Netzwerk-APIs bei der Anwendungsentwicklung Wie programmierbare Netze die Industrie transformieren

Von Dr. Rolf Werner 4 min Lesedauer

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Programmierbare Netze und offene Application Programming Interfaces (API) leiten eine neue Phase der Netzentwicklung ein. Konnektivität ist nicht mehr nur ein passiver Teil eines Systems, sondern wird zu einer entscheidenden Komponente in der DNA einer Anwendung. Dieser Wandel eröffnet Entwicklern ganz neue Möglichkeiten.

APIs machen moderne Netze, insbesondere mit Advanced 5G und Network Slicing, erstmals dynamisch nutzbar.(Bild:  © homan/stock.adobe.com/generiert mit KI)
APIs machen moderne Netze, insbesondere mit Advanced 5G und Network Slicing, erstmals dynamisch nutzbar.
(Bild: © homan/stock.adobe.com/generiert mit KI)

Telekommunikationsnetze fungierten traditionell als reine Verbindungsschicht zwischen Systemen, weitgehend getrennt von der Anwendungsentwicklung. Mit dem Aufkommen programmierbarer Netze und standardisierter Telekommunikations-APIs beginnt sich dieses Silodenken aufzulösen. Diese Entwicklung eröffnet auch Unternehmen außerhalb der Branche neue Möglichkeiten: Sie können direkt auf Netzfunktionen zugreifen und innovative Anwendungen sowie Dienste entwickeln. APIs demokratisieren den Netzzugang und fördern die Entstehung eines offenen digitalen Ökosystems, in dem Entwickler und Unternehmen das volle Potenzial moderner Konnektivitätsinfrastrukturen ausschöpfen können. 

Schaffung eines  offenen digitalen Ökosystems 

Konnektivität ist längst mehr als nur die Übertragung von Daten von A nach B – sie wird zur zentralen Plattform, auf der Entwickler und Unternehmen aufbauen können. Offene, standardisierte APIs ermöglichen es, fortschrittliche Netzfunktionen direkt in Anwendungen zu integrieren. Maßgeblich ist dabei die Benutzerfreundlichkeit, wie sie aus der Cloud-Welt bekannt ist. In der Praxis können Entwickler – auch außerhalb der Telekommunikationsbranche – heute auf Netzfunktionen zugreifen, die früher hinter komplexen Strukturen verborgen waren. Dienste wie Quality of Service auf Abruf, Standortfunktionen oder Authentifizierungs- und Betrugsprävention stehen ihnen nun direkt zur Verfügung. Dieser frische Blick von außen eröffnet Raum für völlig neue Anwendungen, die mehr sein können als die Summe ihrer Einzelteile.Im Zentrum steht ein digitales Ökosystem, in dem das Netz nicht mehr nur reine Infrastruktur ist, sondern zur Plattform für Innovation wird. Programmierbare Netze schaffen eine klare Trennung zwischen Infrastruktur- und API-Schichten – das sorgt für Modularität und beschleunigt die Entwicklung. Entwickler müssen keine Telekommunikationsprotokolle verstehen – sie müssen nur wissen, was eine API leistet.

Nutzung von APIs zur Förderung von Innovation 

Viele Branchen stehen noch mitten in der digitalen Transformation, während Anwendungen zunehmend in die Cloud migrieren. Gleichzeitig erhalten Entwickler in Unternehmen heute Zugang zu einer leistungsstarken Palette an Funktionen, mit denen sie maßgeschneiderte, hochwertige Dienste entwickeln können – und so Innovation gezielt vorantreiben.

APIs machen moderne Netze, insbesondere mit Advanced 5G und Network Slicing, erstmals dynamisch nutzbar. Anwendungen können den Zustand des Netzes in Echtzeit erfassen, darauf reagieren und ihre Leistung entsprechend anpassen. Damit wird das Netz von einer passiven Infrastruktur zu einer aktiven, intelligenten Komponente.

Diese neue Flexibilität zahlt sich in der Praxis aus: Ein Logistikunternehmen kann durch Echtzeit-Zugriff auf Gerätestandorte die Verfolgungsgenauigkeit erhöhen oder Routen effizienter planen. Ein Gaming-Anbieter kann mit Network Slicing-APIs ein konsistenteres und störungsfreieres Spielerlebnis ermöglichen. Im Gesundheitswesen lassen sich mit Authentifizierungs- und QoS-on-Demand-APIs sichere, hochzuverlässige Verbindungen für Telemedizin schaffen.

Der entscheidende Vorteil: Dieses neue, programmierbare Modell ist skalierbar. Dank cloud-nativer Architektur können Kommunikationsdienstleister APIs über eine zentrale Plattform für all ihre Netze bereitstellen. Entwickler integrieren die Schnittstellen einmal und können sie weltweit einsetzen. So erhalten global agierende Unternehmen eine starke Kombination aus Reichweite, Performance und einfacher Umsetzung.

Einen gemeinsamen Rahmen schaffen

Damit dieses neue Ökosystem funktioniert, muss der Telekommunikationssektor die Standardisierung aktiv vorantreiben. Einen wichtigen Beitrag leisten dabei das Open Gateway-Programm der GSMA und das CAMARA-Projekt der Linux Foundation. Beide Initiativen ergänzen sich: Sie bieten einen gemeinsamen Rahmen sowie ein wachsendes API-Portfolio, das von Netzbetreibern integriert werden kann. Ziel ist es, die Fragmentierung im Markt zu verringern und die Einführung durch Entwickler deutlich zu beschleunigen.

CAMARA als Open-Source-Projekt konzentriert sich insbesondere auf die Definition, Entwicklung und Validierung von Telekommunikations-APIs. Es bringt Netzbetreiber und Technologiepartner zusammen, um APIs zu schaffen, die plattformübergreifend einsetzbar sind – für konsistente, weltweit nutzbare Anwendungen.

Doch die Telekommunikationsbranche kann den Aufbau der nächsten Generation digitaler Dienste nicht allein stemmen. Es braucht branchenübergreifende Partnerschaften. Die enge Zusammenarbeit mit Cloud-Anbietern, Systemintegratoren und Industrieunternehmen ist entscheidend, damit programmierbare Netze in unterschiedlichsten Branchen ankommen. Nur gemeinsam können Lösungen entstehen, bei denen Konnektivität nicht nur ein technischer Unterbau ist, sondern nahtlos in digitale Geschäftsprozesse integriert wird und echten Mehrwert für alle Beteiligten schafft.

Beispiele aus der Praxis   

Telekommunikations-APIs werden bereits erfolgreich in verschiedenen vertikalen Branchen eingesetzt oder erprobt – mit vielversprechenden Ergebnissen.

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Transport und Logistik: Liberty Global demonstrierte im Hafen von Antwerpen die Fernsteuerung von Schiffen über Low-Latency-APIs. Kapitäne konnten Schiffe aus der Ferne sicher durch stark frequentierte Wasserwege navigieren – mit dem Ergebnis: weniger Treibstoffverbrauch, mehr Sicherheit und höhere Effizienz.

Ein weiteres Beispiel liefert Hrvatski Telekom mit dem Projekt Elmo in Kroatien, das sich auf die Fernsteuerung von Straßenfahrzeugen konzentriert. Durch die Nutzung von APIs in Kombination mit Kameras und Sensoren können Fahrzeuge situationsabhängig gesteuert werden – etwa bei sicherheitskritischen oder barrierebezogenen Einsätzen.

Medien- und Unterhaltung: Ein Proof-of-Concept des finnischen Netzbetreibers Elisa zeigte, wie sich Videostreams mithilfe einer nahezu in Echtzeit arbeitenden API zur Vorhersage der 5G-Bandbreite optimieren lassen – etwa bei stark ausgelasteten Events wie Konzerten oder Sportveranstaltungen. Die Bitrate des Streams wurde dynamisch angepasst, um eine flüssige Wiedergabe sicherzustellen.

Gesundheitswesen: Das Beratungsunternehmen Bounteous untersucht den Einsatz von 5G-APIs zur Verbesserung von Patientenerlebnissen und Versorgungsprozessen. Standort-APIs könnten z. B. in Rettungsfahrzeugen genutzt werden, um Einsatzorte schneller und präziser anzusteuern – und so die Notfallversorgung optimieren.

Auch Innovationen aus der Entwickler-Community zeigen das Potenzial programmierbarer Netze: Beim von Orange veranstalteten API-Hackathon gehörte das Team LabLabee zu den Gewinnern. Ihre Anwendung unterstützt Familien und medizinisches Personal bei der Betreuung von Demenzpatienten, indem sie einen Alarm auslöst, wenn ein Patient einen definierten Bereich verlässt. 

Dr. Rolf Werner ist Senior Vice President  der Region Europa bei Nokia.