KI-Agenten Autonome Intelligenz in ERP-Systemen

Von Dominik Schätzel 4 min Lesedauer

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Künstliche Intelligenz entwickelt sich zunehmend zum strategischen Faktor in modernen ERP-Systemen. Vor allem KI-Agenten treiben diesen Wandel voran, indem sie Prozesse nicht nur unterstützen, sondern eigenständig analysieren, steuern und optimieren.

Der Einsatz von KI-Agenten führt zu deutlich tiefgreifenderen Veränderungen in den Prozessen von Fertigungsunternehmen als der Gebrauch herkömmlicher KI-Technologien. (Bild:  © InfiniteFlow/stock.adobe.com)
Der Einsatz von KI-Agenten führt zu deutlich tiefgreifenderen Veränderungen in den Prozessen von Fertigungsunternehmen als der Gebrauch herkömmlicher KI-Technologien.
(Bild: © InfiniteFlow/stock.adobe.com)

Grundsätzlich sorgen mehrere Faktoren dafür, dass sich die Nutzung von KI-Technologien in ERP-Systemen immer weiter etabliert. So verlangen die dynamischen Marktbedingungen, dass die Entscheidungsfindung auf Grundlage verlässlicher, aktueller Daten stattfindet. Zudem werden regulatorische Rahmenbedingungen anspruchsvoller: Digitale Rechnungspflichten, Datenschutzvorgaben, branchenspezifische Standards und Nachhaltigkeitsberichterstattung erfordern transparente, überprüfbare Geschäftsabläufe und Informationsketten. Last but not least nimmt der Druck zu, funktionale Grenzen zu überbrücken und durchgängige Wertschöpfungsketten zu automatisieren – von der Angebotserstellung über Lieferantenmanagement, Fertigung und Materialfluss bis hin zur Rechnungslegung.

Paradigmenwechsel durch KI-Agenten

Der Einsatz von KI-Agenten bedeutet dabei eine wesentlich tiefgreifendere Veränderung der Prozesse in Fertigungsunternehmen als die Nutzung herkömmlicher KI-Technologien. KI-Agenten erzeugen den eigentlichen Quantensprung bei der KI-Nutzung. Herkömmliche KI-Technologien konzentrieren sich auf spezialisierte Systeme mit klar definierten Funktionen, die einzelne Phasen in geschäftlichen Abläufen unterstützen und zur Vorbereitung von Entscheidungen beitragen, ohne diese zu treffen. Dieser bewährte Ansatz ergänzt konventionelle Prozessautomatisierung um Funktionalitäten wie Anomalieerkennung, Prognosemodelle und automatisierte Dateninterpretation. In allen Fällen bleibt die Verantwortung bei den Fachleuten: Die Systeme generieren Handlungsoptionen, gewichten diese nach Bedeutsamkeit und markieren Irregularitäten, während die zuständigen Menschen darüber entscheiden, ob sie diese umsetzen, anpassen oder ablehnen. 

Das können KI-Agenten

Der KI-Assistent Sage Copilot Insights warnt proaktiv im jeweiligen Prozesskontext, zum Beispiel im Einkauf, Lager oder Fertigungsauftrag.(Bild:  Sage)
Der KI-Assistent Sage Copilot Insights warnt proaktiv im jeweiligen Prozesskontext, zum Beispiel im Einkauf, Lager oder Fertigungsauftrag.
(Bild: Sage)

KI-Agenten hingegen funktionieren weitgehend unabhängig und zweckorientiert. Solche Systeme analysieren Geschäftskontexte, greifen strukturiert auf Informationsbestände zu, führen notwendige Operationen durch und dokumentieren ihre Schlussfolgerungen nachvollziehbar. Wie das aussieht, lässt sich an konkreten Beispielen verdeutlichen. Ein KI-Vertriebsagent generiert eigenständig aus Kundenangaben optimierte Transaktionen, validiert Kreditvorgaben, reserviert Bestände und leitet Lieferprozesse ein. In der Lieferkettenverwaltung beurteilt ein KI-Agent Partner hinsichtlich Liefertreue, Qualitätsstandards und Kostenentwicklung, liefert Szenarioanalysen und Rahmenvereinbarungen. Ein KI-Produktionsagent optimiert die Ressourcenauslastung, erkennt Kapazitätsengpässe, passt Arbeitspläne an und berücksichtigt dabei operative Kennzahlen. Im Analysewesen kreieren KI-Agenten datengestützte Überwachungs-Dashboards, die bei kritischen Wertabweichungen selbsttätig Maßnahmen auslösen. Zudem unterstützen KI-Agenten Anwender kontinuierlich durch kontextbezogene Anleitungen, Erklärungen von Systemfunktionen und relevanten Zugriffsrechten – integriert in die Anwendungsoberfläche.

Vertrauen durch Kontrolle

Der Einsatz autonom agierender Agentensysteme sorgt allerdings für zusätzliche Anforderungen an Compliance und Transparenz. Zugriffskontrollmechanismen, Audit-Trails und sichere, revisionsfähige Datenspeicherung sollten ohnehin in jedem ERP-System gewährleistet sein. Um eine Compliance-gerechte Nutzung von KI-Agenten zu gewährleisten, sollten Fertigungsunternehmen darauf achten, dass ihr ERP-Lieferant einen bewusst domänenspezifischen, verantwortungsvollen KI-Ansatz befolgt. Darüber hinaus müssen Datenschutz und DSGVO-Konformität, Privacy by Design und klare „Stopp“-Funktionen integrale Bestandteile der Lösung sein. KI-Agenten benötigen auch klare Vorgaben zu Zielen, erlaubten Aktionen, Schwellenwerten, zugelassenen Datenquellen und Erklärbarkeit. Zudem muss jede Agentenaktion protokolliert, begründet und reversibel sein.

Konzentration auf den Mehrwert

Ein wichtiges Thema beim Einsatz von KI im Allgemeinen ist ihr tatsächlicher Nutzen. Oft scheitern KI-Projekte an unklaren Zielvorgaben oder überzogenen Erwartungen. Um diese Situation zu vermeiden, sollten Entscheider ihr Augenmerk vor allem auf Engpässe richten, die mithilfe von KI-Agenten beseitigt werden können: kürzere Durchlaufzeiten, geringere Bestände bei höherer Liefertreue, schnellere Abschlüsse, weniger Fehler, geringere Rückläuferquoten, präzisere Forecasts. Daneben ist es wichtig, die Erwartungen zu managen. KI-Agenten sind keine Alleskönner, sondern Spezialisten mit klaren Grenzen. Sie benötigen kuratierte Daten, eindeutige Ziele und sauber modellierte Prozesse. Es empfiehlt sich, bei Prozessen zu beginnen, bei denen eine hohe Datenqualität gewährleistet ist und die wiederkehrende Entscheidungen beinhalten. Das sind beispielsweise die Lieferantenpriorisierung nach Servicelevels oder die Kapazitätsplanung mit definierten Regeln. 

Dominik Schätzel 
Product Manager ERP bei Sage

Bildquelle: Sage

Die richtige Entscheidung

Im Übrigen gilt: Wer in KI-Agenten investieren will, kommt mit reinen Funktionslisten nicht weit. Er oder sie sollte sich vielmehr diese Fragen stellen:

  • Wie einfach lassen sich Prozesse durchgängig digitalisieren, damit KI-Agenten stabile Ziele und Aktionen vorfinden?
  • Welche Möglichkeiten gibt es, Agenten domänenspezifisch zu konfigurieren, inklusive Datenquellen, erlaubter Aktionen, Schwellenwerten und Prüfpfaden?
  • Sind APIs vollständig und kontextfähig, um lesend wie schreibend effizient zu arbeiten?
  • Wie werden Sicherheit, Rechte und Compliance durchgesetzt, insbesondere bei autonomen Aktionen?
  • Wie offen ist das Ökosystem für Integrationen mit CRM, E-Commerce, Marktplätzen, EDI, Payments oder Steuerservices, damit wirklich durchgängige Prozesse entstehen können?
  • Wie werden Anwender (in der App, in Schulungen, durch Community und Partner) befähigt, das ERP-System effizient und mit Vertrauen zu nutzen?

Blick nach vorne

Im Zuge fortschreitender digitaler Reife werden Fertigungsunternehmen verschiedene KI-Agenten koordinieren. Zentral ist dabei die präzise Definition von Aufgaben, Verantwortungen und Übergabepunkten, damit Prozessschritte nachvollziehbar bleiben und jede automatisierte Operation auf validierten Informationsbeständen aufbaut. Produktionsunternehmen, die heute ein robustes Fundament errichten, schaffen damit die Bedingungen, automatisierte Entscheidungssysteme als tragende Ebene ihrer Abläufe zu etablieren. Gerade in der Fertigungsbranche mit wachsenden ESG-Vorgaben und steigenden Compliance-Anforderungen ist das der Weg, Widerstandsfähigkeit, Geschwindigkeit und Innovationskraft zu erhöhen. 

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