SAP DM-Implementierung Sieben Herausforderungen und Erfolgsfaktoren

Von Oliver Hoffmann 4 min Lesedauer

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Die Implementierung von SAP DM erfordert strategische IT-OT-Abstimmung, Überwindung von IT-Komplexität, Kompetenzaufbau, realistische Planung, agile Umsetzung, Post-Go-Live-Betreuung und effektives Change-Management.

Wie ein Hürdenlauf: Bei jedem digitalen Transformationsprojekt wie der Einführung von SAP Digital Manufacturing gibt es zentrale Herausforderungen: Hürden. Sie lassen sich durch systematische Planung und Prozesse meistern. (Bild:  © canva.com)
Wie ein Hürdenlauf: Bei jedem digitalen Transformationsprojekt wie der Einführung von SAP Digital Manufacturing gibt es zentrale Herausforderungen: Hürden. Sie lassen sich durch systematische Planung und Prozesse meistern.
(Bild: © canva.com)

Sie tauchen bei fast jedem digitalen Transformationsprojekt auf: Sieben zentrale Herausforderungen sind es, die es auf der Reise hin zu höherer Effizienz, Qualität und Kundenzufriedenheit zu bewältigen gilt. Wer die Herausforderungen kennt und richtig adressiert, legt das Fundament dafür, dass die Einführung des Manufacturing Execution Systems SAP DM zum Erfolg wird.

1. Strategie: IT und OT an einen Tisch bringen

In vielen Unternehmen verfolgen IT und OT unterschiedliche Zielsetzungen: Während OT auf reibungslose Produktionsprozesse fokussiert ist, liegt der Schwerpunkt der IT auf Datenerfassung und -integration. Das führt nicht selten zu Missverständnissen.
Lösungsansatz: Das gemeinsame Verständnis zu Strategie, Zielen und Roadmap ist essenziell. Unternehmen sollten frühzeitig Workshops einplanen, in denen unter anderem IT- und OT-Verantwortliche gemeinsam die tatsächlichen Anforderungen definieren. Es gilt, ein klares Bild zu entwickeln, was machbar und sinnvoll ist – inklusive der Erkenntnis, dass möglicherweise nicht alles automatisiert werden muss.

Praxisbeispiel: Das bereichsübergreifende Change-Team eines mittelständischen Maschinenbauers entschied nach einem gemeinsamen Scoping-Workshop, Handarbeitsplätze für bestimmte Qualitätsprüfungen zu erhalten. Der Automatisierungsaufwand wäre unverhältnismäßig hoch und nicht zielführend gewesen.

2. IT-Komplexität: Zwei Welten zusammenbringen

SAP DM bewegt sich im Spannungsfeld zweier komplexer Systeme: den IT-gestützten Softwarelandschaften und den meist historisch längerfristig gewachsenen OT-Strukturen. Die Herausforderung besteht darin, beide Welten zusammenzuführen – technisch und prozessual.
Lösungsansatz: In einem sogenannten Discovery-Workshop wird zunächst ein umfassendes Prozess-Zielbild erstellt. Dieses wird anschließend mit den funktionalen Möglichkeiten von SAP DM abgeglichen. Es gilt, zwei Perspektiven zusammenzuführen: Was wird benötigt – was bietet das System? So lassen sich systemkompatible Anforderungen ableiten. Unternehmen identifizieren und eliminieren überflüssige Anforderungen bereits in der Konzeptionsphase. Das spart Zeit und Budget.

Anhand der Checkliste von Forcam Enisco können die zentralen Herausforderungen einer digitalen Transformation in der Produktion gemeistert werden. (Bild:  Forcam Enisco/canva.com)
Anhand der Checkliste von Forcam Enisco können die zentralen Herausforderungen einer digitalen Transformation in der Produktion gemeistert werden.
(Bild: Forcam Enisco/canva.com)

3. Bereitschaft und Kompetenzen: Wissen aufbauen für Einführung von SAP DM

Oft ist das Wissen über bestehende Systeme in einzelnen Köpfen konzentriert – das sogenannte „Herrschaftswissen“. Für die erfolgreiche Einführung von SAP DM braucht es jedoch ein breit verteiltes Know-how.
Best Practice: In dem Pilotprojekt eines Herstellers aus der Kunststoffbranche wurden gezielt Key-User in interaktiven Schulungen zu Multiplikatoren entwickelt („Train the Trainer“). Zudem durften Werker-Teams das neue System in einem Testlabor spielerisch selbst entdecken – mit positiver Wirkung auf Motivation und Knowhow.

4. Realistische Planung statt Selbst-Überschätzung

Bei der Einführung von SAP DM handelt es sich nicht um Update, sondern um einen tiefgreifenden Wandel. Die Komplexität eines solchen Projekts wird jedoch oft unterschätzt. Das führt schnell zu überambitionierten Zeit- und Ressourcenplänen.Lösungsansatz: Zwei initiale Workshops für Scoping und Definition helfen, das Projekt richtig zu dimensionieren. Dabei wird der Gesamtumfang analysiert und in verdaubare Teilpakete zerlegt.Ratsam ist es, das Gesamtprojekt in sechs bis acht unabhängige Phasen aufzuteilen. Das bringt einfachere Kontrolle, höhere Qualität und Motivation der Teams durch Teilerfolge. Motto: Lieber in kleinen Schritten vorangehen als groß zu scheitern.

5. Besser agil statt stur nach Plan

Ein häufiger Fehler ist die starre Umsetzung nach dem initialen Plan – ohne Raum für neue Erkenntnisse und Bedarfe. Beliebtes Vorgehen: „Das Problem parken wir mal.“ Die Gefahr dabei: Es baut sich ein schwerfälliger IT-System-Koloss auf, der nur noch mit Mühe – oder gar nicht mehr - angepasst werden kann.Lösungsansatz: Agiles Vorgehen in kurzen Sprints mit iterativen Zwischenergebnissen verhindert Überfrachtung. Im Projektalltag bedeutet das: Priorisierung der Funktionen, stufenweise Implementierung und regelmäßige Reviews.
 
Praxisbeispiel: Bei einem produzierenden Mittelständler wurde bei der gewünschten Funktion „Personalzeiterfassung“ die ursprüngliche Anforderung unvollständig formuliert. Dank agiler Methodik konnte die Funktion erweitert werden – inklusive automatischer Pausenerfassung und Integration in die Personaleinsatzplanung.

Die Einführung einer modernen Steuerungssoftware wie SAP Digital Manufacturing verspricht Unternehmen erhebliche Effizienzsteigerungen – vorausgesetzt, die Implementierung gelingt.

6. Nach dem Go-live: Betreuung sicherstellen

Im Zuge eines Rollouts zieht das Projektteam nach erfolgreicher Implementierung in einem Bereich erwartungsgemäß zur nächsten Abteilung weiter. Herausforderung: Der Bereich mit dem neu installierten System darf nicht ohne Begleitung allein gelassen werden. Wenn das Knowhow auch für den laufenden Betrieb nicht mehr vorhanden, wird das System möglicherweise nicht im Sinne der ursprünglichen Ziele genutzt.
Lösungsansatz: Ein interner Supportbereich stellt sicher, dass Rückfragen und Probleme auch nach einem Go-Live zeitnah gelöst werden können. Zudem ist es ratsam, eine zentrale Wissensplattform einzurichten, die als Anlaufstelle für alle Fachbereiche und Mitarbeitende fungiert. Beispiele sind ein „Unternehmens-Wiki“ und ein „Campus Digital Manufacturing“.

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Für Autor Oliver Hoffmann ist ein häufiger Fehler bei der Implementierung die starre Umsetzung nach dem initialen Plan – ohne Raum für neue Erkenntnisse und Bedarfe. (Bild:  Forcam Enisco)
Für Autor Oliver Hoffmann ist ein häufiger Fehler bei der Implementierung die starre Umsetzung nach dem initialen Plan – ohne Raum für neue Erkenntnisse und Bedarfe.
(Bild: Forcam Enisco)

Fazit: Digitale Transformation ist ein Mannschaftssport

Die MES-Lösung SAP Digital Manufacturing bietet großes Potenzial – aber der Weg will klug geplant und gemeinschaftlich gegangen werden. Um den Mehrwert durch die Einführung eines MES zu erzielen, wird ein ganzheitlicher Implementierungsprozess benötigt, der technische, organisatorische und personelle Faktoren berücksichtigt.
Unsere Teams beraten nach einem systematischen Ansatz mit acht Dimensionen – von Strategie über Scoping bis Datenanalyse, begleitet von einem Change-Management. Dieser Ansatz hat sich bewährt, um den Erfolg einer neuen MES-Lösung in großen wie mittleren Unternehmen sicherzustellen.

Oliver Hoffmann ist Geschäftsführer des MES-Anbieters Forcam Enisco GmbH.