Sie sind einer der wichtigsten Bausteine für die Digitalisierung. Netflix, Google und Amazon wären ohne Rechenzentren genauso wenig möglich wie künstliche Intelligenz, Cloud Computing oder Internet of Things. Hierfür ist eine sichere und leistungsstarke IT-Infrastruktur unabdingbar. Was es bei der Auswahl von Rechenzentren zu beachten gilt – global, in der EU und Deutschland.
(Quelle: AdobeStock/mast3r)
Rechenzentrum Deutschland: Laut der Studie „Bedeutung digitaler Infrastrukturen in Deutschland“ des eco Verband der Internetwirtschaft von 2018 fließen in Deutschland jährlich über acht Milliarden Euro in Rechenzentren. Außerdem werden sieben Milliarden Euro in IT-Hardware und eine Milliarde Euro in Neubau und Modernisierung von Gebäuden investiert. Diese Investitionen verlagern sich jedoch mehr und mehr: Wurden Data Center früher selbst von Unternehmen und Organisationen betrieben, so hat sich in den letzten Jahrzehnten das Auslagern solcher Rechenzentren immer stärker durchgesetzt. Es kann sich dabei sowohl um Rechenzentrums-Leistungen handeln als auch um Cloud-Dienste, die über ein gesichertes Internet zur Verfügung stehen.
Rechenzentrum Deutschland: Onshoring versus Nearshoring versus Offshoring
Die hohen Stromkosten und der Fachkräftemangel sind nur zwei der Gründe, warum Unternehmen auf externe Anbieter ausweichen anstatt Server und weitere Hardware-Kapazitäten in den eigenen Räumlichkeiten zu betreiben. Allerdings treffen diese beiden Probleme auch die Anbieter. Während im europäischen Vergleich gerade Skandinavien mit niedrigen Stromkosten punktet, ist der Fachkräftemangel europaweit einer der Gründe, warum von einigen Experten ein stärkeres Gewicht des asiatischen Raumes prognostiziert wird.
Je weiter die Anbieter geografisch entfernt sind, desto ferner sind sie mitunter auch in kultureller Hinsicht und gerade, was die rechtlichen Regelungen angeht. Der Vorteil von Offshoring sind die niedrigeren Kosten, die zumindest auf den ersten Blick ins Auge fallen. Allerdings können On- und Nearshoring bei einer Überprüfung oftmals mit Stärken punkten, die für den laufenden Betrieb essenziell sind. Zwar haben die Entwicklungen der letzten Jahre nicht erst seit der Corona-Pandemie zu einer unübersichtlichen Vielfalt an Dienstleistern für Rechenzentren geführt.
Mit Blick auf die Umsetzung der DSGVO gilt es einige Kriterien zu beachten, wie den Speicherort der Daten. Sind alle Prozesse DSGVO-konform, ist die eingesetzte Hardware technologisch hochwertig, liegen wichtige Prüfzertifikate vor? Gerade auch mit dem neuen Lieferkettengesetz stellt sich die Frage, ob der Dienstleister wichtige Standards bei Arbeits- und Umweltschutz erfüllt. All dies ist bei einem geografisch nahen Unternehmen leichter zu überprüfen und kontrollieren. Unterliegt der Anbieter EU-Rechtsvorschriften oder sogar deutschen Recht? Diese Faktoren werden die Kommunikation und die Prozesse deutlich erleichtern.
(Comarch verfügt weltweit über eine Vielzahl von Standorten mit eigenen Data Centers. Bild: Comarch)
Was Schrems II und Cloud Act bewirken
Technologisch sind die USA wohl derzeit die führende Nation der Welt, werden doch viele digitale Dienste von Amazon über Google bis hin zu Anwendungen von Microsoft aus den USA bereitgestellt. Milliarden von Anwendern nutzen diese Services im Alltag. Bei Datenhaltung und Datenschutz gibt es allerdings gravierende Unterschiede. So hat der Europäische Gerichtshof mit seiner Entscheidung „Schrems II“ klargestellt, dass personenbezogene Daten von EU-Bürgern nur an Drittländer mit im Wesentlichen gleichwertigem Datenschutz übermittelt werden dürfen. Auf die USA trifft dies laut Urteil nicht zu.
„Für Datenübermittlungen in die USA, wenn nötig auch in weitere Drittländer, ist mit zusätzlichen Maßnahmen sicherzustellen, dass die personenbezogenen Daten auch im jeweiligen Drittland stets angemessen geschützt sind“, kommentierte der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationssicherheit die Entscheidung. Mit Gesetzen wie USA Patriot Act und seit 2018 Cloud Act (Clarifying Lawful Overseas Use of Data) tun sich weitere Probleme auf: Tochterfirmen von US-Unternehmen, welche ihre Niederlassungen in anderen Ländern haben, sind verpflichtet, den US-Behörden Zugriff auf ihre Server zu gewähren, auch wenn dies den Gesetzen in diesen Ländern widerspricht. Europäische Firmen geraten so schnell in die Zwickmühle, wenn US-Recht mit EU-Recht kollidiert.
(In Frankfurt a. M. befinden sich die meisten Rechenzentren in Deutschland. Bild: Comarch)
Datenschutz und DSGVO-Konformität überprüfen
Seit Einführung der DSGVO ist es für Kunden eines Rechenzentrum essentiell, Transparenz im Unternehmen herzustellen und auch mit dem Cloud-Dienstleister entsprechende Verträge zu unterzeichnen: Welche Daten sind an welchen Stellen gespeichert, wie lässt sich dies nachweisen und auf Wunsch die Datenlöschung umsetzen? Es gilt hier, personenbezogene Daten nur zweckgebunden zu verwalten und nur denjenigen Personen den Zugriff darauf zu gestatten, die für die Durchführung des Zweckes verantwortlich sind. Dieser Vorgabe widersprechen zum Beispiel die Bestimmungen des US Cloud Acts.
Ferner sind Änderungen von personenbezogenen Daten zu protokollieren und die Weitergabe von personenbezogenen Daten zu beschränken. Eine Weitergabe von personenbezogenen Daten, zum Beispiel aus dem CRM- oder ERP-System, muss protokolliert werden. Auch Nachweise und Löschungen müssen ermöglicht werden. Als personenbezogene Daten gelten alle Informationen, die sich auf eine identifizierte oder identifizierbare natürliche Person beziehen. Davon sind alle Unternehmen im Rechtsraum der EU betroffen, selbst wenn sie weniger als 250 Mitarbeiter beschäftigen.
Stand: 16.12.2025
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(Laut einer Umfrage von Comarch beauftragen 35 Prozent der Unternehmen einen IT-Dienstleister, der einen Geschäftssitz im gleichen Land hat. Bild: Comarch)
Onshoring ist die beliebteste Variante
Laut einem Report von IDC und Comarch beauftragen 35 Prozent der der 130 befragten Unternehmen in Europa einen IT-Dienstleister, der im gleichen Land tätig ist. Nearshoring mit Providern in Nachbarländern oder Offshoring mit weltweit tätigen IT-Dienstleistern werden bei 18 Prozent der Befragten eingesetzt. 28 Prozent setzen auf eine Kombination der verschiedenen Modelle. Klarer Favorit bleibt jedoch die Verlagerung im eigenen Land.
Rechenzentrum Deutschland: So sind sie verteilt
Die höchste Dichte an Rechenzentren (sowohl hinsichtlich Fläche als auch Kapazität) weist Frankfurt am Main auf. Über ein Viertel der deutschen Gesamtfläche lässt sich hier lokalisieren. Mit einem Hosting in Frankfurt und Umgebung sind sowohl Vor- als auch Nachteile verbunden. Positiv anzuführen sind die große Auswahl an Providern und der Zugriff auf Knotenpunkte (Rechenzentrum Deutschland) von allen Providern. Als Nachteile schlagen vor allem die Georisiken zu Buche, etwa wenn es zu Stromausfällen in der Umgebung kommt. Ferner ist mir Leistungsbegrenzungen zu rechnen, zum Beispiel für Stromkapazitäten, da sich so viele Rechenzentren an einem Ort sich befinden.
Im Idealfall sollten mehrere, voneinander entfernte Standorte für die Data Center genutzt werden, um Georedundanz und eine deutlich höhere Ausfallsicherheit zu erreichen. Daher empfiehlt es sich, einen zuverlässigen und lokal in Deutschland ansässigen IT-Partner zu wählen, der langfristig die Digitalisierung begleitet. Die Data Center Services von Comarch zum Beispiel werden aus einem Rechenzentrum in Dresden angeboten und können bei Bedarf auf weitere Speicherorte innerhalb Deutschlands, der EU oder weltweit ausgedehnt werden. Die IT-Infrastruktur kann so flexibel an die Bedürfnisse des Unternehmens angepasst werden.
Der Autor Bartlomiej Kluska ist ICT Consulting Director bei Comarch.