Wie lassen sich komplexe Werkzeugdaten ohne Medienbrüche, manuelle Nacharbeit und Interpretationsverluste in Toolmanagement-Systeme überführen? Ein gemeinsames Pilotprojekt von Coscom, Aura Tools und Hetec zeigt, wie direkte, native Datenschnittstellen die Werkzeugdatenanlage vereinfachen und die Effizienz in der automatisierten Zerspanung steigern.
Hetec verfügt über zehn Bearbeitungszentren, darunter die Modelle Grob G750 und Hermle C60.
(Bild: Hetec GmbH)
Die Coscom Computer GmbH in Ebersberg bei München unterstützt seit 1978 die Digitalisierungs- und Automatisierungsprozesse in der Zerspanung. Um die Anlage von Werkzeugstammdaten in einem Toolmanagement-System möglichst einfach zu gestalten, entwickelte das Unternehmen eine effiziente Lösung. Am Pilotprojekt beteiligten sich der Fräswerkzeug-Hersteller Aura Tools und das Fertigungsunternehmen Hetec, beide mit Sitz in Breidenbach in Hessen.
Wie alles begann
Die Geschäftsbeziehung zwischen Hetec und Aura Tools geht bis ins Jahr 2007 zurück. Hetec besitzt verschiedene 5-Achsen-Bearbeitungszentren der Hersteller Grob und Hermle. Dabei stammen mehr als zwei Drittel der eingesetzten Werkzeuge von Aura Tools, die maßgeblich zur Fertigung der Werkzeug-, Formen- und Maschinenbauteile beitragen. Ab 2016 begann Hetec mit der Automatisierung seiner Bearbeitungszentren. Den Auftrag für das automatisierte Werkzeugmanagement erhielt Coscom Ende 2024.
Manuelle Datenbearbeitung mit hohem Zeitaufwand
Produktion eines komplexen Bauteils. Die Simulation findet vor der Bearbeitung im NC-Simulator statt.
(Bild: Hetec GmbH)
In der Toolmanagement-Software ToolDirector VM können alle relevanten Werkzeugdaten zentral gespeichert werden. Über API-Schnittstellen sind zudem Anbindungen an andere Systeme wie CAM, Maschinensimulationen, ERP und PLM möglich. Der Datenimport erfolgte bisher über Standards wie DIN 4000, ISO 13399, GTC-Package oder den Import von Geometriedaten als STEP-Datensatz. Diese sind grundsätzlich sinnvolle und etablierte Wege für den Austausch von Basisdaten. Sobald jedoch anwenderspezifische oder technologisch erweiterte Informationen – entscheidend für die optimale Fertigung – benötigt werden, stoßen diese Standards an ihre Grenzen oder erfordern komplizierte Erweiterungen und bürokratischen Aufwand zur Abstimmung.
CAM-Formate mit maximalem Informationsgehalt
Aura Tools setzt bewusst auf native CAM-Formate mit maximalem Informationsgehalt. Geschäftsführer Markus Künkler erläutert: „Standardformate oder reine Geometriedaten können den von uns angestrebten Umfang der komplexen Werkzeug- und Prozessdaten, insbesondere der validierten Schnittdaten-Referenzwerte, systembedingt nicht abbilden. Darum versuchen wir, Formate direkt für das Endanwender-System bereitzustellen. Bei Geometriedaten beschränken wir uns auf einfache Formate, wie DXF, die unsere rotationssymmetrischen Werkzeuge vollständig abbilden können.“
„Die DXF-Dateien wurden über den Werkzeugkonfigurator von Aura Tools bezogen, manuell in einen STEP-Rotationskörper umgewandelt und mussten in ToolDirector VM bearbeitet, ausgerichtet, parametrisiert und mit Schnittwerten versehen werden“, berichtet Tom Herhaus, Geschäftsführer von Hetec. Dieser Vorgang war zunächst üblich, damit die Datensätze entsprechend den Exportschnittstellen (CAD/CAM-, Simulationssysteme, etc.) im spezifischen Systemformat angepasst werden konnten.
Direkter Datentransfer schnell und fehlerfrei
Die Herausforderung für die Partner lag auf der Hand: Wie können die vollständigen, validierten Daten von Aura Tools direkt und ohne die doppelten Interpretationsfehler generischer Standards in das Toolmanagement-System ToolDirector VM gelangen? Coscom war bewusst, dass Anwender die Werkzeugdaten für unterschiedliche Datenbedürfnisse benötigen. Daher investierte das Unternehmen in die Weiterentwicklung der Schnittstelle Tool Cooperation Interface (TCI). Diese ermöglicht die zentrale Grafikaufbereitung und einheitliche Datenanlage – und ist integraler Bestandteil von ToolDirector VM. „Wir haben es geschafft, dem Data Record Set von Coscom (vom Hersteller bereitgestellte Komplettwerkzeug-Datensätze) eine spezifische Informationsanreicherung zu verpassen. Der Data Record Set ist ein natives Format und kann entsprechend für sämtliche Zielsysteme zum Einsatz kommen, obwohl diese unterschiedliche Formatierungen von Werkzeuginformationen benötigen“, erläutert Christian Erlinger, Geschäftsführer von Coscom.
Ein Beispiel: Aus dem Coscom Data Record Set können schnell entsprechende Daten in das CAM-System fließen, das eine parametrisierte Schneidengeometrie erwartet, da diese Informationen über das Data Record Set ohne manuellen Aufwand im Werkzeugmanagement hinterlegt wurden. Gleichzeitig wird das CAM-System, das immer ein grafisches Schneidenelement mit Zentrumschnitt erwartet, automatisch bedient, ohne eine zusätzliche Datenaufbereitung durchzuführen. Bisher wurde dieses Format jedoch nicht von externen Herstellern bedient.
Stand: 16.12.2025
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Erzeugung des Data Record Sets
Finishbearbeitung von Freiformkonturen mit Schlichtwerkzeugen von Aura Tools.
(Bild: Hetec GmbH)
Da Aura Tools gewohnt ist, native Formate direkt zu nutzen, und bewusst auf Drittanbieter zur Datenaufbereitung oder Standardformate verzichtet, um die Aktualität und Korrektheit zu garantieren, hat sich eine direkte Zusammenarbeit angeboten. Zur Frage nach dem Aufwand bei der Generierung des Data Record Sets erläutert Markus Künkler: „Coscom dokumentierte die technische Spezifikation dieses Formats. Der wesentliche Aufwand auf unserer Seite bestand in der Implementierung einer Software zum Mapping unserer internen Datenbasis auf das externe Coscom-Format. Nach wenigen Abstimmungen konnten die vollständigen Werkzeugdaten in den operativen Einsatz überführt werden. Der große Vorteil des Data Record Set liegt darin, dass es generische Geometriedaten und alle Coscom-spezifischen Parameter, die zuvor manuell ergänzt werden mussten, in einem Datensatz integriert. Dies ermöglicht eine automatisierte Verarbeitung in ToolDirector VM und die direkte Nutzung für weitere Transformationen.“
Effiziente Datenkommunikation in der Fertigungsindustrie
Auch Tom Herhaus betont die Einfachheit des Prozesses: „Abgesehen von einigen kleinen Anpassungen der Definitionen und Klassifizierungen erfolgte der Werkzeugstammdaten-Import vollautomatisch und dauerte nur wenige Minuten.“ Sein Fazit: „Der Import sämtlicher Geometriedaten mit korrekten Bereichsdefinitionen und Schnittwerten spart nicht nur Zeit, sondern ermöglicht auch eine unkomplizierte Nutzung durch alle Anwender. Zudem wird eine fehlerfreie Übernahme sämtlicher Daten sichergestellt.“ Sowohl Aura Tools als auch Hetec empfehlen die Nutzung direkter Schnittstellen, wie das Coscom Data Record Set, ausdrücklich weiter. Letztlich liegt die datenstrategische Entscheidung beim Anwender und dessen Anforderungen. Als Brückenbauer plant Coscom, künftig weiteren Werkzeugherstellern diesen Zugang zu ermöglichen – mit dem Ziel, die direkte und effiziente Datenkommunikation in der Fertigungsindustrie nachhaltig zu fördern.
Fumi Machida ist Marketingmanagerin bei der Coscom Computer GmbH.