Viele SAP-Anwender aus der Industrie beschäftigen sich derzeit mit neuen Logistikstrategien. Die Umstellung von ERP ECC auf S/4HANA ist dabei ein wesentlicher Treiber. Die DSAG hat in einer aktuellen Umfrage Mitgliedsunternehmen zu ihren Plänen hinsichtlich Logistik/Warehouse Management befragt.
(Quelle: dw/iStock)
Der Arbeitskreis Lagerlogistik/Extended Warehouse Management (EWM) der Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe e.V. (DSAG) hat in einer aktuellen Umfrage 48 DSAG-Mitgliedsunternehmen zu ihren Plänen hinsichtlich Logistik/Warehouse Management befragt, 25 davon mit 5.000 und mehr Beschäftigten.
Warehouse Management mit SAP
Stabilität und Performance der SAP-EWM-Plattform werden bereits als hoch erachtet. Trotzdem versprechen sich einige Firmen noch Verbesserungen bei Verbindungsabbrüchen zwischen EWM und SPS und/oder bei den Remote Function Call Queues, die für die Kommunikation zwischen SAP ERP und einem dezentralen SAP EWM genutzt werden.
Die künftige Logistiklandschaft ist eingebettet in die allgemeine SAP-IT-Strategie der Unternehmen. In gut der Hälfte der Fälle definieren diese die IT-Abteilung und die Fachbereiche Hand in Hand. In welche Art von IT investiert wird, ist dabei in erster Linie funktionsbezogen. Für SAP heißt das: Die Lösungen werden wegen ihrer hohen Funktionalität gekauft, der Kostenaspekt spielt eine nur untergeordnete Rolle.
Für etwa gleich viele Unternehmen sind SAP-Anwendungen in der Cloud entweder eine Alternative oder kein gangbarer Weg. Fast die Hälfte der Befragten wollte hier noch keine schlüssige Aussage treffen. Für die Cloud spricht, dass manche SAP-On-Premise-Lösungen künftig nicht mehr verfügbar sind, sowie die reduzierten Kosten und die Möglichkeit eines standardisierten, schnellen Roll-outs für kleine Instanzen. Als Gründe dagegen wurden vor allem genannt: Bedenken bezüglich der Datensicherheit, keine Konzernstrategie zur Cloud, mangelnde Anpassungsfähigkeit, aber auch – bezogen auf den Logistikbereich – fehlende Funktionen bei Lagerverwaltung, Lagerbereichen und Findung.
Wie soll die künftige Intralogistik-Lösung aussehen?
Im Logistikumfeld wird die Wartung des vielfach eingesetzten SAP Warehouse Management Ende 2027 in SAP ERP ECC eingestellt. Mit der S/4HANA-Version 1610 wurde gleichzeitig das „Embedded EWM“ ins Leben gerufen. Warehouse-Management-Anwenderunternehmen müssen sich nun überlegen, wie ihre künftige Intralogistiklösung aussehen soll.
Aufgrund der auslaufenden Wartung wird die Mehrheit der Unternehmen zwischen 2021 und 2024 zunächst ihr EWM-System auf S/4HANA umstellen. Erst anschließend wird die ERP-Transition wieder die Mehrheit der Migrationsprojekte ausmachen. Nur sechs Unternehmen gaben an, künftig mit der „Embedded“-Variante arbeiten zu wollen, 21 hingegen präferieren den dezentralen Einsatz von SAP EWM in S/4HANA, das heißt auf einem zweiten System. Fünf der Befragten planen einen hybriden Einsatz, der Rest war unentschlossen oder machte keine Angabe. 26 der Unternehmen arbeiten mit externen Materialflusssystemen, nur zehn von ihnen wollen diese jedoch durch EWM Materialflusssystem (MFS) ablösen.
SAP präferiert Embedded EWM
SAP selbst hat großes Interesse daran, dass seine Kunden das neue Embedded EWM einsetzen. Als Standard-Funktionalität (seit S/4HANA-Release 1610) bringt es Value-Added-Services, Materialflussrechner und weitere neue Funktionen mit sich. Zur Auswahl stehen grundsätzlich vier Varianten der Einführung: EWM als Basic- oder Advanced-Variante sowie zentral (embedded) oder dezentral (by-side). Zentral und dezentral unterscheiden sich darin, wo das EWM angesiedelt ist, Basic oder Advanced bezüglich der bereitgestellten Funktionen.
Warehouse Management weniger abhängig von zentralen ERP-Prozessen
Bei hohen Volumina im Lager zahlt sich eine dezentrale Lösung dank ihrer besseren Lastverteilung aus. Ein weiterer Vorteil ist die Unabhängigkeit: Auch wenn das zentrale ERP-System kurzzeitig ausfällt (etwa bei einem Upgrade), kann weiter kommissioniert und eingelagert werden. Die dezentralen Systeme separat zu warten und zu pflegen, ist auf der anderen Seite kostspieliger, als wenn man das EWM-Modul in den S/4HANA-Kern einbettet. In letzter Konsequenz ist es eine Philosophiefrage, die sich ausgehend von den konkreten Produktionsweisen nur vor Ort beantworten lässt.
Beispiel Käserei Champignon Hofmeister
Die Käserei Champignon Hofmeister zum Beispiel entschied sich für einen dezentralen Einsatz (by-side), um sicherzustellen, dass SAP EWM und MII am Standort 24/7 funktionieren. Ein solches „Zero-Downtime“-Szenario ist typisch für die Lebensmittelindustrie. In der Käserei wird die Milch rund um die Uhr angeliefert und muss zeitnah verarbeitet werden. Funktioniert dies an einem Produktionsstandort mal nicht, weil man dort die produktionssteuernden IT-Systeme wartet, springen die anderen ein – was aber nur funktioniert, wenn jeder Standort seine autarke EWM/MII-Landschaft betreibt.
Stand: 16.12.2025
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Um seine Organisationsstruktur IT-seitig sauber abzubilden, stellte das Unternehmen 2019 im Greenfield-Ansatz von SAP ECC auf S/4HANA On-Premise um und richtete eigens dafür ein neues Hochleistungsrechenzentrum ein. Vom Umstieg auf die neue Produktgeneration versprach sich die Käserei Champignon effizientere Prozesse, höhere Transparenz und bessere Möglichkeiten, auf Kundenanforderungen einzugehen.
So entstand ein komplett neues S/4HANA-System mit den klassischen Modulen Financial Management (FI), Controlling (CO), Sales & Distribution (SD), Materialmanagement (MM), Produktions- und Feinplanung (PP/DS) sowie weiteren Komponenten.
(Die Käserei Champignon steuert den gesamten Shopfloor – vom Milcheingang bis zur fertigen Palette – über SAP. Bild: Käserei Champignon Hofmeister)
Die Nase vorn beim Warehouse Management
Als erstes Unternehmen weltweit hat die Käserei auch das Dairy-Add-on für die Milchwirtschaft produktiv im Einsatz. In S/4HANA-Core vertikal integriert sind zwei Subsysteme, jeweils separat für jeden Produktionsstandort: ein MES-System (SAP Manufacturing Integration and Intelligence = MII) und ein Lager- und Versandsystem (SAP Extended Warehouse Management = EWM). Damit steuert die Käserei den gesamten Shopfloor über SAP – vom Milcheingang bis zur fertigen Palette.
Die Lösung dafür ging über ein reines IT-Projekt weit hinaus und betraf den gesamten organisatorischen Aufbau des Unternehmens. Neben der Gründung von neuen Geschäftseinheiten (Unternehmen) wurden sämtliche Geschäftsprozesse der Unternehmensgruppe einzeln betrachtet und wenn nötig völlig neu modelliert. Das jetzige Organisationsmodell orientiert sich an ganzheitlichen Prozessen und folgt nicht mehr einer isolierten Abteilungssicht. Dafür musste man viele alte Zöpfe abschneiden. Behutsam, aber doch konsequent, verpasste sich das Traditionsunternehmen eine von Grund auf neue Architektur, um – wie ein Start-up – auch künftig agil und wettbewerbsfähig am Markt auftreten zu können.
Der Autor Michael Moser ist Fachvorstand Produktion & Supply Chain Management der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG).