euRobotics Technology Transfer Award Sensor-add-on revolutioniert das Cobot-Schweißen

Quelle: Pressemitteilung 3 min Lesedauer

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Das Fraunhofer IPA hat eine neue Technologie für das Cobot-Schweißen entwickelt: Ein Sensor-Add-on ermöglicht die vollautomatische initiale Planung der Roboterbahn ohne vorherige Programmierung.

Mithilfe eines Sensor-Add-ons erkennt der Cobot die zu schweißende Naht automatisch, und das Programm wird automatisch erstellt.(Bild:  Fraunhofer IPA/Rainer Bez)
Mithilfe eines Sensor-Add-ons erkennt der Cobot die zu schweißende Naht automatisch, und das Programm wird automatisch erstellt.
(Bild: Fraunhofer IPA/Rainer Bez)

Die Auszeichnung „euRobotics Technology Transfer Award“ belohnt Forschung, die im industriellen Einsatz angekommen ist. Inhalt der Bewerbung des Fraunhofer IPA, mit Trumpf und Lorch war eine „No-Code“-Lösung, mit der Unternehmen Cobots ohne Fachwissen oder hohe Aufwände fürs Schweißen bei kleinen Losgrößen einsetzen können. Mit dieser Lösung bewarb sich das Entwicklungsteam unter dem Projektnamen „TR4CE-Weld – Tracing in Realtime 4 Cobot-Enhanced Welding“ für den diesjährigen Award. Gestiftet vom europäischen Roboterverband „euRobotics“ und jährlich verliehen auf dem „European Robotics Forum“, setzte sich die Bewerbung mit einem schriftlichen Teil und einem Vortrag direkt auf dem ERF, dieses Jahr im norwegischen Stavanger, durch. Der Award würdigt seit 2004 herausragende Leistungen beim Transfer von Robotik-Technologie aus der Forschung in die Industrie. Er unterstreicht die entscheidende Rolle des Technologietransfers dabei, die europäische Robotik an der Spitze des globalen Wettbewerbs zu halten.

Passgenaue Lösung für das Schweißen: Knapp dreistellige Anzahl realisierter Roboterzellen

Die prämierte Lösung traf einen entscheidenden Marktbedarf, denn demografischer Wandel und Fachkräfteengpässe verschärfen den Mangel an qualifiziertem Schweißpersonal dramatisch. Automatisierung wird daher auch für kleinere Stückzahlen unverzichtbar, war aber bisher kaum wirtschaftlich umsetzbar – insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Die Kooperation zwischen Forschung und Industrie liefert hier eine praxisgerechte Antwort: Die Handhabung bleibt einfach und schnell – auch ohne tiefgreifendes Expertenwissen.

Die Fachkraft positioniert den Roboter lediglich am Startpunkt der Naht. Ein vorgeschalteter Lasertriangulationssensor erfasst dann die Fügezone selbstständig. Die Software berechnet in Echtzeit Schweißbahn und Brennerausrichtung, sodass der Einsatz innerhalb weniger Sekunden beginnen kann. Der entscheidende Durchbruch: Während bisherige Sensorik-Systeme lediglich vorprogrammierte Bahnen aufgrund von Toleranzen korrigieren, übernimmt die neue Entwicklung die komplette Erstprogrammierung. Abweichungen bei Folgebauteilen werden automatisch kompensiert. Diese Innovation erschließt die effiziente Produktion kleiner Losgrößen mit Cobots auf einem völlig neuen Niveau.

Beide Industriepartner haben Lizenzen erworben und bringen die Technologie bereits seit wenigen Jahren auf den Markt: Trumpf integrierte das System unter dem Namen „Smart Seam Tracking“ in die prämierte Lichtbogen-Schweißzelle „TruArc Weld 1000“. Lorch bietet die Erweiterung als „Seam Pilot“ für seinen kollaborativen Schweißroboter an.

Bestätigung für intensive Forschungsarbeit

Für das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA ist die Auszeichnung eine Bestätigung für herausragende praxisnahe Forschung. Die technologischen Grundlagen für diesen Erfolg wurden im Rahmen des KI-Fortschrittszentrums „Lernende Systeme und Kognitive Robotik“ mit Förderung des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus des Landes Baden-Württemberg gelegt. So konnte eine exemplarische Lösung entwickelt werden, die vielen Unternehmen einen Mehrwert bietet.

Teilansicht eines Mannes von hinten. Er trägt ein Tablet. Vor ihm ein Werkstück aus Metall, auf dem eine Linie für die Schweißnaht zu sehen ist. Darüber ein automatisiertes Schweißgerät.
Dank der No-Code-Lösung brauchen Schweißfachkräfte kein spezifisches Roboterwissen, und das Schweißen mit Cobot lohnt sich somit auch bei kleinen Stückzahlen und hoher Bauteilvarianz.
(Bild: Fraunhofer IPA/Rainer Bez)

Außerdem existiert zwischen dem Fraunhofer IPA und der Firma Trumpf bereits eine langjährige Kooperation im Rahmen des „S-TEC Lab Flexible Blechfertigung“. Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, Forschungsergebnisse erfolgreich in unternehmerische Anwendungen zu überführen. Im Rahmen dessen wurde auch der Transfer der prämierten Lösung ermöglicht.

Weiterentwicklung der Technologie

Der Award beweist, dass selbst in einer der ältesten Robotik-Disziplinen wie dem Schweißen noch Innovationspotenzial steckt. Doch das Ende der Fahnenstange ist längst nicht erreicht. So arbeitet das Team am Fraunhofer IPA bereits an einem Transfer auf andere adaptive Roboterprozesse, am Mehrlagenschweißen und auch an der Integration von optischer Qualitätsprüfung in den Cobot. Interessierte Unternehmen mit entsprechenden Use Cases oder Fragestellungen können gern auf das Team des Fraunhofer IPA für einen „proof of concept“ zugehen.

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