Die Kombination einer KI-Echtzeitlokalisierung mit dem Ortungsstandard omlox zeigt Personen-, Material- und Prozessflüsse auf. Die Kameras werden in Produktions- und Logistikumgebungen eingesetzt.
Eine KI-basierte Echtzeitlokalisierung mit dem offenen Ortungsstandard omlox ermöglicht es, Personen-, Material- und Prozessflüsse in Produktions- und Logistikumgebungen sichtbar zu machen und so deren Optimierung in industriellen Abläufen zu vereinfachen.
Die permanente Verbesserung von Maschinen und Anlagen in der Industrie zählt zu den obersten Geboten, um eine wirtschaftliche Produktion zu ermöglichen und dadurch den Gewinn zu maximieren. Folgerichtig setzen Fertigungsunternehmen in der Regel alles daran, aussagekräftige Produktionskennzahlen zu gewinnen und diese detailliert zu analysieren, um mögliche Schwachstellen ausfindig zu machen und abzustellen. Jetzt können Kameras dabei helfen, auch ineffiziente Wege von Waren und Personen aufzuzeigen.
„In den vergangenen Jahren haben Unternehmen erhebliche Investitionen in Digitalisierung, Automatisierung und Datenanalyse getätigt“, weiß Dr.-Ing. Holger Flatt, Gruppenleiter Intelligente Sensorsysteme beim Fraunhofer-Institut in Lemgo. „Maschinen liefern Zustandsdaten in Echtzeit, Produktionskennzahlen werden visualisiert und ERP-, MES- sowie WMS-Systeme sind eng miteinander vernetzt. Trotz dieser Maßnahmen und selbst bei genauester Überwachung einzelner Anlagenaspekte bleiben die wahren Ursachen von Ineffizienzen jedoch häufig verborgen“, so Flatts Erfahrung. Grund dafür ist nach seiner Überzeugung die mangelnde Transparenz bezüglich der tatsächlichen Bewegungen von Personen, Materialien und Transportmitteln innerhalb einer Fabrik. „Eine zentrale Frage bleibt häufig unbeantwortet: Wer oder was befindet sich wann und wo in der Fabrik – und warum?“
Suchzeiten, unnötige Wege, Wartezeiten oder Engpässe entstehen nicht an einzelnen Maschinen, sondern zwischen den Prozessen, lautet Flatts Erkenntnis. Typische Beispiele aus der Praxis: Material scheint immer wieder an den falschen Stellen zu fehlen. Mitarbeiter legen täglich weite Wege zwischen Lager, Produktion und Qualitätssicherung zurück. Stapler warten an Engpässen. Werkstücke verbringen mehr Zeit mit Transport und Warten als mit der eigentlichen Bearbeitung. In der Summe führen solche Ereignisse dazu, dass die Produktivität hinter den Erwartungen zurückbleibt. Eine objektive Materialflussanalyse schafft hier die notwendige Transparenz, um den gesamten Produktionsfluss zu bewerten und gezielt zu verbessern.
Wie KI und omlox Laufwege und Materialflüsse sichtbar machen
Um diese Situation zu ändern, hat das Fraunhofer IOSB-INA in enger Zusammenarbeit mit den Bildverarbeitungsexperten von Imago Technologies eine Lösung entwickelt, die Personen-, Material- und Prozessflüsse in Produktions- und Logistikumgebungen sichtbar macht. Zentraler Bestandteil dieser Lösung sind dabei Vision-Komponenten des Friedberger Unternehmens: Mit Nvidia-Jetson-Modulen ausgestattete Smart-Kameras vom Typ Vision Cam XM2 erfassen das Produktionsumfeld als RGB-Bild und führen direkt auf der Kamera eine KI-gestützte Personen- und Objektdetektion sowie ein Tracking von Objekten durch. Die kontinuierliche Echtzeitlokalisierung bildet die Grundlage, um Materialflüsse zu visualisieren und den gesamten Produktionsfluss transparent abzubilden.
Die Darstellung der erfassten Bewegungen kann unter anderem in Form von digitalen Spaghetti-Diagrammen erfolgen.
Eine von Fraunhofer entwickelte Software kalibriert dabei die Kameras, projiziert die erkannten Objekte auf die Bodenebene und erzeugt daraus 2D-Positionen. Diese werden anschließend als omlox-konforme Trackables an einen omlox Hub übertragen, wo sie für Visualisierung, Analytik und weitere IT-/OT-Systeme bereitstehen – ganz ohne zusätzlichen Edge-Server oder Cloud-Zwang.
omlox ist der weltweit erste offene Standard für die Echtzeit-Lokalisierung in Industrieumgebungen. Er erlaubt das Tracking von Dingen wie Produktionsmitteln, Waren, Werkzeugen, Aufträgen, Fahrzeugen oder auch Personen und verbindet dazu verschiedene Ortungstechnologien wie etwa RFID, GPS, die digitale Funktechnik für den Nahbereich UWB (Ultra-Wideband) oder Kameras über einen gemeinsamen Hub und eine einheitliche API.
Warum Embedded Vision für Factory Intelligence entscheidend ist
Dass in dieser Fraunhofer-Anwendung die Vision Cam XM2 zum Einsatz kommt, hat mehrere Gründe. Zum einen erfolgt die komplette Verarbeitung der aufgenommenen Daten mit Hilfe leistungsfähiger Operatoren und unter Einsatz von KI-Algorithmen direkt in der Kamera. Hinzu kommt, dass diese Smart-Kamera trotz ihrer kompakten Abmessungen aufgrund der leistungsstarken Prozessoren und GPU-Unterstützung eine schnelle Verarbeitung großer Datenmengen ermöglicht.
Die Smart-Kameras Vision Cam XM2 von Imago Technologies erfassen das Produktionsumfeld als RGB-Bild und führen direkt auf der Kamera eine KI-gestützte Personen- und Objektdetektion sowie ein Tracking von Objekten durch.
(Bild: Imago Technologies)
Gerade in der Industrie ist das Thema Langzeitverfügbarkeit von Komponenten ein wichtiger Aspekt bezüglich der Planungssicherheit und möglichst geringer Validierungsaufwände. Hier punktet das Unternehmen mit der Lieferfähigkeit der Vision Cam XM2 als Hardware-Plattform über viele Jahre hinweg. „Für die Umsetzung war eine Kamera-basierte Embedded-Vision-Plattform erforderlich, die eine KI-gestützte Auswertung direkt am Sensor ermöglicht und sich unter Nutzung offener Standards zuverlässig in bestehende industrielle Ortungsinfrastrukturen integrieren lässt“, unterstreicht Flatt. Die Vision Cam XM2 habe sich für diesen Anwendungszweck als sehr gut geeignete Kamera erwiesen und dank der technischen Unterstützung durch Imago eine problemlose Integration und eine schnelle Realisierung ermöglicht.
Stand: 16.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die WIN-Verlag GmbH & Co. KG, Chiemgaustraße 148, 81549 München einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://kontakt.vogel.de/de/win abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Personen-, Material- und Prozessflüsse in Echtzeit erfassen
Das Ergebnis der gemeinsamen Entwicklung ist mittlerweile in der Test- und Demonstrationsfabrik von Fraunhofer und der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe, der SmartFactoryOWL in Lemgo, erfolgreich im Einsatz: Die XM2-Smart-Kameras und weitere omlox-Sensoren erfassen die Positionen von Personen, Fahrzeuge und Materialträgern kontinuierlich und in Echtzeit. Die erfassten Daten werden im zugehörigem omlox-Hub gesammelt und können mit Hilfe geeigneter Analytik-Tools als Heatmaps, digitale Spaghetti-Diagramme oder Durchlaufzeit- und Auslastungsgrafiken visualisiert werden. So werden typische Suchwege, Staus, Wartezeiten und Engpässe objektiv sichtbar.
„Häufig werden solche Positionsdaten noch manuell erfasst“, erläutert Christoph Siemon, Vice President Sales und R&D von Imago Technologies. „Diese Methode ist kostenintensiv und zudem fehleranfällig, sie ist subjektiv und deckt in der Regel nur kurze Zeiträume ab. Im Gegensatz dazu erfasst die Lösung beim Fraunhofer-Institut alle Bewegungen kontinuierlich. Dadurch lassen sich auch seltene, aber kritische Situationen entdecken. Darüber hinaus erhält man objektive Daten, die eine perfekte Grundlage für die Optimierung von Abläufen darstellen.“
Die Integration erfolgt typischerweise parallel zum laufenden Betrieb: Kameras und omlox-Infrastruktur werden in der Halle installiert, anschließend kalibriert und stufenweise in Betrieb genommen. So entstehen keine längeren Produktionsstillstände, und das System kann während des Hochlaufs iterativ justiert werden.
Spaghetti-Diagramme machen Engpässe sichtbar
Die Darstellung der erfassten Bewegungen kann unter anderem in Form von digitalen Spaghetti-Diagrammen erfolgen. Diese lassen sich für verschiedene Zeiträume wie beispielsweise für einzelne Schichten, bestimmte Wochen oder auch für Zeiträume vor und nach einer Layoutänderung automatisch neu erzeugen und mit Kennzahlen verknüpfen – ohne laufend Personal für neue Studien zu binden.
Bei der Beobachtung von Mitarbeiterbewegungen ist das Thema Datenschutz ein wichtiger Aspekt, der in der gemeinsam geschaffenen Lösung entsprechend berücksichtigt wurde, unterstreicht Siemon: „Die Bildverarbeitung läuft direkt auf der Kamera, sodass nur abstrahierte Positions- und Bewegungsdaten nach außen übertragen werden, jedoch keine Bilddaten oder identifizierende Merkmale. Personen werden lediglich als neutrale, pseudonyme Objekte geführt, was die DSGVO-konforme Nutzung sichert.“
Mehr Transparenz und Effizienz durch KI-basierte Factory Intelligence
Wie der erfolgreiche Einsatz des Systems bei Fraunhofer zeigt, stellt die Kombination aus KI-basierter Echtzeitlokalisierung auf Basis der Smart-Kameras XM2 und dem offenen Ortungsstandard omlox eine leistungsfähige Lösung dar, um Personen-, Material- und Prozessflüsse transparent abzubilden. Unternehmen können Materialflüsse visualisieren, ihre Materialflussanalyse verbessern und den Produktionsfluss in Produktion, Produktionslogistik und Intralogistik nachhaltig optimieren.
„Ohne kontinuierliche räumliche Transparenz über Abläufe und Bewegungen bleiben viele Ursachen für Ineffizienzen verborgen. Unsere Arbeiten zeigen, wie KI-basierte Echtzeitlokalisierung in Verbindung mit offenen Standards dazu beitragen kann, Produktions- und Logistikprozesse objektiv zu analysieren und nachhaltig zu verbessern“, so das Fazit von Fraunhofer-Gruppenleiter Flatt. „Die XM2-Smart-Kameras leisten einen wichtigen Beitrag, um solche Effizienzsteigerungen möglich zu machen.“
Messehinweis: Imago Technologies stellt auf der Vision 2026 (6. bis 8. Oktober 2026, Messe Stuttgart) in Halle 8, Stand 8C26 aus.