Interview mit Werner Mäurer, Managing Director bei Hiwin
Werner Mäurer, Managing Director, Hiwin Deutschland
(Bild: Hiwin)
Hiwin ist seit 1993 in Deutschland aktiv und beschäftigt europaweit rund 700 Mitarbeitende. Die Lösungen werden in verschiedenen Branchen eingesetzt, von Elektromobilität über Halbleiterindustrie bis zu allgemeinen Fertigungsprozessen. Hiwin stellte auf der EMO eine neue Profilschienenführung mit Rollen als Tragkörper vor. Wir sprachen mit dem Managin Director Werner Mäurer.
DMM: Mit welchen zentralen Innovationen tritt Hiwin auf der EMO Hannover 2025 auf?
Werner Mäurer: Wir zeigen eine neue Profilschienenführung mit Rollen als Tragkörper. Diese UR-Führung vereint die Erfahrungen und Wünsche an unsere aktuelle RG-Führung auf und vereinigt das in einem neuen Aufbau. Resultat sind o Statische Tragkraft bis +34 % – für maximale Belastbarkeit bei hochpräzisen Achsbewegungen o Dynamische Tragkraft bis +19 % – für eine bis zu 70% höhere Lebensdauer und einen zuverlässigen Dauereinsatz. o Höchste Steifigkeit und gleichmäßige Kraftverteilung sichern exakte Positionierung auch unter extremen Lasten.Außerdem zeigen wir kleine Baugrößen für Kugelgewindetriebe mit Durchmessern von 4 bis 12 mm. Ja, Sie werden fragen, was das auf der EMO mit deinen großen Maschinen verloren hat. In der Tat sind diese kleinen Baugrößen für kleine Werkzeugmaschinen gedacht, die eher auf dem Tisch stehen und dabei vielleicht Ihre Zahnkronen fräsen, um ein Einsatzgebiet zu nennen.Unsere dritte Innovation steckt sicher nicht in der Hauptachse einer Werkzeugmaschine. Dafür umso mehr in der Automatisierung um die Werkzeugmaschine drum herum und allen anderen Automatisierungsaufgaben. Es sind unsere Electric Acuators „EA“. Sie sind von Grund auf neu entwickelt und zeigen alles, was der Markt möchte und es fehlt ihnen alles, was der Markt nicht möchte. Eine extrem hohe Leistungsdichte gepaart mit einer super Modularität und dem aktuell kleinsten CO2-Fußabdruck für ein solches Produkt. Die Leistungsdichte ist so hoch, dass unser Actuator üblicherweise eine Nummer kleiner ausfällt, als vergleichbare Produkte auf dem Markt.
DMM: Welche besonderen Vorteile zeichnen Ihre Technologien aus?
Werner Mäurer: Unsere Integrationslösungen gehen über das Produkt hinaus. Wir integrieren unsere Leistungen in die Wertschöpfungskette unserer Kunden. Das Warenwirtschaftssystem unserer Kunden steuert unsere Fertigung bis herunter zur Stückzahl Eins ohne, dass es die klassischen Arbeiten der Einkaufs- und Vertriebssachbearbeitung braucht.
DMM: Welche Technologien entwickeln und fertigen Sie derzeit in Deutschland?
Werner Mäurer: In Deutschland kümmern wir uns um die Software rund um unsere Produkte. Von der Auslegung, der Lebensdauerberechnung über die Konfiguration, den Webservices bis hin zur Produktion der kundenspezifischen Teile. Wir haben die Entwicklungsaufgabe für Kugelgewindetriebe und unsere Aluminium-basierten Bewegungssysteme. Und natürlich produzieren wir hier viel für den europäischen Markt.
DMM: Da der deutsche Markt zunehmend auf Kosteneffizienz setzt: Welche Alleinstellungsmerkmale heben Ihre Produkte von Wettbewerbern ab?
Werner Mäurer: Nun, nennen Sie mir einen Markt, der nicht auf Kosteneffizienz setzt. Ich weiß, dass unsere Kunden unsere Alleinstellungsmerkmale gut kennen. Da es auch Bedarfsträger gibt, die unsere Alleinstellungsmerkmale noch nicht kennen, geht uns die Arbeit nicht aus. Über die Details hüllen wir uns gerne in Schweigen.
DMM: Können Sie ein aktuelles Erfolgsbeispiel oder eine Fallstudie nennen, die den Nutzen Ihrer Lösungen in der Praxis verdeutlicht?
Werner Mäurer: Bei einem Kunden für unsere Wellgetriebe hat uns gestört, dass die Verbindung von Motor und Getriebe optisch hässlich war und zwei eigentlich überflüssige Teile benötigte. Jetzt ist die Baugruppe ein Kilogramm leichter, baut kürzer und kommt als eine fertige Getriebe-Motor-Einheit zum Kunden. Dass diese Lösung kosteneffizienter ist, erschließt sich von alleine.
DMM: Wie bewerten Sie den aktuellen globalen Trend zur Kostensenkung im Werkzeugmaschinenbau – und warum gewinnt dieses Thema an Bedeutung?
Werner Mäurer: Dieses Thema hat schon immer eine hohe Bedeutung. Weglassen, schlanker machen oder intelligenter verknüpfen ist in jedem Industriefeld der Hebel, sich vom Andern abzuheben.
DMM: Seit wann sind Sie im deutschen Markt aktiv und wie gestaltet sich Ihr aktuelles Geschäft dort?
Werner Mäurer: 1993 haben wir in Deutschland angefangen. Heute haben wir europaweit rund 700 Mitarbeiter. Der Markt ist in den letzten Jahren beweglicher und schneller geworden. Das gefällt uns. Kurze Entscheidungswege und eine bewegliche Konzernstruktur ist ein Teil unserer Erfolgsgeschichte.
DMM: Welche Fertigungsbranchen in Deutschland zeigen das größte Interesse an Ihren Technologien?
Werner Mäurer: Ich kann nicht sagen, dass einzelne Branchen mehr Interesse an unserer Technik haben als andere. Wo immer sich etwas halbwegs genau bewegen soll, sind wir zu Hause. Natürlich stehen die Anlagen der Elektromobilität oder der Halbleiterindustrie nicht hinten dran.
DMM: Wie bewerten Sie das Wachstumspotenzial der deutschen Fertigungsindustrie – und welche strategischen Ziele verfolgen Sie in diesem Markt?
Werner Mäurer: Unabhängig von der aktuellen Wirtschaftsschwäche, die in Deutschland noch ein wenig ausgeprägter ist als in anderen europäischen Staaten sind die Wachstumspotentiale von Europa enorm. Lieferkettenverkürzung, oder „local for local“ sind Themen, die auch in Europa Wachstumschancen bieten. Wir sind dort, wo unsere Kunden sind. Und da spielt Europa für uns eine zentrale Rolle.
Stand: 16.12.2025
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DMM: Welche Auswirkungen haben die US-Zölle auf bestimmte Importe für die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie – und wie wirkt sich dies auf Ihr Unternehmen aus?
Werner Mäurer: Das Thema erzeugt aktuell manche zusätzliche Arbeit. Es bietet Chancen und Risiken gleichermaßen. Wir sind global aufgestellt, und können damit umgehen. Am Ende verteuert es viele Waren und sorgt für höhere Zolleinnahmen. Der Verbraucher wird das am Ende bezahlen. Wie sinnvoll diese Zölle unter Industrienationen sind, weiß ich nicht. Für globale Chancengleichheit wäre es sinnvoller, Entwicklungsländer würden Importzölle verlangen, ohne dass die Industrienationen für Importe aus Entwicklungsländern gleiches verlangen. Das ist eine wirtschaftsethische Fragestellung, die in der Deutschen Bank vor vielen Jahren einen Fürsprecher hatte, der leider zu früh gestorben ist.