Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass sich etwas tut in Sachen regionale Batterie-Produktion. Fast dreiviertel der Unternehmen plant entsprechende Schritte.
(Quelle: Asharkyu/Shutterstock)
Umfrage zur Rückverlagerung: 73 Prozent der befragten deutschen Unternehmen wollen innerhalb der nächsten zwölf Monate Teile ihrer Lieferkette zurück in die eigene Region verlagern
Produkteinführung: 73 Prozent planen im selben Zeitraum neue Batterie- oder Energiespeichersysteme auf den Markt zu bringen
Recycling: 70 Prozent der befragten Unternehmen stimmen zu, dass die Wiederverwertung und das Recycling von Batterien und Materialien ein entscheidendes Mittel zur Bekämpfung von Rohstoffengpässen in Europa darstellt
Um Deutschland als führende Nation im Bereich der Batterieproduktion zu etablieren, ist die Rückverlagerung von Lieferketten und Produktionsanlagen in die eigene Region entscheidend. Diese Erkenntnis ist eine der zentralen Botschaften von Electric Times, einer von Protolabs in Auftrag gegebenen Befragung unter leitenden Angestellten der europäischen Batterieindustrie aus Ländern wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Demnach geben 73 Prozent der deutschen Befragten an, in den nächsten zwölf Monaten Teile ihrer Lieferkette näher an ihren Produktionsstandort verlegen zu wollen. Daneben ist auch die Reduktion des eigenen ökologischen Fußabdrucks ein entscheidender Faktor für diese neue strategische Ausrichtung.
Der Wunsch nach lokalen Bezugsquellen ist groß
Der Wunsch, die eigene Lieferkette wieder besser unter eigene Kontrolle zu bringen und lokalere Bezugsquellen zu schaffen, ist insbesondere durch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten aufgrund der COVID-19-Pandemie verstärkt worden. Den Befragten ist hier vor allem daran gelegen, die eigene Versorgung mit Rohstoffen und Bauteilen abzusichern und zugleich eine kürzere Markteinführungszeit zu erreichen. So stimmen etwa 60 Prozent der deutschen Führungskräfte in der Umfrage zu, dass sie die Produktion von Komponenten an spezialisierte Hersteller auslagern oder dies innerhalb der nächsten 12 Monate planen. Darüber hinaus geben 73 Prozent an, die Einführung eines neuen Batterieprodukts oder Speichersystems im kommenden Jahr vorzubereiten.
Umfrage hallt in aktuellen Projekten wider
Die Studie spiegelt sich in aktuellen Projekten wider: Etwa dem Neubau der Tesla Gigafactory 4 in Brandenburg. Diese soll – neben ihrer herausragenden Bedeutung für die Region – auch zu einer der fortschrittlichsten Serienproduktionsstätten für Elektrofahrzeuge der Welt werden. Dementsprechend ist die Bedeutung für die regionale Wirtschaft kaum zu hoch einzuschätzen und stellt auch für Zulieferer und heimische Produzenten in Deutschland eine immense Chance dar. Zusätzliche Investitionen in Milliardenhöhe und die Schaffung tausender neuer Arbeitsplätze sind dabei nur die Spitze des Eisberges.
Heimische Batterie-Produktion, um die große europäische Nachfrage zu stillen
Björn Klaas, Vizepräsident und Geschäftsführer von Protolabs Europe, meint: „Da derzeit nur sechs Prozent der weltweiten Batterieproduktion in Europa stattfindet, sind wir noch immer stark von Batteriezellenimporten abhängig. Aufgrund der rapide steigenden Nachfrage an Elektrofahrzeugen muss man sich darüber im Klaren sein, dass grundlegende Änderungen der Lieferketten und Entwicklungsstandorte notwendig sind.“
Der Wunsch Deutschlands, eine Spitzenposition im Rennen um die Elektrifizierung einzunehmen, sei klar erkennbar. Außerordentlich erfreulich sei die Entschlossenheit, die inländischen Lieferketten zu stärken, um damit auch die Entwicklung und Produktion von Batterien künftig besser unterstützen zu können. Dabei gehe es nicht nur um Fabriken gigantischen Ausmaßes, sondern auch um neue Technologien, Produktionskomponenten und, laut 80 Prozent der befragten Deutschen, um Investitionen in den Ausbau der Kapazitäten additiver Fertigung. Neben dem zunehmenden Trend der Rückverlagerung nannten sie erhöhte staatliche Investitionen und eine weitreichende Fiskalpolitik als Möglichkeit für Deutschland, die Batterieentwicklung und -fertigung in Fernost und anderen internationalen Gebieten herauszufordern.
Umfrage bestätigt Fokus auf Nachhaltigkeit
Fast die Hälfte der deutschen befragten Führungskräfte sind laut Umfrage der Ansicht, dass sich für ihre Unternehmen Wettbewerbsvorteile einstellen, wenn sie die Umweltverträglichkeit ihres Unternehmens erhöhen und dass es in Zukunft essenziell sein wird, auf Maßnahmen der Kreislaufwirtschaft zu setzen, um ausländische Investitionen zu akquirieren. Zudem sind 70 Prozent der Ansicht, dass neue Materialien und die Wiederverwertung von Batterien in Europa entscheidend sind, um die steigende Nachfrage an Batterieprodukten zu befriedigen. „Nachhaltigkeit umfasst die gesamte Wertschöpfungskette: angefangen bei den Rohstoffen, über die Lieferketten und die Herstellung bis hin zum Recycling – alle diese Teilaspekte müssen strenge Merkmale erfüllen, um ESG-Kriterien, also strengen Unternehmensstandards zur Verantwortung von Firmen hinsichtlich ihres ökologischen und sozialen Fußabdruckes, gerecht zu werden“, erläutert Björn Klaas.
Stand: 16.12.2025
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„Im Vergleich zu anderen Ländern ist Deutschland hinsichtlich der Erfüllung gesetzlicher Normen und Regularien gut aufgestellt – dennoch gibt es noch viel zu tun. So sind etwa 77 Prozent der befragten deutschen Entscheider besorgt über die Verfügbarkeit von verantwortungsvoll geförderten und produzierten Rohstoffen. 97 Prozent der Befragten sehen den Einsatz von erneuerbaren Energien in der Produktion als Herausforderung an“, führt Klaas weiter aus. Die Studie verweist auch auf einige kritische Punkte, die es für die Regierung zu beachten gilt. Besonders deutlich wird dies dadurch, dass mehr als die Hälfte der Führungskräfte das Gefühl haben, dass übermäßig geförderte Wasserstoffprojekte zu Lasten der Batteriespeichertechnologie gehen.
Aus der Studie von Protolabs geht auch eine klare Botschaft hervor: Ein Großteil der Befragten aus Deutschland gibt zu bedenken, dass die Konzentration auf eine nachhaltige Produktion europäischen Batterieherstellern einen Wettbewerbsvorteil auf dem internationalen Markt verschaffen wird. Fortschritte und Entwicklungen dürfen allerdings keinesfalls zulasten der Umwelt gehen, weshalb die Bestrebungen um einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck eine mindestens gleichwertige Rolle spielen.
Die von Protolabs in Auftrag gegebene Studie wurde im Frühjahr 2021 unter 200 leitenden Angestellten der europäischen Batterieindustrie durchgeführt. Die Befragten stammen aus Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien, Norwegen und den Niederlanden.