Angesichts sich rasch ändernder Markt- und Kundenanforderungen müssen Industrieunternehmen in der Lage sein, aus der Perspektive ihrer Kunden zu denken und ihre gesamte Wertschöpfungskette schlanker und flexibler gestalten. Der richtige Umgang mit KI und Daten spielt hierbei eine entscheidende Rolle.
Die Fertigungsindustrie sucht nach neuen Wegen, um sich im Markt zu behaupten.
(Bild: Anthichada/AdobeStock)
Als Industrieunternehmen eine führende Marktposition einzunehmen, war in der Vergangenheit deutlich einfacher als heute. Reichte es vor ein paar Jahren noch aus, das „beste Produkt“ auf dem Markt anzubieten ist der Kampf um den Platz an der Sonne heute enger. Technologie ist zwar nach wie vor wichtig, aber nicht länger der alleinige Motor für Innovation und Wachstum. Angesichts der sich rasch ändernden Markt- und Kundenanforderungen müssen Industrieunternehmen in der Lage sein, aus der Perspektive ihrer Kunden zu denken und ihre gesamte Wertschöpfungskette schlanker und flexibler gestalten.
Macht von Daten und KI nutzen
Vor dem Hintergrund dieser makro- wie mikroökonomischen Herausforderungen, den stetig wachsenden ESG-Anforderungen und immer strengeren Regulierungen steht das produzierende Gewerbe vor einem entscheidenden Jahr. Es gilt, sich im Markt zu behaupten und mehrere Baustellen gleichzeitig zu bearbeiten. Um dieser zunehmenden Komplexität gerecht zu werden, ist es unerlässlich, die Macht von Daten und KI zu nutzen, um eine datengesteuerte Organisation zu werden. Dies erfordert nicht nur ein verstärktes Daten und IT-Verständnis, sondern auch das Engagement der gesamten Führungsebene. Die Erfahrung zeigt, dass immer mehr Führungskräfte in der Industrie die Bedeutung eines ausgeprägten Skillsets im Umgang mit Daten und KI erkennen und dass diese Veränderung unausweichlich ist. Wenn sie nicht richtig angegangen wird, riskieren Unternehmen, ihre Geschäftsziele nicht zu erreichen und sogar aus dem Markt gedrängt zu werden. Doch wie können KI und die intensive Nutzung von Daten effektiv dazu beitragen, die Zukunft erfolgreich zu gestalten?
Status quo – wie geht es der Industrie beim Umgang mit KI?
Der Produktionsindex liegt seit Jahren deutlich hinter dem Spitzenwert von 2017 zurück. Zurückzuführen ist das unter anderem auf jene eingangs genannten Probleme. Auch aus diesem Grund wurde die Auswahl an Tools und Plattformlösungen in den letzten Jahren mannigfaltiger. Einer der großen Treiber dieser Entwicklung war besonders im letzten Jahr generative KI (GenAI). Das Leibniz-Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung erwartet, dass bis September 2025 die Hälfte aller deutschen Unternehmen im produzierenden Gewerbe GenAI-Tools wie ChatGPT zu Geschäftszwecken einsetzen werden.
Die Möglichkeiten, die sich durch den Einsatz von KI ergeben, sind vielfältig. Richtig angewendet erlaubt die Technologie eine deutliche Demokratisierung von Wissen und Daten – und daraus resultierend, datengetriebene Entscheidungsfindungen. Ganzheitliche IT-Workflow-Plattformen können dabei helfen, die Daten über sämtliche Geschäftsbereiche und -prozesse auf einer zentralen Datenplattform zu konsolidieren und so die Effizienz mit Hilfe von echten End-to-End Prozessen zu steigern.
Dies ermöglicht einen umfassenden Einblick in bestehende Betriebsabläufe und abteilungsübergreifende Prozesse. Die richtige Verwendung der zur Verfügung stehenden Daten hilft dabei, Workflows effizienter zu gestalten und sie zu digitalisieren. Besonders vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ergibt sich daraus die Chance, die bestehende Arbeitskraft der Belegschaft optimal und zielgerichtet einzusetzen. So wird nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit signifikant gesteigert, vielmehr erlangen Industrieunternehmen durch die Verwendung und Integration von KI als Bestandteil der Geschäftsstrategie eine bislang unbekannte Agilität und werden deutlich anpassungsfähiger.
Wie KI den Industriesektor verändert
Doch nicht nur der Fachkräftemangel kann mithilfe einer Effizienzsteigerung durch ganzheitliche Datenverwendung proaktiv bekämpft werden. Über die komplette Wertschöpfungskette hinweg – vom Rohmaterial bis zur Auslieferung des finalen Produkts – spielt der richtige Einsatz von KI und des zu verwendenden Datenpools eine zentrale Rolle, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben.
So trägt Künstliche Intelligenz im Zuge des Lieferkettenmanagements dazu bei, die Visibilität über alle Schritte hinweg zu erhöhen und gibt rechtzeitig eine Warnung, wenn es an einem Punkt der Lieferkette zu Verzögerungen kommen könnte. Dadurch können Unternehmen bereits vor dem Auftreten eines Problems reagieren und sich nach alternativen Lösungswegen umsehen. Durch intelligente Forecasts über Nachfrage- und Bestandskomponenten können sie zudem die Lagerhaltung optimieren. Das ermöglicht nicht nur einen besseren Cashflow, sondern fördert die Agilität bei vorgesehenen Nachfrageschwankungen und Ausnahmesituationen.
Umgang mit KI im Kundendienst
Doch wie bereits erwähnt, endet die Wertschöpfungskette nicht in den eigenen Produktionshallen. Dass Unternehmen möglichst langfristige Kundenbeziehungen anstreben, steht außer Frage. Dabei spielt der Kundenservice eine entscheidende Rolle. Der CX-Report 2024 von ServiceNow bestätigt diese einhellige Meinung: Für die Deutschen ist ein nahtloser Kundenservice das wichtigste Entscheidungskriterium (56 %) bei der Wahl eines Unternehmens. Es gilt, die Probleme der Kunden ernst zu nehmen und ihnen ohne größere Verzögerung die optimale Lösung anzubieten.
Stand: 16.12.2025
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Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz kann dabei für Industrieunternehmen ein entscheidender Faktor sein. So ermöglicht GenAI im Kundendienst die Fokussierung von Servicepersonal auf die wirklich schwerwiegenden Fälle und auf eine schnelle Problemfindung. Als Datenbasis für die KI dienen vor allem produkt- beziehungsweise maschinennahe Daten, wie beispielsweise Anleitungen, Bilder, Dokumentation, Wartungshistorie sowie Best Practices. Durch die intuitive Nutzung der Frage-Antwort-Konzipierung eines KI-gestützten Chatbots erfahren Servicetechniker ungekannte Möglichkeiten der schnellen Lösungsfindung.
Hinter jedem KI-Tool steht eine Strategie
Generative KI ist vielleicht nicht die Lösung aller Probleme. Sie kann aber dazu beitragen, dass sich Industrieunternehmen in die richtige Richtung bewegen. Dabei gilt es zu beachten, dass die Implementierung von KI-Tools, wie beispielsweise einer ganzheitlichen Workflow-Plattform, nicht nur eine technische Komponente hat. Vielmehr muss hinter jeder Einführung eine stringente Strategie stehen, die aufzeigt, wie der eigene Umgang mit KI bestehende Abläufe verbessern kann. Dazu müssen alle im selben Boot sitzen – vom CEO bis zum Lagerarbeiter – und verstehen, wie sie die KI-gestützten Tools bestmöglich verwenden. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Unternehmen aus dem Manufacturing-Sektor müssen jetzt die richtigen Schritte einleiten, dann können sie gestärkt aus der aktuell volatilen Situation hervorgehen und den nötigen Schritt in die Zukunft initiieren.
Der Autor Jürgen Schön ist Head of Manufacturing Industry EMEA bei ServiceNow.