Nachhaltigkeit Nachhaltige Technologien voran treiben: Als Lieferant im Rennen bleiben

Von Susan Kenniston 5 min Lesedauer

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Nachhaltige Technologien: Viele Unternehmen stehen noch am Anfang ihrer Klimaschutzbemühungen. Im Interview erklärt Susan Kenniston, Global Head & VP – Sustainability bei Wipro, warum produzierende Unternehmen gerade jetzt auf ihren CO2-Fußabdruck achten sollten und welche Vorteile der Einsatz nachhaltiger Technologien in ganz unterschiedlichen Bereichen haben kann.

(Bild:  popba/AdobeStock)
(Bild: popba/AdobeStock)

Frau Kenniston, worin liegt aus Ihrer Perspektive gerade für das produzierende Gewerbe die Relevanz von verstärkten Bemühungen in Richtung nachhaltige Technologien?

Susan Kenniston: Kunden fordern von den Herstellern, dass sie die Umweltauswirkungen ihrer Produkte nachweislich offenlegen. Daher sollten Zulieferbetriebe bei der Messung und Verringerung ihres CO2-Fußabdrucks schnell handeln. Andernfalls riskieren sie, als Beschaffungspartner auszuscheiden.

Nachhaltige Technologien: Überblick über die Emissionen?

In welchem Maße haben produzierende Unternehmen bereits jetzt einen umfangreichen Überblick über ihren CO2-Ausstoß über alle Geschäftsbereiche hinweg?

Kenniston: Das variiert je nach Branche und Größe des Unternehmens. Anfang 2023 gaben in einer von Wipro in Auftrag gegebenen Nachhaltigkeitsstudie 10 Prozent der befragten CxOs an, einen umfassenden Überblick über ihren CO2-Ausstoß über alle Geschäftsbereiche hinweg zu haben; der Anteil bei kleineren Betrieben war noch geringer. Aber mittlere bis kleine produktorientierte Unternehmen holen auf, sowohl bei der Bewertung ihres Fußabdrucks, als auch bei der Priorisierung und Organisation von Verbesserungsmaßnahmen. Sie beginnen zu verstehen, was für die Offenlegung und Berichterstattung notwendig ist. Die Verpflichtung, den CO2-Fußabdruck zu messen und mit Stakeholdern zu teilen, ist für die meisten verarbeitenden Betriebe neu.

Ein weiterer Bereich, in dem sich in der Fertigung gerade viel bewegt, ist die Operationalisierung von Nachhaltigkeit. Dies zeigt sich darin, wie die Nachhaltigkeitsstrategien gesamter Organisationen kaskadenartig an operative Führungskräfte weitergegeben und in deren Prozesse und KPIs integriert werden.

Was sind bisher die größten Hindernisse für Unternehmen bei der Umsetzung ihrer ESG-Strategie?

Kenniston: Zunächst einmal muss dieser Wandel geplant werden. Dies erfordert ein neues Verständnis dafür, was erforderlich ist und welche Hebel es gibt, die bei der Verringerung des CO2-Fußabdrucks unterstützen.

Eine weitere Herausforderung ist die Verfügbarkeit von Daten: Wir können nicht rückverfolgen, was wir nicht sehen können. An dieser Stelle spielen technologische Lösungen zur Messung von Effizienz und Nachhaltigkeitspotenzialen eine große Rolle. Mit ihnen lassen sich auch Fortschritte mit Blick auf die Unternehmensauswirkungen sichtbar machen.

Nachhaltigkeit: Das ist alles möglich

Welche Stellschrauben gibt es im produzierenden Gewerbe im Hinblick auf mehr Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette?

Kenniston: Die meisten Unternehmen haben keinen umfassenden Überblick über ihren Energieverbrauch. Der erste Schritt wäre also, Fabriken und Gebäude mit Messgeräten beziehungsweise Sensoren auszustatten, um ein genaues Bild ihres Energieverbrauchs zu gewinnen.

Fertigungsunternehmen arbeiten schon jetzt an der Reduzierung von Energie- und Kohlenstoffemissionen im Betrieb via Energieeffizienzmaßnahmen, Elektrifizierung und dem Einsatz erneuerbarer Energien. Über mögliche Verbesserungen auf Anlagenebene hinaus ist der Energieverbrauch in den eigentlichen Fertigungsprozessen ein Bereich, der Aufmerksamkeit verdient. Dazu sollten die Daten zum Energieverbrauch auf Werks-, Linien- und Anlagenebene mit den Fertigungsprozessen verknüpft werden, um Verbesserungspotenziale zu identifizieren.

Digitalisierung spielt in einem derartigen Prozess durchgängig eine große Rolle – von der Nutzung von IOT zur Aktivierung von Sensoren, dem Einsatz von KI zur Effizienzanalyse, der Nutzung von Blockchain für die Rückverfolgung von Energie- und Materialieneinsatz bis hin zur Nutzung der Cloud für mehr Zuverlässigkeit, Sicherheit und Skalierung. Unternehmen können über eine effiziente Digitalisierung schnellere Renditen für Investitionen sicherstellen.

Nicht zuletzt ist es wichtig, die Verbindungen zwischen der Herstellung und dem Rest der Wertschöpfungskette zu berücksichtigen. Eine Vernetzung mit Prozessen aus der Produktenwicklung kann die Entstehung verbesserter Produktdesigns erleichtern und bewirken, dass neue Materialien und Verpackungen unmittelbar „mitgedacht“ werden.

Nachhaltige TechnologienSusan Kenniston
Global Head & VP – Sustainability bei Wipro

Bildquelle: Wipro

Wie können Unternehmen gleichzeitig einen nachhaltigen Mehrwert schaffen und operativ profitieren?

Kenniston: Nachhaltigkeit wird zunehmend als Kapitalform anerkannt. Naturkapital steht gleichwertig neben sozialem und menschlichem Kapital. Mit diesem Wandel geht die Erkenntnis einher, dass Nachhaltigkeit nicht nur an der Verringerung der Auswirkungen gemessen wird; es geht auch um eine monetäre Betrachtung: Wie viel sparen Sie ein und/oder wie viel neuen Wert generieren Sie? Dies ist ein wichtiger Aspekt, den man mit einbeziehen sollte. 

Nachhaltigkeit bedeutet außerdem effizientere Abläufe. Hier zeigen sich die Vorteile auf diversen Ebenen: Mitarbeitende können ihre Zeit wirkungsvoller einsetzen und sich vermehrt sinnstiftenden Tätigkeiten zuwenden, was gleichzeitig ihre Zufriedenheit erhöht.

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Nachhaltige Technologien: Die Mitarbeiter sind wichtiger Bestandteil

Welche Rolle spielen Mitarbeiter für das Erreichen der Nachhaltigkeitsziele?

Kenniston: Soziales Kapital ist ein wesentlicher Bestandteil von Nachhaltigkeit über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg – insbesondere in produzierenden Unternehmen. So stellen Mitarbeitende eine entscheidende Komponente im Wandel zu einem nachhaltigeren Betrieb dar: In unserer Nachhaltigkeits-Studie stimmten 69 Prozent der befragten CxOs in Deutschland der Aussage „Nachhaltigkeit wird entscheidend für unsere künftige Fähigkeit sein, die besten Talente zu gewinnen“ zu.

Hinzu kommt ein Arbeitsschutz-Aspekt: Künstliche Intelligenz kann zielgerichtet eingesetzt werden, um Unfälle zu verstehen und diesen im nächsten Schritt vorzubeugen.

Ab wann etwa zahlt sich der Mehraufwand aus, der durch die Implementierung derartiger Technologien entsteht?

Kenniston: Nachhaltigkeit, mit ihrer Verlagerung auf die Kapitalstruktur, sollte sowohl eine Verbesserung des CO2-Fußabdrucks als auch der Kostenstruktur bewirken. Daher sollte beides parallel zueinander gemessen werden. Die Amortisation hängt vom jeweiligen Kontext des Unternehmens, den identifizierten Hebeln und den getätigten Investitionen ab. Viele Verbesserungsmöglichkeiten sind nahezu kostenneutral und erfordern lediglich eine Neuausrichtung der Arbeitsweisen. Andere sind hingegen umfangreicher – vom Austausch der Maschinen bis zur Neugestaltung des Layouts – und können demnach eine längere Amortisationszeit haben.

Welche Soft Skills sind mit einer solchen Transformation verbunden?

Kenniston: Entscheidend ist, die Führungsebene und das gesamte Unternehmen dafür zu sensibilisieren, was Nachhaltigkeit wirklich bedeutet und wie ihr Unternehmen auf eine Arbeitsweise mit geringeren Auswirkungen hinarbeitet. 68 Prozent der Befragten in Deutschland gaben an, dass der fehlende Rückhalt aus den oberen Führungsebenen eines der größten Hindernisse bei der Umsetzung der ESG-Strategie darstelle. Sie können die intelligentesten, digitalsten und autonomsten Abläufe haben – wenn Menschen die Systeme übergehen, kann dies alle Vorteile zunichtemachen.