ABB Robotics integriert Nvidia Omniverse-Bibliotheken in RobotStudio, um physische KI in der Industrie breit nutzbar zu machen. Das schließt die Lücke zwischen Simulation und realer Anwendung.
Simulation in RobotStudio (oben links) im Vergleich zum neuen RobotStudio HyperReality von ABB Robotics.
(Bild: ABB Robotics)
Das neue RobotStudio HyperReality, verfügbar ab der zweiten Jahreshälfte 2026, wird die Skalierung industrieller Produktion stark beschleunigen. Die Technologie ermöglicht Herstellern eine Kostenersparnis von bis zu 40 Prozent und verkürzt die Zeit bis zur Markteinführung neuer Produkte um bis zu 50 Prozent. Das gilt für die gesamte Bandbreite industrieller Anwendungen. Derzeit testet Foxconn diese Technologie im Rahmen eines Pilotprojektes in der Montage von Unterhaltungselektronik. Auf der Nvidia GTC zeigt das Robotik-Unternehmen WORKR, wie diese Technologie US-Herstellern hilft, den Fachkräftemangel zu bewältigen.
ABB Robotics hat angekündigt, dass das Unternehmen ab sofort die Nvidia Omniverse-Bibliotheken in ABB Robotics’ Software RobotStudio integriert. Dieser Schritt ermöglicht es Industrieunternehmen, physische KI in ihren realen Robotik-Anwendungen zu implementieren. „Dank der Simulationstechnologien von Nvidia haben wir die so genannte Sim-to-Real-Lücke geschlossen. Dadurch ist der Weg frei, physische KI in der Industrie weltweit Realität werden zu lassen“, sagt Marc Segura, President von ABB Robotics. „Seit mehr als 50 Jahren treibt ABB Robotics intelligente industrielle Automation voran. Wir haben Pionierarbeit bei der Entwicklung der ersten Generation vollelektrischer Industrieroboter geleistet, Simulationen mit digitalen Zwillingen mithilfe von RobotStudio eingeführt und einen neuen Typ autonomer und vielseitiger mobiler Roboter auf den Weg gebracht. Durch die Zusammenarbeit mit Nvidia machen wir nun den flächendeckenden Einsatz physischer KI in der Industrie möglich.“
RobotStudio HyperReality von ABB Robotics im Vergleich zu einem realen Bild derselben Roboterzelle in einer Fabrik.
(Bild: ABB Robotics)
Die Zusammenarbeit ermöglicht es, ABB Robotics’ Programmier- und Simulations-Suite RobotStudio mit den Simulationsfähigkeiten der Nvidia Omniverse-Bibliotheken zu kombinieren, die physikalisch realistische Simulationen durchführen können. Durch diese Kombination lässt sich die seit langem bestehende technologische „Sim-to-Real“-Lücke schließen. Entwickler sind in der Lage, Roboter als digitale Zwillinge in einer Simulation abzubilden und synthetische Daten zu sammeln, die zum Trainieren physischer KI-Modelle eingesetzt werden können. Diese Technologie ermöglicht es Unternehmen unabhängig von ihrer Größe oder der jeweiligen Branche, KI-gesteuerte Robotik für verschiedene industrielle Arbeitsabläufe einzusetzen.
Die daraus resultierenden realistischen Simulationen und Foundation Models werden in RobotStudio HyperReality immer weiter optimiert. Das System wird durch Rückmeldungen aus der Praxis kontinuierlich verbessert. Mithilfe der Foundation Models kann jede beliebige Anzahl von ABB-Robotern an jedem Ort auf der Welt mit der von der Industrie geforderten Zuverlässigkeit und Genauigkeit trainiert werden.
„Der Industriesektor benötigt physikalisch präzise Simulationen, um die Lücke zwischen virtuellem Training und dem realen Einsatz von KI-gesteuerter Robotik flächendeckend zu schließen“, sagt Deepu Talla, Vice President of Robotics and Edge AI bei Nvidia. „Die Integration von NVIDIA Omniverse-Bibliotheken in RobotStudio verbindet unsere Simulation und Rechenleistung mit der virtuellen Steuerungstechnologie von ABB Robotics. Das beschleunigt den Prozess, mit dem Hersteller jeder Größe komplexe Produkte auf den Markt bringen.“
Schließung der „Sim-to-Real“-Lücke
Bisher gab es einen entscheidenden Unterschied zwischen der Theorie am Computer und der Praxis in der Fabrik: die „Sim-to-Real“-Lücke. Unterschiede bei Licht oder Materialien machten es schwierig, Fertigungsprozesse rein virtuell zu planen. ABB Robotics schließt diese Lücke nun gemeinsam mit Nvidia. Dank hochpräziser Simulationen und synthetischer Daten in Nvidia Omniverse erreichen intelligente Roboter eine Übereinstimmung von 99 Prozent zwischen Modell und Realität. Als einziges Unternehmen verfügt ABB über einen so genannten Virtual Controller, einer exakten Kopie der Originalsoftware, die den Roboter steuert. Dadurch stimmen Simulation und reale Performance nahezu perfekt überein. Zusammen mit der Absolute-Accuracy-Technologie, die Ungenauigkeiten von ursprünglich acht bis 15 Millimeter auf 0,5 Millimeter minimiert, bietet ABB ein Level an Präzision, das bisher in der virtuellen Welt undenkbar war. Das macht die Technologie zur idealen Wahl für hochkomplexe Industrieanwendungen.
Hersteller können Produktionslinien nun rein virtuell entwerfen, testen und optimieren. Das Ergebnis sind große Effizienzgewinne: Die Einrichtungs- und Inbetriebnahmezeiten verkürzen sich um bis zu 80 Prozent, während der Verzicht auf Prototypen die Kosten um bis zu 40 Prozent senkt. Zudem beschleunigt sich die Markteinführung komplexer Produkte, wie etwa in der Unterhaltungselektronik, um die Hälfte.
ABB Robotics prüft zudem die Integration der Jetson Edge-Computing-Plattform von Nvidia in seine OmniCore-Steuerung. Ziel ist es, Echtzeit-KI direkt am Roboter für das gesamte Portfolio verfügbar zu machen. Mit der heutigen Ankündigung setzen die Partner ihre erfolgreiche Kooperation fort. Bisherige Meilensteine der Zusammenarbeit waren die Integration der Jetson-Plattform in autonome mobile Roboter mit KI-gestützter Navigation (Visual-SLAM-Technologie) sowie gemeinsame Arbeiten an KI-Rechenzentren im Gigawatt-Maßstab.
Stand: 16.12.2025
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Reale Anwendungen schon heute
RobotStudio HyperReality unterstützt Industriekunden aller Größen und Branchen bei vielfältigen Anwendungen. Erste Pilotkunden testen die Funktionen bereits vor der offiziellen Markteinführung, die in der zweiten Jahreshälfte 2026 für alle 60.000 RobotStudio-Nutzer von ABB Robotics erfolgt.
Foxconn, ein Auftragsfertiger für Elektronik, pilotiert den ersten gemeinsamen Anwendungsfall in der Fertigung von Unterhaltungselektronik. Die Automatisierung der Montage von Kleinteilen in dem Bereich ist besonders anspruchsvoll, da verschiedene Modellvarianten unterschiedliche Produktionsmethoden erfordern. Zudem verlangt die empfindliche Metallstruktur filigraner Bedienelemente eine hochpräzise Steuerung beim Greifen und Montieren, was bisher oft zu zeitaufwendigem Debugging und hohem Einsatz von Engineering-Ressourcen führte. Mithilfe von RobotStudio HyperReality trainiert das Unternehmen seine Montageroboter nun virtuell. Durch den Einsatz synthetischer Daten werden reale Produktionsprozesse in verschiedenen Szenarien perfektioniert, bevor sie mit einer Genauigkeit von 99 Prozent in die Produktionslinie übernommen werden. Diese virtuelle Optimierung reduziert Einrichtungszeiten und Kosten, da physische Tests entfallen. Die Markteinführung neuer Unterhaltungselektronik wird so erheblich beschleunigt.
„In der Fertigung von Unterhaltungselektronik ist Präzision alles. Bisher war dieses Maß an Genauigkeit und Detailtreue in Simulationen und digitalen Zwillingen schlichtweg nicht erreichbar“, erklärt Dr. Zhe Shi, Chief Digital Officer von Foxconn. „Wir sehen enormes Potenzial in der Zusammenarbeit von ABB Robotics und Nvidia. Dank fortschrittlicher KI-Inferenz können wir Engineering-Prozesse parallelisieren, die Produktion schneller hochfahren und unsere Produktentwicklung insgesamt deutlich beschleunigen.“
WORKR, ein in Kalifornien ansässiges Robotik-Unternehmen für industrielle Fertigungslösungen, macht diese Technologie nun auch für kleine und mittlere Firmen in den USA zugänglich. Auf der Nvidia GTC 2026 (16. bis 19. März 2026 in San José) präsentiert das Unternehmen KI-gestützte Robotersysteme, die auf ABB-Technologie basieren und mithilfe der Omniverse-Bibliotheken ausschließlich mit synthetischen Daten trainiert wurden. Diese Roboter lassen sich ohne jegliche Programmierkenntnisse bedienen. Hierfür hat das Unternehmen industrietaugliche ABB-Robotik mit der eigenen KI-Plattform WorkrCore kombiniert. Das Ergebnis unterstützt amerikanische Hersteller bei der Bewältigung des Fachkräftemangels: Die Roboter erlernen neue Aufgaben innerhalb von Minuten und können von jedem Mitarbeitenden bedient werden.
„Bei dieser Zusammenarbeit geht es darum, industrielle KI schon heute praxistauglich zu machen“, erklärt Ken Macken, CEO und Gründer von WORKR. „Gemeinsam mit ABB und Nvidia beweisen wir, dass fortschrittliche Automatisierung für Hersteller jeder Größe funktioniert.“