Expertenumfrage Produktions- und Intralogistik „Für jedes Szenario einen Plan in der Schublade“

Von Karin Faulstroh 13 min Lesedauer

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Die Intralogistik hat in vielen Unternehmen eine geringe Digitalisierungspriorität, obwohl innerbetriebliche Transporte Zeit und Ressourcen binden. Wie digitale Lösungen hier die Effizienz steigern und Kosten senken können, erläutern elf Experten.

(Bild:  ludariimago/AdobeStock_generiert mit Ki)
(Bild: ludariimago/AdobeStock_generiert mit Ki)

Fachkräftemangel, gesetzliche Vorgaben, lückenhafte Lieferketten: Viele Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre intralogistischen Systeme effizienter und nachhaltiger zu gestalten. Doch wie, wo und mit wem anfangen? Wir haben 11 Experten befragt, welche Trends sie sehen, wo der Schuh drückt und welche Lösungen zur Verfügung stehen.

Fragen an den Experten

1. Was sind aus Ihrer Sicht die drei wesentlichen Trends in der Intralogistik im Jahr 2025?

2. Und was sind die größten Herausforderungen?

3. Wie können Unternehmen diesen Herausforderungen begegnen? 

Mark Grötzinger, Bosch Rexroth

Mark Grötzinger ist Head of Business Development Warehouse Automation & Intralogistics bei Bosch Rexroth  (Bild:  Bosch Rexroth AG)
Mark Grötzinger ist Head of Business Development Warehouse Automation & Intralogistics bei Bosch Rexroth
(Bild: Bosch Rexroth AG)

1. Automatisierung und Robotik gewinnen in der Intralogistik an Bedeutung. Wichtig bei allen Neuentwicklungen sind eine einfache Einbindung in bestehende Infrastrukturen sowie Skalierbarkeit, um sie an sich ändernde Bedarfe anpassen zu können. Auf dieser Basis können digitalisierte, automatisierte Prozesse zu mehr Produktivität und Flexibilität über die gesamte Lieferkette hinweg beitragen. Zunehmend striktere gesetzliche Vorgaben und steigende Energiepreise erhöhen zudem die Nachfrage nach effizienten, nachhaltigen Lösungen. 

2. Viele Unternehmen sehen sich derzeit mit einer herausfordernden wirtschaftlichen Lage sowie dynamischen, kurzfristigen Anpassungsbedarfen im Markt konfrontiert. Gleichzeitig erfordern regulatorische Vorgaben wie der Cyber Resilience Act oder Klimaziele Maßnahmen für mehr IT-Sicherheit und Nachhaltigkeit.Die Entwicklung neuer Automatisierungslösungen und ihre Einbindung in bestehende Prozesse und IT-Infrastrukturen bindet Kosten und Ressourcen. Proprietäre Schnittstellen erschweren das Zusammenspiel von Lösungen unterschiedlicher Hersteller. 

3. Digitale Ökosysteme ermöglichen neue Formen der Vernetzung und damit größtmöglichen Handlungsspielraum. Skalierbare Automatisierungslösungen wie ctrlX Automation, mit denen man im Kleinen startet und die zu einem späteren Zeitpunkt erweitert werden können, bieten unmittelbar spürbare Vorteile und gleichzeitig eine hohe Zukunftssicherheit. Offene Automatisierungsstandards und vorkonfigurierte, mechatronische Lösungen beschleunigen Engineering und Inbetriebnahme in Green- und Brownfieldprojekten.Zu einer effizienteren Nutzung von Ressourcen können u.a. Design-Tools und Simulationsmodelle, aber auch ein Remanufacturing von Automatisierungskomponenten beitragen. Produktspezifische Lösungen wie etwa Rexroth Servo-Antriebstechnik mit Funktionen zum Energiemanagement optimieren den Energieverbrauch.

Digitale Ökosysteme ermöglichen neue Formen der Vernetzung und Kollaboration.

Mark Grötzinger

Fragen an den Experten

1. Was sind aus Ihrer Sicht die drei wesentlichen Trends in der Intralogistik im Jahr 2025?

2. Und was sind die größten Herausforderungen?

3. Wie können Unternehmen diesen Herausforderungen begegnen? 

Matthias Kraus, Leogistics

Matthias Kraus ist Consulting Director EWM bei Leogistics.
(Bild: Leogistics GmbH)

1. Die umfassende Integration von Maschinen und Prozessen in IT-Systeme bleibt zentral. Sie ermöglicht Automatisierung, optimierte Steuerung und bildet die Basis für KI-gestützte Entscheidungen. Zudem rückt das Thema Effizienz in den Fokus. Unternehmen werden daher noch stärker auf KI und maschinelles Lernen setzen, um Prozesse zu optimieren und flexibel auf Veränderungen reagieren zu können. Die Vernetzung von Systemen wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Aufgrund gesetzlicher Vorgaben und steigendem Umweltbewusstsein müssen auch Prozesse in der Intralogistik ressourcenschonender gestaltet werden. Nachhaltigkeit nachweisen zu können, wird künftig als selbstverständlich vorausgesetzt.

 2. Die Anforderungen an die Intralogistik werden immer individueller – von spezifischen Versandvorgaben bis hin zu optimierten Fertigungsprozessen. Dies erfordert flexible IT-Systeme, die sich nahtlos in die Gesamtprozesse integrieren lassen. Gleichzeitig stellt der Fachkräftemangel eine wachsende Herausforderung dar: Systeme müssen nicht nur leistungsfähig, sondern auch intuitiv bedienbar sein. 

3. Um den Herausforderungen in der Intralogistik in 2025 erfolgreich zu begegnen, sollten Unternehmen frühzeitig eine klare Digitalisierungsstrategie definieren und umsetzen. Dabei ist es entscheidend, Prozesse nicht nur zu digitalisieren, sondern sie End-to-End neu zu denken – mit Fokus auf Flexibilität und Nutzerfreundlichkeit. Eine ganzheitliche Betrachtung, die neben technologischen Aspekten auch die Bedürfnisse der Mitarbeitenden berücksichtigt, spielt eine zentrale Rolle. Zudem gilt es, neue Technologien gezielt zu evaluieren und nur dort einzusetzen, wo sie einen echten Mehrwert bieten.

Es gilt, neue Technologien gezielt zu evaluieren und nur dort einzusetzen, wo sie einen echten Mehrwert bieten.

Matthias Kraus

Fragen an den Experten

1. Was sind aus Ihrer Sicht die drei wesentlichen Trends in der Intralogistik im Jahr 2025?

2. Und was sind die größten Herausforderungen?

3. Wie können Unternehmen diesen Herausforderungen begegnen? 

Torsten Rochelmeyer, Linde Material Handling

Torsten Rochelmeyer
Torsten Rochelmeyer ist Senior Director Strategy & Solution Portfolio bei Linde Material Handling.
(Bild: Linde Material Handling GmbH)

1. Zu den Trends zählt erstens die Transformation hin zu digitalen Geschäftsprozessen, um beispielsweise Lagerverwaltung, Einsatz der Flurförderzeugflotte oder Wartung effizienter zu machen. Zweiter großer Trend ist die Automatisierung von Materialflussprozessen. Skalierbare Lösungen machen den Einstieg auch für mittelständische Betriebe immer attraktiver. Trend Nummer drei sind die Anstrengungen hin zu nachhaltigeren Herstellungsprozessen und Produkten, um gesetzliche Vorgaben und Kundenanforderungen zu erfüllen. Dabei spielen insbesondere die Energieoptionen für Flurförderzeuge eine wichtige Rolle. Ein weiterer Trend: die stärkere Integration von Anwendungen mit KI. 

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2. Fast alle Betriebe spüren den steigenden Kostendruck, den Fachkräftemangel, den demografischen Wandel, Nachhaltigkeitserfordernisse, aber auch die Notwendigkeit, Lieferketten resilient zu gestalten und für ein Höchstmaß an betrieblicher Sicherheit zu sorgen. Deshalb ist es wichtig, in neue Technologien zu investieren. 

3. Wichtig ist eine kontinuierliche Überprüfung der Materialflussprozesse und die Suche nach Verbesserungen, beispielsweise durch Automatisierung repetitiver Logistikprozesse. Linde MH bietet alles aus einer Hand: ein breites Portfolio an FTS und mobilen Robotern, skalierbare Softwarelösungen für Planung und Inbetriebnahme sowie Automatisierungsberater und Servicetechniker.

Es zeichnet sich ein weiterer Trend ab: die stärkere Integration von Anwendungen mit KI.

Torsten Rochelmeyer