Über 75 Prozent der 50 weltweit führenden Maschinenbauunternehmen betonen in ihrer Kundenansprache nachhaltige Produktvorteile. Eine neue Studie von Siemens Financial Services zeigt anhand veröffentlichter Geschäftsberichte, wie diese Unternehmen Nachhaltigkeit definieren und als Verkaufsargument nutzen.
(Bild: fitpinkcat84/stock.adobe.com/generiert mit KI)
Unbestritten ist, dass das verarbeitende Gewerbe weltweit in nachhaltigere Prozesse investiert. Dabei stehen folgende Faktoren im Mittelpunkt:
Viele Maschinenbauunternehmen haben sich entschlossen, eine ethische Haltung einzunehmen, um die Nachhaltigkeit in ihren Betrieben und Produkten zu verbessern. Laut dem jüngsten CxO Sustainability Report von Deloitte Global geben mehr als 60 Prozent der befragten Führungskräfte an, dass der Klimawandel in den nächsten drei Jahren einen großen Einfluss auf die Strategie und den Betrieb ihres Unternehmens haben wird. In einer ähnlichen Studie, die sich speziell an Hersteller richtete, gaben 70 Prozent der Befragten an, dass ökologische Nachhaltigkeit für ihre Geschäftsstrategie von großer oder sehr großer Bedeutung ist.
Regulierungsbehörden verlangen immer umfangreichere Berichterstattungen darüber, wie größere Unternehmen ihre Nachhaltigkeit verbessern. Die Behörden fordern beispielsweise eine kontinuierliche Verbesserung in der gesamten Lieferkette, um die jeweiligen Klimaziele zu erreichen. Hersteller müssen nun auch die Nachhaltigkeit in den von ihnen belieferten Branchen (wie Einzelhandel, Elektronik, Mode, Verkehr usw.) unterstützen. Im Gegenzug sollen die Anbieter von Fertigungstechnologien und -maschinen ihren Kunden aus der Fertigungsindustrie nachhaltigkeitsfördernde Funktionen anbieten.
Es wird nun eine engere Verbindung zwischen Digitalisierung (bzw. Industrie 4.0) und dem effektiven Einsatz einer nachhaltigeren Fertigung hergestellt. Das führt dazu, dass in den meisten Fällen Anstrengungen für Nachhaltigkeit auch finanzielle Gewinne mit sich bringen. So können beispielsweise Kosteneinsparungen durch die Verringerung des Abfalls erzielt werden, während die Verbesserung ihres Umweltbewusstseins Maschinenbau-Unternehmen weitere Wettbewerbsvorteile bietet. So berichten immer mehr Unternehmen über ESG-bezogene Bedingungen – ESG steht für Environment (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung) – um so Stakeholdern, Kunden, und NGOs einen Einblick in ihre Nachhaltigkeitsinitiativen zu verschaffen.
Bei der Beschaffung von Finanzmitteln auf den Kapitalmärkten ergeben sich Potenziale bei der Gewinnung von Investorengeldern durch „grüne“ und „nachhaltige“ Anleihen. Unabhängige Analysten bewerten dabei die Nachhaltigkeitsbehauptungen eines Unternehmens, und für die Anleihen gilt manchmal ein „Greenium“ – ein geringfügig niedrigerer Zinssatz. Die Kapitalbeschaffung verbessert auf diese Weise das Nachhaltigkeitsprofil eines Unternehmens.
Warum die Transformation nicht warten kann
Wie dringend ist es also für Maschinenbauunternehmen, in eine nachhaltigere Produktion zu investieren? Sowohl finanzielle Vorteile als auch die Aussicht auf eine bessere Wettbewerbsposition treiben Unternehmen zum Handeln an.
Zunächst die finanziellen Vorteile: Wer früher anfängt, profitiert auch schneller von den finanziellen Vorteilen und Einsparungen zum Beispiel durch geringere Kosten für Energie, Rohstoffe, Wasser, Verbrauchsmaterialien, Katalysatoren, Schmiermittel usw.
Darüber hinaus können Hersteller einen Wettbewerbsvorteil erlangen, indem sie, noch während der Markt sich entwickelt, auf Nachhaltigkeit setzen. Für Maschinenbauunternehmen, die sich frühzeitig für nachhaltige Produkte entschieden haben, kann dies der Faktor sein, der Ihnen im Wettbewerb um einen Auftrag den entscheidenden Vorteil einbringt. Denn Regulatoren, Investoren, und Kunden fordern vermehrt überprüfbare Nachhaltigkeit.
Technologie, die Nachhaltigkeit ermöglicht, ist fast immer mit digitaler Transformation verbunden. Der Markt für eine digital unterstützte, nachhaltigere Fertigung erreicht seinen Wendepunkt, sobald etwa die Hälfte der Hersteller „erheblich“ in die digitale Transformation investiert haben. Die Unternehmen, die also schon in der ersten Hälfte des Zyklus investieren, dürften einen klaren Wettbewerbsvorteil erlangen, während die Unternehmen, die bis zur zweiten Hälfte des Zyklus warten, ihren Rückstand schlicht aufholen werden müssen.
Derzeit haben 25-30 Prozent der weltweiten Hersteller aller Größenordnungen digitale Technologien – die wesentliche technologische Grundlage für eine nachhaltige Fertigung – in einem nennenswerten Umfang eingeführt. All dies zeigt uns, dass Investitionen in nachhaltige Technologien immer noch ein großes Potenzial für Wettbewerbsvorteile im Maschinenbau bieten. Aber die Uhr tickt!
Welche Technologien sind entscheidend für mehr Nachhaltigkeit?
(Bild: Siemens Financial Services)
Maschinenbauunternehmen setzen bei den nachhaltigen Eigenschaften ihrer Produkte Schwerpunkte. Diese spiegeln die Nachfrage der von ihnen belieferten Branchen und Segmente wider. Um aktuelle Einblicke in die Nachhaltigkeitsprioritäten zu erhalten, wurden in der neuen Studie von Siemens Financial Services die von den 50 weltweit führenden Produktionsmaschinenherstellern kommunizierten nachhaltigkeitsfördernden Merkmale von Fertigungsanlagen und -maschinen analysiert.
Außerdem verdeutlicht die Studie den Druck, dem Hersteller unterliegen, so bald wie möglich in ihre eigene Nachhaltigkeit zu investieren. Dementsprechend sind auch die Maschinenbauunternehmen gefordert, ihren Kunden eine nachhaltigere Produktion zu ermöglichen – sowohl in technologischer als auch in finanzieller Hinsicht.
Der überwiegende Teil an Emissionen und CO2 entsteht nicht bei der Herstellung, sondern dem laufenden Betrieb einer Maschine in einer Produktionsanlage. Daher sind Maschinenbauunternehmen bestrebt, Maschinen zu entwickeln, die ihre Kunden in der Fertigung dabei unterstützen, sowohl Emissionen zu reduzieren als auch die Effizienz der Fertigungsprozesse insgesamt zu steigern.
Hier liegen die Prioritäten
(Bild: Siemens Financial Services)
Die befragten Maschinenbauunternehmen sehen die höchste Priorität im Hinblick auf die Nachhaltigkeitsvorteile bei derDekarbonisierung und Ressourceneffizienz. Bei den meisten Produktionsmaschinen ist damit primär die Energieeffizienz gemeint. Fast ebenso gefragt sind Vorteile im Zuge der Digitalisierung, die sich in Form von Produktivitätsgewinnen durch Industrie 4.0-Technologien ergeben.
Viele Maschinenbauunternehmen begreifen auch die Kreislaufwirtschaft als große Chance. Mehr als die Hälfte von ihnen bieten Kunden aus der verarbeitenden Industrie Leistungen wie Retrofits und Modernisierungen an, um bestehende Maschinen länger nutzbar zu machen und so Rohstoffe und CO2 -Emissionen, die bei der Herstellung neuer Maschinen entstehen würden, einzusparen.
Parallel dazu bieten viele der führenden Unternehmen im Maschinenbau an, ältere oder defekte Maschinen oder Teile zu überholen (Retrofit) oder zu reparieren, sodass sie erneut voll funktionsfähig und auf dem aktuellen Stand sind – teilweise unter Einsatz von additiver Fertigung oder 3D-Druckverfahren. Eine schnelle – und damit gleichzeitig kostengünstige und ressourcenschonende – Entwicklung neuer, nachhaltigerer Maschinen mithilfe sogenannter Digitaler Zwillinge wird ebenfalls als Priorität angesehen. Dies unterstreicht erneut den engen Zusammenhang zwischen Digitalisierung und Nachhaltigkeitszielen.
Obwohl Hersteller die Notwendigkeit von Investitionen in die Nachhaltigkeit erkennen und Maschinenbauer bereits nachhaltigere Anlagen entwickeln, bleiben die altbekannten Investi-tionsprobleme bestehen. Weltweit sind die Wirtschaftsaussichten für das verarbeitende Ge-werbe eher gedämpft. Die Inflation hat die Preise für Rohstoffe und Produktionsmittel in die Höhe getrieben, was die Hersteller gehörig unter Druck setzt. In diesem Umfeld ist es für die meisten Unternehmen wichtig, liquide Mittel vorzuhalten, um schnell auf sich ändernde oder sich entwickelnde Marktchancen reagieren zu können.
Somit ist die Bereitstellung von Finanzierungslösungen für Nachhaltigkeitsinvestitionen im verarbeitenden Gewerbe von entscheidender Bedeutung. Integrierte Finanzierungslösungen helfen den Maschinen- und Ausrüstungsanbietern, ihre nachhaltigen Produkte zu verkaufen, indem sie den Kunden überschaubare und klar kalkulierbare monatliche Zahlungen anbieten anstatt hoher Einmalinvestitionen. Derartige Lösungen zur Absatzfinanzierung werden in der Regel von spezialisierten Technologiefinanzierern und Leasinggesellschaften angeboten, die den Markt und die Technologien genau kennen.
Stand: 16.12.2025
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Das sind die wichtigsten Finanzierungskategorien
Integrierte Finanzierungsangebote: Passende Finanzierungsangebote unterstützen den Hersteller und Maschinenverkäufer beim Verkauf, erleichtern aber auch dem Kunden, der in neue Technik investiert, Investitionsentscheidungen zu treffen. Zahlungen können über mehrere Jahre verteilt und an den Cashflow angepasst werden (Pay-as-you-earn). Der Hersteller bzw. Verkäufer erhält die Zahlungen für die Maschine vollumfänglich sofort.
Flexible Finanzierungsmodelle: Spezialisierte Finanzierungsgesellschaften nutzen ihr technisches Know-how, um innovative und flexible Finanzierungslösungen zu entwickeln. Ein Beispiel sind IoT-basierte Modelle, die durch präventive Wartung, proaktives Management und die Analyse von IoT-Daten eine höhere Maschinenverfügbarkeit und einen optimalen Zustand der Maschinen gewährleisten. Andere Ansätze berücksichtigen die Cashflow-Entwicklung und bieten angepasste Zahlungsstrukturen oder nutzungsbasierte Managed Services bzw. ‚as-a-Service’-Modelle.
Retrofit Finanzierung: Mit der passenden Retrofit-Finanzierung können bestehende Maschinen und Anlagen budgetkonform modernisiert werden. Die Ergebnisse reichen von einer effizienteren Produktion über niedrigere Energieverbräuche bis hin zu digitalisierten Prozessen und weniger Stillstandzeiten.
Jetzt kaufen. Später bezahlen. (verlängerte Zahlungsziele): Diese Finanzierungsoption ist besonders bei langen Projektlaufzeiten interessant, Zahlungsziele können bis zu 180 Tagen verlängert werden. So können Hersteller Maschinen produzieren und den Cash-Flow optimieren.
Wachsende Priorität für Nachhaltigkeit im Maschinenbau
Der Beitrag zeigt, wie Maschinenbauunternehmen Nachhaltigkeit in der Fertigung ermöglichen – etwa durch neue Modelle oder Nachrüstungen zur Ressourceneffizienz. Diese Angebote spiegeln die wachsenden Anforderungen ihrer Kunden wider. Eine globale Analyse offenbart klare Prioritäten: Energieeffizienz und digitale Produktivitätssteigerung stehen an erster Stelle, während Themen wie Wassereffizienz oder Recycling seltener adressiert werden. Fest steht: Nahezu alle Hersteller legen Wert auf nachhaltige Lösungen. Damit die Transformation gelingt, braucht es jedoch mehr als Technologie – gezielte Finanzierungsmodelle sind entscheidend, um Investitionen realisierbar zu machen.
Klaus Meyer ist Leiter des Commercial Finance-Geschäfts von Siemens Financial Services in Deutschland und Vorsitzender der Geschäftsführung (CEO) der Siemens Finance & Leasing GmbH.