Die Fabrik 4.0 ist kein Produkt, das man kaufen kann, sondern ein Transformationsprozess. Für den erfolgreichen Weg dorthin kommt es auf kleine, aber wirkungsvolle Schritte an. Und genau das ist das Ziel des Industrienetzwerks „Im Sprint zur Fabrik 4.0“ des RKW Baden-Württemberg. Die teilnehmenden Unternehmen lernen auf den Mittelstand zugeschnittene Vorgehensweisen zur digitalen Transformation ihrer Produktion kennen. Bei Netzwerktreffen können die Teilnehmer unter anderem Industrie-4.0-Technologien im Future Work Lab testen und Best Practices bei Pionierunternehmen besichtigen.
(Quelle: Fraunhofer IAO | Foto: Ludmilla Parsyak)
Ein häufiger Denkfehler auf dem Weg zur Fabrik 4.0: Die digitale Transformation betrifft ausschließlich die technologische Perspektive. Aber weit gefehlt: Um die Transformation ganzheitlich angehen und erfolgreich umsetzen zu können, kommt es darauf an, alle Perspektiven in einem Zukunftsbild zusammenzuführen.
Strukturiertes Vorgehen für die Fabrik 4.0
Beim Vorgehen empfiehlt Sven Schuler aus dem Team „Produktionsmanagement“ am Fraunhofer IAO vier Schritte: Ein gemeinsames Verständnis für die Ausgangssituation schaffen, verschiedene Betrachtungspunkte diskutieren, diese in eine priorisierte Reihenfolge bringen und anschließend präzisieren. Im Netzwerk haben die Expertinnen und Experten dafür eine entsprechende Vorgehensweise für die Umsetzung vorgestellt. Dass sich der Blick über den Tellerrand hierbei lohnt, bestätigt Netzwerk-Teilnehmer Bernd Hausler, Hauptabteilungsleiter Produktion bei der ifm efector GmbH: „Der gemeinsame Arbeitskreis hat den Unternehmen ein strukturiertes Vorgehen und einen gezielten Know-how-Aufbau im Bereich digitaler Transformation ermöglicht. Die eingeführten Tools haben bei uns den Blick aufs Ganze nochmal deutlich geschärft.“
Digitalisierungsprojekte spielerisch angehen
Im Netzwerk wenden die beteiligten Industrieunternehmen methodische Vorgehensweisen an, beispielsweise den Digitalisierungsnavigator. Dieser wurde im Rahmen des Innovationsnetzwerks Produktionsarbeit 4.0 gemeinsam mit Partnerunternehmen unterschiedlicher Größen und Branchen entwickelt und schon vielfach verwendet. Mit spielerischen integrativen Elementen und einem erprobten Mix aus klassischen und am Design Thinking orientierten Bestandteilen erleichtert der Navigator den Einstieg in das Digitalisierungsvorhaben; von der Analyse über die Ideengenerierung und -auswahl (Ideation) bis hin zur Umsetzungsplanung. Der Spielbrettcharakter und die Inspirationskarten beziehen alle Beteiligten in den Prozess mit ein und helfen so beim Abbau bestehender Hemmungen.
Nicht am eigenen Bedarf vorbei digitalisieren
Wenn über Produktion 4.0 gesprochen wird, haben viele Unternehmen direkt ein vorgefertigtes Bild im Kopf: Von einer smarten und digital vernetzten Fabrik mit Drohnen, die Teile durch die Gegend fliegen. Das sieht zwar schick aus, doch löst das auch die Bedürfnisse des Unternehmens? Denn ohne Bedarf gibt es auch kein Nutzen. Dafür hat das Fraunhofer IAO ein Reifegradmodell entwickelt, das in ein umfassendes und schlankes Assessment-Konzept eingebettet ist und bereits in mehreren Industrieunternehmen umgesetzt wurde. Es umfasst die Bereiche Strategie, Prozesse und Wertstrom, Organisation, Methoden und Tools sowie Personal. Über die Erstellung von konkreten Anwendungsfällen aus dem Unternehmen werden Top-Anwendungsfälle in Form von User Stories detailliert erarbeitet, deren Nutzen geprüft und anschließend im Gesamtzusammenhang eingeordnet.
Digitalisierung und Lean Management in der Fabrik 4.0
Wer sein Unternehmen digitalisieren will, muss auch neue, schlankere Prozesse einführen, um wirklich profitieren zu können – doch die konkrete Umsetzung wirft einige komplexe Fragen auf: Welche Prozesse denkt man wann neu? Inwieweit müssen die eigenen Prozesse „Lean“ sein, bevor man sich an die Digitalisierung wagt? Wie kann man die Möglichkeiten der Digitalisierung vollumfänglich nutzen und gleichzeitig die Prozesse schlank halten? Für viele Unternehmen erscheint das wie ein Henne-Ei-Problem. Diese Fragen wurden auch im Industrienetzwerk diskutiert. Das Ergebnis: Es lohnt sich, einen Rundumblick auf die Prozesse zu werfen, um die eigenen Stärken und Schwächen zu identifizieren. Hierfür empfiehlt das Team des Fraunhofer IAO das „Industrie 4.0 Reifegradmodell“, welches mit einer intensiven Wertstrom- und Informationsfluss-Analyse startet.
(Auch Smartwatches kommen heute in Produktionsumgebungen zum Einsatz. Bild: Fraunhofer IAO | Foto: Ludmilla Parsyak)
Smarte Wearables und digitale Assistenzsysteme
Mit zunehmender Komplexität von Produkten und Arbeitsplätzen steigen auch die Anforderungen an die Mitarbeitenden. Wechselnde Fertigungsschritte, höhere Kundenanforderungen und Produktvarianten führen zu neuen Aufgaben und Arbeitsschritten. Eine Möglichkeit, Unternehmen und deren Mitarbeiter bei dieser zusätzlichen Belastung zu unterstützen, bieten digitale Assistenzsysteme. Sie entlasten aktiv in Arbeits- und Entscheidungsprozessen und helfen dabei, Aufgaben effektiver zu gestalten, stressfreier und sicher zu erlernen sowie Fehler zu vermeiden. Hier haben sich unter anderem Systeme wie die kameragesteuerte Montageassistenz bewährt, die Arbeitsschritte nacheinander auf einem Bildschirm oder als Projektion auf dem Arbeitstisch aufzeigen. „In der industriellen Anwendung werden meistens mehrere Technologien in einem System kombiniert, sodass sich die Vorteile der verschiedenen Systeme optimal ergänzen“, erklärt Nika Perevalova aus dem Produktionsmanagement-Team am Fraunhofer IAO.
Stand: 16.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die WIN-Verlag GmbH & Co. KG, Chiemgaustraße 148, 81549 München einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://kontakt.vogel.de/de/win abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Auch so genannte Wearables, die unter anderem Scanvorgänge in der Logistik effizienter gestalten oder Mitarbeitende auf zu viel körperliche Überlastung hinweisen, können in der produzierenden Industrie eine Unterstützung sein. Eine Smartwatch kann auch im Arbeitsumfeld als persönliches Datencenter dienen und Kommunikationslücken schließen. Mitarbeitende müssen somit nicht mehr in der ganzen Produktionshalle nach einem Telefon oder der richtigen Ansprechperson suchen, sondern arbeiten von jedem Arbeitsplatz aus ohne Zeitverlust mit allen relevanten Kolleginnen und Kollegen per Klick zusammen.
Implementierung von Technologien für die digitale Transformation
Weitere Technologien und Bausteine, die zur digitalen Transformation und so auf dem Weg zur Fabrik 4.0 beitragen und wie diese implementiert werden können, werden im Industrienetzwerk „Im Sprint zur Fabrik 4.0“ diskutiert. „Das Wichtigste und Wertvollste für uns ist der Erfahrungsaustausch mit den teilnehmenden Firmen, die sich auf unterschiedlichen Leveln bei der Umsetzung von Industrie-4.0-Themen befinden und mit denen man sehr gut über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Ansätze diskutieren kann“, berichtet Sandra Yap, Head of Assembly and Testing bei der Arnold & Richter Cine Technik GmbH & Co. Betriebs KG (ARRI).
Der Autor Johannes Wimmer ist tätig im Team Vernetzte Produktionssysteme bei Fraunhofer IAO.