Vernetzte Fertigung verlangt neues Verständnis von Sicherheit: IT und Physical Security verschmelzen. Governance, Segmentierung, Patch‑Management, KI & Weiterbildung erhöhen Resilienz und Effizienz.
Integration von Video, Zutritt und Produktionsdaten: So schaffen Unternehmen eine ganzheitliche Sicherheit für die vernetzte Fertigung.
Schon immer erforderten Produktionsstätten robuste physische Sicherheitsmaßnahmen wie Perimeterschutz, Zutrittskontrollen für besonders sensible Bereiche sowie Videoüberwachung auf weitläufigen Geländen. In der Fertigung kommen heute zunehmend Technologien der Industrie 4.0 zum Einsatz. Diese Netzwerke aus Sensoren, vernetzten Maschinen und cloudbasierten Analysen sind immer stärker mit der Betriebstechnik und somit auch den Systemen für physische Sicherheit verflochten. Der Report zur Lage der physischen Sicherheit 2026, der auf den Antworten von mehr als 7.000 Sicherheitsexperten weltweit basiert, erfasst diese Konvergenz und ihre Auswirkungen auf die Fertigungsabläufe.
Physische Sicherheit ist untrennbar mit Betriebstechnologie und IT-Infrastruktur verknüpft. Erfolg erfordert eine einheitliche Governance in allen drei Bereichen.
Neue Projekte für IT-Sicherheit
Die Ergebnisse zeigen, dass das Bewusstsein dafür gewachsen ist, vernetzte Sicherheitssysteme ebenso gut zu schützen wie jede andere vernetzte Infrastruktur: Rund 34 Prozent der Endnutzer physischer Sicherheitslösungen implementieren Cybersicherheits-Technologien in ihren Sicherheitsumgebungen, noch im Vorjahr waren es 32 Prozent. 37 Prozent planen neue Projekte für IT-Sicherheit im Jahr 2026, 24 Prozent gaben das im letzten Jahr an.
Unter den großen Unternehmen mit 10.000 oder mehr Mitarbeitern gaben 48 Prozent der Befragten an, dass die Zahl der Vorfälle im Bereich der physischen Sicherheit oder der Cybersicherheit im Jahr 2025 zugenommen hat. Die Reaktion darauf muss umfassend sein. Sichere Konfigurationen, Patch-Management, Identitätssicherung, Netzwerksegmentierung und eine vereinheitlichte Reaktion auf Vorfälle sind heute für physische Sicherheitssysteme unerlässlich.
Die Umfrage zeigt, dass 47 Prozent der befragten IT-Fachleute Maßnahmen zur Stärkung der Cybersicherheit die größte Bedeutung beimessen, bei den physischen Sicherheitsteams sind es hingegen nur 27 Prozent. Diese Kluft unterstreicht, wie wichtig es ist, dass beide Abteilungen enger zusammenarbeiten. Dazu zählt, ihre Umgebungen gemeinsam zu verwalten, Patch-Zyklen zu teilen, Segmentierungsmuster zu vereinbaren und sich zum Schwachstellenmanagement abzustimmen. So entsteht ein ganzheitliches Risikoprofil anstelle paralleler Verwaltungsstrukturen, die Lücken für Angreifer offenlassen.
Industrie 4.0 bietet Ansätze für mehr Sicherheit
Ein positives Signal ist, dass die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit insgesamt zunimmt. Laut Report arbeiteten elf Prozent der Endnutzer im Jahr 2025 mit anderen Abteilungen an Initiativen im Bereich Industrial IoT, während 24 Prozent abteilungsübergreifend an übergeordneten Geschäftszielen mitwirkten. Dieses interdisziplinäre Arbeiten stärkt mit der richtigen Plattform auch die Sicherheit: Sicherheitssysteme unterstützen die Produktionsüberwachung, Qualitätskontrolle und Compliance. Zudem nutzen sie Daten aus Fertigungssystemen, um Sicherheitsereignisse besser einzuordnen.
Zutrittsdaten lassen sich mit Produktionsplänen kombinieren, um Anomalien zu erkennen. Dazu zählen etwa Zutrittsversuche in gesperrten Bereichen während einer außerplanmäßigen Schicht oder Bewegungsmuster, die nicht dem normalen Produktionsablauf entsprechen. Ein strukturiertes Beweismittelmanagement und der digitale Austausch zu Vorfällen beschleunigen Untersuchungen, sobald es zu einem Vorfall kommt. Die Echtzeit-Lageerkennung durch Drohnen und Robotik kann sowohl Sicherheitspatrouillen als auch Betriebsinspektionen unterstützen.
Hybrid-Cloud unterstützt verteilte Abläufe
Fertigungsunternehmen sind oft an mehreren Standorten tätig, manchmal sogar auf mehreren Kontinenten. Die Umfrage zeigt, dass die Bereitstellung via Hybrid-Cloud zunehmend zum bevorzugten Modell wird. 72 Prozent der Planer für Sicherheitslösungen sehen in den nächsten fünf Jahren hybride Bereitstellungen vor. Bei diesem Ansatz bleibt die bandbreitenintensive Videospeicherung vor Ort, während Cloud-Dienste für Analysen, zentrale Verwaltung und Ferndiagnosen eingesetzt werden.
Gemeinsame Lagebeurteilung: Tablet und Pläne verbinden Betriebsablauf, Zutritt und Sicherheitschecks.
Wie der Report zeigt, hat Resilienz oberste Priorität. Die Umfrageteilnehmer betonen, wie wichtig es ist, Systeme in Sicherheitszonen zu unterteilen, damit kritische Funktionen auch bei Cloud-Ausfällen funktionsfähig bleiben. Für Hersteller bedeutet dies, Architekturen zu entwickeln, die die lokale Kontrolle über produktionskritische Sicherheitssysteme aufrechterhalten und gleichzeitig die Vorteile von cloudbasierter Intelligenz und Fernsupport nutzen.
Besonders bei der Zutrittskontrolle bietet die Cloud Vorteile. Elf Prozent der Endnutzer setzen eine vollständig cloudbasierte Zutrittskontrolle ein, 27 Prozent hybride Systeme. Fortschrittliche Anbieter bündeln darauf basierend die Verwaltung von Zutrittsdaten für ihre Aktivitäten weltweit und behalten gleichzeitig die lokale Authentifizierung für zeitkritische Zutrittsentscheidungen bei.
Für Autor Andreas Flemming geht es beim Thema Sicherheit längst nicht mehr nur um den Schutz von Vermögenswerten, sondern darum, die vernetzte Fertigung sicher, effizient und ausfallsicher zu gestalten.
(Bild: Genetec)
Bewältigung wirtschaftlicher und personeller Herausforderungen
Die Budgets blieben 2025 stabil. Dennoch geben 48 Prozent der Endnutzer an, dass die Ausgaben gestiegen oder auf gleichem Niveau geblieben sind. Die Hersteller stehen vor besonderen Herausforderungen. Sie nennen Unterbrechungen der Lieferkette, insbesondere im Nahen Osten, in Afrika und im asiatisch-pazifischen Raum, als Themen, die sie beschäftigen. Zölle, Inflation und Komponentenengpässe können Sicherheitsprojekte verzögern und die verfügbaren Ressourcen belasten.
Auch der Fachkräftemangel bleibt ein Problem. Die Gewinnung und Bindung qualifizierter technischer Fachkräfte ist flächendeckend schwierig, gleichzeitig verlängern sich die Ausbildungszyklen, da die Systeme immer komplexer werden. Die Umfrage zeigt, dass vor allem in Qualifikationen investiert werden muss: in strukturierte Schulungen und die Vermittlung von Querschnittskompetenzen, in Recruiting von Talenten mit IT-Optimierungskenntnissen sowie in den Einsatz von KI zur Automatisierung von Routineprozessen.
Stand: 16.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die WIN-Verlag GmbH & Co. KG, Chiemgaustraße 148, 81549 München einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://kontakt.vogel.de/de/win abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Onsite‑Monitoring verbindet OT‑Einblicke mit physischer Sicherheit – wichtig für eine ganzheitliche Verteidigung vernetzter Fabriken.
KI rangiert neben Zutrittskontrolle und Videoüberwachung aus Sicht der Umfrageteilnehmer ganz oben auf der Agenda für 2026. Hersteller sehen praktische Anwendungsmöglichkeiten in der Erkennung von Anomalien, der Unterstützung von Ermittlungen und der Entlastung von Sicherheitspersonal. KI ist da am wirkungsvollsten, wo der manuelle Aufwand am höchsten ist: Bei der Videosuche, Mustererkennung und automatisierten Beweis-Workflows. Hier entstehen messbare Effizienzsteigerungen. Bei der Umsetzung gibt es trotzdem immer noch Bedenken. Rund 70 Prozent der Endnutzer sorgen sich um die hinter KI stehenden Konzepte und um die Art und Weise der Datennutzung. Hersteller sollten von Anbietern Transparenz verlangen, auf nachvollziehbare Ergebnisse bestehen und Erfolgskennzahlen festlegen, bevor sie KI-gesteuerte Funktionen einsetzen.