Für flexible, effiziente Automatisierung suchte die Chiron Group eine roboter- und kameraunabhängige Bin-Picking-Lösung – und fand mit LHRobotics.Vision von Liebherr-Verzahntechnik die Lösung.
Das Technologiepaket LHRobotics.Vision ist eine intuitive Bin Picking-Lösung für das komplexe Zusammenspiel zwischen Software, Bilderkennungssystem, Roboter und Greiftechnik.
(Bild: Liebherr-Verzahntechnik)
Die Chiron Group mit Hauptsitz in Tuttlingen ist Spezialist für CNC-gesteuerte, vertikale Fräs- und Fräs-Dreh-Bearbeitungszentren sowie Turnkey- und Automationslösungen. Umfassende Services und digitale Lösungen ergänzen das Portfolio. Die Gruppe ist mit Produktions- und Entwicklungsstandorten sowie Vertriebs-, Service- und Handelsniederlassungen weltweit präsent. Mit 1.900 Mitarbeitenden an 20 Standorten, aktiv in 60 Ländern und über 29.000 ausgelieferten Maschinen zählt die Chiron Group zu den weltweit führenden Anbietern. Rund zwei Drittel der verkauften Maschinen und Lösungen werden exportiert. Die wichtigsten Anwenderbranchen sind die Automobilindustrie, der Maschinenbau, die Medizin- und Präzisionstechnik, die Luft- und Raumfahrt sowie die Werkzeugherstellung.
Bin Picking als Königsdisziplin der Automation
Für seine kundenspezifischen Automationsprojekte war das Unternehmen schon länger auf der Suche nach einer roboter- und kameraunabhängigen Bin Picking-Lösung, da man in diesem Bereich immer wieder an die Grenzen herstellergebundener Systeme gestoßen war. Das Bin Picking – die Entnahme ungeordnet bereitgestellter Teile aus Behältern und ihre korrekte, orientierte Ablage in einen Werkstückträger – ist eine der anspruchsvollsten Anwendungen in der Industrieautomation. Sie erfordert ein komplexes Zusammenspiel zwischen Software, Bilderkennungssystem, Roboter und Greiftechnik. „Im Rahmen des Expertenforums ‚Bin Picking in der Praxis‘ bei Liebherr in Kempten haben wir 2023 erstmals das Technologiepaket LHRobotics.Vision im Einsatz erlebt“, berichtet Christian Kurz, Leiter Roboter Programmierung Automation bei der Chiron Group. „Es folgten umfangreiche Tests mit verschiedenen Werkstücken im Kemptener Tech-Center. Die Kombination aus technologischem Know-how und industrietauglicher Umsetzung hat uns nachhaltig überzeugt.“
Kollisionsfrei erkennen, selektieren, greifen
Technologiepaket mit einer Software für präzise Objektidentifikation und -selektion sowie kollisionsfreie Teileentnahme. Dank einer offenen Sensorschnittstelle ist die Software mit Vision-Systemen verschiedener Hersteller kompatibel. Mit einem optionalen Simulationstool können Abläufe virtuell getestet und optimiert werden – alles auf einer übersichtlichen, intuitiv bedienbaren Oberfläche. Das Paket ist in zwei Funktionsumfängen erhältlich: Die Basis-Lizenz beinhaltet das kollisionsfreie Erfassen und Greifen der Werkstücke, die Pro-Lizenz zusätzlich die Ablageplanung.
Individuell konfiguriert für komplexe Anforderungen
Die projektspezifischen Anforderungen der Chiron Group machten individuelle Konfigurationen notwendig: Das System musste an Roboter unterschiedlicher Hersteller angepasst werden; zum Einsatz kamen sowohl stationäre als auch On-Arm-Kameras, bei denen der Sensor direkt am Greifer montiert ist. Werkstücke mit variierenden Formen und teils überlappenden Lagen waren zu erkennen und auf bis zu drei Ablagen zu positionieren. Unterschiedliche Teilegeometrien und Oberflächen stellten zusätzliche Herausforderungen dar – ebenso wie die Notwendigkeit, Behälter zu erkennen oder zwischen Werkstücken und Zwischenböden zu unterscheiden. In einigen Anwendungen wurden zudem Zusatzprozesse wie das Lasern von Data-Matrix-Codes oder Messsysteme integriert.
Das Bin Picking ist eine der anspruchsvollsten Anwendungen in der Industrieautomation.
Langlebige und zukunftssichere Technologie
Christian Kurz ist sich sicher: „LHRobotics.Vision ist genau der Baustein, den wir für unsere kundenspezifischen Automationslösungen gesucht haben. Durch seine große Flexibilität und die intuitive Visualisierung deckt das Technologiepaket ein so breites Spektrum an Anforderungen ab, dass wir damit bereits weitere Projekte planen.“ Alle Anlagen sind ausgeliefert; das erste Kundenfeedback fiel durchweg positiv aus. Weitere konkrete Anfragen sind eingegangen.
Daher plant die Chiron Group die Installation einer eigenen Versuchsanlage, um künftig im eigenen Haus Kundenpräsentationen und ‑versuche durchführen zu können und das Know-how im eigenen Unternehmen zu haben. Dabei ist man froh, auch weiterhin auf die Expertise von Liebherr-Verzahntechnik zurückgreifen zu können.
Stand: 16.12.2025
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Stationäre und On-Arm-Kameras erkennen zuverlässig Werkstücke in unterschiedlichen Positionen sowie Behälterstrukturen.
(Bild: Liebherr-Verzahntechnik)
Konstruktive Zusammenarbeit als Erfolgsfaktor
Die umfassende Beratung und der praxisnahe Support durch Liebherr wurden vom Projektteam der Chiron Group als besonders wertvoll wahrgenommen. Christian Kurz betont insbesondere die schnellen Reaktionszeiten: „Wann immer wir ein Anliegen hatten, erhielten wir umgehend eine Rückmeldung und schnelle Unterstützung – damit waren wir wirklich sehr zufrieden.“
Umgekehrt erlebte auch das Liebherr-Team die Zusammenarbeit mit dem Maschinenhersteller aus Tuttlingen als sehr konstruktiv und zielgerichtet: „Der intensive Austausch bot uns die Möglichkeit, nicht nur unsere Erfahrungen einzubringen, sondern auch tiefere Einblicke in die Prozesse und Technologien der Chiron Group zu gewinnen. Diese Erkenntnisse sind wiederum direkt in die Weiterentwicklung unserer Softwarelösung eingeflossen“, berichtet Sebastian Wendt, Produktmanager Automationssysteme bei Liebherr-Verzahntechnik. Die Verbindung aus technischer Leistungsfähigkeit, kompetenter Beratung und zuverlässigem Support erweist sich dabei als tragfähige Basis für weitere gemeinsame Automatisierungsprojekte.
Sabine Fischer ist Fachredakteurin bei der Agentur C&G.