Digitalisierung Digitale Transformation in der Industrie: Diese 10 Anforderungen müssen Sie kennen

Ein Gastbeitrag von Jochen Leppert und Claus Mahler 4 min Lesedauer

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Vor dem Hintergrund eines zunehmend eingetrübten Geschäftsklimas haben viele Industrieunternehmen für eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit die digitale Transformation ihrer Operations eingeleitet. Ein größerer Nutzen blieb dabei jedoch oft aus. Wie aber lässt sich dieser erreichen?

(Bild:  freepik)
(Bild: freepik)

Um die digitale Transformation ihrer Operations zu starten, haben viele Unternehmen einzelne Pilot Use Cases und Softwaresysteme in unterschiedlichen Produktionslinien oder Werken implementiert und damit zwar erste Erfolge, aber keinen Wow-Effekt erzielt. Dies ist wenig zufriedenstellend, da für die Implementierung oder auch bereits für erste Roll-out-Bemühungen viel Aufwand getrieben wurde. So bleibt die Frage, wo die Bottom-Line der Transformation liegt und wohin es für die Operations in Zukunft gehen wird. Das Problem? Der erste Schritt war der richtige – doch Umsetzung und der Change-Prozess wurden nicht vorangetrieben. Um diesen Widerspruch aufzulösen, werden in diesem Beitrag die zehn wichtigsten Anforderungen an die Transformation vorgestellt.

1. Bewusstsein für die digitale Transformation und den Change-Prozess

Um eine nachhaltige Veränderung zu erreichen, sollten sich Unternehmen Zeit nehmen, um ein gemeinsames Problembewusstsein zu entwickeln, bevor über Lösungen nachgedacht wird. Durch dieses Problemverständnis werden alle Stakeholder involviert und das Thema auf viele Schultern gestellt – unverzichtbar, um eine solche Herausforderung zu meistern. Wenn Mitarbeiter stolz auf ihre Lösungen, ihren Einsatz und ihre Leistung sind, lässt sich jeder Kraftaufwand schaffen.

2. Gleiches Vokabular für alle Stakeholder

Bereits um das gemeinsame Problembewusstsein zu entwickeln, müssen Unternehmen dafür sorgen, dass alle Mitarbeiter die gleiche Sprache und das gleiche Vokabular verwenden, um Missverständnisse und damit Fehler auszuschließen. Hierbei bietet es sich an, ein Glossar für das verwendete Vokabular zu erstellen. So wird ein Standard gesetzt – und Mitarbeitende können im Zweifel nachschlagen.

3. Entwicklung einer gemeinsamen Vision für die Smart Factory

Um eine Vision und das Zielbild für die eigene Smart Factory zu entwickeln, müssen Unternehmen Ziele setzen bzw. diese aus der Unternehmensstrategie ableiten. Im nächsten Schritt gilt es, zukünftig benötigte Fähigkeiten vor dem Hintergrund des in Zukunft zu schaffenden Kundennutzens zu reflektieren und eventuelle Gaps festzustellen. Auf dieser Basis kann ein strukturiertes Zielbild mit allen benötigten Fähigkeiten entwickelt werden, in dem auch spezifische Anforderungen, wie die horizontale Vernetzung aller Stufen des Wertstroms, aufgenommen werden.

4. Identifikation von Verbesserungspotentialen für die digitale Transformation mit allen Mitarbeitern

Im nächsten Schritt wird der Rahmen für die Potentialidentifikation und deren Bewertung für die Mitarbeiter geschaffen. In einem strukturierten Prozess werden dafür Potentiale entlang des Wertstroms in allen Produktions-, Logistik- und Geschäftsprozessen identifiziert. Dabei ist es besonders wichtig, auf die prozessnahen Mitarbeiter zu hören – und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass „Schöner Wohnen“-Verbesserungen vermieden werden.

Die digitale Transformation lässt sich in zwölf Phasen gliedern.(Bild:  Neonex)
Die digitale Transformation lässt sich in zwölf Phasen gliedern.
(Bild: Neonex)

5. Potentialbewertung zur Roadmap-Entwicklung

Nach Identifikation der Potentiale gilt es, diese zu bewerten und in eine Roadmap zu bringen. Im Rahmen dieser Workshops wird auch die Teamempfehlung für die nächsten Schritte abgeholt und das Momentum der Veränderungen gestartet. Die Konsequenz dieser Entscheidungen liegt aber auch darin, Nein zu anderen Themen zu sagen und nicht alle Themen auf einmal machen zu wollen.

6. Definition der IT-Architektur für alle Use Cases

Nach Definition der Roadmap gilt es, die Use Cases in eine zukünftige IT-Architektur zu mappen. Dafür ist es notwendig, ein Alignment mit der IT-Strategie des Unternehmens zu schaffen und Anforderungen an die zukünftige Datennutzung und Datenvernetzung zu definieren, um die IT zum Erfolgsfaktor zu machen. Außerdem sollte in diesem Schritt diskutiert werden, ob sich die Anschaffung einer Low- oder No-Code-Plattform lohnt, um kleinere Use Cases schneller selbst entwickeln zu können.

7. Richtige Umsetzung des Programm-Set-ups für eine gelungene digitale Transformation

Im nächsten Schritt setzen sich erfolgreiche Unternehmen mit dem Projekt-Set-up auseinander. Neben der Projektmanagement-Methode (dazu mehr in Schritt 9), werden vor allem die unterschiedlichen Teams für die unterschiedlichen Aufgabenstellungen in Pilot- und Roll-out- Phasen und die Schaffung von Transparenz über den Programmstatus betrachtet. Außerdem werden – besonders in globalen Unternehmen – Regeln für die Behandlung strategischer und nicht-strategischer Use Cases definiert, um im Laufe des Projekts die Zukunft bereits laufender Projekte und Aufwände im Rahmen neuer Initiativen schnell bewertbar machen zu können. Hierbei liegt die Schwierigkeit darin, den eigenen Mitarbeitern nicht das Gefühl zu geben, ausgebremst zu werden.

Das Zielbild einer Smart Factory enthält sämtliche, zukünftig benötigten Bausteine und Fähigkeiten.(Bild:  Neonex)
Das Zielbild einer Smart Factory enthält sämtliche, zukünftig benötigten Bausteine und Fähigkeiten.
(Bild: Neonex)

8. Mitarbeiter mit der richtigen Kommunikationsstrategie mitnehmen

Um das Momentum der Transformation zu wahren und alle Stakeholder – unabhängig ihres direkten Involvements in das Projekt – abzuholen, schaffen erfolgreiche Unternehmen eine Kommunikationsstrategie, die betrachtet, welche Zielgruppen mit welchen Medien erreicht werden können. Diese Medien können unter anderem in der Entwicklung eines Showcases, der Nutzung des Intranets, des Angebots von Regelterminen zur persönlichen Vorstellung neuer Entwicklungen sowie der externen Kommunikation mit Videos liegen.

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9. Digitale Transformation durch agiles Projektmanagement beschleunigen

Um die Geschwindigkeit einer Initiative in der Größe einer ganzheitlichen Transformation zu wahren, bietet sich agiles Projektmanagement an. Dabei werden Soll-Prozess-Design, Use Case-Entwicklung, Lieferantenauswahl sowie Implementierung, Stabilisierung und kontinuierlicher Verbesserungsprozess in Form von iterativen Sprints abgebildet, um auf eventuelle Veränderungen und Verzögerungen reagieren zu können, ohne den Erfolg anderer Teilprojekte zu gefährden.

10. Die Basis für einen erfolgreichen Roll-out schaffen

Der Erfolg einer digitalen Transformation ist erreicht, wenn alle Use Cases ausgerollt und die Synergien zwischen unterschiedlichen Produktionslinien und Werken im gesamten Produktionsnetzwerk deutlich werden. Dafür ist es entscheidend, die Pilot Use Cases bis zum Ready-to-Deploy-Status zu entwickeln und durch ein dediziertes Roll-out-Team abzubilden, das entsprechende Ressourcen für diese Roll-outs hat – zu oft scheitert der Roll-out daran, dass der Projektmanager eines Pilotwerks mit den ersten Use Cases zu beschäftigt ist, um fertige Use Cases auszurollen.

Über die Autoren: Jochen Leppert ist Experte für digitale Transformation und Senior Partner bei Neonex. Claus Mahler ist Experte für die Connected Supply Chain & Smart Factory und Senior Expert bei Neonex.