Greenfield-Projekte wirken smart, doch in der Realität gewinnen intelligente Retrofit-Strategien an Bedeutung. Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Effizienz lassen sich da umsetzen, wo bereits gefertigt wird: im Brownfield.
Die Modernisierung von Bestandsanlagen im Rahmen von Retrofit bedeutet daher nicht zwingend den Austausch von Maschinen, sondern vielmehr deren digitale Erweiterung.
(Bild: Copa-Data)
Langwierige Genehmigungsverfahren, hohe Investitionssummen, begrenzte Flächenverfügbarkeit und ein zunehmend gesellschaftlicher Druck im Hinblick auf Umwelt- und Flächenverbrauch machen Greenfield-Projekte zunehmend unattraktiv. Dagegen bieten sogenannte Brownfield-Anlagen – also bestehende, oft ältere Produktionsstätten – in Verbindung mit smarten Retrofit-Strategien einen oft unterschätzten, aber äußerst wirkungsvollen Hebel für ökologische und ökonomische Transformation. Wer es schafft, bestehende Infrastruktur intelligent zu modernisieren, kann nicht nur Ressourcen und Kosten sparen, sondern auch seinen CO₂-Fußabdruck deutlich reduzieren – und sich dadurch entscheidende Wettbewerbsvorteile sichern.
Brownfield statt Greenfield: Nachhaltigkeit beginnt im Bestand
Der Neubau industrieller Anlagen geht mit erheblichen CO₂-Emissionen und Umweltbelastungen einher – von der Erschließung neuer Flächen über den Materialeinsatz bis zur Entsorgung bestehender Infrastruktur. Der Ansatz, auf bestehende Anlagen aufzubauen und diese gezielt zu modernisieren, bietet hier eine deutlich umweltfreundlichere Alternative. Ein „zweites Leben“ für Maschinen und Systeme spart nicht nur wertvolle Rohstoffe, sondern reduziert auch die Umweltbelastung durch Abbruch, Transport und Neubau. Angesichts verschärfter EU-Vorgaben zur Nachhaltigkeitsberichterstattung und eines wachsenden gesellschaftlichen Drucks auf Unternehmen, ökologische Verantwortung zu übernehmen, wird der bewusste Verzicht auf Greenfield-Projekte zunehmend zum strategischen Vorteil. Brownfield-Modernisierung kann zur aktiven Maßnahme der betrieblichen Dekarbonisierungsstrategie werden – vorausgesetzt, sie wird gezielt und datenbasiert umgesetzt.
Retrofit 4.0: Mit smarter Vernetzung zur digitalen Wertschöpfung
Lange galt: Bestehende Maschinen sind nur schwer in moderne digitale Prozesse integrierbar. Genau hier setzt die moderne Retrofit-Philosophie an. Durch gezielte Nachrüstung mit Sensorik, Edge-Geräten und Schnittstellen lassen sich auch ältere Anlagen in digitale Ökosysteme einbinden. Die Vernetzung schafft nicht nur Transparenz über Prozesse und Energieverbräuche, sondern eröffnet auch ganz neue Wertschöpfungspotenziale – etwa durch zusätzliche Services, datengetriebene Optimierung oder Condition Monitoring.
„Wertschöpfung entsteht im Zuge der Digitalisierung nicht nur durch neue Produkte oder Dienstleistungen, sondern insbesondere durch deren intelligente Verknüpfung“, betont Jürgen Schrödel, Geschäftsführer von Copa-Data Deutschland. Die Modernisierung von Bestandsanlagen bedeutet daher nicht zwingend den Austausch von Maschinen, sondern vielmehr deren digitale Erweiterung. Wer das Prinzip der Modularisierung auf Brownfield-Anlagen überträgt, sichert sich nicht nur Flexibilität bei Marktveränderungen – sondern spart zugleich Investitionskosten im Vergleich zum Neubau.
Nachhaltigkeit rechnet sich: Energieeffizienz durch Echtzeitdaten
Ein zentrales Argument für Greenfield-Projekte ist die höhere Energieeffizienz moderner Systeme. Doch auch Brownfield-Anlagen können in puncto Energieverbrauch wettbewerbsfähig werden – vorausgesetzt, sie werden entsprechend nachgerüstet. Der Schlüssel liegt in der lückenlosen Erfassung und Analyse von Energiedaten: Erst wenn alle Energieströme in Echtzeit sichtbar sind, lassen sich Ineffizienzen erkennen, Lastspitzen vermeiden und Potenziale zur Emissionsreduktion nutzen. Digitale Automatisierungsplattformen wie Zenon ermöglichen genau das: Sie verbinden unterschiedliche Systeme, erfassen relevante Daten und liefern Entscheidungsgrundlagen für nachhaltige Steuerungsprozesse – ohne bestehende Infrastrukturen grundlegend zu verändern. So entsteht eine effektive Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft: alte Anlagen, neue Intelligenz.
Mit zunehmender Vernetzung steigt auch das Risiko von Cyberangriffen – insbesondere bei Bestandsanlagen, die häufig nicht den aktuellen IT-Sicherheitsstandards entsprechen. Hier ist ein bewusster Retrofit dringend geboten.
(Bild: Copa-Data)
Predictive statt Reaktiv: Nachhaltige Wartung für mehr Verfügbarkeit
Ein häufig genannter Nachteil von Brownfield-Anlagen ist ihr höherer Wartungsbedarf. Doch gerade hier zeigen datenbasierte Retrofit-Strategien ihre Stärke: Durch den Einsatz von Predictive Maintenance lassen sich Ausfallrisiken frühzeitig erkennen und Wartungsmaßnahmen präzise planen. Das spart Ressourcen, vermeidet unnötige Stillstände und reduziert gleichzeitig den Materialeinsatz – ein klarer Pluspunkt in Sachen Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit. Advanced Analytics, KI-basierte Prognosemodelle und Machine-Learning-Verfahren optimieren Wartungszyklen und identifizieren selbst komplexe Zusammenhänge im Anlagenbetrieb. So werden potenzielle Schwachstellen frühzeitig erkannt – und gezielt in Chancen zur Effizienzsteigerung verwandelt. Auf diese Weise können auch ältere Anlagen dauerhaft verfügbar und leistungsfähig bleiben.
Statt komplette Systeme zu ersetzen, lassen sich bestehende Anlagen durch moderne Softwarelösungen in bestehende IT/OT-Sicherheitsarchitekturen integrieren.
IT-Sicherheit mitdenken: Schutz für Mensch, Umwelt und Maschine
Mit zunehmender Vernetzung steigt auch das Risiko von Cyberangriffen – insbesondere bei Bestandsanlagen, die häufig nicht den aktuellen IT-Sicherheitsstandards entsprechen. Hier ist ein bewusster Retrofit dringend geboten. Denn ein erfolgreicher Angriff kann nicht nur wirtschaftliche Schäden verursachen, sondern auch sicherheitsrelevante und umweltkritische Prozesse gefährden. Statt komplette Systeme zu ersetzen, lassen sich bestehende Anlagen durch moderne Softwarelösungen in bestehende IT/OT-Sicherheitsarchitekturen integrieren. Dies ermöglicht eine schrittweise, aber wirksame Erhöhung der Resilienz – auch mit Blick auf neue regulatorische Anforderungen wie die NIS2-Richtlinie der EU. Sicherheit wird damit zum integralen Bestandteil nachhaltiger Brownfield-Strategien.
Stand: 16.12.2025
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Brownfield-Modernisierung kann zur aktiven Maßnahme der betrieblichen Dekarbonisierungsstrategie werden – vorausgesetzt, sie wird gezielt und datenbasiert umgesetzt.
(Bild: Copa-Data)
Interdisziplinär denken: Die Zukunft der Produktion ist hybrid
Der nachhaltige Umbau industrieller Infrastruktur lässt sich nicht im Alleingang bewältigen. Retrofit-Projekte sind interdisziplinär – sie verbinden Automatisierung, IT, Nachhaltigkeit, Produktionsplanung und Betriebswirtschaft. Wer diese Disziplinen strategisch vernetzt, schafft Synergien, die weit über die Modernisierung einzelner Maschinen hinausgehen. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten, in denen Investitionsentscheidungen besonders gut abgewogen werden müssen, bieten intelligente Brownfield-Strategien einen realistischen, ressourcenschonenden und wirtschaftlich tragfähigen Weg in die Zukunft.
Auch Brownfield-Anlagen können in puncto Energieverbrauch wettbewerbsfähig werden – vorausgesetzt, sie werden entsprechend nachgerüstet.
Zukunftsfähige Produktion mit Verantwortung
Greenfield-Projekte mögen auf dem Papier als Idealbild industrieller Transformation erscheinen. In der Praxis jedoch zeigt sich: Die wahre Nachhaltigkeit entsteht im Bestand. Wer seine Brownfield-Anlagen intelligent modernisiert, digitale Technologien gezielt einsetzt und ökologische Aspekte frühzeitig integriert, stärkt nicht nur seine Wettbewerbsfähigkeit – sondern kann dem Markt sogar einen Schritt voraus sein. Retrofit wird so zur Schlüsselstrategie für zukunftsfähige Produktion mit Verantwortung.
Frank Hägele ist Sales Director und Prokurist bei Copa-Data Deutschland.