Und die Cloud lebt noch immer, die vor über 20 Jahren von einem damals unbekannten Software-Start-up aus den USA als PR-Stunt ins Leben befördert wurde. Die damals bekannte „No Software“-Kampagne sorgte damals für einigen Wirbel bei den marktführenden Anbietern. Schließlich ging es nicht um die Abschaffung von Software, sondern letztlich um eine neue Art und Weise, wie diese zum Kunden kommt, also um die Provisionierung. Das war damals neu.
(Quelle: metamorworks/AdobeStock)
Cloud-Transition in der Praxis: Die Cloud ist inzwischen längst Commodity und in der Realität der digitalen Wirtschaft angekommen. Die Provisionierung von Unternehmenssoftware über die Cloud kommt mit einer Vielzahl an überzeugenden Argumenten: Sie bietet wesentliche Kostenvorteile sowie mehr Flexibilität und Skalierbarkeit durch Hyperscaler. Wirtschaftliche Gründe sprechen demnach für ERP-Anwendungen aus der Cloud. Allerdings zögern mittelständische Unternehmen aktuell noch. Denn Kernsysteme in die Obhut eines IT-Partners zu legen, ist ein Schritt, der überlegt sein will – strategisch wie technisch.
Cloud-Transition: Mehr Was und weniger Wie
Die Cloud ist in erster Linie ein Mittel zum Zweck für die effiziente Bereitstellung von Software. Wer aber glaubt, dass die Cloud ein Breitbandantibiotikum für die Herausforderungen einer wettbewerbsorientierten und globalen Wirtschaft ist, der irrt. Keine Software wird smarter, nur weil auf ihr ein Cloud-Etikett klebt. Letztlich geht es immer um die Kernanwendung und die damit verbundenen Funktionalitäten und Dienste, die darüber bereitgestellt werden. Die zentrale und entscheidende Frage bleibt, ob ein ERP-System die vielschichtigen Anforderungen der Kunden im Sinne eines echten Geschäftsnutzens erfüllt.
Die Priorität sollte demnach darauf liegen, was Kunden bereitgestellt wird und nicht wie. Am Ende wird beim Kauf eines Ferrari auch nicht als erstes unter die Motorhaube geschaut, sondern aufs Gaspedal getreten, um die versprochenen Performance-Werte zu testen. Wenn das hinreichend evaluiert ist, erfährt ab einem bestimmten Punkt im Entscheidungsprozess auch die Frage nach dem Provisionierungsmodell des ERP-Systems die berechtigte Aufmerksamkeit.
Die Realität in der mittelständischen Fertigung
Wie intensiv Unternehmen ihr ERP in Richtung Cloud-Transition lenken wollen, hängt natürlich stark vom jeweiligen Standardisierungsgrad ab. Die Automotive-Branche zum Beispiel ist stark standardisiert. Diese wird auch eine der ersten Branchen sein, die mit ERP sinnvollerweise in die Cloud gehen wird. Auf der anderen Seite legen gerade mittelständische Unternehmen in Deutschland viel Wert auf ihre Individualität, was zum Teil einen Wettbewerbsvorteil darstellt, aber in puncto Cloud-Readiness auch eine Kehrseite darstellt.
Cloud-Booster Prozessharmonisierung
Die Mehrheit der mittelständischen Fertigungsunternehmen setzt im ERP-Umfeld realiter nach wie vor auf On-Premise. Hybride Implementierungen sind jedoch auf dem Vormarsch. Reine Cloud-Lösungen in der Fertigung hingegen sind nach heutigem Stand noch echte Exoten. Das liegt vor allem darin begründet, dass ERP-Systeme immer unternehmenskritisch und damit nicht die ersten Systeme sind, die in die Cloud transferiert werden. Gerade bei ihren komplexen Fertigungsprozessen sind mittelständische Unternehmen noch zurückhaltend. Die Ansprüche an die Applikationen spiegeln dabei die Ansprüche an die Prozesse wider. Das heißt, jeder Kunde hat sehr individuelle Erwartungshaltungen an die Cloud – technisch wie wirtschaftlich.
Je näher etwa eine Applikation an den Kernprozessen eines Unternehmens liegt, desto sensibler ist es, sie in der Cloud zu betreiben. Insbesondere bei komplexen Modulen wie Materialwirtschaft, Produktionsteuerung und Logistik ist diese Zurückhaltung spürbar. Umgekehrt bedeutet das: Je weiter entfernt eine Anwendung von den Kernprozessen ist, desto einfacher lässt sich diese als Multi-Tenancy-Architektur umsetzen. So sind Lösungen im Bereich E-Procurement in der Praxis fast ausschließlich in der Cloud abgebildet, während komplexere und stark modifizierte Applikationen weiterhin als On-Premise implementiert sind. Hier verspricht eine Hybrid-Strategie im Sinne einer sinnvollen Kombination beider Welten mittelfristig die größten Vorteile.
Individualität als Cloud-Hemmschuh
Der Entscheidung, ob Cloud oder nicht, liegt zudem eine psychologische Komponente zugrunde: Der produzierende Mittelstand ist sehr stolz auf seine Individualität – auch bei den Fertigungsprozessen. In diesem Kontext wird von ERP-Anbietern erwartet, sich an die vorgefundene Prozesslandschaft der Kunden anzupassen, sprich ein nicht selten hohes Maß an Modifikationen der Standardinstallation vorzunehmen. Die Cloud verlangt jedoch genau das Gegenteil – ohne eine Harmonisierung der Prozesslandschaft über Branchentemplates und Industry Best Practices lassen sich die Vorteile der Cloud nicht maximal nutzen.
Hier ist ein grundlegendes Umdenken erforderlich. Letztlich geht es um einen disruptiven Wandel in der Erwartungshaltung hin zur Bereitschaft, die eigenen Fertigungsprozesse in konfigurierbare und industriespezifische Vorlagen einzupassen, um das volle Potenzial der Cloud ausschöpfen zu können. Durch eine sukzessive Abrundung der industriespezifischen Schlüsselprozesse im Standard und eine stärkere Konfigurierbarkeit der ERP-Lösungen lässt sich die Release-Fähigkeit auf dem Weg in die Cloud signifikant vereinfachen. Damit werden System-Upgrades, so wie wir sie heute noch kennen, schließlich der Vergangenheit angehören.
Stand: 16.12.2025
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(Wie schnell die Cloud-Transition gelingt, hängt von den jeweils eingesetzten Anwendungen ab. Bild: proAlpha)
Cloud-Transition: Evolution statt Revolution
Von ERP wird gesagt, dass es da oder dort mehr als ein Jahrzehnt unverändert im Einsatz ist. Nicht zu vergessen: ERP-Hersteller stecken sehr viel Energie in die Weiterentwicklung der Software. Die Innovationen, die damit inkludiert sind, können nur dann genutzt werden, wenn mittelständische Fertiger mit dieser Entwicklung mitgehen. Während die Release-Zyklen und damit die Innovationsschritte früher beinahe biblische Dimensionen hatten, hat sich mit der Cloud vieles verbessert. Das Wichtigste: Es ist eine Evolution, keine Revolution, denn ein harter Bruch wäre kontraproduktiv. Anbieter müssen also dafür sorgen, dass sie sich an die unterschiedlichen Digitalisierungs-Geschwindigkeiten ihrer Kunden anpassen. Im Kern geht es also darum, Kunden dabei zu unterstützen, ihre traditionellen Kernsysteme mit neuen, voll integrierten Cloud-Services sukzessive zu erweitern.
Der zukünftige Unternehmenserfolg wird eine immer schnellere, iterative Annäherung an den idealen Betriebszustand fordern. Bekannte Lock-in-Effekte, die eine schnelle Reaktionsfähigkeit sowie kurze Investitions- und Innovationszyklen behindern, werden auch im Mittelstand an Toleranzgrenzen stoßen. Perspektivisch werden sich moderne ERP-Systeme wie das von proAlpha daher in Richtung offener und vollständig Cloud-nativer Microservices-Architekturen entwickeln, die auch hybrid und mit Third-Party-Anwendungen funktionieren. Dafür wird der klassische ERP-Monolith aufgebrochen und in standardisierte und gekapselte Services zerlegt. In diesem Szenario orchestrieren Kunden ihre Cloud- und On-Premise-Services nach ihren individuellen Anforderungen. Durch diese „Mix & Match“-Funktionalität lassen sich Prozesse umfänglich optimieren und eine quasi „Plug & Play“-Integration von Best-of-Suite mit Best-of-Breed-Technologien realisieren.
Modifikationsgrad ist entscheidend
Vor der Einführung von einem Cloud-basierten ERP-System ist es entscheidend, zu prüfen, ob und wie sich der Grad an Modifikationen innerhalb der IT- und Prozesslandschaft reduzieren lässt und welche Schnittstellen gegebenenfalls nicht zwingend erforderlich sind. So lassen sich einfache Anforderungen häufig über einen Standard abwickeln. Ein weiterer Ansatz ist der Weg über Best-Practice-Prozesse, die im Produkt bereitgestellt und gemäß dem Branchenstandard implementiert werden. Letztendlich müssen langjährige und tradierte Prozesse ungeschminkt auf den Prüfstand, um die Vorteile einer Cloud-Transition maximal ausreizen zu können.
Der Autor Alexander Krauter ist Product Manager Cloud bei der proAlpha-Gruppe.