Neue digitale Technologien und die stetig schwindende Anzahl an Fachkräften stellen Unternehmen in der Produktion vor neuartige Herausforderungen. Flexibilität und effizient gestaltete Prozesse in der Smart Factory sind so wichtig wie nie zuvor. Dabei kommt es besonders auf die Unterstützung des Menschen an.
(Quelle: JuiceFlair/Shutterstock.com)
Zur Bedeutung von Werkerassistenz-Systemen heißt es in einer Stellungnahme des Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrums Stuttgart: „Ein zentraler Erfolgsfaktor einer Smart Factory liegt in der konsequenten Vernetzung aller an der Produktion beteiligten Prozesse, Maschinen, Werkzeuge und Ressourcen. Ziel ist es dabei immer, den Involvierten alle relevanten Informationen und Daten aktuell und passgenau zur Verfügung zu stellen und somit die effektive und effiziente Interaktion mit den eingesetzten Maschinen und Anlagen zu ermöglichen. Dies ermöglicht die Entlastung von Routinetätigkeiten, wodurch mehr Zeit für wichtigere, wertschöpfendere Aufgaben zur Verfügung steht. Als Lösungsansatz in diesem Kontext bietet sich ein Werkerassistenz-System an.“
Doch warum ist die Ausgangslage so? Und warum sind digitale Werkerassistenz-Systeme dabei als Unterstützung so relevant? Im Folgenden werden fünf Entwicklungen beschrieben, warum die Bedeutung digitaler Werkerassistenz zugenommen hat. Und es wird eine Antwort darauf gesucht, ob sich dieser Trend auch in Zukunft fortsetzen wird.
Mit Werkerassistenz-System dem Fachkräftemangel begegnen
Mit einem Werkerassistenz-System können Fertigungsunternehmen erfolgreich den Auswirkungen des demografischen Wandels begegnen. Denn Fakt ist: Noch nie wurden im Maschinenbau so viele offene Stellen ausgeschrieben wie im Jahr 2022. Nach Angaben des VDMA blickte die Mehrheit der Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau im vergangenen Jahr verhalten optimistisch auf das Jahr 2023.
In Anbetracht gut ausgelasteter Kapazitäten und positiver Geschäftserwartungen möchten 60 Prozent der Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau in diesem Jahr die Stammbelegschaften ausweiten. Der geplante Beschäftigtenaufbau gestaltet sich aufgrund des Fachkräftemangels jedoch schwierig. Drei von vier Unternehmen melden Engpässe bei der Suche nach neuen Fachkräften. Dazu kommt, dass in den nächsten Jahren die geburtenstarken Jahrgänge der Baby-Boomer-Generation in Pension gehen.
Fachkräftemangel nimmt bis 2035 zu
Bis 2035 fehlen nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung sieben Millionen Fachkräfte in Deutschland. Der VDMA nennt diesen Fachkräftemangel als das größte Problem des deutschen Arbeitsmarktes. Viele produzierende Unternehmen spüren bereits die Anzeichen des Fachkräftemangels. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts ist etwa im Vergleich zum Vorjahr der Anteil der arbeitsfähigen Menschen von 20 bis 66 um rund 200.000 Personen gesunken. Demnach werden dem Arbeitsmarkt in zehn Jahren etwa vier Millionen Menschen fehlen.
Gerade der Verlust älterer Mitarbeiter in der Produktion kann aufgrund fehlender Wissenssicherung problematisch werden. Diese verfügen aber über wertvolles Wissen für effizientes Arbeiten. Eine digitale Werkerassistenz sichert dieses Wissen automatisch und macht es für jeden zugänglich. Zudem unterstützt ein solches System Mitarbeiter bei ihren Tätigkeiten, entlastet sie und verbessert die Arbeitsbedingungen in der Produktion. Diese Assistenzsysteme vereinfachen außerdem Anlernprozesse und erhöhen damit die Verfügbarkeit von Personal in der Produktion.
(Eine digitale Werkerassistenz unterstützt Mitarbeiter bei ihren Tätigkeiten und verbessert die Arbeitsbedingungen in der Fertigung. Bild: panuwat phimpha/Shutterstock.com)
Unternehmen sind weiter auf Menschen angewiesen
Die vernetzte Fertigung in der Smart Factory – gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels – stellt Unternehmen vor neue Aufgaben. Der Königsweg für die meisten Experten kann hier nur Digitalisierung heißen. Die Attraktivität unbesetzter Stellen lässt sich dann erhöhen, wenn die Arbeit vielseitig ist und moderne Technologien zum Einsatz kommen. Zudem lassen sich durch Digitalisierung mit weniger Personal bessere Ergebnisse erzielen.
Aber es gibt auch Fertigungsbereiche, in denen eine Prozessoptimierung durch Automatisierung nicht sinnvoll oder möglich ist. Hier sind die Unternehmen immer noch auf die Ressource Mensch mit seiner Flexibilität angewiesen. Hier kann eine digitale Werkerassistenz dazu beitragen, die Effizienz manueller Tätigkeiten in der variantenreichen und digitalisierten Fertigung nachhaltig zu erhöhen. Es geht unter anderem darum, wie Arbeitsanweisungen gestaltet und bereitgestellt werden können, wie Prüfdaten erfasst und in Echtzeit validiert, wie Fehler bei der Arbeitsausführung vermieden und wie Ressourcen des Unternehmens nachhaltig geschont werden.
Im VDMA-Leitfaden „Digitale Assistenz für die Produktion“ heißt es dazu: „Gerade kleine und mittelständische Unternehmen positionieren sich als flexible Problemlöser am Markt. Sie stehen vor der Frage, wie ihr Produktionssystem zu gestalten ist, um diesen konfliktträchtigen Kundenforderungen gerecht zu werden. Im Mittelpunkt ihrer hochflexiblen und dennoch effizienten Produktion stehen die Mitarbeitenden (…). Um in einem dynamischen Arbeitsumfeld diese menschliche Flexibilität optimal einzusetzen und gleichzeitig Fehlermöglichkeiten auszuschalten oder zu reduzieren, bieten sich digitale Assistenzsysteme an.“
Stand: 16.12.2025
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Sicher ist also, dass Mitarbeiter, die in digitalisierte Prozesse eingebunden sind und bei der Ausführung ihrer Tätigkeiten unterstützt werden, weniger Fehler machen, effizienter arbeiten und flexibler einsatzbar sind. Dies kann die Wettbewerbsfähigkeit des produzierenden Unternehmens erhöhen.
Wissensmanagement mit digitaler Werkerassistenz
Werkerassistenz-Systeme helfen auch dabei, Datensilos aufzubrechen und Wissen jederzeit zugänglich zu machen und ein strukturiertes Wissensmanagement-System aufzubauen. Prozesse im Arbeitsablauf können vereinfacht und optimal gestaltet werden. Relevante Informationen werden vom System digital zur Verfügung gestellt. Auch der VDMA ist von den Stärken digitaler Werkerassistenz-Systeme überzeugt, wie in einem Bericht zu Lean Production zu lesen ist: „Die Modularisierung und Digitalisierung von Arbeitsanweisungen bedeutet einen erhöhten Initialaufwand, senkt jedoch bei der Bearbeitung einzelner Aufträge den Aufwand in der Arbeitsvorbereitung. Digitale Werker-Assistenzsysteme stellen die jeweils aktuelle Information zum Auftrag bereit und vermeiden so Fehlhandlungen aufgrund veralteter Papier-Dokumente (…). Gleichzeitig können Assistenzsysteme Fehlhandlungen erkennen und vermeiden. So können die Auftragsdurchlaufzeit reduziert und die Flexibilität gesteigert werden.“
Der Werker erhält also automatisch immer die neuesten und richtigen Informationen für seinen Arbeitsgang. Durch diese digital erstellten Arbeitsanweisungen und Checklisten wird wertvolles Wissen ebenfalls automatisch dokumentiert und gesichert und damit der Weg zu einem fundierten Wissensmanagement geebnet.
Baustein auf dem Weg zu einer digitalisierten Produktion
Es ist also ganz klar, dass ein Werkerassistenz-System ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einer digitalisierten Produktion ist. Es unterstützt nicht nur die papierlose Fertigung, sondern ist eine entscheidende Schnittstelle zwischen analoger und digitaler Welt. Aber da sich Technologien stetig weiterentwickeln, sind gerade Wandlungsfähigkeit und Flexibilität zu wichtigen Voraussetzungen für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen geworden. Entscheidend für produzierende Unternehmen wird also sein, dass sie mit dem Wandel und den damit einhergehenden Veränderungen mithalten können.
Denn unzureichende Flexibilität ist eine der Hauptursachen für das Scheitern von Unternehmen. Die Anpassungsfähigkeit von Produktionsprozessen kann durch digitale Werkerassistenz-Lösungen erhöht werden. Zugleich wird die steigende Komplexität von Prozessen beherrschbar. Die Werkerassistenz unterstützt also die Veränderungsprozesse im Unternehmen hin zu einer modernen Smart Factory, in der die Mitarbeiter geführt und zugleich entlastet werden.
Die Autorin Christin Senftleben ist Marketing Managerin bei iSax.