Die Stripper, Fräsen und Schleifmaschinen der Marke Wolff sind dem bodenlegenden Fachhandwerk ein Begriff. Hergestellt werden diese Geräte südlich von Heilbronn, wo seit der MES-Einführung 2023 das MES Hydra von MPDV für mehr Durchblick in der Produktion sorgt.
Blick in die Produktionshalle von Uzin Utz Tools in Ilsfeld.
(Bild: Uzin Utz)
Parkett, Laminat, Linoleum: Bevor ein neuer Bodenbelag verlegt wird, muss der alte Belag rückstandslos entfernt und der Untergrund vorbereitet werden. Diese Aufgabe übernehmen Stripper, Schleifmaschinen und Fräsen, die mit wohlklingenden Namen wie „Independence Stripper“, „Cobra“ oder „Parkettfräse Biber“ das Handwerkerherz höher schlagen lassen. Der Marktführer Wolff entwickelt diese Maschinen und stellt sie her: Mit rund 100 Mitarbeitenden am Standort Ilsfeld, südlich von Heilbronn, produziert und vertreibt die Firma Uzin Utz Tools unter der Marke Wolff Maschinen und Spezialwerkzeuge zur Untergrundvorbereitung und Verlegung von Bodenbelägen. Bei der Produktion selbst unterstützen seit Mitte 2023 das Manufacturing Execution System (MES) Hydra X und das Advanced Planning and Scheduling System (APS) Fedra von MPDV.
Größte Herausforderung: Komplexität
In den Produktionshallen von Uzin Utz Tools sieht man neben modernen Bearbeitungszentren, klassische Montagearbeitsplätze, verschiedene Prüfplätze, eine Lackiererei sowie ein Lager für Halbfabrikate und Zukaufteile. „All das hat anfangs eine einzige Person organisiert und geplant“, berichtet Peter Schittenhelm, Produktionsleiter bei Uzin Utz Tools. Das mittelständische Unternehmen stellt von Einzelstücken bis zur Kleinserie eine breite Palette an Komponenten und Maschinen her. Dazu kommt eine Kombination aus kundenspezifischer Produktion und Lagerfertigung. Die daraus resultierende Komplexität ist seit jeher die größte Herausforderung. Aus diesem Grund fiel im Jahr 2021 die Entscheidung, sich nach einem passenden Manufacturing Execution System (MES) umzuschauen. Und hier kam Jan Riedel, Projektingenieur bei Uzin Utz Tools, ins Spiel.
MES-Einführung in zwei Phasen
„Zunächst wollten wir für mehr Transparenz im Shopfloor sorgen und die Planung der Produktion digitalisieren“, erklärt Riedel. Zwar waren zu der Zeit bereits einzelne Softwarelösungen im Einsatz, diese waren aber nicht miteinander vernetzt. „Wie in vielen Unternehmen war auch bei uns das Wissen in den Köpfen unserer Mitarbeitenden“, ergänzt Peter Schittenhelm. Also definierte Jan Riedel zwei Projektphasen:
Phase 1: Steigerung der Transparenz durch konsequente Datenerfassung und Digitalisierung der Planung.
Phase 2: Erweiterung des Systems um Materialmanagement, Qualitätssicherung und ggf. weiter passende Anwendungen.
Riedel stimmte sich eng mit Schittenhelm ab und begann mit der Suche nach einem geeigneten System. Als wichtigste Kriterien legte Riedel fest, dass ein MES möglichst alle Anforderungen im Standard erfüllen soll. Zudem sollte ein schrittweiser Go-live möglich sein.
Gute Gründe für Hydra
„Wir haben uns im Rahmen einer Internetrecherche auf etwa vier bis fünf Anbieter fokussiert. Durch Demonstrationen und Produktpräsentationen hat sich diese Auswahl auf zwei Anbieter konzentriert, mit denen wir in einen engeren Auswahlprozess gegangen sind“, berichtet Riedel. Die Entscheidung zugunsten von Hydra X von MPDV fiel aus verschiedenen Gründen:
MPDV kann viele Installationen in verschiedenen Branchen vorweisen.
Die Software ist einfach erweiterbar und basiert auf einer Integrationsplattform.
Maschinen aller Art können über standardisierte Protokolle angebunden werden.
Die Bedienoberfläche ist modern und bietet viele Möglichkeiten zur Individualisierung.
Außerdem spielte die räumliche Nähe zur MPDV-Firmenzentrale in Mosbach eine gewisse Rolle und erleichterte sowohl die Verhandlungen als auch die Einführung selbst.
MES-Einführung: Planen und ausführen
Seit Mitte 2023 erfasst Hydra X Daten in der Produktion von Uzin Utz Tools. Ein Teil der Maschinen ist bereits angebunden und liefert automatisch Daten. Insbesondere Auftragsmeldungen werden manuell vom jeweiligen Werker durchgeführt. Einen Sonderfall bilden die Bearbeitungszentren. In diesen können mehrere Aufträge gleichzeitig, zeitlich versetzt oder mit Überlappung angemeldet werden. Eine Logik in Hydra X stellt sicher, dass die erfassten Daten dem passenden Auftrag zugeordnet werden.
Peter Schittenhelm zeigt, wie Hydra X in der Montage genutzt wird.
(Bild: MPDV, Uzin Utz)
Die ehemals händische Planung der Fertigungsaufträge erfolgt nun in der Planungssoftware APS Fedra. Sowohl das MES Hydra als auch das APS Fedra basieren auf der Manufacturing Integration Platform (MIP) von MPDV. Die Integrationsplattform stellt sicher, dass beide Systeme auf eine gemeinsame Datenbasis zugreifen können und somit unmittelbar zusammenarbeiten. Zum Planen der Fertigungsaufträge werden diese aus dem ERP-System von SAP heruntergeladen und dann per Drag-and-drop auf die verfügbaren Maschinen verteilt.
Stand: 16.12.2025
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An den Arbeitsplätzen melden die Werker die eingeplanten Aufträge an und buchen sowohl die erfassten Mengen als auch Störgründe auf den Auftrag. „Wir mussten unsere Mitarbeitenden erst einmal davon überzeugen, dass es wichtig ist, auch dann einen Arbeitsplatzstatus einzustellen, wenn der Auftrag fertig ist“, berichtet Schittenhelm. „Nur so bekommen wir konsistente Daten für die spätere Auswertung.“
Liefertermine besser berechnen
Mit Hydra X lassen sich nun sowohl Auftragszeiten visualisieren als auch Maschinenzeitprofile erstellen. Ersteres sorgt dafür, dass Liefertermine besser berechnet werden können. Letzteres hilft dabei, die Wartungsstrategien zu optimieren. „Denn nichts ist schlimmer als Maschinen, die gebraucht werden und nicht zur Verfügung stehen“, weiß Schittenhelm. Jan Riedel ergänzt: „Außerdem können wir auf Basis der erfassten Daten endlich die Vorgabewerte in SAP aktualisieren. Damit wird auch die Planung sukzessive immer realistischer. In der Folge können wir Liefertermine noch besser abschätzen und einhalten.“ Letztendlich geht es bei Uzin Utz Tools darum, datengetriebene Entscheidungen treffen zu können und sich nicht mehr auf ein Bauchgefühl verlassen zu müssen. Schittenhelm bringt es auf den Punkt: „Mit Hydra X weiß jeder genau, was er zu tun hat, was in den letzten Tagen gelaufen ist und wann die Produkte ausgeliefert werden können. Endlich können wir belastbare Aussagen treffen. Außerdem bekommen wir immer mehr Expertenwissen aus den Köpfen unserer Mitarbeitenden ins System – denn dort ist es ausfallsicher.“
MES-Einführung: Fazit & Ausblick
Obwohl noch nicht alle für Phase 1 geplanten Funktionen komplett implementiert sind, denkt Riedel bereits über Phase 2 nach. In der engeren Auswahl sind zum Beispiel die Digitalisierung der bisher klassisch laufenden Kanban-Prozesse für die Belieferung der Montagearbeitsplätze mit Bauteilen, die Integration der Qualitätsprüfung in Hydra X sowie die Anwendung Digitale Checklisten, um noch mehr Papier in der Fertigung einzusparen. Riedel ist sich dabei sicher: „Wir haben mit unserer Devise alles richtig gemacht: Smart anfangen und später gezielt nachlegen.“
Der Autor Markus Diesner ist Principal Marketing bei MPDV.