Strategien gegen den industriellen Stillstand Vorausschauende Wartung im Fokus 

Ein Gastbeitrag von Michael Schlagenhaufer 4 min Lesedauer

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Maschinenausfälle kosten Millionen! Erfahren Sie, wie smarte vorausschauende Wartung und agile Notfall-Beschaffung drohende Stillstände verhindern und Ihren Betrieb vor dem Ernstfall schützen. 

Stillstand droht? Selbst modernste Wartung schützt nicht vor jedem Ausfall – entscheidend ist ein schneller Notfallplan für die Materialbeschaffung.(Bild:  Conrad Electronic)
Stillstand droht? Selbst modernste Wartung schützt nicht vor jedem Ausfall – entscheidend ist ein schneller Notfallplan für die Materialbeschaffung.
(Bild: Conrad Electronic)

Jeder ungeplante Ausfall kostet Geld wie verschiedene Untersuchungen, beispielsweise der „Value of Reliability Report“, zeigen: 67 Prozent aller Industriebetriebe erleben mindestens einen ungeplanter Maschinenausfall pro Monat. Die wirtschaftlichen Folgen sind immens: Zieht sich ein solcher Stillstand über drei Tage, bedeutet dies im Durchschnitt einen Gewinnverlust von brutto 70.000 Euro für das betroffene Unternehmen.
Rechnet man hoch, was ein Maschinenstillstand die deutsche Wirtschaft insgesamt kostet, ergibt sich ein stolzes Minus von 147.000 Euro pro Stunde Ausfall. Zu den offensichtlichen Kosten wie entgangenen Deckungsbeiträgen und weiterlaufenden Fixkosten gesellen sich häufig unterschätzte Faktoren, wie Regressforderungen bei Lieferverzug, anfallende Überstunden zur Nacharbeit, Strafzahlungen bei Nichteinhaltung von Lieferverträgen und eine langfristige Rufschädigung beim Kunden.

Trotz optimaler Wartungsstrategie kann ein Restrisiko nicht vollständig eliminiert werden: Ungeplante Bedarfe sind und bleiben die Regel.

Von reaktiver zu vorausschauender Wartung

Lange Zeit dominierten zwei Strategien die Praxis. Doch beide stoßen an Grenzen. Die reaktive Wartung (Reactive Maintenance) bietet keinerlei Planbarkeit und ist in hochkomplexen, vernetzten Anlagen kaum noch tragbar. Die präventive Wartung (Preventive Maintenance) nach festen Intervallen wiederum führt oft dazu, dass Teile zu früh ausgetauscht werden, was die Kosten für Wartung unnötig aufbläht. Vorausschauende Wartung (Predictive Maintenance) kann den Unterschied machen: Auf Basis von Echtzeitdaten, Sensoren und Algorithmen wird der optimale Wartungszeitpunkt präzise bestimmt. Stillstandzeiten verkürzen sich dadurch um 25 bis 30 Prozent.
In der Praxis haben sich drei Analysefelder als besonders effektiv erwiesen: Bei der Vibrationsanalyse überwachen Sensoren rotierende Bauteile wie Motoren oder Getriebe auf kleinste Unwuchten, um Lagerschäden vorzubeugen, bevor diese zum Ausfall führen. Bei der Infrarotanalyse identifizieren Wärmebildkameras Hotspots an Gelenken oder elektrischen Komponenten, die auf erhöhte Reibung oder Überlastung hindeuten. Und bei der Stromkreisüberwachung erkennen kommunikationsfähige Schutzschaltgeräte Überlastungen und ermöglichen volle Transparenz bis in den Endstromkreis. Besonders für KMU mit älterem Maschinenpark bietet das „Retrofitting“, also das Nachrüsten bestehender Anlagen mit moderner Sensorik, einen kosteneffizienten Einstieg in die digitale Instandhaltung.

Jenseits der Wartung: Wie Unternehmen sich auf den Ernstfall vorbereiten

Trotz optimaler Wartungsstrategie kann ein Restrisiko nicht vollständig eliminiert werden: Ungeplante Bedarfe sind und bleiben nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Die Ursachen sind vielfältig und oft systemisch: elektrisches Materialversagen, kurzfristige Konstruktionsänderungen durch geänderte Kundenanforderungen oder umweltbedingte Einflüsse wie Feuchtigkeit und Staub. Insbesondere KMU fehlt es in diesem Zusammenhang oft an organisatorischen Puffern oder flexiblen Beschaffungswegen. Verantwortliche agieren in Momenten des Stillstands unter extremem Stress. Wer dann keinen strategischen Plan für die Ad-hoc-Beschaffung in der Schublade hat, zahlt doppelt, nämlich für den Stillstand und für eine überhastete, unkoordinierte Materialbeschaffung. Ganzheitlich agierende Beschaffungspartner wie die Conrad Sourcing Platform minimieren den Zeit- und Kostenstress bei unvorhergesehenen Maschinenstillständen durch schnelle und zuverlässige Lösungen.

Strategischer Einkauf als Schutzschild

Moderner B2B-Einkauf muss Geschwindigkeit vor reine Kostenoptimierung stellen, wenn die Produktion steht. Um die Resilienz zu erhöhen, sind folgende Hebel entscheidend:
1. Gezielte Sicherheitsbestände: Mittels ABC-/XYZ-Analysen sollten kritische Komponenten mit langer Wiederbeschaffungszeit identifiziert werden. Eine Break-Even-Analyse hilft dabei, die jährlichen Lagerkosten gegen das Risiko eines Stillstands abzuwägen. Ist der potenzielle Schaden eines Ausfalls höher als die Lagerkosten, ist die Bevorratung wirtschaftlich zwingend.

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Ungeplante Stillstände vermeiden, bevor sie entstehen: Wie Predictive Maintenance die Produktion am Laufen hält und teure Ausfälle verhindert. Das Conrad Whitepaper zeigt innovative Instandhaltungsstrategien auf, die aus reaktiven Unternehmen proaktive Gewinner machen.(Bild:  © Success Media/stock.adobe.com, Illustration generiert mit KI)
Ungeplante Stillstände vermeiden, bevor sie entstehen: Wie Predictive Maintenance die Produktion am Laufen hält und teure Ausfälle verhindert. Das Conrad Whitepaper zeigt innovative Instandhaltungsstrategien auf, die aus reaktiven Unternehmen proaktive Gewinner machen.
(Bild: © Success Media/stock.adobe.com, Illustration generiert mit KI)

2. Second Sourcing: Die Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten (Single Sourcing) stellt ein hohes Risiko dar. Unternehmen benötigen aktiv getestete Backup-Lieferanten und Partner mit weltweiter Verfügbarkeit, bei denen Konditionen und Eilprozesse bereits im Vorfeld geklärt sind.

3. Differenzierte Lieferstrategie: Während Rahmenverträge für planbare Bedarfe Kostenvorteile und Prozessentlastung bieten, sind Expresslieferungen das notwendige Werkzeug für den Ernstfall. Zwar liegen die Kosten für Eilbestellungen oft 30 bis 50 Prozent über dem Basispreis, doch im Vergleich zu fünfstelligen Stillstandskosten pro Stunde ist dies oft die wirtschaftlichere Wahl.

Der Notfallplan für den Ernstfall

Tritt der Ernstfall ein, entscheidet die Reaktionsgeschwindigkeit über das Ausmaß des Schadens. Ein strukturierter 5-Schritte-Plan sorgt für klare Abläufe:
Schritt 1 – Bedarfsanalyse: Welches Teil fehlt exakt? Welche Maschinen stehen still und welche Kundenaufträge sind gefährdet?
Schritt 2 – Interne Prüfung: Sind Bestände an anderen Lagerorten oder in Reserveprojekten verfügbar, die temporär umgewidmet werden können?
Schritt 3 – Expressbeschaffung: Sofortige Auslösung der Bestellung über vorab definierte Eilpfade und Lieferanten mit garantierter 24h-Lieferfähigkeit.
Schritt 4 – Kommunikation: Frühzeitige Information an Vertrieb und Kunden, um Lieferverzögerungen transparent zu managen.
Schritt 5 – Ursachenanalyse: Warum versagte die Planung? Wie muss der Sicherheitsbestand oder die Wartung angepasst werden?

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(Bild: WIN-Verlag GmbH & Co. KG )

Gezielte Investition in Resilienz

Wer heute in die Transparenz seiner Anlagen und in belastbare Partnerschaften mit Beschaffungsplattformen investiert, gewinnt genau die Reaktionsgeschwindigkeit, die im Ernstfall den Unterschied zwischen einem kurzen Stopp und einer existenziellen Krise macht. Am Ende geht es nicht darum, jeden Ausfall zu verhindern, sondern im entscheidenden Moment schneller, klarer und gezielter handeln zu können als der Wettbewerb.

Michael Schlagenhaufer 
Senior Director Product & Procurement, Core Electronics bei Conrad Electronic

Bildquelle: Conrad Electronic