Der Sanitärhersteller Duravit modernisiert seine Produktionsprozesse und führt das Manufacturing Execution System (MES) von Top Flow ein. Das SAP-Add-on digitalisiert papierbasierte Abläufe, ermöglicht eine lückenlose Rückverfolgbarkeit und schafft Echtzeit-Transparenz über alle Fertigungsschritte.
Das Duravit Design Center am Hauptsitz in Hornberg.
(Bild: Duravit)
Duravit, 1817 als Steingutfabrik von Georg Friedrich Horn gegründet, ist heute ein weltweit agierender Hersteller von Sanitärkeramik, Badmöbeln, Wannen, Wellnesssystemen und Armaturen. Rund 7.000 Mitarbeiter fertigen an zehn internationalen Standorten vielfach ausgezeichnete Designs. Neben hoher Produktqualität setzt Duravit auf Innovationskraft und investiert kontinuierlich in Produktentwicklung, modernste Fertigungstechnologien und hochwertige Handarbeit.
Ein neues MES für komplexe Ansprüche
Warum dies nötig ist, zeigen die aufwändigen Produktionsabläufe, die – beispielsweise bei einem Waschbecken – bis zu drei Stufen umfassen:
Zunächst entstehen Formen aus Gips oder Kunststoff, in die der Keramikrohling gegossen wird. Je nach Modell werden Hahn-, Überlauf- und Spüllöcher gestochen, bevor der Rohling trocknet.
Anschließend werden die Rohlinge auf Risse und Poren geprüft, Kanten geglättet und die Oberfläche für die Glasur vorbereitet. Danach erfolgt die Glasierung in der gewünschten Farbe und der Brand im Tunnelofen.
Abschließend wird das Produkt je nach Modell weiter veredelt und mehrfach qualitätsgeprüft.
„Die Produktion ist wegen des Brennens im Ofen sehr energie- und kostenintensiv und zugleich störungsanfällig, da Keramik grundsätzlich empfindlich auf äußere Einflüsse reagiert. Effiziente Produktionsprozesse und eine frühzeitige Qualitätskontrolle werden damit zu entscheidenden Wettbewerbsfaktoren für uns“, erläutert Marc Schmidt, SAP PP Inhouse Consultant bei Duravit.Für Duravit ist es daher schon seit langem wichtig, Optimierungspotenziale zu nutzen, und entschied sich im Zuge der SAP S/4HANA-Umstellung parallel ein modernes MES einzuführen, da die Datenerfassung sonst zu zeitintensiv gewesen wäre.
Duravit begann mit der Suche nach einer passenden Lösung, um sie zunächst in den Werken Meißen und Hornberg zu etablieren und danach als Template für weitere Standorte zu nutzen. Als zentrale Kriterien für das gewünschte MES-System definierten die Verantwortlichen bei Duravit:
eine einfache Anbindung an das geplante SAP S4/HANA,
individuelle Anpassungsmöglichkeiten für die spezifischen Bedürfnisse des Unternehmens sowie
eine hohe Servicequalität des Anbieters.
Duravit stieß auf Top MES, das SAP-Add-On von Top Flow, das durch seine schnittstellenfreie Anbindung und flexible Anpassung überzeugte. Empfehlungen von Partnern und erste Gespräche mit den Entwicklern führten schnell zu einer erfolgversprechenden Zusammenarbeit.
Das Ziel
Digitalisierung der Produktion
Schlankere und effizientere Fertigungsprozesse
Schnittstellenfreies MES unterstützt SAP S/4HANA
Freie Bahn für digitale Prozesse
Diese begann mit einer Ist-Analyse der bestehenden Prozesse und der dahinterliegenden IT-Strukturen. Ein besonderes Augenmerk des zu diesem Zweck gebildeten, gemeinsamen Projektteams bestand darin, papierbasierte Prozesse zu digitalisieren, Qualitätsdaten zeitnah – vorzugsweise in Echtzeit – zu erfassen und für mehr Transparenz zu sorgen.
Dafür initiiere das Projektteam, aufbauend auf der Top MES-Einführung, mehrere Maßnahmen, vor allem:
Die Einführung eines keramischen Barcodes: In den Werken Meißen und Hornberg erfolgte die Produktion vielfach noch „auf Zuruf“. Wichtige Kennmerkmale des Produktes erhielten die Werker dabei papiergebunden, und auch die eigene Leistungserfassung nahmen sie auf Papier vor. Diese Daten übertrugen Werkschreiber dann nachgelagert in das ERP-System. Tagesaktuelle Auswertungen waren so nicht möglich. Mit der Einführung von Top MES enden nun diese manuellen Abläufe. Dazu führte das Projektteam eine spezielle Serialnummer, den sogenannten „Keramischen Barcode“, als neuen, eindeutigen Identifikationsschlüssel für jedes Einzelprodukt ein. Dieser wird beim Gießen am Einzelstück angebracht und im Tunnelofen endgültig eingebrannt. Diesen können die Mitarbeitenden auf dem Shopfloor nun einfach einscannen und erhalten dadurch automatisch alle für den nächsten Fertigungsschritt nötigen Informationen (etwa technische Spezifikationen) in digitaler Form.Im Hintergrund ist der Code zudem mit den wesentlichen SAP-Objekten, wie etwa der Auftragsnummer und der bisherigen Warenbewegung, verknüpft. Für die Produktionssteuerung ist somit jederzeit transparent, an welchem Ort und in welchem Bearbeitungsstatus sich das einzelne Produkt gerade befindet. Insbesondere für die Produktionsplanung und -steuerung geht diese neue Übersichtlichkeit mit deutlichen Vorteilen einher – unter anderem, weil die dafür nötigen Auswertungen nun zeitnah vorliegen.
Die Nutzung von Handhelds in der Produktion: Um den keramischen Barcode praktikabel zu nutzen, stattete Duravit seine Belegschaft auf dem Shopfloor mit mobilen Handhelds, Tablets oder IPCs aus. Ferner erhielten die Produktionswerke eine hitzebeständige WLAN-Infrastruktur, die selbst den hohen Temperaturen in der Nähe des Ofens – bis zu 45 Grad Celsius – standhält.
Eine schnelle Qualitätskontrolle und kontinuierliche Verbesserungen: Zügige Fehlerkorrekturen und kontinuierliche Prozessoptimierungen sind für Duravit aufgrund der sehr empfindlichen Keramik ein wichtiger Erfolgsfaktor. Via Handheld können die Werker daher nun frühzeitig Produktionsleistung und Produktmängel zurückmelden. Durch Top MES ergeben sich zudem völlig neue Controlling-Möglichkeiten, die über eine Echtzeit-Fehlermeldung weit hinausgehen. So sammelt das System im Hintergrund beständig Daten darüber, an welchen Stellen vermehrt Ausschussquoten und Fehler auftreten. Mögliche Ursachen kann das Unternehmen dadurch sehr viel schneller eingrenzen und beseitigen – etwa durch Schulungen der Belegschaft oder die Wartung unzuverlässiger Maschinen bzw. Formen.
Die retrograde Verbuchung von Bearbeitungszeiten: Ein letztes Feature betrifft die Arbeitszeiterfassung. Wegen diverser Schnittstellenprobleme führte Duravit diese in den Werken Hornberg und Meißen bis zum Start des neuen MES noch händisch durch: Die Mitarbeiter erfassten die produzierten Mengen über Strichlisten, die man später mit den im Personalwesen hinterlegten Arbeitszeiten abglich und nach einem spezifischen Schlüssel, der auch Rüst- und Nebentätigkeiten umfasst, auf die einzelnen Kostenstellen verteilte.Durch das digitale Erfassen der Arbeitsschritte auf die Produktionsaufträge ist dies nun nicht mehr nötig. Vielmehr läuft dieser Vorgang jetzt vollständig automatisiert ab. Eine kurze Kontrolle und die Bestätigung durch den Meister am Folgetag reichen aus.
Die Lösung
Einsatz von Top MES als neues Manufacturing Execution System (MES)
Nahtlose Integration des MES in SAP
Aufbau einer mobilen Applikation für die Produktionsmitarbeiter
Entwicklung des „keramischen Barcodes“ zur Produktionssteuerung in der Fertigung
Von Meißen und Hornberg in die Welt
Mit einem Scan des keramischen Barcodes erhalten Mitarbeitende alle Informationen zu Auftrag und Bearbeitungsschritt.
(Bild: Duravit)
Nach intensiver Projektarbeit überführte Duravit Top MES sowohl in Meißen als auch in Hornberg in den Produktivbetrieb. Perspektivisch erwartet das Unternehmen durch die neue Lösung mehr Transparenz und Planbarkeit, weniger Fehler und eine insgesamt höhere Kosteneffizienz. Damit auch andere Standorte des Unternehmens davon profitieren, möchte Duravit zudem schrittweise auch dort ausrollen. Mit den bisherigen Resultaten ist Marc Schmidt höchst zufrieden: „Heute verfügen wir mit Top MES über ein modernes und hochflexibles Manufacturing Execution System. Und dank der exzellenten Zusammenarbeit mit Top Flow haben wir bestehende Abläufe umfassend digitalisieren können. Das dient uns nun auch als Template für weitere Standorte. Im nächsten Schritt betrifft dies unser neues Werk in Kanada. Dafür greifen wir sehr gerne erneut auf den Support von Top Flow zurück!“
Stand: 16.12.2025
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