Aumovio steigert mit KI die Produktivität seiner deutschen Fertigung. Im Frankfurter Werk entwickelt der ehemalige Continental-Automotive-Bereich das „Overall Factory Brain“. Es verknüpft Produktionsdaten und Mitarbeiterwissen mit Industrial AI.
Blick ins Aumovio-Werk in Frankfurt Rödelheim.
(Bild: Aumovio)
Das Aumovio-Werk in Frankfurt-Rödelheim unterstreicht, dass die Rolle von Industrial AI dabei wichtiger wird. Nach der Abspaltung vom Continental-Konzern treibt der eigenständige Automobilzulieferer mit weltweit rund 82.000 Beschäftigten die technologische Weiterentwicklung seiner Produktion voran. In Frankfurt-Rödelheim werden bereits hochautomatisiert Bremssysteme gefertigt. Mit dem gemeinsam mit German Edge Cloud entwickelten „Overall Factory Brain“ kommt nun eine neue Ebene hinzu: Industrial AI macht Zusammenhänge schneller erfassbar, deckt Ursachen gezielter auf und stellt vorhandenes Produktionswissen unmittelbar für die Optimierung der Fertigung bereit.
„Deutschlands Industrie wird den globalen Wettbewerb kaum über niedrigere Kosten für sich entscheiden. Ihre Chance liegt in höherer Produktivität. Dafür wird entscheidend sein, wie schnell Industrieunternehmen das Wissen ihrer Fabriken in bessere Entscheidungen und effizientere Prozesse übersetzen können“, sagt Dieter Meuser, Geschäftsführer der German Edge Cloud.
Von Tagen auf Minuten: KI unterstützt bei der Ursachenanalyse
Wie sich das konkret auswirkt, zeigt die Analyse von Qualitätsabweichungen. Treten Fehler in der Produktion auf, beginnt in der Regel eine aufwendige Suche nach der Ursache: Produktions- und Qualitätsdaten müssen zusammengetragen, Zusammenhänge über verschiedene Prozessschritte hinweg geprüft und das Wissen von Fachleuten einbezogen werden. Im Frankfurter Werk konnte eine solche Analyse bislang mehrere Tage beanspruchen.
Mit dem Industrial AI Agent Pareto von German Edge Cloud verändert sich dieser Prozess grundlegend. Der Agent wertet Produktions- und Qualitätsdaten aus, stellt Zusammenhänge zwischen Prozessschritten her und sucht nach Mustern und möglichen Fehlerursachen. Die Ergebnisse stellt er den Fachkräften für die weitere Bewertung zur Verfügung.
„Wir können heute eine Analyse, die zuvor Tage dauerte, innerhalb weniger Minuten durchführen. Mit dem Overall Factory Brain schaffen wir die Voraussetzung für eine Fabrik, die aus Daten und Erfahrungen lernt und daraus schneller verwertbare Erkenntnisse ableitet“, sagt Torsten Rauch, Werkleiter des Aumovio-Werks Frankfurt-Rödelheim.
Das Wissen für das „Gehirn der Fabrik“
Doch Geschwindigkeit bei der Datenanalyse ist nur ein Teil des Konzepts. In ei-ner Fabrik steckt Wissen, das sich nicht allein in Datenbanken findet: Beschäftig-te kennen Anlagen, Prozesse und wiederkehrende Fehlerbilder aus jahrelanger Erfahrung. Dieses Wissen soll im „Overall Factory Brain“ strukturiert erfasst und dort verfügbar werden, wo es gebraucht wird. Hier kommt mit Daedalus ein weiterer Industrial AI Agent von German Edge Cloud ins Spiel. Er unterstützt da-bei, vorhandenes Wissen für konkrete Aufgaben in der Produktion und im Engineering zugänglich zu machen. So können unter anderem Erkenntnisse aus früheren Störungen und Analysen in neue Fragestellungen einfließen. Industrieingenieure erhalten dadurch kontextbezogene Entscheidungsunterstützung in wissensintensiven Planungs- und Bewertungsprozessen.
„Industrieunternehmen verfügen über einen enormen Erfahrungsschatz. Viel da-von steckt heute in einzelnen Systemen – oder in den Köpfen der Mitarbeiten-den“, sagt Peter Bonerz, Leiter Industrial Engineering bei Aumovio. „Mit dem Overall Factory Brain wollen wir dieses Wissen dauerhaft sichern, mit aktuellen Informationen aus der Fertigung verbinden und als Produktionsgedächtnis verfügbar machen. So arbeiten Menschen und AI Agents auf einer gemeinsamen Wissensbasis.“
Das „Overall Factory Brain“ wächst mit den Aufgaben der Fabrik
Pareto und Daedalus übernehmen unterschiedliche Aufgaben, greifen dabei aber auf dieselbe industrielle Daten- und Wissensbasis zu. Genau darin liegt die Idee des Overall Factory Brain: Statt immer neue isolierte KI-Lösungen für einzelne Aufgaben einzuführen, entsteht schrittweise ein System spezialisierter AI Agents, die dort unterstützen, wo ihr jeweiliges Wissen und ihre Fähigkeiten benötigt werden. Die Grundlage dafür schafft die bestehende digitale Infrastruktur. Das Oncite Digital Production System (DPS) von German Edge Cloud fungiert als Datendrehscheibe und führt Maschinen-, Prozess- und Qualitätsdaten zusammen. Vorhandene MES-, ERP- und Shopfloor-Systeme lassen sich einbinden, sodass die gewachsenen Produktionsstrukturen nicht ersetzt werden müssen. Die AI Agents werden auf der „Oncite Industrial AI Platform“ betrieben. Rollen, Berechtigungen und Governance-Regeln bestimmen, auf welche Informationen die einzelnen Agenten zugreifen und welche Aktionen sie ausführen dürfen. Mit Sentinel steht ein weiterer spezialisierter Agent für die Überwachung von Qualitäts-, Energie- und Produktionskennzahlen zur Verfügung. So wächst das „Overall Factory Brain“ mit den Aufgaben der Fabrik: Neue Fähigkeiten lassen sich über spezialisierte Agents einfach ergänzen.
Stand: 16.12.2025
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KI ist eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit
„Für einen Hochlohnstandort wie Deutschland ist Industrial AI keine Kür, sondern eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit“, sagt Dieter Meuser. „Wir müssen jetzt den Schritt von einzelnen KI-Anwendungen in den industriellen Maßstab schaffen. Entscheidend ist, dass KI dort produktiv wird, wo industrielle Wertschöpfung stattfindet. Wenn die deutsche Industrie intelligenter und produktiver wird, hat sie einen echten Vorteil im internationalen Wettbewerb. Aumovio zeigt in Frankfurt, wie sich ein deutscher Industriestandort mit Industrial AI für die Zukunft aufstellt.“