Dominik Schätzel, Maura Hameroff und Sandra Jungen
Fragen an die Experten
1. Welche Herausforderungen ergeben sich bei der Umstellung auf Cloud-basierte ERP-Systeme?
2. Welche Vorteile bietet die Integration von Künstlicher Intelligenz in ERP-Systeme?
3. Wie können Produktionsunternehmen die Durchgängigkeit zwischen ERP, Arbeitsvorbereitung und Fertigung realisieren und was müssen sie dabei beachten?
Dominik Schätzel, Sage
Dominik Schätzel ist Product Manager ERP bei Sage.
(Bild: Sage)
1. Die Umstellung auf ein Cloud ERP ist weniger ein reines IT Projekt als vielmehr eine unternehmerische Transformation. Die Herausforderungen sind vielfältig. Cloud ERP Systeme setzen stärker auf standardisierte Prozesse. Unternehmen müssen bestehende, oft historisch gewachsene Abläufe hinterfragen und anpassen, anstatt sie eins zu eins zu migrieren. Das erfordert klare Prozessentscheidungen und ein konsequentes Change Management.Cloud ERPs werden schneller, regelmäßiger und iterativ weiterentwickelt. Neue Funktionen und Verbesserungen kommen in kurzen Abständen. Updates auf aktuelle Versionen sind keine Großprojekte mehr, die nur alle ein bis zwei Jahre stattfinden, sondern Teil des laufenden Betriebs. Das erhöht Innovationsgeschwindigkeit und Sicherheit, erfordert aber auch organisatorische Reife.
2. Durch KI entwickeln sich ERP-Systeme von passiven Verwaltungssystemen zu aktiven Entscheidungs- und Assistenzplattformen. KI-Agenten übernehmen Aufgaben für den Benutzer, wie etwa Belegerkennung, Disposition oder Bedarfserkennung und entlasten Fachabteilungen spürbar. Durch die Integration von KI lassen sich Bedarfe, Lieferengpässe oder Kapazitätsprobleme frühzeitig erkennen. KI hilft bei der Interpretation von Daten, gibt Handlungsempfehlungen und beschleunigt die Entscheidungsfindung.
3. Echte Durchgängigkeit entsteht nicht durch ein einzelnes System, sondern durch ein klar abgestimmtes Zusammenspiel mehrerer Ebenen – technologisch wie organisatorisch. Voraussetzung ist ein modernes, cloudbasiertes ERP, das ‚composable‘ aufgebaut ist und einen API-First-Ansatz verfolgt. Nur so lassen sich ERP, Arbeitsvorbereitung, MES, PLM oder spezialisierte Fertigungssysteme flexibel und stabil integrieren. Offene, standardisierte Schnittstellen vermeiden Medienbrüche, doppelte Datenhaltung und manuelle Workarounds. Sie ermöglichen einen durchgängigen, skalierbaren Datenfluss entlang der gesamten Wertschöpfung.
Durch KI entwickeln sich ERP-Systeme von passiven Verwaltungssystemen zu aktiven Entscheidungs- und Assistenzplattformen.
Dominik Schätzel
Maura Hameroff, SAP Cloud ERP Private and RISE with SAP
Maura Hameroff ist Chief Marketing Officer bei SAP Cloud ERP Private and RISE with SAP.
(Bild: SAP)
1. In der Fertigungsindustrie liegt die größte Hürde nicht in der Technologie, sondern im gewachsenen Customizing. Über Jahrzehnte haben Unternehmen Geschäftslogik, Workflows und Shopfloor Integrationen aufgebaut, die häufig nur implizit dokumentiert sind. Eine Cloud-Migration zwingt dazu, dieses Wissen offenzulegen. Zentrale Herausforderungen sind:OT Integrationen: Enge Kopplungen zwischen ERP und MES, SCADA oder SPS müssen neu gedacht werden, da sie für homogene On-premise-Netzwerke ausgelegt waren. Change Management: Veränderte Benutzeroberflächen und Prozesse führen zu hohem Schulungsbedarf, der regelmäßig unterschätzt wird. Standardisierung vs. Differenzierung: Cloud-Plattformen fördern Standardprozesse, während Hersteller ihre individuellen Abläufe als Wettbewerbsvorteil sehen. Customizing und Integrationen: Viele Erweiterungen und Add-ons sind nicht cloudfähig oder haben keine direkten Entsprechungen. Business Case und Skills: Hohe Anfangsinvestitionen, schwer quantifizierbarer ROI und ein Mangel an S/4HANA-Know-how bremsen die Transformation. Erfolgreiche Unternehmen begreifen die Migration daher nicht als Lift and Shift, sondern als strategische Neuausrichtung.
2. ERP-Systeme liefern die ideale Basis für KI, da sie strukturierte Daten, Geschäftslogik, Governance und Compliance vereinen. Der größte Mehrwert liegt nicht in den Algorithmen, sondern in der Reduktion der Zeit zwischen Erkenntnis und Handlung. Ein bewährtes Beispiel ist die Bedarfsplanung: Machine Learning Modelle steigern die Prognosegenauigkeit um bis zu 30 bis 50 Prozent und steuern MRP, Beschaffung und Produktion direkt – ohne manuelle Übergaben. Voraussetzung ist jedoch eine hohe Datenqualität, da KI fehlerhafte Daten ebenso verstärkt wie korrekte.
3. ERP, Arbeitsvorbereitung und Fertigung dürfen nicht als isolierte Bereiche, sondern müssen als durchgängiger Informationsfluss gesehen werden. Entscheidend ist, dass alle Beteiligten mit denselben, aktuellen Daten arbeiten. Gerade bei komplexen und variantenreichen Produkten müssen Varianten, Stücklisten, Arbeitspläne und Änderungen jederzeit konsistent verfügbar sein. Dafür braucht es saubere Stammdaten, klar definierte Prozesse und eine enge Integration mit CAD-, MES- und Shopfloor-Systemen.
ERP-Systeme liefern die ideale Basis für KI, da sie strukturierte Daten, Geschäftslogik, Governance und Compliance vereinen.
Maura Hameroff
Sandra Jungen, VLEXsoftware
Sandra Jungen arbeitet im Bereich Sales bei VLEXsoftware.
(Bild: VLEXsoftware)
1. Die Umstellung ist eine technische und organisatorische Veränderung. Unternehmen müssen gewachsene Prozesse, Schnittstellen und Datenstrukturen kritisch hinterfragen und dabei auch Herausforderungen wie Datenmigration, Prozessanpassung, die Integration von Altsystemen sowie Themen rund um Sicherheit, Datenschutz und Compliance berücksichtigen. Denn, egal ob Cloud oder On-Premise: Entscheidend sind vor allem eine hohe Datenqualität sowie ein durchdachtes Change-Management. Wer diese Punkte frühzeitig adressiert, schafft die Basis für eine stabile ERP-Umstellung.
Stand: 16.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die WIN-Verlag GmbH & Co. KG, Chiemgaustraße 148, 81549 München einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://kontakt.vogel.de/de/win abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
2. Künstliche Intelligenz schafft in VlexPlus ERP schon heute konkreten Mehrwert. So liefert ein vollständig integrierter Assistent relevante ERP-Daten, unterstützt gezielt und nimmt Routinetätigkeiten ab – alles in natürlicher Sprache. Mit vernetzten Apps und eingebetteten KI-Agenten lassen sich zudem Abläufe automatisieren, Fragen schneller beantworten und Potenziale frühzeitig erkennen. Diese KI-Integration macht tägliche Prozesse effizienter, reduziert manuelle Tätigkeiten und stellt Informationen deutlich schneller zur Verfügung.
3. ERP, Arbeitsvorbereitung und Fertigung dürfen nicht als isolierte Bereiche, sondern müssen als durchgängiger Informationsfluss gesehen werden. Entscheidend ist, dass alle Beteiligten mit denselben, aktuellen Daten arbeiten. Gerade bei komplexen und variantenreichen Produkten müssen Varianten, Stücklisten, Arbeitspläne und Änderungen jederzeit konsistent verfügbar sein. Dafür braucht es saubere Stammdaten, klar definierte Prozesse und eine enge Integration mit CAD-, MES- und Shopfloor-Systemen.
ERP, Arbeitsvorbereitung und Fertigung dürfen nicht als isolierte Bereiche, sondern müssen als durchgängiger Informationsfluss gesehen werden.