Automatisierung Elektrische Hochhubwagen: Selbstfahrend, effizient, flexibel

Ein Gastbeitrag von Louis Vieira 6 min Lesedauer

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Lange Wege, steile Rampen – und zwischendrin ein Nebeneinander von Menschen und Fahrzeugen: Dass Automationslösungen selbst mit abenteuerlichen Bedingungen klarkommen, zeigt das Beispiel der Oechsler AG. Am Stammwerk des Kunststoffspezialisten sorgen drei elektrische Hochhubwagen L-Matic HD von Linde für effiziente Warenflüsse.

Schmale und lange Gänge sind für die Hochhubwagen mit Kontur navigation kein Problem.(Bild:  Linde Material Handling)
Schmale und lange Gänge sind für die Hochhubwagen mit Kontur navigation kein Problem.
(Bild: Linde Material Handling)

Zugegeben, auf den ersten Blick haben die drei auf Asterix, Obelix und Idefix getauften Linde L-Matic HD bei Oechsler wenig mit ihren gallischen Namensvettern gemein. Doch betrachtet man die Geschichte hinter dem Automationsprojekt wird schnell klar: So ganz weit hergeholt ist die Namensgebung nicht. 

Asterix, Obelix und Idefix: Elektrische Hochhubwagen im Einsatz

Hier das unbeugsame Trio aus den weltberühmten Comics, das Abenteuer für Abenteuer scheinbar Unmögliches möglich macht – und dort die drei selbstfahrenden Hochhubwagen in einem derart anspruchsvollen Setting, das selbst erfahrenen Logistikprofis gehörig Respekt abringt. „Sagen wir mal so: Eine optimale Umgebung für fahrerlose Transportsysteme sieht sicher anders aus“, scherzt Sebastian Hornung, Head of Logistics am Stammsitz Ansbach. „Breite, klar abgetrennte Fahrwege, ebene Strecken ohne Hindernisse, eine statische Umgebung – all diesen Luxus haben wir hier nicht.“ Und trotzdem laufen die automatisierten Warenflüsse seit Inbetriebnahme von Asterix, Obelix und Idefix im März 2022 nicht nur äußerst effizient, sondern auch mit maximaler Zuverlässigkeit. Ganz ohne Zaubertrank, versteht sich.

Sorgfältig geplant ist halb automatisiert

Rückblick: Bereits 2019 kam bei dem global führenden Hersteller von Kunststoffspritzgussteilen und -baugruppen die Idee auf, bestimmte Warenflussprozesse zu automatisieren. „Einerseits ging es uns um Produktivitätssteigerungen, zugleich wollten wir den bestehenden Fachkräftemangel abfedern“, erinnert sich Chief Operating Officer Christoph Faßhauer. Also suchte die Logistikabteilung direkt den Kontakt zum Linde MH-Netzwerkpartner Ernst Müller Fördertechnik, der im ersten Schritt einen mehrtätigen Workshop vor Ort initiierte. 

Intralogistik-Berater Thomas Eußner: „Uns war es sehr wichtig, absolut ergebnissoffen an die Sache heranzugehen und bei Oechsler nicht nur die Logistik einzubeziehen, sondern auch weitere Bereiche wie Fertigung und Versand. Denn erst wenn man ein ganzheitliches Bild über die Prozesse und Bedürfnisse des Kundenunternehmens hat, kann man passende Lösungen konzipieren.“ Als eben jene Lösung erwies sich bei Oechsler schließlich die Implementierung dreier Linde L-Matic HD, die sowohl für die Materialbereitstellung in der Produktion wie für die Entsorgung fertig verpackter Ware und den nachgelagerten Transport zum Einsatz kommen sollten.

Eine Frage der Detailarbeit für elektrische Hochhubwagen

Was sich in der Beschreibung so locker leicht liest, war in der Praxis alles andere als eine logistische Fingerübung. „Zu den größten Herausforderungen zählten definitiv unsere speziellen räumlichen Gegebenheiten hier im Stammwerk“, umreißt es Logistikchef Sebastian Hornung. Die Gänge in der Produktions- und Lagerumgebung sind teilweise extrem schmal dimensioniert, überall „lauern“ unübersichtliche Ecken und Kreuzungen. An einem neuralgischen Punkt gibt es sogar eine Rampe mit vier Prozent Steigung zu überwinden. „Just diese Rampe hat uns während der Planung die ein oder andere schlaflose Nacht beschert“, erzählt Intralogistik-Experte Thomas Eußner vom Netzwerkpartner schmunzelnd und ergänzt: „Die Frage war: Was können wir tun, damit die Fahrzeuge hier nicht aufsetzen?“. Und die Antwort darauf lieferte der Linde L-Matic HD mit seinem integrierten Initialhub. Heißt in der Praxis: Die Funktion aktiviert sich automatisch an der betreffenden Passage und sorgt für ein Plus an Bodenfreiheit, sodass die Rampe beschädigungsfrei passiert werden kann.

Einlagern der Ware auf bis zu vier Metern Höhe: Die Sensorik erkennt, welche Bahnen des Durchlaufregals gerade belegt sind.(Bild:  Linde Material Handling)
Einlagern der Ware auf bis zu vier Metern Höhe: Die Sensorik erkennt, welche Bahnen des Durchlaufregals gerade belegt sind.
(Bild: Linde Material Handling)

Mit Blick auf die beengten Platzverhältnisse gewährleisten etwa angepasste Sensorfelder der Geräte, spezielle Side-Bumper und 360-Grad-Sicherheitsspiegel sichere Prozesse. „Letztere haben wir an kritischen Ecken auf Rat des Netzwerkpartners in Eigenregie angebracht. Fährt ein automatisiertes Gerät einen solchen Punkt an, leuchten rote LEDs auf und weisen unsere Beschäftigten auf die nahenden Fahrzeuge hin“, beschreibt Oechsler Logistikchef Sebastian Hornung. Einem intelligenten Traffic Management ist es indes zu verdanken, dass an bestimmten Stellen sogar ein Begegnungsverkehr mit dem Linde L-Matic HD realisiert werden konnte.

Ein Durchlaufregal schafft Platz

Die ersten Challenges gemeistert – und direkt weiter zur nächsten. Oder besser: Nochmal etwas weiter vorn angesetzt. Die Produktion bei Oechsler läuft dreischichtig rund um die Uhr. Die Kolleginnen und Kollegen aus der Logistik arbeiten jedoch im Zweischichtbetrieb. Eine Pufferung der während der Nachtschicht produzierten Güter wäre auf Bodenflächen aus Platzgründen nicht abbildbar gewesen, ebenso wenig wie eine Stapellösung. „Dazu unterscheiden sich unsere fertig verpackten Produkte einfach zu sehr“, gibt Logistikleiter Sebastian Hornung zu Protokoll. So kam im Rahmen der gemeinsamen Simulation mit Ernst Müller Fördertechnik die Idee zur Installation eines Durchlaufregals aufs Tapet. Dank der Fähigkeit der Linde L-Matic HD, Waren in bis zu vier Metern Höhe einzulagern, konnte dieses sogar in zweistöckiger Ausführung errichtet werden. Die Geräte erkennen mit ihrer Sensorik, welche der 2x2 Bahnen gerade belegt sind und platzieren die fertige Ware auf freien Plätzen. „So können wir auf identischer Fläche die doppelte Menge an Paletten lagern und gewährleisten 24/7 einen kontinuierlichen Abfluss aus der Produktion“, zeigt sich Hornung zufrieden.

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85 Kilometer täglich

Zufriedenheit ist in Ansbach auch das Stichwort, wenn es um Performance der selbstfahrenden Lagerhelfer geht. Im Lastenheft gaben die Verantwortlichen für das Dreiergespann insgesamt 22 Fahrten pro Stunde vor – ein Wert, der im laufenden Betrieb problemlos gehalten werden konnte. „Da wäre sogar noch Potenzial nach oben, aber so passt es gerade am besten in unsere Prozesse“, sagt Hornung. Doch woher wissen die Geräte eigentlich, an welcher Stelle in Fertigung und Lager sie gerade gebraucht werden? Hornung erläutert: „Wir haben an den Aufnahmestellen Sensoren installiert, die wie in Parkhäusern erkennen, ob an der betreffenden Stelle gerade etwas ‚parkt‘. Ist das der Fall, werden die Fahrzeuge automatisch angefordert und scannen vor Ort einen Barcode, den die Beschäftigten an der Ware angebracht haben. Darin sind dann die entsprechenden Zielinformationen enthalten“, erläutert der Logistikchef weiter. 

Beim Überqueren der Rampen kommt am „Knick“ der Initialhub zum Einsatz und gewährleistet die notwendige Bodenfreiheit.(Bild:  Linde Material Handling)
Beim Überqueren der Rampen kommt am „Knick“ der Initialhub zum Einsatz und gewährleistet die notwendige Bodenfreiheit.
(Bild: Linde Material Handling)

Unterm Strich legen die drei Linde L-Matic HD so tagtäglich eine beeindruckende Fahrtstrecke von rund 85 Kilometern zurück und orientieren sich dank der bewährten Konturnavigation selbsttätig im Raum, ohne etwa auf Führungsschienen angewiesen zu sein. „Ein großer Vorteil, der das Linde-Angebot klar von den Lösungen anderer Marktbegleiter unterscheidet“, hebt Hornung hervor. Sinkt der Ladezustand der Batterien unter einen definierten Wert, laden die Linde L-Matic HD selbsttätig an einem gemeinsamen Ladepunkt nach.

Elektrische Hochhubwagen: Belegschaft ausgezeichnet eingebunden

Nochmal zurück zu Asterix, Obelix und Idefix: Verantwortlich für die kreative Namensgebung zeichnete nicht das Management. Stattdessen ließ Oechsler die Beschäftigten in einem Voting selbst abstimmen. Und so steht diese Tatsache stellvertretend für den großen Elan, mit dem man das Projekt von Kundenseite anging. „Wenn Sie so etwas machen, dann müssen Sie die Leute von Tag eins an mitnehmen“, betont Chief Operating Officer Christoph Faßhauer. „Mitnehmen heißt: transparent kommunizieren, schulen, Vorbehalte abbauen und ganz konkret einbinden, wo es Sinn ergibt.“ Ein Beispiel für letztgenannten Punkt hat mit den roten LED-Streifen zu tun, die die Linde-Fahrzeuge auf den Hallenboden projizieren. „Eigentlich überlappen sich diese Sicherheitslinien, doch wir wollten das optisch feinschleifen. Also haben wir unserer Azubi-Werkstatt den Auftrag gegeben, hier nach einer Lösung zu suchen. In ein paar Tagen Arbeit haben sie justierbare Abdeckkappen für die LED-Leuchten entwickelt. Jetzt ist alles perfekt bündig“, berichtet Hornung. 

Auch bei der Markierung der Abholplätze hat der Kunststoffspezialist eigene Ideen eingebracht. Damit die Beschäftigten die Warenträger dort optimal für die Linde L-Matic HD abstellen können, wurden spezielle Anschläge aus Metall platziert; diese lassen sich – zum Beispiel im Fall von Restrukturierungsmaßnahmen – unkompliziert entfernen und an anderer Stelle wieder verschrauben. „Inzwischen wissen alle hier: Die Geräte gehören fest dazu, machen das Arbeiten auf sämtlichen Ebenen einfacher und das ganze Team profitiert“, zieht Hornung Bilanz. 

Der Autor Louis Vieira ist Head of Sales Automation & Intralogistics bei Linde Material Handling.