Große Expertenumfrage

Cloudbasierte ERP-Systeme: Das sind die Chancen und Hürden

< zurück

Seite: 4/4

Anbieter zum Thema

Dominik Schätzel, Maura Hameroff und Sandra Jungen

Fragen an die Experten

1. Welche Herausforderungen ergeben sich bei der Umstellung auf Cloud-basierte ERP-Systeme?

2. Welche Vorteile bietet die Integration von Künstlicher Intelligenz in ERP-Systeme?


3. Wie können Produktionsunternehmen die Durchgängigkeit zwischen ERP, Arbeitsvorbereitung und Fertigung realisieren und was müssen sie dabei beachten?
 

Dominik Schätzel, Sage

Dominik Schätzel ist Product Manager ERP bei Sage.(Bild:  Sage)
Dominik Schätzel ist Product Manager ERP bei Sage.
(Bild: Sage)

1. Die Umstellung auf ein Cloud ERP ist weniger ein reines IT Projekt als vielmehr eine unternehmerische Transformation. Die Herausforderungen sind vielfältig. Cloud ERP Systeme setzen stärker auf standardisierte Prozesse. Unternehmen müssen bestehende, oft historisch gewachsene Abläufe hinterfragen und anpassen, anstatt sie eins zu eins zu migrieren. Das erfordert klare Prozessentscheidungen und ein konsequentes Change Management.Cloud ERPs werden schneller, regelmäßiger und iterativ weiterentwickelt. Neue Funktionen und Verbesserungen kommen in kurzen Abständen. Updates auf aktuelle Versionen sind keine Großprojekte mehr, die nur alle ein bis zwei Jahre stattfinden, sondern Teil des laufenden Betriebs. Das erhöht Innovationsgeschwindigkeit und Sicherheit, erfordert aber auch organisatorische Reife.

2. Durch KI entwickeln sich ERP-Systeme von passiven Verwaltungssystemen zu aktiven Entscheidungs- und Assistenzplattformen. KI-Agenten übernehmen Aufgaben für den Benutzer, wie etwa Belegerkennung, Disposition oder Bedarfserkennung und entlasten Fachabteilungen spürbar. Durch die Integration von KI lassen sich Bedarfe, Lieferengpässe oder Kapazitätsprobleme frühzeitig erkennen. KI hilft bei der Interpretation von Daten, gibt Handlungsempfehlungen und beschleunigt die Entscheidungsfindung.

3. Echte Durchgängigkeit entsteht nicht durch ein einzelnes System, sondern durch ein klar abgestimmtes Zusammenspiel mehrerer Ebenen – technologisch wie organisatorisch. Voraussetzung ist ein modernes, cloudbasiertes ERP, das ‚composable‘ aufgebaut ist und einen API-First-Ansatz verfolgt. Nur so lassen sich ERP, Arbeitsvorbereitung, MES, PLM oder spezialisierte Fertigungssysteme flexibel und stabil integrieren. Offene, standardisierte Schnittstellen vermeiden Medienbrüche, doppelte Datenhaltung und manuelle Workarounds. Sie ermöglichen einen durchgängigen, skalierbaren Datenfluss entlang der gesamten Wertschöpfung.

Durch KI entwickeln sich ERP-Systeme von passiven Verwaltungssystemen zu aktiven Entscheidungs- und Assistenzplattformen.

Dominik Schätzel

Maura Hameroff, SAP Cloud ERP Private and RISE with SAP 

Maura Hameroff ist Chief Marketing Officer bei SAP Cloud ERP Private and RISE with SAP. (Bild:  SAP)
Maura Hameroff ist Chief Marketing Officer bei SAP Cloud ERP Private and RISE with SAP.
(Bild: SAP)

1. In der Fertigungsindustrie liegt die größte Hürde nicht in der Technologie, sondern im gewachsenen Customizing. Über Jahrzehnte haben Unternehmen Geschäftslogik, Workflows und Shopfloor Integrationen aufgebaut, die häufig nur implizit dokumentiert sind. Eine Cloud-Migration zwingt dazu, dieses Wissen offenzulegen. Zentrale Herausforderungen sind:OT Integrationen: Enge Kopplungen zwischen ERP und MES, SCADA oder SPS müssen neu gedacht werden, da sie für homogene On-premise-Netzwerke ausgelegt waren. Change Management: Veränderte Benutzeroberflächen und Prozesse führen zu hohem Schulungsbedarf, der regelmäßig unterschätzt wird. Standardisierung vs. Differenzierung: Cloud-Plattformen fördern Standardprozesse, während Hersteller ihre individuellen Abläufe als Wettbewerbsvorteil sehen. Customizing und Integrationen: Viele Erweiterungen und Add-ons sind nicht cloudfähig oder haben keine direkten Entsprechungen. Business Case und Skills: Hohe Anfangsinvestitionen, schwer quantifizierbarer ROI und ein Mangel an S/4HANA-Know-how bremsen die Transformation. Erfolgreiche Unternehmen begreifen die Migration daher nicht als Lift and Shift, sondern als strategische Neuausrichtung.

2. ERP-Systeme liefern die ideale Basis für KI, da sie strukturierte Daten, Geschäftslogik, Governance und Compliance vereinen. Der größte Mehrwert liegt nicht in den Algorithmen, sondern in der Reduktion der Zeit zwischen Erkenntnis und Handlung. Ein bewährtes Beispiel ist die Bedarfsplanung: Machine Learning Modelle steigern die Prognosegenauigkeit um bis zu 30 bis 50 Prozent und steuern MRP, Beschaffung und Produktion direkt – ohne manuelle Übergaben. Voraussetzung ist jedoch eine hohe Datenqualität, da KI fehlerhafte Daten ebenso verstärkt wie korrekte.

3. ERP, Arbeitsvorbereitung und Fertigung dürfen nicht als isolierte Bereiche, sondern müssen als durchgängiger Informationsfluss gesehen werden. Entscheidend ist, dass alle Beteiligten mit denselben, aktuellen Daten arbeiten. Gerade bei komplexen und variantenreichen Produkten müssen Varianten, Stücklisten, Arbeitspläne und Änderungen jederzeit konsistent verfügbar sein. Dafür braucht es saubere Stammdaten, klar definierte Prozesse und eine enge Integration mit CAD-, MES- und Shopfloor-Systemen.

ERP-Systeme liefern die ideale Basis für KI, da sie strukturierte Daten, Geschäftslogik, Governance und Compliance vereinen.

Maura Hameroff

Sandra Jungen, VLEXsoftware 

Sandra Jungen arbeitet im Bereich Sales bei VLEXsoftware.
Sandra Jungen arbeitet im Bereich Sales bei VLEXsoftware.
(Bild: VLEXsoftware)

1. Die Umstellung ist eine technische und organisatorische Veränderung. Unternehmen müssen gewachsene Prozesse, Schnittstellen und Datenstrukturen kritisch hinterfragen und dabei auch Herausforderungen wie Datenmigration, Prozessanpassung, die Integration von Altsystemen sowie Themen rund um Sicherheit, Datenschutz und Compliance berücksichtigen. Denn, egal ob Cloud oder On-Premise: Entscheidend sind vor allem eine hohe Datenqualität sowie ein durchdachtes Change-Management. Wer diese Punkte frühzeitig adressiert, schafft die Basis für eine stabile ERP-Umstellung.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

2. Künstliche Intelligenz schafft in VlexPlus ERP schon heute konkreten Mehrwert. So liefert ein vollständig integrierter Assistent relevante ERP-Daten, unterstützt gezielt und nimmt Routinetätigkeiten ab – alles in natürlicher Sprache. Mit vernetzten Apps und eingebetteten KI-Agenten lassen sich zudem Abläufe automatisieren, Fragen schneller beantworten und Potenziale frühzeitig erkennen. Diese KI-Integration macht tägliche Prozesse effizienter, reduziert manuelle Tätigkeiten und stellt Informationen deutlich schneller zur Verfügung.

3. ERP, Arbeitsvorbereitung und Fertigung dürfen nicht als isolierte Bereiche, sondern müssen als durchgängiger Informationsfluss gesehen werden. Entscheidend ist, dass alle Beteiligten mit denselben, aktuellen Daten arbeiten. Gerade bei komplexen und variantenreichen Produkten müssen Varianten, Stücklisten, Arbeitspläne und Änderungen jederzeit konsistent verfügbar sein. Dafür braucht es saubere Stammdaten, klar definierte Prozesse und eine enge Integration mit CAD-, MES- und Shopfloor-Systemen.

ERP, Arbeitsvorbereitung und Fertigung dürfen nicht als isolierte Bereiche, sondern müssen als durchgängiger Informationsfluss gesehen werden.

Sandra Jungen