Angesichts des kritischer werdenden Wandels der Erdsysteme und wachsender ökologischer Risiken kommt der Nachhaltigkeit in der Wirtschaft eine immer stärkere Bedeutung zu und setzt Unternehmen aller Branchen unter Zugzwang – auch durch entsprechende Regularien und Berichtspflichten, wie etwa der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD). Insbesondere der Einsatz von künstlicher Intelligenz kann die hierfür nötigen Potenziale technologisch freisetzen und so eine Twin Transformation in Gang setzen.
(Bild: Parradee/AdobeStock)
Zur Unterstützung mittelständischer Unternehmen – vor allem aus dem Digital-Manufacturing- Bereich – hat das Bundesumweltministerium deshalb den „Green-AI Hub Mittelstand“ gegründet. Die Initiative will Unternehmen bei der Erhöhung der eigenen Ressourceneffizienz unterstützen. So gelingt es etwa der Blechwarenfabrik Limburg durch den Einsatz eines KI-gestützten Warehouse-Management-Systems zur Steuerung des internen Warentransports und des Lagermanagements, jährlich 100 Tonnen Weißblech einzusparen. Mit dieser Lösung ist jederzeit nachvollziehbar, wo sich Rohmaterialien, Fertigwaren und Transportfahrzeuge befinden und an welcher Stelle diese benötigt werden.
Umsetzung der Twin Transformation
Solche Praxisbeispiele zeigen anschaulich, dass KI-Projekte durch die Einbeziehung von Daten aus allen relevanten Geschäftsbereichen einen starken positiven Einfluss auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Unternehmen haben können. Die Eckpfeiler Digitalisierung und Nachhaltigkeitstansformation sind also eng miteinander verwoben. Man spricht hier auch von der Twin Transformation. Dies muss aber auch für die Verknüpfung von KI-Anwendungen und Business-Software gelten, da eine integrierte und transparente Sicht auf alle Geschäftsprozesse für die Umsetzung von Green AI entscheidend ist. ERP-Systeme mit KI-Funktionen, wie sie Nemo von proAlpha bietet, sind in der Lage, präzise Prognosen und daraus abgeleitete Handlungsempfehlungen für alle relevanten, unternehmenskritischen Geschäftsabläufe bereitzustellen – zugleich die Grundlage für eine Algorithmus-basierte Automatisierung und Prozessoptimierung.
ERP-System – Herzstück der Unternehmensdaten
Der Erfolg von Green-AI-Anwendungen hängt maßgeblich von der Input-Datenqualität ab. Eingesetzte ERP-Systeme müssen deshalb stets auf einen qualitativ hochwertigen Datenbestand zugreifen können, da intelligente Algorithmen nur dann in der Lage sind, valide Prognosen zu stellen und intelligente Vorschläge zu liefern. Um eine solch hohe Datenqualität konsistent zu gewährleisten, sollten nach der Identifizierung und Benennung geeigneter Geschäftsprozesse durch das IT-Management zunächst verbindliche Qualitätskriterien festgelegt, vorhandene Datenpools überprüft und Dubletten eliminiert werden. Nur dann ist sichergestellt, dass jede Information lediglich einmal vorhanden ist und zweifelsfrei genutzt werden kann.
Twin Transformation ist eine unternehmensweite Transformation, die Synergien erschließt und Wettbewerbsvorteile sichert.
(Bild: EY-Studie, proAlpha)
In moderne ERP-Systeme sind bereits jetzt AI-Anwendungen zur Datenpflege und -konsolidierung – wie Complexity Mining und Clean Data – integriert. Mithilfe von Complexity Mining können Muster und Anomalien in großen Datensätzen festgestellt, Daten quellenübergreifend fusioniert sowie Abhängigkeiten und Wechselwirkungen zwischen Variablen identifiziert werden. Dadurch ist eine schnelle Aufdeckung und Bereinigung von Ineffizienzen und Prozessstörungen möglich. Darüber hinaus bieten Clean-Data-Anwendungen Unternehmen eine klare Rundum-Sicht auf ihren gesamten Datenpool, was wiederum positive Effekte auf die Qualität ihrer Geschäftsprozesse hat.
Zahlreiche Einsatzmöglichkeiten ERP-basierter Green AI
Um ihre CO2-Berichtspflichten umfänglich erfüllen zu können, sind Unternehmen auf ein leistungsstarkes ERP-System mit integrierter CO2-Bilanzierungslösung angewiesen. Dieses sollte in der Lage sein, die Energieflüsse und deren Wechselwirkungen innerhalb eines Unternehmens transparent und unter Berücksichtigung verschiedener Emissionskategorien darstellen zu können. Anbieter betriebswirtschaftlicher Software integrieren dazu CO2-Bilanzierungslösungen, über die sich Emissionen berechnen lassen. Ein ERP mit angebundener CO2-Managementsoftware – beim ERP-System von proAlpha wurde Enit integriert – dient als „Single Source of Truth“ aller Analysen und Maßnahmen, die Emissionskontrolle und Energiemanagement betreffen.
Im Rahmen eines ganzheitlichen Nachhaltigkeitsmanagements werden der unternehmensweite Energiebedarf und CO2-Fußabdruck erfasst, gesteuert und dokumentiert. So können Unternehmen etwa CO2-hochbelastete Vorprodukte durch entsprechende Alternativen mit einer wesentlich besseren Klimabilanz ersetzen oder den Ressourcenverbrauch durch konsolidierte Beschaffungsprozesse reduzieren.
Twin Transformation: Ineffiziente Geschäftsprozesse im Unternehmen aufdecken
(Bild: EY-Studie, proAlpha)
Ineffizienzen in Geschäftsprozessen stehen immer in direktem Zusammenhang mit unnötigem Ressourcenverbrauch. KI-gestützte Analysen ermöglichen hier die sichere Aufdeckung von Schwachstellen und damit auch die Verschlankung der gesamten Lieferkette. Eine schnelle Reaktion auf Kundenanfragen und eine hohe Lieferperformance gehen einher mit minimalen Lagerkosten, da die prognostizierten Verbräuche in Echtzeit mit Beständen abgeglichen und möglichst geringgehalten werden können. Durch integrierte KI-Anwendungen wie der Analyse der Wiederbeschaffungszeiten – unter Berücksichtigung von Unsicherheiten und Faktoren wie Produktions- und Lieferantendaten – kann der optimale Nachbestellungszeitpunkt ermittelt werden. Ferner kann KI neben dem aktuellen Lagerbestand auch die gewünschten Sicherheitsbestände ermitteln. Dadurch bleibt die Produktverfügbarkeit während der Wiederbeschaffungszeit gewährleistet und es wird Lieferausfällen automatisch vorgebeugt.
Die Integration von KI ermöglicht präzise Prognosen und Handlungsempfehlungen, die aus den ERP-Daten abgeleitet werden. Dieses Zusammenspiel zwischen Green AI und ERP bietet daher die Möglichkeit, effizienter zu wirtschaften und durch das Erreichen vorgegebener Nachhaltigkeitsziele einen wichtigen Beitrag zum Schutz des Klimas und wichtiger Ressourcen zu leisten. Deshalb sollten Unternehmen spätestens jetzt handeln, um langfristig ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, die wachsende Anzahl gesetzlicher Vorgaben optimal erfüllen zu können und die eigene Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren Faktoren zu stärken. Die Twin Transformation beginnt jetzt.
Stand: 16.12.2025
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Der Autor Gunnar Schug ist CEO der Nemo GmbH und CAIO bei der proAlpha Group.