Wie lässt sich ein Produktionsbetrieb steuern, wenn Margen schrumpfen, Ressourcen knapp sind und die makroökonomische Lage volatil bleibt? Welche Schritte sind nötig, um das Unternehmen aus dieser Kosten- und Krisenfalle zu führen? Mit einem modernen MES gewinnen Sie trotz aller Widrigkeiten die Kontrolle zurück.
Der bürokratische Aufwand in Produktionsbetrieben ist enorm. Betriebsleiter fühlen sich dabei schnell wie im Dschungel.
(Bild: MPDV/Midjourney)
Die Realität für Betriebsleiter fühlt sich in der Produktionshalle wie ein Spagat zwischen schrumpfenden Auftragsbüchern und explodierenden Kosten an. Sie erleben täglich, wie die Nachfrage stagniert, gleichzeitig aber der Bedarf an individualisierten Produkten ab Stückzahl 1 stark wächst. Hohe Energie- und Lohnkosten fressen Margen auf und mindern die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Hinzu kommt der Fachkräftemangel: Teure Anlagen können nicht stabil betrieben werden, weil qualifizierte Mitarbeiter fehlen, während gleichzeitig wertvolle Zeit im Dschungel der Dokumentation und Audits verloren geht. Da bleibt wenig Zeit, um sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren.
Bürokratie ohne Ende
Nicht alles von der geschilderten Situation ist in Deutschland vermeidbar. Doch vieles kann verbessert werden, wie etwa die Verwaltungslast. Die Ergebnisse der internationalen Studie „Entgangene Wirtschaftsleistung durch hohen Bürokratieaufwand“, die von der IHK München und Oberbayern beim ifo-Institut in Auftrag gegeben und 2024 veröffentlicht wurde, belegen: Ein umfassender Bürokratieabbau könnte die gesamtwirtschaftliche Leistung beziehungsweise das reale BIP (Bruttoinlandprodukt) pro Kopf um 4,6 Prozent steigern. Die Analysten stellen folgende Rechnung auf: „Hätte Deutschland im Jahr 2015 einen umfassenden Bürokratieabbau durchgeführt, wäre das BIP pro Kopf 2022 um 2.449 Euro höher ausgefallen. Im Zeitraum von 2015 bis 2022 hätte dies einem jährlichen Zuwachs des realen BIPs pro Kopf von durchschnittlich 1.766 Euro entsprochen. Damit entging Deutschland eine Wirtschaftsleistung von durchschnittlich 146 Milliarden Euro pro Jahr“, wie die Experten in der Studie erklären. Gerade in Ländern mit hohem Bürokratieaufwand sei dieser Effekt dank Digitalisierung besonders sichtbar.
Formulare, Auswertungen, Datenerfassung
Auch Produktionsunternehmen sind von einem hohen Verwaltungsaufwand betroffen und müssen viel Papierkram erledigen, Dokumentationen erstellen und sich mit einer Vielzahl an Regularien auseinandersetzen in den Bereichen:
Arbeits- und Personalwesen mit Arbeitsdokumentation, Lohn- und Sozialversicherung, Fachkräfteeinwanderung und Datenschutz (DSGVO);
Compliance und Lieferketten mit Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG), Umwelt- und Klimaschutz, Chemikalienrecht (REACH/CLP) sowie Nachhaltigkeitsberichterstattung (ESG);
Produktmanagement und Qualität mit CE-Kennzeichnung, ISO-Normen und Arbeitssicherheit;
Genehmigungen und Verwaltung mit Anlagengenehmigungen, Steuer- und Zollvorschriften sowie Statistikmeldungen.
Die Liste hat keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und lässt sich je nach Produktionsart – diskrete Fertigung oder Prozessindustrie – beliebig verlängern. Hinzukommt: Mit jeder neuen Produktionslinie und jedem zusätzlichen Standort potenziert sich der Dokumentationsaufwand und es fallen noch mehr zu erfassende Daten an.
MES als Datendrehscheibe
Wie gewinnen Produktionsbetriebe die Kontrolle über Big Data? Mit einem modernen Manufacturing-Execution-System (MES), das Daten in der Fertigung sammelt, aggregiert und kontextualisiert – von Sensordaten über Auftragsinformationen bis hin zu Qualitätsmessungen. Die Produktionssoftware fungiert als Datendrehscheibe zwischen der Unternehmensebene (Enterprise Resource Planning/ERP) und der Maschinenebene (Steuerungen, Sensoren). Ohne ein MES bleiben diese Daten isoliert und ihre potenziellen Werte ungenutzt. Das System wandelt reine Daten in umsetzbare Informationen um, indem es insbesondere den Gesamtanlageneffektivitätswert (GAE/OEE) berechnet und visualisiert.
Die Fähigkeit zur detaillierten Rückverfolgbarkeit ist ein weiterer entscheidender Vorteil. Jedes gefertigte Produkt und jeder Prozessschritt können lückenlos dokumentiert werden, was essenziell für die Einhaltung regulatorischer Vorschriften und für die schnelle Reaktion bei Qualitätsproblemen ist. Durch die Integration von Predictive Maintenance-Modulen kann das MES anhand von Maschinendaten, unter anderem Vibration und Temperatur, voraussagen, wann eine Maschine wahrscheinlich ausfällt. Dadurch lassen sich Wartungsarbeiten vorausschauend planen und ungeplante Stillstände minimieren, was die Produktivität signifikant steigert.
Christiane Manow-Le Ruyet ist Presseverantwortliche und Marketing Manager bei MPDV.
Drei Fragen an Thorsten Strebel, Geschäftsführer Products & Services bei MPDV
(Bild: MPDV)
Ein großes Thema in der Produktion ist künstliche Intelligenz (KI). Herr Strebel, wo sehen Sie die größten Potenziale, insbesondere im Hinblick auf Dokumentation und Datenverfügbarkeit?
Thorsten Strebel: KI wird die Art, wie wir mit Daten arbeiten, revolutionieren. Da wir Produktionsprozesse digitalisieren, entstehen große Datenmengen mit hoher Aussagekraft. Mit KI können wir diese Daten noch besser nutzen. Ein Schlüsselbereich ist beispielsweise generative KI. Sie macht Wissen leichter zugänglich und unstrukturierte Daten nutzbar. KI kann in Zukunft umfangreiche Dokumente und Manuals analysieren, zusammenstellen und Fragen dazu beantworten. Das automatisiert einfache, repetitive Aufgaben und entlastet Mitarbeiter, da sie nicht mehr lange nach Informationen suchen müssen. Somit können sie sich komplexeren Fragestellungen widmen.
Wie integrieren Sie KI bereits heute in Ihre MES-Lösungen und welche konkreten Anwendungen bieten Sie Ihren Kunden?
Strebel: Wir gehen mit KI bereits einen großen Schritt weiter. In unserer AI Suite bieten wir eine Reihe von integrierten Applikationen für die häufigsten KI-Anwendungsfälle in der Produktion. Sie erweitern das MES und APS (Advanced Planning System). Kunden nutzen dafür unsere standardisierten Daten – ohne aufwändige KI-Projekte starten zu müssen.Ein Beispiel ist AI Workforce Planning. Ein Kunde mit über 1.200 Aufträgen und bis zu 20 Arbeitsgängen täglich nutzt dieses, um den Personalbedarf schnell und präzise zu planen. Ein Mitarbeiter würde dafür sehr lange brauchen und Zusammenhänge übersehen. Die KI erkennt dagegen Muster und koordiniert komplexe Abläufe.
Wann wird es die ersten Anwendungen geben, die beispielsweise die Auswertung von Dokumenten automatisch übernehmen?
Strebel: Wir arbeiten aktiv daran, die Vorteile der generativen KI in unsere Systeme zu integrieren. Sie wird die Entscheidungsfindung verbessern und neue Innovationsfelder erschließen. Wir wollen die ersten Lösungen, die beispielsweise komplexe Dokumente analysieren und Wissen leicht zugänglich machen, demnächst unseren Kunden zur Verfügung stellen.
Stand: 16.12.2025
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