Als die Pandemie ganze Belegschaften zu Hause festsetzte und die globalen Lieferketten durcheinanderwirbelte, veränderte sich etwas. Für viele Menschen wurde der Umgang mit cloudbasierten und anderen digitalen Technologien alltäglich. Die verarbeitende Industrie erlebt seither einen beispiellosen Wandel. Low-Code wird dabei in Zukunft eine zentrale Rolle spielen.
(Quelle: TommL/iStock.com)
Digitale Zusammenarbeit unter der Lupe: Die Rekrutierung und Ausbildung von Fachkräften sind in den letzten Jahren schwieriger geworden. Hersteller aller Branchen kämpfen mit einem wachsenden Missverhältnis zwischen einem hohen Bedarf an technischen Fähigkeiten und Fertigkeiten und der Situation auf dem Arbeitsmarkt. Laut einer Gartner-Umfrage befürchten sogar 57 Prozent der Führungskräfte in der Fertigungsindustrie, dass ihre Mitarbeitenden nicht über die nötigen Fähigkeiten verfügen, um die Digitalisierungsinitiativen des Unternehmens zu unterstützen. Die Automatisierung neuer Fabrikprozesse, der Einsatz des Internet of Things (IoT) und die gemeinsame Nutzung von Daten auf Edge-Basis sind dadurch gefährdet. Gleichzeitig besteht ein wachsendes Risiko, institutionelles Wissen zu verlieren, da branchenweit viele Mitarbeitenden demnächst in den Ruhestand gehen.
Anpassung an die neue Realität der vernetzten Belegschaft
Immer mehr Hersteller investieren in intelligente Fertigungskapazitäten, um die Konnektivität zwischen Menschen, Maschinen und Prozessen zu verbessern. Viele stehen nun vor der Aufgabe, riesige Datenmengen gewinnbringend zu nutzen, die durch Digitalisierung und technologische Innovation entstehen. Dafür müssen sie relevante Datenpunkte erfassen, kontextualisieren und analysieren können. Ziel ist, in Echtzeit Optionen zur Vermeidung eines Problems oder sogar zu dessen Lösung zu erhalten.
Zwar sollen intelligente Fertigungstechnologien Daten, Geräte und Prozesse miteinander vernetzen und optimieren, doch tatsächlich geht es dabei auch um komplizierte Interaktionen zwischen verschiedenen Softwaresystemen. Das kann handelsübliche Software für Enterprise Ressource Planning, Product Lifecycle Management, Manufacturing Operations Management, Warehouse Management und Software Change Management sein oder auch Legacy-Systeme umfassen, die noch in das Prozess-Ökosystem eingebettet sind, wie Excel, papierbasierte Prozesse oder sogar Eigenentwicklungen, die für einen vorübergehenden Bedarf entwickelt, später aber nie ersetzt wurden.
Digitale Zusammenarbeit: Applikationen und Datenquellen einfach verknüpfen
Viele Fertigungsunternehmen verwenden mehrere verschiedene Systeme für die Verwaltung ihrer Fertigungsabläufe und nutzen deshalb ihre Daten nicht ausreichend für Verbesserungen. Die über Jahre gewachsenen, vielfältigen Software-Systeme lassen sich jedoch nicht einfach durch ein neues Gesamtsystem ersetzen. Und das ist auch nicht notwendig. Vielmehr geht es darum, die unterschiedlichen Applikationen und Datenquellen unkompliziert miteinander zu verknüpfen und die Kombination der Datenströme in maßgeschneiderten Apps für verschiedenste Funktionen in der smarten Fabrik produktiv zu machen. Das leisten Low-Code-Plattformen wie Mendix.
(Mit Mendix lassen sich Daten aus unterschiedlichen Systemen zusammenführen und nutzbar machen. Bild: Gorodenkoff/iStock.com)
Low-Code als Enabler für effiziente Collaboration
Bisher organisierte beispielsweise das Fabrikpersonal seine Zusammenarbeit meist mit einfachen Kommunikationsmittel wie E-Mail oder Textnachrichten. Diese waren in der Regel nicht mit den Datenflüssen aus den tatsächlichen Arbeitsabläufen verbunden. Mit Hilfe von Low-Code können Unternehmen die digitale Zusammenarbeit direkt in ihre Prozessabläufe einbetten. Das erleichtert den Mitarbeitenden die Arbeit enorm und ermöglicht deutlich schnellere und bessere Entscheidungsfindungen. Weitere Beispiele ergeben sich aus der Zusammenführung der Daten aus unterschiedlichen Bearbeitungsschritten einer Fabrik – von verschiedenen Standorten oder unterschiedlichen administrativen Prozessen wie Personalplanung, Lieferantenmanagement und Maintenance-Erfordernissen oder durch die Zuschaltung neuer, innovativer Technologien.
Digitale Zusammenarbeit: Transformation beschleunigen und vertiefen
Die Nachfrage nach Software schießt in die Höhe, doch die traditionelle Art der Programmierung kann mit dem wachsenden Bedarf kaum Schritt halten. Um die Lücke zu schließen, setzen produzierende Unternehmen auf Technologie, die das Rad nicht jedes Mal neu erfindet, sondern auf der Basis erprobter Bausteine und Templates, die sich an den konkreten Bedarf in dem jeweiligen Werk oder der jeweiligen Funktion individuell anpassen lassen und so die Vorteile kostengünstiger Standardsoftware und passgenauen Eigenentwicklungen kombiniert.
Low-Code gilt als eine der schnellsten und einfachsten Möglichkeiten, Anwendungen zu erstellen, in bestehende Prozesslandschaften zu integrieren und auch komplexe Systeme zu erweitern. Mendix unterstützt die Erstellung von Apps für Web, Tablets , Handhelds oder Fahrzeuggeräte sowie Augmented Reality und kann überall ausgeführt werden: von der IT-Abteilung, auf dem Shopfloor, in der Cloud und im Edge Computing.
Stand: 16.12.2025
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Digitales Empowerment für die gesamte Belegschaft
Insofern unterstützt und stärkt die Plattform die Fähigkeiten aller Angestellten. Dank intuitiver visueller Schnittstellen können Mitarbeitende auch mit wenig oder gar ohne eigene Entwicklungserfahrung ihre Daten, Geräte, Prozesse und Aufgaben mit intelligenten Fertigungstechnologien verbinden. Damit vereinfacht Low-Code die Einführung intelligenter Fertigungstechnologien durch Mitarbeitende und die digitale Zusammenarbeit. Bestehende Prozesse und Systeme werden so schrittweise weiter optimiert. Innovationen, wie zum Beispiel die Datenverarbeitung mithilfekomplexer KI-Modelle, können ohne viel Aufwand und kontrolliert an bestehende Systeme angebunden, getestet und nach Bedarf genutzt werden. Die betrieblichen Abläufe bleiben dabei einfach, integriert und agil, unabhängig von der zugrunde liegenden Technologie.
Low-Code-Entwicklungsplattformen sind daher ein ideales Tool, um hybride Belegschaften und die unterschiedlichsten Technologieanwender auf dem weiteren Weg in die Industrie 4.0 mitzunehmen. Denn sie verknüpfen verschiedene Anwendungen und Systeme miteinander und ermöglichen darauf aufbauend digitale Innovation mit einer kurzen Time-to-Market. Damit wird Low-Code zu einem wichtigen Bindeglied innerhalb der Smart Factory und beschleunigt die weitere Transformation.
Der Autor Dr.-Ing. Raffaello Lepratti ist Global Vice President bei der Siemens-Tochter Mendix und verantwortet das Industrial-Manufacturing-Geschäft von Mendix.