Digitale Zukunft der Produktion: Voll vernetzt in allen Varianten

Verantwortlicher Redakteur:in: Rainer Trummer 5 min Lesedauer

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Der Weg zum digitalisierten Produktionsbetrieb ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Holter Regelarmaturen hat damit viel Erfahrung. Denn schon zum zweiten Mal wurde der Spezialist für Ventile mit dem Manufacturing Excellence Award ausgezeichnet, zuletzt 2018 für die digitalisierte Fertigung mit dem „Sonderpreis bestes KMU“. Nun digitalisiert das Unternehmen mit Unterstützung der ERP-Software proAlpha immer mehr Prozesse.

(Quelle:  proAlpha)
(Quelle: proAlpha)

Digitale Zukunft - vom Heizkörper bis zum Kraftwerk: Überall, wo Ventile und Stellantriebe gebraucht werden, kommen Produkte der Holter Regelarmaturen GmbH & Co. KG (HORA) zum Einsatz. Rund die Hälfte des Umsatzes macht das westfälische Unternehmen in der Branche Power Technology. Hierfür entwickelt, fertigt und vertreibt HORA individuelle Ventile und Antriebe für Großanlagen in der Prozess- und Energieindustrie. Die Projekte für diese individuell gefertigten Kleinstserien von 1 bis 4 Stück nehmen zwischen sechs und neun Monate in Anspruch. Lediglich ein bis zwei Tage Durchlaufzeit haben dagegen die Aufträge für die Branchen Building Automation und Industrie. Hierfür entstehen Ventile und Lösungen für die Heiz- und Kühltechnik in der Industrie-Automation sowie für große Gebäude, wie etwa die Elbphilharmonie in Hamburg.

Digitale Zukunft: Das passende ERP-System

Bei einem so heterogenen Portfolio ein passendes ERP-System zu finden, ist herausfordernd. Bei proAlpha wurde HORA schließlich fündig. Der Einführung im Jahr 2017 ging ein Selektionsprozess voraus. Henning Brock, einer der drei Teilprojektleiter bei HORA, erklärt: „proAlpha ist mit seinem großen Funktionsumfang schon sehr nah am echten Leben dran. Wenn man nicht viele Sonderwünsche hat, kann man quasi sofort loslegen. Überzeugt hat uns auch die strukturierte Einführungsmethodik“.

Variantenfertigung durchgängig automatisiert

Ein wichtiges Auswahlkriterium war die Möglichkeit, die Variantenfertigung zu automatisieren. Denn für die Branchen Building Automation und Industrie stellt HORA den Mess- und Regeltechnikunternehmen fast unzählig viele Varianten von Ventilen mit Stellantrieben für das Heizen und Kühlen zur Verfügung. Produziert wird dann in Serien von zehn bis mehreren Hundert Stück. Waldemar Petker, Teilprojektleiter der ERP-Einführung und primärer Ansprechpartner für die knapp 200 Anwender im Unternehmen, sagt: „Die He­rausforderung liegt darin, für einen so variantenreichen Prozess mit möglichst wenig Buchungen alle Werte- und Materialflüsse abzubilden, trotz verschiedener Läger und Abrufe bei diversen Lieferanten.“

Verzicht auf Teile- und Produktnummern

Aufgrund der großen Menge an Kombinationsmöglichkeiten verzichtet HORA auf Teile- oder Produktnummern. Stattdessen erhält jeder Auftrag seine eigene Nummer, selbst wenn eine Variante schon einmal bestellt worden ist. „Identische Aufträge identifizieren wir anhand der Merkmale“, erklärt Andreas Schlepper, bei HORA verantwortlich für die Bereiche Controlling und IT. Die Produktdaten dafür verwaltet das Unternehmen in einem PLM-System. Ein bewährter, selbst entwickelter Produktkonfigurator stellt die Spezifikationen für jeden Auftrag zusammen. Dieser transferiert dann die Daten über die serviceorientierte Middleware proAlpha Integration Workbench (INWB) an das ERP-System, das diese zu Arbeitsplänen für die Produktion beziehungsweise Montage verarbeitet. Die vollautomatisierte Planung sämtlicher Ressourcen und deren Einlastung übernimmt dann das ERP-Modul Advanced Planning and Scheduling (APS).

Von der Bestellung bis zum Arbeitsauftrag an die Fertigung vergehen somit nur Minuten. Je nach Komplexität können die ersten Produkte sogar schon wenige Stunden später in den Versand gehen. „Der hohe Automatisierungsgrad in unserer variantenreichen Kleinserienfertigung bringt ganz besondere Herausforderungen mit sich. In der auftragsbezogenen Einzelfertigung ist es üblich, manuell nachzujustieren. Bei den Standardprodukten können wir uns das nicht leisten“, berichtet Petker. Für den volldigitalisierten Prozess erhielt HORA 2018 zum zweiten Mal einen Manufacturing Excellence Award.

Digitale Ressourcenplanung beginnt beim Konstrukteur

Für die Power-Technology-Branche werden Sonderanfertigungen für große Anlagen entwickelt. Dafür werden die Automatisierungsmöglichkeiten von APS weiter ausgereizt. „Wir lassen proAlpha auch im Projektgeschäft unsere gesamten Ressourcen optimieren, angefangen bei der Konstruktion. Dazu haben wir im APS die Arbeitsblöcke eines Großprojekts abgebildet. So können wir mit einem Knopfdruck prüfen, ob über die Laufzeit ausreichend Konstrukteurs-Kapazitäten zur Verfügung stehen“, erklärt Schlepper. Um stets mit aktuellen An- und Abwesenheiten planen zu können, wurde die Zeitwirtschaftssoftware tisoware angebunden.

Lückenlose Dokumentation für Service und Compliance

Ein Viertel seines Umsatzes erzielt HORA mit Service und Aftermarket-Aktivitäten. In proAlpha werden dafür alle internen und externen Calls erfasst. Um den Technikern die nötigen Zeichnungen und Anleitungen zur Verfügung zu stellen, kommt das im ERP-System integrierte Dokumenten-Management-Modul zum Einsatz. Dies wird auch genutzt, damit die strenge Compliance der Branche gewährleistet ist. „Die Anforderungen an die Dokumentation sind schon enorm“, sagt Schlepper. So erfordere beispielsweise die Druckgeräterichtlinie genau festzuhalten, welche Schrauben welchen Herstellers wo verwendet wurden. Er erklärt: „Wir benötigen eine lückenlose Rückverfolgbarkeit entsprechend den strikten Vorgaben unserer Branche. Deshalb ist neben dem Dokumentenmanagement auch die enthaltene Chargenverwaltung für uns so wichtig.“

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(Alle Mengen- und Werteflüsse entlang der Wertschöpfungskette werden nahtlos intergiert. Bild: proAlpha)
(Alle Mengen- und Werteflüsse entlang der Wertschöpfungskette werden nahtlos intergiert. Bild: proAlpha)

Digitale Zukunft heißt auch Abschied von zahlreichen Einzelprogrammen

Vor der Einführung von proAlpha hatte HORA ein Konglomerat verschiedener Anwendungen im Einsatz. Mit dem neuen System sollte sich auch der Pflege-Aufwand für die vielen Schnittstellen reduzieren. „Seien es konkrete Wartungsaufgaben oder die Manpower, die bereitgehalten werden muss: Jede Schnittstelle kostet laut Studien 50.000 Euro pro Jahr. Mit dem integrierten ERP-System konnten wir hier einiges sparen“, betont Schlepper. So wurden mit der Inbetriebnahme 2017 zahlreiche Einzelanwendungen für Finanzbuchhaltung und Reporting, Produktionsplanung, Fertigungssteuerung, Call- sowie Dokumentenmanagement abgelöst. „Wir haben inzwischen kaum mehr Spezialanwendungen im Einsatz. Entlang der Wertschöpfungskette arbeiten wir ausschließlich mit proAlpha. Und wenn Dritt-Lösungen zum Einsatz kommen, dann von proAlpha-Partnern. So klappt der Datenaustausch optimal“, sagt Brock. Die Vorteile eines integrierten Systems bemerken Petker, Brock und Schlepper auch im Controlling: „Wenn ich in der Kostenstellenrechnung bin, kann ich mir einfach und direkt jeden Beleg eines Lieferanten anschauen. Von der Kostenträgerrechnung aus klicke ich mich durch bis zu jedem einzelnen Teil. Ich komme von überall hin“, bestätigt Schlepper.

Papierlos in die digitale Zukunft

Seit der Einführung von proAlpha hat die Digitalisierung bei HORA deutlich an Fahrt aufgenommen: Wer heute durch die Büros läuft, sieht nur noch ganz wenig Ordner und Papier. Viele Arbeitsschritte, die vorher mit Bergen von Ausdrucken einhergingen, laufen inzwischen digital. „Heute haben wir alle wichtigen Prozesse in dem ERP-System abgebildet. Dadurch sind wir wesentlich schneller und effizienter geworden“, sagt Brock.

Das gilt auch für die Inventur. Dank des Einsatzes mobiler Geräte entfällt inzwischen das handschriftliche Erfassen und Abtippen der Listen. Die Vollaufnahme aller Bestände ist damit schneller erledigt und es passieren weniger Fehler. Petker betont: „Viel der internen Korrespondenz konnten wir auch von Outlook in die Workflows von proAlpha verschieben und damit die E-Mail-Flut deutlich reduzieren.“

Für die kommenden Jahre plant HORA weitere Schritte bei der Digitalisierung durch den Einsatz des Moduls List & Label sowie einer noch stärkeren Nutzung mobiler Anwendungen, etwa im Bereich Betriebsdatenerfassung. Auch über die Einsatzplanung für den Service wird bereits nachgedacht, um die engen Wartungsfenster bei Industrieanlagen optimal zu nutzen und die Bereitstellung von Ersatzteilen zu optimieren. Für noch mehr Kundenservice soll in Zukunft ein komfortables Webportal sorgen, über das Kunden ihre Aufträge einsehen und Dokumente austauschen können.

Der Autor Robert Reitmeier ist Head of Campaign Management bei der proAlpha Gruppe.

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