Vernetzte Verpackungsproduktion Rondo Ganahl digitalisiert den Shopfloor

Ein Gastbeitrag von Patrick Beckenkamp 4 min Lesedauer

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SAP PP/DS, Digital Manufacturing und EWM verbinden bei Rondo Ganahl Feinplanung, Shopfloor und Materialfluss. Das schafft Transparenz für die variantenreiche Wellpappenproduktion.

Moderne Verpackungsfertigung bei Rondo Ganahl: SAP Digital Manufacturing und SAP PP/DS vernetzen Planung, Shopfloor und Logistik nahtlos.(Bild:  Rondo Ganahl AG)
Moderne Verpackungsfertigung bei Rondo Ganahl: SAP Digital Manufacturing und SAP PP/DS vernetzen Planung, Shopfloor und Logistik nahtlos.
(Bild: Rondo Ganahl AG)

Rondo ist ein Hersteller von Verpackungslösungen aus Wellpappe. Die Produktion ist entsprechend vielschichtig, denn Rondo schließt den Papier-Recycling-Kreislauf innerhalb der eigenen Unternehmensgruppe: Altpapier wird gesammelt und zu hochwertigem Wellpappe-Rohpapier aufbereitet. Dieses wird zu Wellpappe weiterverarbeitet, die daraus entstehenden Wellpappebögen werden gestanzt, bedruckt, geklebt, geheftet, gerillt und anschließend zu individuellen Verpackungen weiterverarbeitet. Viele Aufträge laufen über mehrere Fertigungsstufen hinweg – bei gleichzeitig hoher Variantenvielfalt.

Ein SAP-ERP-Template war in der Unternehmensgruppe bereits vorhanden. Doch zentrale Bausteine für eine moderne Produktionssteuerung fehlten. SAP DM (Digital Manufacturing), SAP EWM (Extended Warehouse Management) und SAP PP/DS (Production Planning and Detailed Scheduling) für die Feinplanung waren bislang nicht Teil der Systemlandschaft.

Die Produktionssteuerung lief über ein spezialisiertes MES-System (Kiwiplan MES) aus der Branche. Das deckte viele Anforderungen ab, stieß bei neuen digitalen Aufgaben jedoch zunehmend an Grenzen – insbesondere bei der Integration in die SAP-Prozesse und bei der durchgängigen Planung über mehrere Fertigungsstufen.

Das Projekt zeigt: Selbst eine hochvariantenreiche Verpackungsproduktion lässt sich heute durchgängig in SAP steuern – von der Feinplanung über den Shopfloor bis zur Produktionslogistik.

Die Lösung: Planung, Produktion und Logistik in einem Systemverbund

Gemeinsam mit T.CON und Aicomp entschied sich Rondo am Standort Langenenslingen (Baden-Württemberg) für ein integriertes Setup aus drei SAP-Komponenten: SAP PP/DS für die Planung, SAP DM (Digital Manufacturing) für den Shopfloor und SAP EWM für die Produktionslogistik. Zusammen bilden sie die Grundlage für eine durchgängige Steuerung der Verpackungsproduktion.

1. SAP Digital Manufacturing: Automatisierung auf dem Shopfloor

Mit SAP Digital Manufacturing bildet Rondo nun an seinem deutschen Standort komplexe Verpackungsszenarien mit zahlreichen Fertigungsstufen und Pegging-Netzen digital ab. Produktionsdaten stehen in Echtzeit zur Verfügung. Verbrauchsbuchungen laufen automatisiert, Maschinenzeiten werden direkt erfasst. Auch Materialverbräuche außerhalb der klassischen Stückliste lassen sich sauber abbilden. Das System überführt sie automatisch in geplante Komponenten – manuelle Nacharbeit im Shopfloor entfällt.

Ein weiterer Schritt: die papierlose Fertigung. Arbeitsanweisungen, Dokumente oder Merkmalsinformationen erscheinen direkt im Prozess – als Text oder Barcode, genau dort, wo sie benötigt werden. Für unterschiedliche Produktionsbereiche wurden zudem eigene Benutzeroberflächen entwickelt. Diese sogenannten Production Operator Dashboards (PODs) führen Mitarbeiter gezielt durch ihre Aufgaben und machen die Bedienung deutlich übersichtlicher.

2. Mehr Durchblick in der Planung mit SAP PP/DS

Die Feinplanung übernimmt SAP PP/DS. Das System plant Produktionsaufträge unter Berücksichtigung von Materialverfügbarkeit, Kapazitäten und Rüstzeiten – und zwar finite, also auf Basis real verfügbarer Ressourcen.

Bei Rondo kommt zusätzlich der DS-Optimierer zum Einsatz. Damit lassen sich komplexe Planungsprozesse über mehrere Produktionsstufen hinweg automatisiert steuern. Selbst mit begrenztem personellem Aufwand entstehen so belastbare Produktionspläne für mehr als 30 Ressourcen. Aufträge werden dabei intelligent auf vergleichbare Maschinen verteilt. Das reduziert Überlastungen und verkürzt Durchlaufzeiten.

Auch branchenspezifische Anforderungen fließen in die Planung ein. Dazu gehört etwa eine besonders präzise Beschaffungsplanung für Rohmaterialien oder die gezielte Einplanung kritischer Aufträge mit erhöhtem Überwachungsbedarf. Ergänzt wird der SAP-Standard durch T.CON Consulting Solutions, etwa für eine erweiterte merkmalsbasierte Planung.

Gut gerüstet für die variantenreiche Fertigung: Im Rollenstapellager von Rondo greifen Logistik und digitale Feinplanung perfekt ineinander.(Bild:  Rondo Ganahl AG)
Gut gerüstet für die variantenreiche Fertigung: Im Rollenstapellager von Rondo greifen Logistik und digitale Feinplanung perfekt ineinander.
(Bild: Rondo Ganahl AG)

3. SAP EWM für eine integrierte Produktionslogistik

SAP EWM übernimmt die operative Ausführung der Planung und steuert den physischen Materialfluss. Das beginnt beim Rohstoffeingang, reicht über die produktionsnahe Bereitstellung bis zum Versand der fertigen Verpackungen. Im Lager und in der Produktion arbeiten die Mitarbeiter mit mobilen Scanner-Lösungen. Materialbewegungen werden damit direkt im System gebucht. Das sorgt für Transparenz und reduziert Fehlerquellen.

Zentral ist auch die durchgängige Chargenführung. Sie ermöglicht eine vollständige Rückverfolgbarkeit vom Rohmaterial bis zur fertigen Verpackung. Gerade in der Wellpappenproduktion ist das entscheidend: Unterschiedliche Formatgrößen und Materialabmessungen müssen exakt für die jeweiligen Produktionsaufträge bereitgestellt werden. SAP EWM sorgt dafür, dass dieser Materialfluss präzise gesteuert werden kann.

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Mit dem Zusammenspiel aus SAP PP/DS, SAP Digital Manufacturing und SAP EWM entsteht eine Systemlandschaft, die Planung, Produktion und Materialfluss eng miteinander verzahnt und gleichzeitig Raum für weitere Automatisierung schafft.

Automatische Verpackungsvarianten dank Aicomp

Ein wichtiger Baustein der Lösung ist die Variantenkonfiguration von Aicomp. Sie ermöglicht die automatisierte Erstellung auftragsindividueller Verpackungsvarianten.

Verpackungen mit identischer Bauform, aber unterschiedlicher Bedruckung erhalten automatisch die passenden Stammdaten im SAP-System. Die Stammdaten entstehen damit weitgehend automatisiert – ein großer Vorteil bei stark variantenreichen Aufträgen wie es bei Rondo der Fall ist, denn Verpackungen des Wellpappe-Spezialisten werden maßgeschneidert auf die Anforderungen der Kunden entwickelt und umgesetzt.

Das Rondo-Ganahl-Werk in Frastanz, Vorarlberg, aus der Luft. Die Unternehmensgruppe deckt den Weg vom gesammelten Altpapier über Wellpappenrohpapier bis zur individuellen Verpackung ab. Die Aufnahme zeigt Produktions- und Lagerhallen sowie die Logistikflächen des Standorts. Das im Artikel beschriebene SAP-Projekt wurde am deutschen Standort Langenenslingen umgesetzt.(Bild:  Rondo Ganahl AG)
Das Rondo-Ganahl-Werk in Frastanz, Vorarlberg, aus der Luft. Die Unternehmensgruppe deckt den Weg vom gesammelten Altpapier über Wellpappenrohpapier bis zur individuellen Verpackung ab. Die Aufnahme zeigt Produktions- und Lagerhallen sowie die Logistikflächen des Standorts. Das im Artikel beschriebene SAP-Projekt wurde am deutschen Standort Langenenslingen umgesetzt.
(Bild: Rondo Ganahl AG)

Das Ergebnis: Mehr Transparenz im gesamten Produktionsprozess

Mit der neuen Systemlandschaft steuert Rondo Planung, Produktion und Logistik auf einer gemeinsamen Datenbasis. Produktionspläne lassen sich zuverlässiger erstellen. Materialflüsse werden transparent nachvollziehbar. Entscheidungen im Shopfloor können auf aktuellen Produktionsdaten basieren. Für die Mitarbeiter bedeutet das vor allem klarere Prozesse: strukturierte Bedienoberflächen, digitale Arbeitsanweisungen und weniger manuelle Zwischenschritte.

Erfolgreicher Go-Live und Blick in die Zukunft

Midhad Hodzic, Head of SAP Services bei Rondo Ganahl AG, resümiert das erfolgreiche Projekt: „Die Zusammenarbeit mit Aicomp und T.CON war und ist sehr gut – von den ersten vorbereitenden Gesprächen über die kompetente Beratung und dem offiziellen Projektstart im Herbst 2024 bis hin zum kürzlich erfolgten ‘Go Live’ und darüber hinaus. Auch die ersten Rückmeldungen und Erfahrungen unserer Kollegen am Standort, die bereits mit der implementierten Lösung arbeiten, fallen durchweg sehr positiv aus.” Die Lösung bietet Potential für weitere Ausbaustufen innerhalb der Rondo Ganahl AG und könnte zukünftig auch in anderen Wellpappewerken der Unternehmensgruppe implementiert werden.

Patrick Beckenkamp ist Senior Portfolio Marketing Manager bei T.CON.