1. Welche Herausforderungen ergeben sich bei der Umstellung auf Cloud-basierte ERP-Systeme?
2. Welche Vorteile bietet die Integration von Künstlicher Intelligenz in ERP-Systeme?
3. Wie können Produktionsunternehmen die Durchgängigkeit zwischen ERP, Arbeitsvorbereitung und Fertigung realisieren und was müssen sie dabei beachten?
Thomas Henzler, DSAG
Thomas Henzler ist DSAG-Fachvorstand Vertrieb, Produktion & Logistik.
(Bild: DSAG)
1. Herausforderungen liegen unter anderem in Strategie, Prozessanpassung – und Transformationsaufwand. Je nach Ausgangspunkt und Zielbild (Private oder Public Cloud) variiert dieser erheblich. Ein Lift & Shift von S/4HANA On-Premises oder ECC in eine Private Cloud ist beispielsweise technisch mit vergleichsweise geringerem Risiko verbunden, da das bestehende On-Premises-System zum Teil nahezu unverändert auf einen Hyperscaler übertragen wird. Die Variante bringt jedoch Themen wie Lizenzumstellung und gegebenenfalls die Ablösung auslaufender Komponenten (etwa SAP Customer Service, und LE-TRA) mit sich. Aufwändiger ist eine Greenfield-Transformation von einem On-Premises-System wie ECC in die S/4HANA Public Cloud. Hier treffen zwei grundlegend unterschiedliche Produktarchitekturen aufeinander. Das heißt: Start bei null, bestehende Prozesse prüfen und an das Zielsystem anpassen. Großes Plus: Danach profitieren Anwender von allen Vorteilen einer Public-Cloud-Lösung (zum Beispiel vollautomatisierte Updates).
2. KI kann an vielen Stellen im Unternehmen Vorteile bieten, etwa durch Agenten, die operative Prozesse in der Beschaffung automatisieren. Ein „Klassiker“ sind dokumentenbasierte Prozesse. Von Auftragsbestätigung bis zum Lieferschein: Sie kommen per E-Mail, müssen erfasst und verarbeitet werden. KI kann – sofern sauber integriert – diese manuellen Schritte in Form von SAP Document AI abnehmen. Sie liest eingehende Dokumente aus, strukturiert die Daten und übergibt sie automatisiert an das ERP zur Weiterverarbeitung.
3. Entscheidend ist eine integrierte Systemlandschaft, in der ERP, Arbeitsvorbereitung und Fertigungssysteme nahtlos verbunden sind. Dafür müssen konsistente Stamm- und Bewegungsdaten, klar definierte Prozessverantwortlichkeiten und Echtzeitintegration ohne Medienbrüche sichergestellt werden. Die Basis dafür muss bereits am Anfang durch fertigungsgerechtes Konstruieren und eine sauber aufgebaute Stücklistenstruktur gelegt werden.
Entscheidend ist eine integrierte Systemlandschaft, in der ERP, Arbeitsvorbereitung und Fertigungssysteme nahtlos verbunden sind.
Thomas Henzler
Thomas Knorr, Forterro
Thomas Knorr ist Vice President Cloud Transformation bei Forterro.
(Bild: Forterro.)
1. Die Umstellung auf Cloud-ERP-Systeme stellt mittelständische Unternehmen vor allem vor drei zentrale Herausforderungen. Erstens fehlen oft die personellen und finanziellen Ressourcen sowie spezifisches Cloud-Know-how. Zweitens erweist sich die Integration der gewachsenen, heterogenen IT-Landschaften als technisch komplex. Drittens erfordert die Umstellung einen hohen organisatorischen und kulturellen Wandel, da etablierte Prozesse und Arbeitsweisen tiefgreifend angepasst werden müssen.
2. Die Integration von Künstlicher Intelligenz wandelt ERP-Systeme von reinen Verwaltungswerkzeugen zu proaktiven Steuerungsinstrumenten. Sie ermöglicht präzise Prognosen und die Automatisierung von Abläufen, was dem Fachkräftemangel entgegenwirkt. Ein Beispiel ist die vorausschauende Wartung: Sensoren melden Verschleißdaten einer Maschine. Eine KI erkennt ein drohendes Ausfallrisiko frühzeitig und stößt im ERP-System automatisch einen Wartungsauftrag an, bevor ein Schaden entsteht und ein ungeplanter Stillstand die Produktion lahmlegt.
3. Durchgängigkeit wird durch die Vernetzung des ERP-Systems als zentrale Datenplattform mit dem Shopfloor realisiert. Dabei werden auch ältere Maschinen mittels Retrofit und Sensorik nachgerüstet, um Produktionsdaten in Echtzeit zu erfassen. So entsteht ein kontinuierlicher Soll-Ist-Abgleich zwischen der Planung und der realen Fertigung. Zu beachten ist, dass dies ein strategisches Projekt ist, das schrittweise umgesetzt werden sollte. Entscheidend für den Erfolg sind zudem eine hohe Datenqualität sowie die frühzeitige Einbindung und Schulung der Mitarbeiter.
Die Integration von Künstlicher Intelligenz wandelt ERP-Systeme von reinen Verwaltungswerkzeugen zu proaktiven Steuerungsinstrumenten.
Thomas Knorr
Stefan Issing, IFS
Stefan Issing ist Presales Director DACH bei IFS.
(Bild: IFS)
1. Die Migration kann technisch herausfordernd sein, wenn Legacy-Systeme die Daten in Silos einsperren. In solchen Fällen müssen Schnittstellen geschaffen werden, um Daten zentral und leicht zugänglich zu machen. Zudem müssen Unternehmen darauf achten, dass sie in der Cloud alle Vorgaben hinsichtlich Sicherheit und Datenschutz einhalten und Anwender von Anfang an in die Umstellung einbinden. Ohne Change Management und Schulungen laufen sie Gefahr, dass die Cloud-Lösung nicht angenommen wird oder neue Prozesse und Oberflächen die Anwender überfordern.
2. KI bietet unzählige Möglichkeiten, Abläufe zu optimieren und zu automatisieren, etwa bei der Anpassung von Produktionsplänen an Bedarfe und Ressourcen, der Verarbeitung und Erstellung von Dokumenten oder der Vorhersage von Ausfällen, um Stillstandszeiten durch eine optimierte Instandhaltung zu vermeiden. Ebenfalls äußerst hilfreich sind KI-basierte Assistenten, die Anwender mit Kontextinformationen, detaillierten Analysen und Empfehlungen bei Entscheidungen unterstützen.
Stand: 16.12.2025
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Unternehmen müssen darauf achten, dass sie in der Cloud alle Vorgaben hinsichtlich Sicherheit und Datenschutz einhalten und Anwender von Anfang an in die Umstellung einbinden.