Humanoide Robotik Zwischen großer Erwartung und realem Praxiseinsatz

Quelle: Pressemitteilung 4 min Lesedauer

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Humanoide Roboter sorgen weltweit für Aufmerksamkeit, während Bauroboter zunehmend den Weg von Pilotprojekten in die Praxis finden. Die neue Ausgabe von „World Robotics Service Robots“ enthält erstmals ein Kapitel über Humanoide Robotik.

Erstmals erfasst das Jahrbuch auch die Verkaufszahlen Humanoider Roboter und präsentiert zudem ein detailliertes Kapitel rund um die Technologie.(Bild:  Fraunhofer IPA/Foto: Rainer Bez)
Erstmals erfasst das Jahrbuch auch die Verkaufszahlen Humanoider Roboter und präsentiert zudem ein detailliertes Kapitel rund um die Technologie.
(Bild: Fraunhofer IPA/Foto: Rainer Bez)

Fachkräftemangel, demografischer Wandel und steigende Anforderungen an Produktivität und Flexibilität stellen Unternehmen weltweit vor große Herausforderungen. Servicerobotik gilt neben der seit Jahren etablierten Industrierobotik zunehmend als Schlüsseltechnologie, um diesen Entwicklungen zu begegnen.

Welche Trends die Branche derzeit prägen und welche Anwendungen bereits wirtschaftlich relevant sind, zeigt die neue Ausgabe von „World Robotics Service Robots“, die die International Federation of Robotics (IFR) kürzlich veröffentlicht hat. Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA erarbeitet seit Jahren gemeinsam mit der IFR die branchenspezifischen Kapitel, die neben den statistischen Informationen technische Grundlagen und marktspezifische Analysen bieten. 

Im Mittelpunkt der Ausgabe 2026 stehen zwei aufstrebende Technologiefelder: Humanoide Roboter und Baurobotik.„Unternehmen benötigen heute mehr denn je eine fundierte Einordnung neuer Robotertechnologien“, sagt Werner Kraus, Leiter des Forschungsbereichs Automatisierung und Robotik am Fraunhofer IPA. Gerade dort, wo die öffentliche Aufmerksamkeit besonders groß und die Erwartungen mitunter sehr hoch sind, sei es wichtig, Potenziale, Reifegrad und Einsatzmöglichkeiten realistisch bewerten zu können.

Breite industrieller Einsatz wird realistisch

Das gilt insbesondere für die Humanoide Robotik, denn kaum ein Robotikthema erfährt derzeit weltweit so viel Resonanz. Hohe Investitionen, rasante Fortschritte bei künstlicher Intelligenz (KI) und erste Pilotanwendungen haben die Technologie in den Mittelpunkt zahlreicher Zukunftsdebatten gerückt. Vor diesem Hintergrund hat die IFR erstmals Verkaufszahlen für Humanoide erfasst. So wurden letztes Jahr knapp 7000 dieser Systeme verkauft (berücksichtigt wurden Humanoide ab einer Größe von 1,4 m). Zudem widmet das Jahrbuch Humanoiden ein eigenes Kapitel.

Die Analyse zeigt, dass Humanoide Roboter insbesondere für Materialtransport, Maschinenbeladung und einfache Serviceaufgaben großes Potenzial besitzen, da sie in menschenzentrierten Umgebungen ohne größere Anpassungen eingesetzt werden können. Gleichzeitig befinden sich die meisten Anwendungen noch im Pilotstadium, häufig mit menschlicher Unterstützung oder für sehr spezifische Aufgaben. 

Als größte Hürden gelten fehlende Sicherheitsstandards, hoher Trainings- und Wartungsaufwand, begrenzte Autonomie sowie eine bislang oft noch nicht überzeugende Wirtschaftlichkeit. Das Fazit lautet: Humanoide Robotik hat durch Fortschritte in KI und Sensorik erheblich an Reife gewonnen, der breite industrielle Einsatz wird jedoch erst mit weiterer technologischer Entwicklung, Standardisierung und Skalierung realistisch.

Baurobotik entwickelt sich vom Pilotprojekt zur Praxisanwendung

Neben der Humanoiden Robotik ist die Baurobotik ein weiteres Fokuskapitel im Jahrbuch. Es zeichnet das Bild eines noch kleinen Marktes, der aber insbesondere getrieben durch eine Produktivitätslücke zunehmend an Reife gewinnt und in dem robotische Systeme bereits heute konkrete Mehrwerte schaffen.

House of Win

Die Bauwirtschaft steht vor großen Herausforderungen wie Nachhaltigkeit, Energiewende, Urbanisierung der Städte oder generationsgerechtes Bauen. Neben diesen zentralen Aspekten müssen alle am Bauprozess Beteiligten immer häufiger den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden betrachten. Diese Entwicklung beflügelt die deutsche Bauwirtschaft, die deshalb auch weiterhin Impulsgeber für neue Lösungen sein wird. Diesen Prozess begleitet aus dem WIN Verlag das Magazin Bauen aktuell.

Die Anwendungsfelder reichen von Vermessung und Baustellendokumentation über Materialtransport bis hin zu Bohr-, Installations-, Maler- oder Putzarbeiten. Dabei zeigt sich ein klarer Trend: Besonders erfolgreich sind spezialisierte Robotersysteme, die einzelne Arbeitsschritte effizient und zuverlässig automatisieren. Statt vollständiger Autonomie steht zunächst die gezielte Unterstützung von Fachkräften bei körperlich belastenden, repetitiven oder sicherheitskritischen Tätigkeiten im Vordergrund. Universelle Mehrzweckplattformen spielen bislang eine untergeordnete Rolle.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf neuen Geschäftsmodellen. Robot-as-a-Service-Angebote senken die Einstiegshürden für Unternehmen, um Anwender zu gewinnen, und erleichtern somit den Einsatz neuer Technologien auf Baustellen. Gleichzeitig gewinnt die Verknüpfung mit digitalen Planungswerkzeugen wie Building Information Modeling (BIM) an Bedeutung. Dadurch lassen sich Arbeitsabläufe zunehmend automatisieren und besser in bestehende Prozesse integrieren.

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Expertenumfrage

Wie werden humanoide Roboter künftig eingesetzt?

Marc-Oliver Nandy, ABB Robotics: Die Robotik erlebt durch generative KI einen Quantensprung. Roboter verstehen ihre Umgebung zunehmend selbstständig, planen Aufgaben eigenständig und arbeiten enger mit Menschen zusammen. Basis sind autonome, vielseitige Roboter (AVR), die wir gezielt weiterentwickeln. Humanoide Systeme werden wir zunächst mehr im Service- und Consumer-Bereich sehen.

Alexander Murygin, Carl Cloos Schweißtechnik: Humanoide Roboter könnten perspektivisch bei flexibleren Aufgaben etwa in Handling oder Logistik an Bedeutung gewinnen. In klassischen Schweiß- und Produktionsumgebungen bleiben jedoch spezialisierte Robotersysteme die effizientere Lösung. Der Mensch bleibt dabei zentral, insbesondere für Prozesswissen, Qualitätssicherung und Entscheidungen.

Jens Riegger, Fruitcore Robotics: Humanoide Roboter werden dort eingesetzt, wo klassische Systeme an Grenzen stoßen: bei variantenreichen Prozessen, komplexer Teilehandhabung oder Aufgaben, die hohe Flexibilität erfordern. Entscheidend ist, dass humanoide Robotik industrietauglich wird, denn in der Produktion zählen Robustheit, Präzision und Wirtschaftlichkeit.

Das ist ein Auszug unserer großen Expertenumfrage "Wohin steuert die Industrierobotik?" aus dem Juli 2026. Den vollständigen Fragebogen sowie alle Antworten finden Sie hier.