KARL STORZ hat mit der Einführung von SAP Digital Manufacturing (SAP DM) einen entscheidenden Schritt zur digitalen Transformation der Fertigungsprozesse unternommen. Ziel des Projekts war es, die Prozesssicherheit und Effizienz durch ein modernes Manufacturing-Execution-System (MES) nachhaltig zu optimieren.
KARL STORZ bietet komplexe Medizintechnikprodukte im validierten Umfeld.
(Bild: IGZ)
KARL STORZ mit Hauptsitz in Tuttlingen beschäftigt weltweit rund 9.900 Mitarbeitende und zählt zu den international führenden Anbietern in der Endoskopie und Bildgebung sowie für integrierte Operationssaal-Lösungen in vielen chirurgischen Fachgebieten der Human- und Veterinärmedizin. Das internationale Familienunternehmen steht für visionäres Design, handwerkliche Präzision und klinische Effektivität, einschließlich Fortschritten in der digitalen Chirurgie. Vor dem Hintergrund wachsender regulatorischer Anforderungen und zunehmender Variantenvielfalt gewann die Digitalisierung der Fertigung in den vergangenen Jahren weiter an Bedeutung. Die Einführung von SAP Digital Manufacturing markiert dabei den entscheidenden Schritt auf dem Weg zu einer durchgängigen, datengetriebenen und global skalierbaren Produktion.
Ausgangssituation Alt-BDE-System
Qualitätsprüfung und lückenlose Traceability mit SAP Digital Manufacturing.
(Bild: IGZ)
Vor dem Projektbeginn boten mehrere Fertigungsbereiche wertvolle Ansatzpunkte zur Weiterentwicklung: So eröffneten die bestehenden Laufwege zwischen den stationären Terminals des BDE-Systems ebenso wie die teils wenig intuitive Benutzerführung Potenziale zur Vereinfachung und Beschleunigung der Abläufe. Auch im Bereich Qualifizierung bestand Optimierungsspielraum – Trainings und Schulungen für die Werkerinnen und Werker fanden überwiegend theoretisch und offline statt und konnten dadurch nur eingeschränkt in den Arbeitsalltag integriert werden. Auf Systemebene zeigten sich zusätzliche Möglichkeiten zur Modernisierung, etwa durch die Automatisierung der Pflege von Prüfschritten und Prozesscodes, eine stärkere Maschinenanbindung sowie eine höhere Flexibilität bei Systemanpassungen.Vor diesem Hintergrund formulierte KARL STORZ ambitionierte Ziele: Ein standardisiertes und intuitiv bedienbares MES sollte eingeführt werden, das dynamische, mehrsprachige und kontextbezogene Arbeitsanweisungen direkt am Arbeitsplatz bereitstellt. Zudem waren vollständige Transparenz über Auftragsfortschritt, Prozessdaten und Rückmeldungen sowie eine zukunftsfähige, global ausrollbare Systemlandschaft zur Ablösung bestehender Drittsysteme gefordert.
Warum KARL STORZ auf SAP DM setzt
Nach einer fokussierten Evaluierungsphase prüfte KARL STORZ verschiedene Optionen für ein zukunftsfähiges MES. Neben SAP Digital Manufacturing wurde auch die Möglichkeit einer eigenentwickelten Lösung in Zusammenarbeit mit einem externen Dienstleister in Betracht gezogen. Im Rahmen einer Voranalyse fiel die Entscheidung dann aber zugunsten von SAP DM und IGZ. Ausschlaggebend war die nahtlose End-to-End-Integration in die bestehende SAP-Landschaft, die globale Skalierbarkeit, die moderne Architektur und die Möglichkeit, internes Know-how gezielt aufzubauen. SAP DM überzeugte als Standardprodukt in Funktionalität, Benutzerfreundlichkeit, Flexibilität und Erweiterbarkeit. Für die Umsetzung wählte KARL STORZ IGZ als Partner. Entscheidende Kriterien waren das tiefgehende Prozessverständnis der IGZ-SAP-Ingenieure in der diskreten Fertigung sowie ihre methodische und fachliche Expertise in zahlreichen globalen SAP-Template-Projekten.
Blueprint-Projekt als Grundlage für ein globales Template
Um ein zukunftsfähiges und globales SAP-DM-Template zu entwickeln, wurden die Anforderungen gleich zu Beginn an zwei repräsentativen Standorten erfasst. Die Wahl fiel auf die Werke Tuttlingen und Schaffhausen (Schweiz): Erprobt wurde das Template bei der Trokar-Montage sowie der Serienfertigung von Schlingen am Standort Tuttlingen und in Schaffhausen bei der Herstellung von Medizingeräten. Während der Projektumsetzung hat man parallele Deltaanalysen für den Spritzguss- und Wiederaufbereitungsbereich im Werk Tallinn (Estland) sowie für den CNC-Fertigungsstandort in Charlton (USA) durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Analysen flossen sukzessive in die Weiterentwicklung des globalen SAP-DM-Templates ein, das als Grundlage für alle künftigen Rollouts dient.
Neues Bedienkonzept zur Steigerung der Shopfloor Usability
"Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren enorm von den neuen Production Operator Dashboards (PODs).“ Carola Wörner, Project Manager Digital Production bei Karl Storz.
(Bild: IGZ)
Künftig ermöglichen benutzerfreundliche Touch- und Tablet-Terminals direkt an den Arbeitsplätzen die Auftragsbearbeitung, wodurch sämtliche Laufwege zu den zentralen BDE-Terminals für die Mitarbeitenden entfallen. Die Bedienoberflächen wurden arbeitsplatzspezifisch gestaltet und zeigen einen priorisierten Arbeitsvorrat an, der durch Scannen von Auftrags- oder Materialcodes gesteuert wird. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren enorm von den neuen Production Operator Dashboards (PODs). Die Bedienung ist intuitiv, visuell klar und exakt auf die Arbeitsstation zugeschnitten“, stellt Carola Wörner, Projektmanagerin Digital Production bei KARL STORZ, begeistert fest. Die Scanfunktion bildet die primäre Navigationslogik und gewährleistet eine schnelle und sichere Auswahl gewünschter Fertigungsaufträge und Materialien. Zudem wurden über NFC-Technologie schnelle und regulatorisch konforme Anmelde- und Signaturprozesse geschaffen.
Stand: 16.12.2025
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Dynamische Data Driven Work Instructions als Kern digitaler Prozessführung
Ein weiterer Meilenstein ist die vollständige Einführung intelligenter, datengetriebener Arbeitsanweisungen. Diese Data Driven Work Instructions passen sich automatisch an Produktkonfiguration, Arbeitsplatz, Qualifikationsstand und Prozesskontext an. Sie binden Videos, Bilder und Schritt-für-Schritt-Visualisierungen ein und ermöglichen über automatisierte Versionierung und Freigabe-Workflows eine revisionssichere sowie regulatorisch belastbare Dokumentation. Zudem erhalten Mitarbeitende On-Demand-Schulungen unmittelbar im Prozesskontext, was die Einarbeitung erheblich praxisnäher, effizienter und sicherer macht.
Erreichung vollständiger Transparenz
Dynamische datengetriebene Arbeitsanweisungen.
(Bild: IGZ)
Die standardisierte End-to-End-Integration zwischen SAP S/4, SAP DM und SuccessFactors ermöglicht eine vollständig digitale Auftrags- und Prozesskette. Aufträge werden geführt, Prüfungen systematisch eingebunden und Rückmeldungen automatisch in Echtzeit an das ERP übertragen. Nichtkonformitäten lassen sich bereits im Prozess erfassen und qualitätsseitig beheben. Diese Integration bildet die Grundlage für die durchgängige End-to-End-Traceability aller Fertigungsschritte und die verlässliche Erfüllung regulatorischer Anforderungen. Wörner betont: „Die Kombination aus SuccessFactors-Integration mit Berücksichtigung des individuellen Schulungsstatus und Data Driven Work Instructions ist für uns ein Gamechanger in Qualität und Qualifizierung.“
Durch die Harmonisierung der Systemlandschaft gelingt KARL STORZ die Transformation zu einer konsistenten, ausbaufähigen Architektur. SAP Digital Manufacturing fungiert als zentrale MES-Plattform, die als Basis für künftige Erweiterungen dient – von neuen funktionalen Anforderungen über weiteres Wachstum mit zusätzlichen Anlagen, Maschinen und Werkern bis hin zur Integration fortschrittlicher Technologien wie künstlicher Intelligenz oder maschinellem Lernen.
Messbarer Nutzen in Qualität und Effizienz
Effizienzsteigerung durch intuitive Shopfloor-Dialoge.
(Bild: IGZ)
Seit dem Go-Live an den ersten Standorten zeigt sich, wie SAP Digital Manufacturing die Abläufe unterstützt: Die visuell unterstützte Werkerführung erleichtert die Auftragsdurchführung enorm, reduziert Fehler und erhöht damit gleichzeitig die Produktqualität. Echtzeittransparenz über Auftragsstatus, Qualitätsdaten und Kennzahlen ermöglicht eine gezielte Steuerung und fundierte Entscheidungen für kontinuierliche Verbesserungen. Laufwege entfallen vollständig, Rückmeldungen erfolgen automatisiert, und Schulungsaufwand wird durch die direkte Einbettung von Qualifikationsprozessen in die Fertigungsabläufe eingespart. Die digitale Traceability ist jederzeit abrufbar und entspricht allen regulatorischen Anforderungen.
Perspektiven für globalen Rollout und zukünftige Innovationen
Mit der erfolgreichen Ersteinführung rollt KARL STORZ die Lösung nun in den Werken Tuttlingen und Schaffhausen selbstständig auf die weiteren Produktionsbereiche aus. Parallel läuft seit Anfang 2026 der Roll-out in Tallinn, zudem ist die Einführung in Charlton (USA) in Arbeit, jeweils angepasst an standortspezifische Anforderungen. Darüber hinaus werden auf Basis von SAP DM weitere Digitalisierungsinitiativen umgesetzt: die Integration von SAP Extended Warehouse Management (SAP EWM), die teilautomatisierte Computer System Validation und ein globales standortübergreifendes Reporting. SAP DM bildet damit einen zentralen Baustein der langfristigen SAP-Strategie von KARL STORZ und eröffnet dem Unternehmen unzählige Möglichkeiten, die Produktion weltweit noch intelligenter, effizienter und zukunftsorientierter weiterzuentwickeln. Manuel Schilling, Senior Manager Manufacturing Solutions, resümiert zufrieden: „Die ersten Einführungen haben gezeigt: SAP DM ist die richtige Plattform für unseren globalen Rollout. Gemeinsam mit IGZ können wir nun die Digitalisierung unserer Produktionen weltweit skalieren.“