Die Schweizer Robotronic AG und Mitsubishi Electric sind seit über 20 Jahren eng verbunden und bringen immer wieder neue Roboterlösungen auf den Markt. Ihr jüngster Coup: die weltweit wohl kleinste automatisierte Palettier-Zelle für Vials und Fertigspritzen.
Die mit 150x130 cm wohl weltweit kleinste Palettier-Zelle für die Pharmaproduktion wurde von Robotronic in Zusammenarbeit mit Mitsubishi Electric entwickelt.
(Bild: Robotronic / Mitsubishi Electric)
Diese kompakte, modular aufgebaute Zelle ist dank nahtloser Integration für die Serienfertigung auch in bestehenden Produktionsumgebungen konzipiert. Sie unterstützt Pharmaunternehmen dabei, Produktionskapazitäten zu stabilisieren und so medizinische Engpässe bei Hustensäften, Antibiotika, Krebsmedikamenten und anderen Präparaten zu vermeiden.
Pharmazeutische Lieferketten robuster machen
Fehlen wichtige Medikamente, wirkt sich das direkt auf die Behandlung und Lebensqualität von Patienten aus. Deshalb richtet die Europäische Arzneimittel-Agentur ihren Fokus zunehmend auf eine zentrale Ursache der Engpässe, nämlich Herstellungs- und Qualitätsprobleme. Genau an diesem Punkt setzt die neue Zelle an. Sie soll dazu beitragen, pharmazeutische Lieferketten robuster zu machen.
Spritzen- und Vials-Handling auf engstem Raum
Vials (Injektionsfläschchen) und Spritzenhandling auf engstem Raum.
(Bild: Robotronic / Mitsubishi Electric)
Mike Weber, Gründer von Robotronic, macht deutlich, worauf es ankommt: Eine schnellere Produktion ist erforderlich, um Vorlaufzeiten zu verkürzen und die ständig steigende Nachfrage zu bewältigen. Robotronic ist auf Maschinenbau mit Roboteranwendungen für die pharmazeutische Industrie spezialisiert. Das Unternehmen deckt Prozesse von De- und Renesting, Tray-Handling, De- und Repalettierung sowie den sicheren Transport der Produkte ohne Glasbruch ab. Und das bei äußerst kurzen Formatwechselzeiten. Tiefes Fachwissen und ein besonderer Schwerpunkt liegen auf dem Handling von Vials und vorgefüllten Spritzen. Ziel sind wartungsarme Lösungen mit maximalem Output bei geringstmöglichem Platzbedarf
Sicherheit und Vorschriften
Eine der wichtigsten Herausforderungen ist für Robotronic die Einhaltung der strengen Richtlinien. "Bei der pharmazeutischen Konsistenz geht es um mehr als Qualität", sagt Mike. "Es geht auch um die Einhaltung von Vorschriften und den hohen Sicherheitsanforderungen." Genau diese Mischung macht die Aufgabe technisch so anspruchsvoll. Denn hohe Ausbringung ist in dieser Umgebung nur dann etwas wert, wenn sie sich sauber, sicher und reproduzierbar realisieren lässt.
Millimeterarbeit mit zwei Robotern und SoftTouch-Technology
Dank „SoftTouch-Technology“ trotz Millimeterarbeit kein Glas-zu-Glas-Kontakt oder Glasbruch.
(Bild: Robotronic / Mitsubishi Electric)
Um die geforderte Produktivität zu erreichen, müssen zwei Roboter mit hoher Geschwindigkeit sehr eng zusammenarbeiten. Gleichzeitig dürfen die empfindlichen Produkte nicht beschädigt werden. Genau hier trennt sich in der Praxis oft kompakt von zu kompakt. Entscheidend ist, dass Geschwindigkeit, Präzision und Produktschutz nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Für diese Aufgabe kommen für Robotronic nur die Roboter der Firma Mitsubishi Electric in Frage. In diesem Fall auf die FR-Serie, einen hochflexiblen Roboter mit kompakten Armgrößen, der zudem mit der SoftTouch-Technologie ausgestattet ist.
Bis zu 600 Produkte pro Minute auf 150 x 130 Zentimetern
Bis zu 600 Produkte pro Minute können mit der Zelle palettiert werden.
(Bild: Robotronic / Mitsubishi Electric)
Das Ergebnis ist eine hochproduktive Roboterzelle mit einer Grundfläche von nur 150 x 130 cm, ausgelegt für die Handhabung von Paletten im Format 120 x 80 cm. Der kompakte Grundriss macht deutlich, wie effizient die Zelle auf minimale Stellfläche bei gleichzeitig hoher Funktionalität ausgelegt ist. Entscheidend für die Anwendung ist zudem die integrierte Compliance-Kontrolle der FR-Serie. Sie stellt mit der sogenannten „SoftTouch-Technology“ eine Funktion bereit, die Glas-zu-Glas-Kontakt sowie Glasbruch verhindert. Ein weiterer Pluspunkt ist die leichte Reinigung der Zelle.
Eine der Herausforderungen in einer so kompakten Zelle ist es unter anderem, zwei Roboter auf engstem Raum nebeneinander arbeiten zu lassen, ohne Kompromisse bei Geschwindigkeit und Präzision einzugehen. Mit Unterstützung von Mitsubishi Electric können so mehrere Roboter bei Bedarf mit voller Geschwindigkeit im Millimeterabstand zueinander fahren, ohne dass es zu Kollisionen kommt. So lassen sich Zellen realisieren, die Paletten bewegen und bis zu 600 Produkte pro Minute verarbeiten, ohne die Roboter an ihre Leistungsgrenze zu bringen. Das klingt nach gefährlicher Millimeterarbeit, ist in der Praxis aber tatsächlich ein sauber beherrschter Prozess.
Mehr als eine klassische Lieferantenbeziehung
Die Anwendung stellt die geordnete Entnahme und Rückführung der empfindlichen Pharmaprodukte aus den Nestverpackungen sicher.
(Bild: Robotronic / Mitsubishi Electric)
Für Robotronic ist die Zusammenarbeit deshalb mehr als eine klassische Lieferantenbeziehung. Mike Weber: „Wir leben eine echte technologischen Partnerschaft. Robotronic bringt tiefes pharmazeutisches Prozess-Know-how ein, Mitsubishi Electric die passende Robotertechnologie. Unsere Maschinen verkürzen Durchlaufzeiten und haben das Potential, robustere pharmazeutische Lieferketten auf kompaktem Raum zu schaffen.
Stefan Knauf, Division Manager bei Mitsubishi Electric Factory Automation - German Branch, ergänzt „Unsere FR-Roboter zeigen, dass sich hoher Durchsatz und schonende Handhabung nicht ausschließen. Mit zusätzlicher Servoachse und integrierter Compliance-Kontrolle erfüllen sie genau diese Anforderungen auf kleinem Raum.“ Gerade in einem Pharmamarkt, in dem Engpässe, Fertigungsprobleme und steigende regulatorische Anforderungen den Takt vorgeben, zeigt die gemeinsam entwickelte Palettier-Zelle, dass kompakte Robotik mehr sein kann als reine Automatisierung: ein konkreter Hebel für stabile Prozesse, reproduzierbare Qualität und mehr Versorgungssicherheit.
Stand: 16.12.2025
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