Produktionseffizienz erhöhen: Digitale Lösungen in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie

Verantwortlicher Redakteur:in: Rainer Trummer 5 min Lesedauer

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Während die Preise für Rohstoffe und Energie rasant steigen, sucht die Lebensmittel- und Pharmaindustrie nach Möglichkeiten, ihre Produktionseffizienz zu verbessern. Der Schlüssel liegt in den Produktionsdaten, die täglich in riesigen Mengen anfallen – wenn man sie zu nutzen weiß.

(Quelle:  Syntegon)
(Quelle: Syntegon)

Elisa Hein, Produktmanagerin Expert Services bei Syntegon, erklärt, wie digitale Lösungen dabei helfen, das volle Potenzial dieses Datenschatzes auszuschöpfen und so die Produktionseffizienz zu erhöhen.

Trends in der Lebensmittel- und Pharmabranche

Digitalisierung ist in aller Munde. In Bezug auf die Lebensmittel- und Pharmabranche stellt sich die Frage: Welchen Einfluss hat dieser Trend auf die beiden Industrien?

Elisa Hein: Beide Branchen haben in den letzten Jahren erheblich in die Automatisierung und die Optimierung von Prozesssicherheit investiert. In der Lebensmittelindustrie liegt der Schwerpunkt auf einer maximalen Ausbringungsrate, oft mit Hilfe von Pick-and-Place-Robotern, die unermüdlich und mit hohen Geschwindigkeiten arbeiten. Pharmahersteller konzentrieren sich vorrangig darauf, Produktverluste zu verringern – vor allem bei der Herstellung teurer und hochspezialisierter Medikamente in kleinen Chargen, zum Beispiel für die individuelle Krebsbehandlung. Beide Branchen haben eine wichtige Anforderung gemeinsam: Sie müssen zunehmend auf Flexibilität setzen, um in einem sich schnell verändernden Marktumfeld wettbewerbsfähig zu bleiben. Es gilt in kürzester Zeit zwischen Verpackungsarten und -formaten oder Formulierungen und Behältnissen zu wechseln, um eine Vielzahl von Produkten ohne lange Stillstände zu verpacken. Gleichzeitig verstärkt der Fachkräftemangel (vor allem in der Lebensmittelindustrie) den Bedarf an Automatisierung und Digitalisierung weiter. Bei all diesen Herausforderungen müssen sich Hersteller auf einfach zu bedienende Anlagen mit möglichst geringen Ausfallzeiten und Störungen verlassen können. Hier kommen neue digitale Lösungen ins Spiel, um die Produktionseffizienz und Produktqualität zu steigern.

Wie genau können digitale Lösungen zur Steigerung der OEE beitragen?

Hein: Digitale Lösungen helfen dabei, Verbesserungspotenziale zur Kostensenkung, Produktivitätssteigerung oder Ressourceneinsparung zu erkennen. Die verwendete Software schafft die Grundlage für datenbasierte Entscheidungen: Sie erhebt Produktions- und Maschinendaten, bewertet und visualisiert sie – und sorgt so für volle Leistungstransparenz. Werfen wir einen Blick auf einige Anwendungsbeispiele für digitale Lösungen: Durch die Auswertung von Fehlermeldungen werden die häufigsten Gründe für Maschinenstillstände identifiziert. Diese werden nach Anzahl und Dauer beispielsweise in einem Pareto-Diagramm visualisiert. Digitale Lösungen können außerdem den Stromverbrauch von Anlagen präzise überwachen, um Einsparpotenziale zu finden – ein großer Vorteil, wenn es um eine nachhaltigere Produktion geht. Insgesamt verbessert der Einsatz von Software die Transparenz des Gesamtprozesses und ermöglicht es Herstellern, Produktionsdaten von verschiedenen Maschinen in unterschiedlichen Zeiträumen zu vergleichen. So können sie verschiedene Parameter zur Produktivitätssteigerung erkennen – auch über mehrere Produktionsstandorte hinweg.

(Elisa Hein ist Produktmanagerin Expert Services bei Syntegon. Bild: Syntegon)
(Elisa Hein ist Produktmanagerin Expert Services bei Syntegon. Bild: Syntegon)

Produktionseffizienz erhöhen: Nur einer von vielen Vorteilen

Es klingt, als ob digitale Lösungen eine Reihe von Vorteilen bieten. Warum nutzen sie dann nicht schon mehr Hersteller?

Hein: Viele Hersteller zögern, in digitale Lösungen zu investieren, da sie sich des enormen Potenzials nicht bewusst sind, welche sie in Bezug auf Leistungssteigerung und Kostensenkung bieten. Die erste Implementierung bringt zugleich einige Herausforderungen mit sich: Viele Hersteller verwenden Maschinen von verschiedenen Anbietern, unterschiedlicher Art und Alters in ihren Produktionen. Diese verfügen meist nicht über standardisierte Schnittstellen. Um alle Maschinen über eine Plattform zu vernetzen, braucht man den richtigen Partner, der bei der Implementierung fachkundig unterstützt.

Gibt es eine Lösung für die Herausforderung, diese Systeme zu vernetzen, um die Produktionseffizienz zu erhöhen?

Hein: Das hängt davon ab, ob wir über neue oder bestehende Maschinen sprechen. Unsere neuen Maschinen sind alle IoT-fähig: Sie verfügen über eine standardisierte digitale Schnittstelle, die es ermöglicht, die Maschinen untereinander, mit der Syntegon-Softwarelösung oder mit dem kundeneigenen Manufacturing Execution System (MES) zu verbinden. Darüber hinaus rüsten wir ältere Anlagen nach und bieten ein dafür kompatibles Edge Device an. Wir arbeiten außerdem an einer sensorbasierten Lösung für Anlagen von Drittanbietern, um Informationen über die Ausbringungsrate und den Maschinenstatus erheben zu können.

Warum sollten Ihre Kunden in digitale Lösungen von Maschinenherstellern investieren, anstatt sich an einen Software-Spezialisten zu wenden?

Hein: Maschinenhersteller kennen ihre eigenen Anlagen am besten. Dieses Know-how ist ausschlaggebend, wenn man das volle Potenzial einer Produktion ausschöpfen will. Mit unserer neuen cloudbasierten Softwarelösung Synexio zum Beispiel profitieren Kunden von unserer Branchenkompetenz. Aber noch wichtiger ist, dass wir mit ihnen auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Unsere Experten helfen bei der Interpretation der Daten, unterstützen bei notwendigen Maschinenmodernisierungen oder schulen das Bedienpersonal.

Erzählen Sie uns mehr über Synexio.

Hein: Synexio ist in drei Paketen erhältlich: Monitor, Uptime und Empower. Synexio Monitor visualisiert verschiedene KPIs und bietet eine sichere Datenverbindung, um sicherzustellen, dass die Produktions- und Maschinendaten in einem ISO-zertifizierten Managementsystem gespeichert werden. Mit Synexio Uptime erhalten Hersteller Zugang zu zusätzlichen Funktionen, um ihre Produktionseffizienz zu steigern. So können sie beispielsweise die Gründe für ungeplante Stopps ermitteln und verschiedene Maschinen und Zeiträume vergleichen. Darüber hinaus liefert die Uptime Funktion „Sustainability Monitoring“ Daten zum Stromverbrauch sowie dem angefallenen Ausschuss und unterstützt unsere Kunden dabei, ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern. Auf der diesjährigen Pack Expo, die vom 11. bis 13. September in Las Vegas stattfindet, können sich Besucher live von den Vorteilen von Uptime überzeugen und einen ersten Blick auf Synexio Empower werfen, das dritte und umfassendste Synexio-Paket. Empower reduziert ungeplante Ausfallzeiten mit zustands- und zeitabhängiger Wartung und unterstützt die Mitarbeitenden unserer Kunden mit dauerhaft verfügbaren Schulungsinhalten und verbesserter Fehlerbehebung.

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Synexio als digitale Lösung?

Welches Feedback haben Sie kundenseitig erhalten, und wie sind Sie bei der Umsetzung vorgegangen?

Hein: Es war uns wichtig, dass unsere Kunden die Vorteile von Synexio Monitor kennenlernen, also haben wir eine kostenlose Testphase angeboten. Viele waren schon vor Ablauf der Testphase an einer langfristigen Implementierung interessiert. Das Feedback der Kunden war sehr positiv, da sie von Anfang an greifbare Ergebnisse erzielten. Ein Hersteller erkannte beispielsweise, dass ein falscher Folienrollenwechsel an seinen Maschinen eine Ursache für ungeplante Ausfallzeiten war – und konnte sofort entsprechende Maßnahmen ergreifen. Dank des intuitiven Designs und der leicht zu bedienenden Benutzeroberfläche von Monitor konnten die Bedienerteams vor Ort ganz einfach geschult werden, was letztendlich zu einer Erhöhung der Produktionseffizienz führte. Tatsächlich war er von den Ergebnissen so beeindruckt, dass er sich für ein Upgrade auf Synexio Uptime entschied.

Wie geht es für Synexio weiter? Wie werden Sie mit dem anhaltenden Trend zu noch mehr Digitalisierung Schritt halten?

Hein: Jetzt geht es darum, die Vorteile von Synexio noch mehr Kunden zugänglich zu machen. Außerdem bleiben wir mit denjenigen, die Synexio bereits nutzen, im Austausch. Dazu gehört unter anderem, dass wir ihre spezifischen Anforderungen, ihr Feedback und ihre Erfahrungen bei den nächsten Versionen unserer Software berücksichtigen, um ein Tool mit bestmöglicher Benutzerfreundlichkeit zu entwickeln. Darüber hinaus entwickeln wir bereits weitere Funktionen zur Zustandsüberwachung entscheidender Maschinenkomponenten, sodass Hersteller beim Erreichen kritischer Schwellenwerte benachrichtigt werden – und ihre Ausfallzeiten noch weiter minimieren können.

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