BMW baut den Einsatz Phyiscal AI im amerikanischen Spartanburg aus. Ein humanoider Roboter sortiert dort ab sofort Bauteile. Die Entwickler haben die Maschine für diesen Zweck umfassend überarbeitet.
Figure 03 im Einsatz: Dank taktiler Sensoren und Kameras in den Händen sequenziert der Roboter angelieferte Bauteile für die Montage.
(Bild: BMW)
Die BMW Group intensiviert den Einsatz von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz (KI) in der Produktion. Mit der sogenannten „Physical AI“, die digitale KI mit realen Maschinen und Robotern verbindet, können intelligente Systeme wie humanoide Roboter in reale Produktionsprozesse eingebunden werden. Nach einem erfolgreichen Einsatz des humanoiden Roboters Figure 02 im BMW Group Werk Spartanburg (USA) wird nun der weiterentwickelte Nachfolger Figure 03 in Spartanburg an den Start gehen und komplexe Sequenzierungs-Anwendungen in der Logistik durchführen.
„Das Werk Spartanburg ist die Wiege der humanoiden Robotik im operativen Tagesgeschäft der BMW Group. Nachdem wir bereits einen Piloten mit dem Figure 02 in unserem Karosseriebau erfolgreich abgeschlossen haben, freuen wir uns nun darauf, den Figure 03 für einen Sequenzierungs-Anwendungsfall in der Logistik einzusetzen“, sagt Ulrich Wieland, Vice President of Production Control and Logistics, BMW Manufacturing. Der elfmonatiger Einsatz von Figure 02 habe bewiesen, dass Humanoide längst keine Laborexperimente mehr sind – sie können ein wertvoller Bestandteil beim Aufbau einer flexiblen, zuverlässigen Fertigungsbelegschaft sein, ergänzt Brett Adcock, Gründer und CEO von Figure AI.
Die BMW Group sammelte bereits 2025 im Werk Spartanburg wichtige Erfahrungen mit humanoider Robotik. In Zusammenarbeit mit dem Technologieunternehmen Figure AI unterstützte der Roboter Figure 02 über einen Zeitraum von zehn Monaten die Produktion von mehr als 30.000 BMW X3 Fahrzeugen. Im Karosseriebau positionierte der Roboter Blechteile für den Schweißprozess – eine Aufgabe, die hohe Anforderungen an Geschwindigkeit sowie Genauigkeit stellt und körperlich belastend sein kann. Die Zusammenarbeit zeigte, dass humanoide Roboter präzise und wiederholbare Arbeitsschritte unter realen Produktionsbedingungen sicher ausführen können.
Die aus diesem Projekt gewonnenen Erkenntnisse bilden nun die Grundlage für den nächsten Schritt mit dem Nachfolgemodell Figure 03. „Der Roboter verfügt über mehrere neue Funktionen für erweiterte Anwendungsmöglichkeiten. Dazu zählen weiche Komponenten zur Erhöhung der Sicherheit, kabelloses Laden für eine höhere Verfügbarkeit, Audiofunktionen für Speech-to-Speech-Kommunikation sowie verbesserte Hände mit taktilen Sensoren und Kameras in den Handflächen für mehr Präzision und Geschicklichkeit“, erklärt Adcock.
Im neuen Sequenzierungs-Anwendungsfall treffen angelieferte Komponenten zunächst unsortiert in größeren Behältern ein. Figure 03 nimmt diese auf und sortiert sie in einen Sequenzierungswagen ein. Der Wagen wird danach zu einer definierten Sammelpunkt für die Weiterbeförderung gebracht. Ein automatisierter Routenzug oder ein Smart Transport Robot transportiert die Teile dann zum Einbauort, wo sie den Mitarbeitenden in der Montage „just in sequence“ bereitgestellt werden. Dieser Anwendungsfall komme in der Logistik in der Automobilproduktion vielfach vor und biete Potenzial für Weiterentwicklung und Skalierbarkeit.
FAQ: Humanoide Roboter
Was ist ein humanoider Roboter?
Ein humanoider Roboter ist ein Roboter, der dem menschlichen Körper ähnelt. Er hat oft einen Kopf, zwei Arme und zwei Beine und kann menschliche Bewegungen oder Aufgaben nachahmen.
Wofür werden humanoide Roboter eingesetzt?
Humanoide Roboter werden in der Forschung, in der Industrie, im Gesundheitswesen, im Kundenservice und in der Bildung eingesetzt. Sie können Menschen bei bestimmten Aufgaben unterstützen oder Informationen bereitstellen.
Können humanoide Roboter Menschen vollständig ersetzen?
Nein. Humanoide Roboter können viele Aufgaben übernehmen, aber sie ersetzen den Menschen nicht vollständig. Kreativität, Mitgefühl, komplexe Entscheidungen und zwischenmenschliche Kommunikation bleiben wichtige menschliche Fähigkeiten.
Anwendungen in der Montagehalle
Das neue Projekt ist eng mit der digitalen Transformation der Produktion im Werk Spartanburg verbunden. Die Halle 52, in der Antriebsvarianten des BMW X3 und künftig des elektrifizierten BMW iX5 gebaut werden, wurde umfassend erweitert und umgebaut. Digitale Anwendungen kamen bereits in der Planung zum Einsatz und werden im Rahmen des BMW iFACTORY Ansatzes auch im täglichen Produktionsbetrieb weiter implementiert. Noch bevor Komponenten an der Produktionslinie eintreffen, helfen virtuelle 3D‑Simulationen dabei, Prozesse zu optimieren und von Beginn an eine fehlerfreie Umsetzung zu ermöglichen.
Die BMW Virtual Factory mache Komplexität beherrschbar und unterstützt Mitarbeitende, indem menschliche Bewegungsabläufe simuliert werden. Damit werden manuelle Prozesse von der Planung bis zur Produktionslinie verfeinert. Ein zentrales Ziel ist laut Aussage des Automobilherstellers die Optimierung der Ergonomie für Mitarbeitende.
(Bild: BMW)
Figure AI demonstriert den humanoiden Roboter Figure 03 in einem neuen Anwendungsfall im BMW Group Werk Spartanburg.
Auch in der Qualitätssicherung kommt künstliche Intelligenz bereits zum Einsatz. Mit AIQX (Artificial Intelligence Quality Next) nutzt das Werk Spartanburg KI für visuelle und akustische Qualitätsprüfung, um gleichbleibende Qualität in einem dynamischen Produktionsumfeld sicherzustellen. BMW hat laut eigener Aussage AIQX als Standard etabliert und prüft Möglichkeiten, das System auch Zulieferern zur Verfügung zu stellen. Es nutzt im Bandablauf Kamerasysteme sowie Sensoren und gibt Mitarbeitenden am Band unmittelbar Feedback über Smart Devices.
Stand: 16.12.2025
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