung SAP EWM/MFS ersetzt. Dank der Unterstützung des Implementierungspartners IGZ verlief die Umstellung reibungslos. Und das bei laufendem 3-Schichtbetrieb.

Die mobilen Devices an den Staplern sind mit ergonomischen SAP EWM Benutzeroberflächen ausgestattet und ermöglichen den Mitarbeitenden maximale Transparenz.(Bild:  IGZ)
Die mobilen Devices an den Staplern sind mit ergonomischen SAP EWM Benutzeroberflächen ausgestattet und ermöglichen den Mitarbeitenden maximale Transparenz.
(Bild: IGZ)

Herzstück der Werkslogistik, über die täglich rund 1.000 Positionen im Warenein- und -ausgang abgewickelt werden, ist ein hochautomatisiertes Kanallager (ABL) mit rund 14.000 Palettenstellplätzen. Das Lager erstreckt sich über zwei miteinander verbundene Gebäude und ist über eine leistungsfähige Fördertechnik vollständig integriert. In 15 Ebenen übernehmen automatisierte Trolleys (Paletten-Shuttle) gemeinsam mit sechs Hebe- und Senkeinheiten die Ein- und Auslagerung bei bis zu 16-fach tiefer Kanal-Lagerung. Ergänzt wird die hochautomatisierte Produktionslogistikanlage durch mehrere manuell bediente Bodenblocklager mit über 10.000 Palettenstellplätzen inklusive einer Packmittel- und Rohstofflagerung.  

Ausgangssituation: Altsysteme am Limit  

Seit Ende der 1990er Jahre wurden zwei separate Warehouse-Management-Systeme (WMS) mit Materialflussrechner genutzt, die zunehmend an ihre technologischen Grenzen stießen. Der Support für die bislang eingesetzten proprietären WMS wurde eingestellt und Erweiterungen waren nicht mehr möglich – das Betriebsrisiko stieg spürbar. Gleichzeitig fehlte es an der notwendigen Flexibilität bei der Materialflusssteuerung.  Zudem fehlte eine übergreifende grafische Stellplatzverwaltung, die die Bodenblocklager, den Versandbereich und die automatischen Lagerbereiche nachvollziehbar abbildete.  

Projektziele und Auswahl des Implementierungspartners  

Automatisiertes Kanallager (ABL) mit rund 14.000 Palettenstellplätzen: Auf 15 Ebenen sorgen bis zu fünfzehn Trolleys sowie moderne Fördertechnik für effiziente Ein- und Auslagerung – auch bei 16-fach tiefer Lagerung über zwei verbundene Gebäude.(Bild:  IGZ)
Automatisiertes Kanallager (ABL) mit rund 14.000 Palettenstellplätzen: Auf 15 Ebenen sorgen bis zu fünfzehn Trolleys sowie moderne Fördertechnik für effiziente Ein- und Auslagerung – auch bei 16-fach tiefer Lagerung über zwei verbundene Gebäude.
(Bild: IGZ)

Nach einer umfassenden Ausschreibung durch das Fraunhofer IML fiel die Wahl auf SAP EWM/MFS. Um sich auf die optimale Gestaltung der Geschäftsprozesse zu konzentrieren, entschied sich Lanxess, das Hosting auszulagern und nutzt hierfür die SAP Private Cloud. Als Implementierungspartner wählte Lanxess die IGZ aus Falkenberg. Ausschlaggebend waren die tiefgreifende SAP-Expertise und überzeugende Referenzprojekte, in denen ähnliche Anforderungen bereits erfolgreich gemeistert wurden.  

Kernziel des Projekts war die vollständige Integration des neuen Lagerverwaltungssystems in die bestehende SAP-Landschaft – bei laufendem Betrieb. Das hatte zur Folge, dass vor der Einführung des neuen Systems nur kurze Testfenster an Wochenenden für finale Anlagentests bereitstanden, die effizient genutzt werden mussten. Dadurch sollte die Betriebsfähigkeit der Produktion während der Umstellung erhalten werden sowie die Optimierung der Materialflusssteuerung, eine durchgängige mobile Datenerfassung für die logistischen Prozesse und eine reibungslose Systemumstellung gewährleistet werden.  

Technische Tiefe, strategischer Weitblick 

Die Komplexität des Lagers und der Fördertechnik – insbesondere die Steuerung der automatischen Trolleys, Heber und Senker – erforderte die interdisziplinäre Zusammenarbeit sämtlicher Konzeptions-, Umsetzungs- und Testaktivitäten. Ein zentraler Erfolgsfaktor war dabei die IGZ-Anlagenemulation: Mithilfe dieses digitalen 3D-Zwillings konnten alle Lager- und Steuerungsfunktionen vollständig und realitätsnah vorab getestet werden – ohne Eingriff in den laufenden Betrieb. Mithilfe dieses Tools war es möglich, die Testfenster an den Wochenenden ideal zu nutzen und den laufenden Betrieb minimal einzuschränken.

Ein weiterer Fokus lag auf der Integration qualitätsrelevanter Prozesse im produktionsnahen Umfeld. Freigaben von Produktionschargen wurden direkt in SAP EWM eingebunden. Die Produktionsentsorgung stellte besonders hohe Anforderungen an die Systemperformance: Fertigwaren müssen im Mehrschichtbetrieb effizient in die Lagerbereiche überführt werden – ohne Verzögerungen und mit maximaler Prozesssicherheit. Technologisch anspruchsvoll war zudem die Verzahnung des dezentralen SAP EWM/MFS, welches für größere Standorte und Automatiklager eingesetzt wird, mit einem in SAP S/4HANA eingebetteten zentralen SAP EWM, welches für kleine, rein manuelle Standorte genutzt wird. Diese hybride Kombination sichert maximale Flexibilität und verringert Abhängigkeiten und Einführungsaufwände für manuelle Standorte.  Auch das bestehende Manufacturing Execution System wurde erfolgreich angebunden: Mitarbeiter werden bei der Kommissionierung mit mobilen Endgeräten auf SAP-UI5-Basis (Fiori) unterstützt.  

Der zentrale Anlagenleitstand profitiert zudem von dem erstmalig pilotierten integrierten IGZ Graphical Warehouse Layout. Diese Best Practices basieren vollständig auf SAP EWM und ermöglichen dem Anwender ein effizientes Monitoring der Anlage im laufenden Betrieb und maximale Transparenz über alle Anlagenzustände des Automatikgewerks. Weitere Vorteile sind die Visualisierung der Bereitstellzone, die Bereitstellung relevanter KPIs und gezielte Reaktionen im operativen Betrieb.  

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Reibungsloser Go-Live trotz laufender Produktion 

Die fertig konfektionierte Ware wird ergänzend zum Kanallager in großflächigen Bodenblocklagerbereichen gelagert und via Stapler kommissioniert.(Bild:  IGZ)
Die fertig konfektionierte Ware wird ergänzend zum Kanallager in großflächigen Bodenblocklagerbereichen gelagert und via Stapler kommissioniert.
(Bild: IGZ)

 Die Inbetriebnahme erfolgte als Big Bang. Johannes Goertz, Projektleiter bei Lanxess, berichtet: „Die Umstellung verlief störungsfrei und bestätigt, dass wir mit SAP EWM/MFS und IGZ die richtige Entscheidung für unsere Werkslogistik getroffen haben. Nach dreimonatiger Anlaufphase konnte mithilfe neu definierten KPIs unter anderem der Ordnungsindex der Einlagerung signifikant verbessert werden. Die Gesamtperformance wurde gesteigert und ist dauerhaft auf hohem Niveau.“  Durch Einführung von SAP EWM/MFS konnte Lanxess die Werkslogistik strategisch auf die Zukunft ausrichten. Die Prozesse sind heute vollständig digitalisiert, transparent und effizient steuerbar. Das neue System ist skalierbar und anpassbar an künftige Anforderungen – von Produktionssteigerungen bis hin zu neuen Schnittstellen.   Die Integration von SAP S/4HANA mit SAP EWM, MES und QS sorgt für eine konsistente Informationsbasis. Optimierte Materialflussstrategien steigern Durchsatz und Verfügbarkeit, während potenzielle Fehlerquellen reduziert werden. Die durchgängige Bestandstransparenz erhöht die Steuerungsqualität und Liefersicherheit. Ferner sorgen mobile Endgeräte und grafische Visualisierung für eine intuitive Bedienung – in automatisierten wie manuellen Lagerbereichen. Auch die nachgelagerte Optimierungsphase im laufenden Betrieb konnte u.a. mit Hilfe des 24/7/365 IGZ Service Team störungsfrei realisiert werden.  

Zukunftssichere Werkslogistik 

Der Wechsel auf SAP EWM/MFS markiert für Lanxess einen strategischen Meilenstein auf dem Weg zu einer zukunftssicheren Werkslogistik. Das Projekt steht exemplarisch dafür, wie selbst hochkomplexe Systeme im laufenden Betrieb erfolgreich umgestellt werden können – mit intelligenter Planung, moderner Technologie und einem Partner wie IGZ.  So bleibt das Werk Krefeld-Uerdingen nicht nur logistisches Rückgrat der Pigmentproduktion, sondern positioniert sich zugleich als Vorreiter in der Digitalisierung und Automatisierung innerhalb der Spezialchemie.

Holger Häring ist Verkaufsleiter bei der IGZ Ingenieurgesellschaft für logistische Informationssysteme mbH.