Potenzialanalysen Vom Prozessverständnis zur Business-Transformation

Von Gabriel Wenzke 3 min Lesedauer

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Fertigungsunternehmen stehen heute vor einer Vielzahl digitaler Lösungen – von spezialisierter Software über Automatisierung bis hin zu KI. Oft fehlt jedoch der durchgängige Blick darauf, wo Ineffizienzen liegen, welche Potenziale ungenutzt bleiben und welche Schritte Prozesse, Organisation und IT wirklich voranbringen – von punktuellen Verbesserungen bis zur grundlegenden Transformation. Potenzialanalysen schaffen dafür eine belastbare Grundlage.

Potenzialanalysen machen sichtbar, wo sich Fertigungs­prozesse wirklich verbessern lassen.(Bild:  PSI/AI generated by OpenWonder)
Potenzialanalysen machen sichtbar, wo sich Fertigungs­prozesse wirklich verbessern lassen.
(Bild: PSI/AI generated by OpenWonder)

Unternehmen müssen Liefertermine absichern, Bestände begrenzen, Qualität gewährleisten und Kapazitäten effizient nutzen. Zugleich erfordern Kostensteigerungen, volatile Lieferketten und Digitalisierungsdruck eine engere Abstimmung von Planung, Fertigung, Qualität und Logistik. Viele Unternehmen suchen in dieser Situation nach digitalen Antworten, etwa in zusätzlichen Systemfunktionen, Automatisierungslösungen sowie in KI-Anwendungen. Solche Ansätze können sinnvoll sein, greifen ohne klares Prozessverständnis jedoch häufig zu kurz. Denn operative Probleme entstehen selten an einer einzelnen Stelle. Verspätete Materialverfügbarkeit, Rückstände, instabile Liefertermine, Bottlenecks beziehungsweise Engpassressourcen, hohe Bestände oder Abweichungen zwischen geplanter und tatsächlicher Ausbringung hängen oft zusammen. Ein verspäteter Auftragsstart kann an fehlendem Material liegen. Er kann aber ebenso mit unpassenden Dispositionsparametern, unklaren Rückmeldungen, begrenzten Kapazitäten oder einer zu optimistischen Terminlogik zusammenhängen.

Prozessanalyse und Ursachenlogik als Grundlage 

Bevor Maßnahmen beschlossen werden oder Software ausgewählt wird, sollten Unternehmen immer erst Prozesse, Schnittstellen und Abhängigkeiten im Zusammenhang verstehen.(Bild:  PSI/AI generated by OpenWonder)
Bevor Maßnahmen beschlossen werden oder Software ausgewählt wird, sollten Unternehmen immer erst Prozesse, Schnittstellen und Abhängigkeiten im Zusammenhang verstehen.
(Bild: PSI/AI generated by OpenWonder)

Die Potenzialanalyse schließt diese Lücke zwischen Symptom und wirksamer Maßnahme, indem sie die Prozesslandschaft im Zusammenhang analysiert. Im Prozessdesign betrachtet sie, wie End-to-End-Prozesse, Daten, Rollen, Schnittstellen und IT-Unterstützung zusammenspielen. Dabei wird sichtbar, wo Standards fehlen, Medien- oder Systembrüche Abläufe bremsen und an welchen Stellen Zielprozesse neu ausgerichtet werden sollten. Zugleich verbindet dieser Blick operative Prozess­fragen mit Governance, Enterprise-Architecture-Management, Process Mining und einer Softwarelandschaft, die sich am Prozessziel orientiert.

Diese Sicht hilft, operative Symptome nicht isoliert zu betrachten, sondern in ihre Ursachenlogik einzuordnen. Aspekte wie fehlendes Material, instabile Lieferzusagen oder geringe Ausbringung werden beispielsweise entlang von Bedarf, Bestand, Beschaffung, Auftragsfreigabe, Kapazität und Rückmeldung nachverfolgt. So lässt sich erkennen, ob Datenqualität, Steuerungslogik, organisatorische Übergaben, fehlende Transparenz oder Zielkonflikte das Problem verursachen.

Welche Maßnahme passt, hängt von dieser Einordnung ab. In manchen Fällen genügt eine kurzfristige Anpassung, etwa bei Stammdaten, Rückmelderegeln oder Dispositionsparametern. In anderen Fällen braucht es ein Prozess-Redesign, eine veränderte Steuerungslogik oder eine engere Verzahnung von Planung, Fertigung, Qualität und Logistik. So entstehen Maßnahmen aus der Ursachenlogik des Prozesses heraus und nicht aus einzelnen Befunden.

Analysefelder mit Prozess- und KI-Potenzial 

Wie sich solche Potenziale methodisch erschließen lassen, zeigt beispielhaft die Herangehensweise der PSI Software SE. Sie verbindet Prozessanalyse, datenbasierte Auswertung und KI-Methoden, um operative Symptome fachlich einzuordnen und geeignete Hebel abzuleiten.

Typische Ansatzpunkte in der Fertigung

Materialverfügbarkeit und Rückstände hängen etwa davon ab, wie Bedarf, Bestand, Beschaffung, Lieferanteninformationen, Dispositionsparameter und Auftragsfreigabe zusammenspielen. Adaptive Analysis kann hier Muster in Fehlteilen, Rückständen oder Planungsentscheidungen sichtbar machen. Daraus entstehen Hinweise, wo Nachjustierungen den größten Effekt erzielen.Ähnlich verhält es sich bei Kapazitäten. Der Blick auf einzelne Maschinen reicht selten aus, weil auch Personal, Prüfplätze, Transportressourcen oder vorgelagerte Arbeitsschritte den Durchsatz begrenzen können. Als Bottleneck beeinflussen sie Ausbringung, Durchlaufzeit und Lieferfähigkeit. Simulationen und Szenarioanalysen helfen, unterschiedliche Kapazitätsverteilungen, Reihenfolgen oder Ressourcennutzungen miteinander zu vergleichen. So lassen sich Maßnahmen vorab fachlich einordnen, bevor Unternehmen sie in der Fertigung umsetzen.

Auch Qualität und Instandhaltung profitieren von der Verbindung aus Prozess- und Datenperspektive. Historische Maschinen-, Prozess- und Qualitätsdaten liefern Hinweise auf Abweichungen, Nacharbeit oder Stillstände. Predictive Analysis kann Ausfälle oder Qualitätsprobleme früher erkennen, Wartungszeitpunkte besser planbar machen und ungeplante Maschinenstillstände reduzieren.

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KI ganzheitlich einordnen 

Eine KI-Stack-Analyse ordnet solche Optionen fachlich ein. Adaptive Analysis unterstützt bei Entscheidungslogik, Zielkonflikten und Engpässen. Predictive Analysis eignet sich für Prognosen zu Ausfällen, Qualität oder Bedarf. Generative Analysis kann Prozesswissen, Dokumentation oder Arbeitsanweisungen leichter zugänglich machen. Auf diese Weise entsteht der KI-Einsatz aus Prozessproblem, Datenlage und Zielbild her­aus und nicht als zusätzlicher Technologiebaustein neben dem eigentlichen Bedarf.

Von der Analyse  zur Transformations-Roadmap 

Aus der Potenzialanalyse entsteht im Ergebnis keine Maßnahmenliste, sondern eine auf die Anforderungen und Realitäten eines Unternehmens zugeschnittene Transformations-Roadmap. Sie macht sichtbar, wo man Prozesse neu ausrichten sollte, welche Softwareunterstützung dazu passt und an welchen Stellen KI-Anwendungen sinnvoll vorbereitet oder umgesetzt werden können. Damit entsteht ein konkreter Entwicklungspfad, der Prozessverbesserung, Systemunterstützung und KI-Nutzung fachlich verbindet und Unternehmen befähigt, Optimierung und Veränderung schrittweise umzusetzen.

Gabriel Wenzke ist Senior Project Manager bei der PSI Software SE, Business Unit Discrete   Manufacturing.