Attraktive Berufe in der Metall- und Elektroindustrie Lehrwerkstatt in Velbert modernisiert mit Cobots

Von Alexander Mühlens 5 min Lesedauer

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Weniger Bewerber und wachsender Fachkräftemangel belasten die Metall- und Elektroindustrie. GLW Velbert will Berufe attraktiv machen und modernisiert die Lehrwerkstatt mit günstigen Igus-Cobots.

Der ReBeL von Igus in der GLW Velbert: Mit Cobots lernen Fachkräfte der Zukunft den Umgang mit Automationstechnologie.(Bild:  Igus)
Der ReBeL von Igus in der GLW Velbert: Mit Cobots lernen Fachkräfte der Zukunft den Umgang mit Automationstechnologie.
(Bild: Igus)

Der Verein „Gemeinschaftslehrwerkstatt der Industrie von Velbert und Umgebung“ (GLW) ist ein Bildungszentrum, das seit seiner Gründung im Jahr 1938 Betriebe der heimischen Metall- und Elektroindustrie bei der Ausbildung von Fachkräften unterstützt. Die GLW fungiert als eine dritte Anlaufstelle neben Betrieben und Berufsschulen und erhält finanzielle Unterstützung vom Land Nordrhein-Westfalen und vom Bund. Bis zu 120 Auszubildende erlernen in dieser Werkstatt grundlegende Fähigkeiten wie Drehen, Fräsen, Bohren, Schleifen und Feilen an Maschinen. Es gibt fachspezifische Kurse, Weiterbildungsangebote und Prüfungsvorbereitungen. Erfahrene Meister stehen den jungen Menschen mit Rat und Tat zur Seite.
 
Dabei geht es nicht nur um fachliche Aspekte, sondern zunehmend auch um persönliche Lebensfragen. „Wir haben festgestellt, dass Jugendliche seit der Coronapandemie mit deutlich mehr Zukunftsängsten und psychischen Problemen zu kämpfen haben“, sagt Waltraud Reindl, Geschäftsführerin der GLW Velbert. Die GLW lege außerdem großen Wert darauf, die Attraktivität von Berufen in der Metall- und Elektroindustrie durch Aufklärungsarbeit in den Schulen zu steigern. Denn das Berufsbild hat sich in der Ära der Hochtechnologie vollständig gewandelt und bietet nun eine Vielzahl spannender Aufgaben – wie die Steuerung autonom arbeitender Roboter.“

ReBeL Cobots von Igus bereichern die Lehrwerkstatt

Ein Einblick in die Lehrwerkstatt offenbart die faszinierenden Möglichkeiten, die die Metall- und Elektroindustrie heutzutage bietet. Neben traditionellen Dreh- und Fräsmaschinen findet sich hier auch modernste Technologie wie 3D-Drucker und Roboter. Die finanzielle Möglichkeit dazu bietet das Projekt TRAIBER.NRW vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Das Ministerium unterstützt Projekte wie die Lehrwerkstatt im Rahmen der Förderbekanntmachung „Transformationsstrategien für Regionen der Fahrzeug- und Zulieferindustrie“. Waltraud Reindl betont die Rolle der Werkstatt als fundamentalen Bestandteil des dualen Ausbildungssystems und entscheidenden Akteur im digitalen Zeitalter.
 
Zu den neuesten Errungenschaften der Werkstatt zählen drei Roboterzellen, in denen ReBeL Cobots des Kölner Unternehmens Igus agieren. Sie nehmen bis zu zwei Kilogramm schwere Gegenstände mit einem Greifer auf und platzieren sie in einem Radius von 660 mm – mit einer Wiederholgenauigkeit von 1 mm. „Für leichte Pick-and-Place-Aufgaben am Fließband kommt er immer häufiger zum Einsatz, um die Peronalressourcen von Betrieben zu schonen“, sagt Markus Schwarz, technischer Verkaufsberater Lagertechnik bei Igus.

Vorteilhaft ist hier auch, dass Igus die Software zum kostenlosen Download anbietet. So können unsere Auszubildenden das Programm auf ihre Computer laden und zu Hause üben.

Azubis steuern ReBeL-Cobots spielerisch

Besonders die einfache Bedienbarkeit des ReBeLs sorge bei jungen Menschen für Begeisterung, wie GLW-Ausbilder Tobias Tielsch betont. „Viele sind erstaunt, wenn wir ihnen einen Playstation-Controller in die Hand geben, mit dem sie den Roboter steuern können.“ Die nächsten Schritte seien dank Igus Robot Control Software ein Kinderspiel. Bewegungsbahnen des ReBeLs oder eines Deltaroboters, der ebenfalls in der Werkstatt steht, können sie mithilfe eines 3D-Modells in wenigen Minuten festlegen – ohne Programmierkenntnisse.
 
„Dank dieses Gamification-Ansatzes werden die jungen Nachwuchskräfte sofort kreativ, ohne technische Barrieren überwinden zu müssen. Sie bringen den Robotern zum Beispiel bei, Plastikringe in unterschiedlichen Formationen abzulegen.“ Vorteilhaft sei hier auch, dass Igus die Software zum kostenlosen Download anbiete. „So können unsere Auszubildenden das Programm auf ihre Computer laden und zu Hause üben.“ Ein weiterer Vorteil ist die Kompatibilität des ReBeLs mit gängigen speicherprogrammierbaren Steuerungen (SPS). In der Werkstatt trainieren die Azubis, zwei Cobots über eine SPS interagieren zu lassen. Im Betrieb könnten sie mit diesen Kenntnissen den Roboter in Bestandsanlagen integrieren.

<p>Das Bild zeigt einen Delta-Roboter, der an Metallarmen an einem Rahmen aufgehängt ist. Der Roboterarm endet in einem Werkzeug, das über einer Fläche mit farbigen Markierungen schwebt. Diese Konfiguration ist typisch für Pick-and-Place-Anwendungen in der industriellen Automatisierung, bei denen Geschwindigkeit und Präzision erforderlich sind. Die Umgebung wirkt modern und technisch.<p>
Mit der Robot Control Software von Igus lernen junge Menschen die spielerische Bedienung von Deltarobotern für Pick-and-place-Aufgaben (im Bild: Andreas Gall, Ausbilder GLW Velbert).
(Bild: Igus)

Azubis als Multiplikatoren für Automatisierung

Reindl und Tielsch sind überzeugt, dass Auszubildende, die in der Lehrwerkstatt den Umgang mit Robotern trainieren, zu Multiplikatoren der Automatisierung in der Metall- und Elektroindustrie werden können. „Wir wollen, dass unsere Auszubildenden befähigt sind, ihren Betrieben zu sagen: Hier gibt es Möglichkeiten zur Automatisierung, und zwar viel kostengünstiger und einfacher, als es noch vor einigen Jahren möglich gewesen wäre“, unterstreicht Tielsch. Kosten klassische Industrieroboterarme, die etwa Schweißarbeiten in Automobilwerken übernehmen, schnell über 100.000 Euro, sind ihre Low-Cost-Pendants um ein Vielfaches günstiger.

„Die Cobots ReBeL kosten inklusive Steuerung nur 4.970 Euro pro Stück“, erläutert Schwarz. Darüber hinaus ist der Aufwand für die Inbetriebnahme dieser Roboter signifikant gesunken. Es ist nicht mehr so, dass Programmierung und Integration bis zu 70 Prozent der Kosten einer Roboteranwendung ausmachen. „Daher sind hohe Investitionskosten und komplexe Programmieraufgaben keine Gründe mehr, sich vor der Automation zu scheuen.“

Low-Cost-Robotik als Gamechanger

Der günstige Preis des Cobots aus Köln ist teilweise auf die Materialauswahl zurückzuführen. Im Roboter findet man praktisch kein Metall – er besteht fast ausschließlich aus Hochleistungskunststoff. Sogar das Getriebe ist aus einer speziellen Polymermischung gefertigt, was es zum weltweit ersten industrietauglichen Cobot-Getriebe aus Kunststoff macht. Lediglich Motor und Platinen sind noch aus Metall. „Aufgrund dieser Konstruktion ist der ReBeL nicht nur kostengünstig, sondern mit einem Gewicht von acht Kilogramm der leichteste Serviceroboter mit Cobot-Funktion seiner Klasse“, erklärt Sena Esen, technische Verkaufsberaterin Low-Cost-Automation bei Igus.

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<p>Das Bild zeigt (von links): Andreas Gall (Ausbilder GLW Velbert), Tobias Tielsch (Ausbilder GLW Velbert), Markus Schwarz (technischer Verkaufsberater Lagertechnik bei Igus), Sena Esen (technische Verkaufsberaterin Low-Cost-Automation bei Igus) und Waltraud Reindl (Geschäftsführerin GLW Velbert).<p>
Ebnen gemeinsam den Weg für die Fachkräfte von morgen (von links): Andreas Gall (Ausbilder GLW Velbert), Tobias Tielsch (Ausbilder GLW Velbert), Markus Schwarz (technischer Verkaufsberater Lagertechnik bei Igus), Sena Esen (technische Verkaufsberaterin Low-Cost-Automation bei Igus) und Waltraud Reindl (Geschäftsführerin GLW Velbert).
(Bild: Igus)

Betriebe haben die Möglichkeit, den Roboter auf der Onlineplattform rbtx.com zu konfigurieren und zu bestellen, einschließlich des Zubehörs verschiedener Hersteller – darunter Greifer und Vision-Systeme. Sena Esen: „Bereits Hunderte von Betrieben haben Routinetätigkeiten erfolgreich mit Low-Cost-Automation automatisiert – und das ganz ohne konstruktionstechnische Vorkenntnisse und mit überschaubaren Budgets von unter 12.000 Euro.“ Tielsch betont abschließend: „Die Low-Cost-Robotik ist ein Gamechanger für die Industrie. Sie hat das Potenzial, Betriebe in einer Zeit vielfacher Herausforderungen spürbar zu entlasten und deren Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Daher sind wir gespannt darauf, in unserer Lehrwerkstatt zukünftig weitere Technik von Igus einzusetzen. Sie unterstützt uns dabei, den Weg für die Zukunft einer neuen Generation von Fachkräften zu ebnen.“

Alexander Mühlens ist Prokurist und Geschäftsbereichsleiter Low Cost Automation bei Igus.