Cyberangriffe bedrohen Produktion und Lieferketten. Cyberresilienz braucht Systemtransparenz, redundante Datenspeicherung, gleiche Priorität für OT/IT sowie klare Zuständigkeiten. Handeln ist also angesagt.
Der Weg zu besserer Cyberresilienz beginnt mit Transparenz: Nur wer vollständige Übersicht über Assets, Versionen und Datenflüsse hat, kann Risiken frühzeitig erkennen, Prioritäten setzen und im Ernstfall Systeme schnell wiederherstellen.
(Bild: AMDT)
Der Weg zu besserer Cyberresilienz beginnt mit Transparenz: Unternehmen brauchen ein vollständiges, aktuelles Bild aller Systeme und Abhängigkeiten. Genauso wichtig ist eine zentrale, redundante Datenspeicherung, die im Ernstfall eine schnelle Wiederherstellung ermöglicht. In einer geopolitisch angespannten Gesamtlage, die staatliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Bereiche gleichzeitig betrifft, darf Resilienz kein Schlagwort bleiben – sie muss strukturell verankert werden.
Wenn die OT ausfällt, steht die Wertschöpfung still
Wenn es um Cybersicherheit und Cyberresilienz geht, richtet sich der Blick meist zuerst auf die IT. Dort gibt es etablierte Prozesse, Budgets, Verantwortlichkeiten und ein hohes Bewusstsein für Risiken. Doch der Schutz industrieller Daten, insbesondere von: Produktionsrezepten, Maschinenkonfigurationen, Messdaten und Prozessparametern ist genauso geschäftskritisch wie die Absicherung klassischer IT-Systeme.
Und genau hier spielt die Operational Technology (OT) eine zentrale Rolle. OT-Systeme steuern Produktionsanlagen, Energieversorgung, Robotik und Fertigungsstraßen. Wenn sie ausfallen oder manipuliert werden, steht nicht nur die IT, sondern die gesamte Wertschöpfungskette still. Ausfälle in der OT können physische Schäden verursachen, Lieferketten unterbrechen und ganze Produktionsstandorte lahmlegen und damit einen massiven wirtschaftlichen Schaden anrichten. Wie verletzlich industrielle Produktionsketten heute sind, zeigte eindrucksvoll der Cyberangriff im September 2025 auf die japanische Brauerei Asahi, die zu den größten der Welt zählt. Die Folge: Asahi musste aufgrund eines kompletten Systemausfalls die Produktion in sechs japanischen Brauereien mehrere Tage stoppen. Nicht nur die Produktionsstätten waren betroffen, ebenso im Einzelhandel führte der Ransomware-Angriff zu Lieferengpässen. Der Vorfall macht deutlich, wie eng IT und OT inzwischen verknüpft sind und wie schnell ein Angriff auf digitale Systeme unmittelbare Konsequenzen für reale Produktionsprozesse haben kann.
Industrielle Daten sind nicht einfach nur „Informationen“ – sie sind die DNA moderner Produktionsprozesse. Wer Zugriff auf diese Daten erhält, kann Produktionsabläufe sabotieren oder sogar vollständig lahmlegen.
Trotz dieser Bedeutung ist OT-Sicherheit in vielen Unternehmen deutlich unterfinanziert. Während IT-Abteilungen oft auf moderne Sicherheitsarchitekturen zurückgreifen können, arbeiten OT-Bereiche vielerorts mit veralteten Systemen, knappen Ressourcen und fragmentierten Verantwortlichkeiten. Historisch gewachsene Anlagenlandschaften, fehlende Transparenz und jahrzehntealte Geräte, die ohne eingebaute Sicherheitsfunktionen entwickelt wurden, machen den Schutz zusätzlich komplex. Daher ist ein Abwarten keine Option mehr. Die aktuellen Herausforderungen verlangen entschlossenes Vorgehen.
Warum industrielle Daten so wertvoll – und so gefährdet – sind
Industrielle Daten sind nicht einfach nur „Informationen“ – sie sind die DNA moderner Produktionsprozesse. Wer Zugriff auf diese Daten erhält, kann Produktionsabläufe sabotieren oder sogar vollständig lahmlegen. Ebenso besteht die Gefahr, dass Angreifer unbemerkt die Qualität von Produkten manipulieren, geistiges Eigentum abgreifen oder ganze Lieferketten destabilisieren. Die Folgen reichen von unmittelbaren wirtschaftlichen Schäden bis hin zu langfristigen Reputationsverlusten, die Unternehmen nachhaltig schwächen können.
Angriffe der vergangenen Jahre haben deutlich gezeigt, wie gezielt OT-Systeme mittlerweile ins Visier genommen werden und wie gravierend die Auswirkungen sind, wenn Angreifern Manipulationen oder Störungen gelingen. Mit der fortschreitenden Digitalisierung von Fabriken, der zunehmenden Vernetzung über Sensorik, Cloud-Anbindungen und datengetriebene Wartungssysteme wächst die Angriffsfläche kontinuierlich weiter. Dadurch steigt die Notwendigkeit, industrielle Daten und die zugrunde liegenden Produktionsstrukturen konsequenter zu schützen als jemals zuvor.
Cyberangriffe sind eine der größten Bedrohungen für unsere Wirtschaft: Laut der Bitkom-Studie “Wirtschaftsschutz 2025” verursacht Cybercrime jährlich rund 289,2 Milliarden Euro Schaden in Deutschland.
Mit starker OT zur Cybernation Deutschland
Wenn Deutschland sein Ziel, eine der sichersten und resilientesten Digital-Nationen zu sein, ernst meint, dann reicht es nicht aus, ausschließlich die IT zu stärken. Die Zukunft der Cyberresilienz wird in den Fabrikhallen, an den Maschinen und in vernetzten Produktionsumgebungen entschieden. Dazu braucht es folgende drei Dinge:
1. Gleichwertige Priorität für OT und IT: Gleichwertige Priorität für OT und ITOT darf kein nachgelagerter Bereich sein. Cybersicherheit in der Produktion ist Geschäftsrisiko Nr. 1, kein „Nice to have“. 2. Investitionen in Transparenz und Struktursicherheit: Ohne einen vollständigen Überblick über Assets, Datenflüsse und Versionierungen gibt es keine belastbare Verteidigungsstrategie. 3. Neue Denkmuster und Verantwortlichkeiten: OT-Security muss als strategisches Thema verstanden werden und nicht nur als technische Disziplin. Dabei gilt es besonders, die Unterschiede zur IT gesondert zu adressieren.
OT‑Systeme steuern Produktionsanlagen, Robotik und Fertigungsstraßen – wie die hier gezeigten Industrieroboter – und verbinden digitale Steuerungslogik mit physischen Prozessen. Ihre Manipulation oder Ausfälle können Produktion, Produktqualität und Lieferketten sofort und massiv beeinträchtigen.
(Bild: AMDT)
OT ist Schlüssel zur Cyberresilienz im digitalisierten Zeitalter
Wenn wir den Schutz industrieller Daten und Systeme ernst nehmen, stärken wir nicht nur einzelne Unternehmen, sondern schützen Produktionsstandorte, Lieferketten und letztlich die gesamte wirtschaftliche Zukunft Deutschlands. OT ist nicht länger ein Nischenbereich der Industrie. Sie ist der Schlüssel zur Cyberresilienz im digitalisierten Zeitalter. Doch solange sie strukturell unterfinanziert bleibt, wird Deutschland sein enormes Risiko nicht reduzieren können. Es ist Zeit, den Wert industrieller Daten anzuerkennen und die OT auf Augenhöhe mit der IT zu heben. Wer jetzt investiert, handelt nicht nur verantwortungsvoll, er stellt sicher, dass Produktion, Innovation und Wachstum auch in Zukunft gegen die zunehmenden Cyberbedrohungen geschützt sind.
Stand: 16.12.2025
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David Petrikat ist Chief Strategy & Communications Officer bei AMDT.